Schloss Wildenroth
Das Schloss Wildenroth ist ein kleines mittelalterliches Schloss in der oberfränkischen Stadt Burgkunstadt. Es steht am nördlichen Ende des Ortsteils Wildenroth und befindet sich in Privatbesitz. Das Schloss steht inmitten von zahlreichen wildgewachsenen Bäumen. Als geschütztes Baudenkmal wird das Schloss vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter der Denkmalnummer D-4-78-116-138 geführt.<ref name="blfd">Schloss, Wildenroth 1, geodaten.bayern.de, abgerufen am 8. Dezember 2012</ref> Aufgrund archäologischer Befunde im Bereich des Schlosses, die in Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Kern des Gebäudes stehen, ist die Anlage als Ganzes zudem ein Bodendenkmal mit der Nummer D-4-5833-0168.<ref name="blfd" />
Geschichte
Das Schloss geht auf einen spätmittelalterlichen Wehrbau zurück,<ref name="bd">Bach-Damaskinos (1996), S. 188</ref> der von Gringus von Kunstadt im Jahr 1249 erbaut wurde.<ref name="roppelt">Roppelt (1801), S. 255f.</ref> Erstmals erwähnt wurden Schloss Wildenroth, damals noch als Burg<ref name="bd" /> und das zugehörige Dorf am 8. April 1436 in einem Lehensauftrag von Heinz von Redwitz an Markgraf Friedrich I. zu Brandenburg-Bayreuth.<ref name="Kunstmann">Kunstmann (1978), S. 34</ref> Dieser erwarb das Gut samt Zubehör wenig später und übergab es am 20. Februar 1437 Wolfram von Redwitz als Lehensgut. Am 8. Juni kamen Wolframs Brüder, die Domherren Wilhelm und Konrad von Redwitz als weitere Lehensmänner hinzu. Am 5. August 1441 wurde diese Lehensbeauftragung urkundlich erneuert.<ref name="Kunstmann" />
Spätestens