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Człuchów

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(Weitergeleitet von Schlochau)

Vorlage:Infobox Ort in Polen

Człuchów [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Schlochau; Vorlage:CsbS) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist Kreisstadt des Powiat Człuchowski und außerdem Sitz einer Landgemeinde.

Geographische Lage

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, 15 Kilometer westsüdwestlich von Chojnice in waldreicher Umgebung. Im Osten reihen sich drei Seen mit dem deutschen Namen Amtssee aneinander.

Datei:Poland Czluchów - view from the castle.jpg
Aussicht vom Burgturm auf die Stadt.

Geschichte

Datei:Człuchów, kościół par. p.w. św. Jakuba, 1644-1647, 1926-1928.JPG
Stadtkirche
Datei:2011.07.17 CZŁUCHÓW (75).JPG
Burg Schlochau

Bereits zum Anfang des 13. Jahrhunderts bestand Schlochau als pomoranische Siedlung im polnischen Herrschaftsbereich, günstig am Kreuzungspunkt zweier alter Handelswege gelegen. 1312 erwarb der Deutsche Orden Schlochau von Nikolaus von Poniec, einem Sohn des Kalischer Woiwoden, für 250 Silbermark. Der Orden errichtete auf dem östlich des Ortes gelegenen Schlossberg die Burg Schlochau, die 1367 fertiggestellt war. Die gesamte Anlage umfasste drei Vorburgen und das Schlossgebäude. Bereits ab 1323 wurde die Burg als Komturei des Ordens genutzt. Die Burgsiedlung hatte sich inzwischen so weit entwickelt, dass ihr 1348 der Hochmeister des Ordens, Heinrich Dusemer, das Kulmer Stadtrecht verleihen konnte.

Nachdem der Orden den Dreizehnjährigen Krieg gegen den sezessionistischen Preußischen Bund verloren hatte, kam Schlochau durch den Zweiten Thorner Frieden 1466 dem Wunsch der Sezessionisten gemäß zum autonomen Polnisch-Preußen. Schlochau gehörte dann zur Woiwodschaft Pommerellen. Das hatte unter anderem den Zuzug vieler Juden zur Folge, so dass sich im Norden ein geschlossenes Judenviertel entwickelte.

Als 1550 hier die Reformation eingeführt wurde, war Schlochau ganz von Deutschen bewohnt, die zwei Kirchen hatten.<ref>Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Kapitel Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 74, Ziffer 6) (Google Books).</ref> Anlässlich der Errichtung der Union von Lublin auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August am 16. März 1569 die Autonomie Polnisch-Preußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf.<ref>Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.</ref><ref>A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußische Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146. </ref> Aufgrund dieses Staatsstreichs wurde die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden.<ref>Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff.</ref>

Im Rahmen der vom polnischen Staat zum Schutze seines Einflusses betriebenen Gegenreformation musste 1609 die Stadtkirche den Katholiken übergeben werden. Am Ende des 16. Jahrhunderts standen in Schlochau 45 Häuser. Im Schwedisch-Polnischen Krieg (1655–1657) nahmen die Schweden die als unbezwingbar geltende Burg ein und richteten in der Stadt schwere Zerstörungen an.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Schlochau unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Zwei Stadtbrände in den Jahren 1786 und 1793 vernichteten zahlreiche Häuser. Der Wiederaufbau der Stadt wurde durch König Friedrich Wilhelm II. in der Weise gefördert, dass er die Verwendung von Abbruchmaterial aus der Burg erlaubte. Von dem Baumaterial wurden die bei der Stadt gelegenen Amtsgebäude des Königlichen Domänenamts errichtet.<ref name="JFG">Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Marienwerder 1789, S. 74-, Nr. 6.)</ref> Daraufhin blieb von der Burg nur noch der Bergfried erhalten.

Nach der 1818 erfolgten Reorganisation der preußischen Kreisverwaltung wurde Schlochau Kreisstadt des Kreises Schlochau im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen. Für die evangelische Kirchengemeinde wurde in den Jahren 1826 bis 1828 im Bereich der alten Ordensburg nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels ein eigenes Gotteshaus errichtet, das den alten Bergfried als Kirchturm einschloss. Diese Kirche wurde Dienstsitz eines Superintendenten, dessen Diözese (Kirchenkreis), eine Untergliederung der altpreußischen Kirchenprovinz Westpreußen war.

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung waren 1838 die Fertigstellung des durch Schlochau führenden Abschnitts der Straße von Berlin nach Königsberg und der 1878 erfolgte Anschluss an die Bahnlinie NeustettinKonitz. Am östlich gelegenen Bahnhof siedelten sich daraufhin mehrere Gewerbebetriebe an. Bereits 1844 hatte Schlochaus Hauptstraße eine Straßenbeleuchtung erhalten, 1865 nahm das Stadtkrankenhaus seinen Betrieb auf und 1871 wurde die Kreissparkasse eröffnet.

Datei:Czluchow1 js.jpg
Burgturm aus dem 14. Jahrhundert
Datei:Człuchów, park miejski.JPG
Schlosspark

Um 1905 gab es in Schlochau eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Schlossruine, ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal, eine Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Taubstummenanstalt und ein Amtsgericht.<ref name="MKL">Meyers Konversations-Lexikon. Sechste Auflage, Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 871.</ref>

Bei dem durch den Versailler Vertrag bestimmten Verlust der größeren Teile der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen blieb Schlochau zwar bei Deutschland, geriet aber in das Grenzgebiet zu Polen. Die polnische Grenze lag nun etwa 10 Kilometer östlich der Stadt. Das fügte einerseits Wirtschaft und Handel, abgeschnitten von einem großen Teil seines Hinterlandes, schweren Schaden zu, andererseits bewirkte es einen erheblichen Zuzug neuer Einwohner aus den nun polnischen Gebieten, was in den 1920er Jahren zu neuen Stadtrandsiedlungen entlang der Ausfallstraßen führte. Die Stadt ließ ein Sportzentrum und das Kreismuseum errichten. Administrativ gehörte der Kreis Schlochau ab 1922 zur neu gebildeten Grenzmark Posen-Westpreußen und wurde nach deren Auflösung 1938 der Provinz Pommern zugeordnet.<ref>Der evangelische Kirchenkreis Schlochau kam 1923 an die Kirchenprovinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wechselte bei deren Auflösung 1941 dann zur Kirchenprovinz Pommern.</ref>

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Schlochau eine Flächengröße von 73,9 km², und in dem Stadtgebiet standen zusammen 603 Wohnhäuser an 25 verschiedenen Wohnorten:<ref name="Stübs">Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Schlochau im ehemaligen Kreis Schlochau in Pommern (2011)</ref> Vorlage:Mehrspaltige Liste Im Jahr 1925 wurden in Schlochau 5237 Einwohner gezählt, die auf 1196 Haushaltungen verteilt waren.<ref name="Stübs" /> Um 1935 gab es in Schlochau unter anderem drei Hotels, fünf Gasthöfe und Restaurants, zwei Cafés, fünf Bankgeschäfte, eine Bierbrauerei, eine Buchdruckerei, ein Holzsägewerk, zwei Maschinenfabriken, eine Mineralwasserfabrik, zwei Warenhäuser, einen Zeitungsverlag, eine Ziegelei und zahlreiche Lebensmittelgeschäfte, Einzelhändler, Großhändler sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.<ref>Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 960–961 (Google Books).</ref>

Im Jahr 1945 gehörte Schlochau zum Landkreis Schlochau im Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Im Herbst 1944 begannen die städtischen Behörden angesichts der immer näherrückenden Front mit der Evakuierung der Stadt. Ende Januar 1945 hatte die Rote Armee die Kreisgrenze erreicht, traf jedoch auf großen Widerstand und konnte erst am 17. Februar 1945 Schlochau erobern. Dabei wurden 60 % der Stadt zerstört. Nach Kriegsende wurde Schlochau im Sommer 1945 zusammen mit ganz Hinterpommern und der südlichen Hälfte Ostpreußens, militärische Sperrgebiete ausgenommen, seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Anschließend begann die Zuwanderung von Polen. Für Schlochau wurde die polnische Ortsbezeichnung Człuchów eingeführt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der polnischen Administration aus Schlochau vertrieben.<ref name="Vollack">Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9, S. 354.</ref>

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1810 1126 <ref name="Vollack" />
1831 1675 teils katholische Polen, teils protestantische Deutsche, teils Juden<ref>August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 379, Nr. 11.</ref>
1864 2816 davon 1313 Evangelische und 1013 Katholiken<ref name="SHM">E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 142–143, Nr. 277.</ref>
1870 2900 <ref name="Vollack" />
1871 2910 davon 1350 Evangelische und 1350 Katholiken<ref>Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 55–56, Ziffer 11.</ref>
1875 3083 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 3252 <ref name="MR" />
1890 3249 davon 1584 Evangelische, 1227 Katholiken und 436 Juden<ref name="MR" />
1905 3531 davon 1499 Katholiken und 243 Juden<ref name="MKL" />
1910 3616 am 1. Dezember, darunter 1814 Evangelische, 1537 Katholiken und 222 Juden; 41 Personen mit polnischer Muttersprache<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder, S. 52–53, Ziffer 5 (Google Books).</ref>
1924 5279 nach der Eingemeindung von Kaldau und einschließlich der Flüchtlinge aus dem Osten, davon 183 Juden<ref name="Vollack" />
1925 5237 davon 2822 Protestanten, 2195 Katholiken und 167 Juden<ref name="Stübs" />
1933 5736 <ref name="MR" />
1937 ca. 6200 davon 3430 Protestanten, 2671 Katholiken und 97 Juden<ref name="Vollack" />
1939 6029 <ref name="MR" />

Verkehr

Die Stadt liegt am Schnittpunkt der Landesstraße 25 von Koszalin nach Bydgoszcz und der Landesstraße 22 von Gorzów Wielkopolski nach Elbląg.

Partnerstädte

Am 18. März 1999 wurde mit der Stadt Uslar (Deutschland, Niedersachsen) ein Partnerschaftsvertrag geschlossen.<ref>Vorlage:Webarchiv. Abgerufen am 21. März 2011.</ref>

Außerdem bestehen Partnerschaften mit:

Söhne und Töchter sowie Persönlichkeiten der Stadt

Landgemeinde Człuchów

Die Landgemeinde Człuchów, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 361,65 km², was 22,97 % der Fläche des gesamten Powiat Człuchowski ausmacht. Ihre Einwohnerzahl liegt bei Vorlage:EWZ (Stand Vorlage:EWD).

Vorlage:Hauptartikel

Literatur

  • Schlochau Westpr., Kreisstadt, am Amtssee, Regierungsbezirk Marienwerder, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schlochau (meyersgaz.org).
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Kapitel Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 74, Ziffer 6.) (Google Books).
  • Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9.
  • Joh. Heise: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Westpreußen, Band I: Pommerellen mit Ausnahme der Stadt Danzig, Danzig 1881–87, S. 390–396 (Google Books).

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Fußnoten

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Człuchowski

Vorlage:Normdaten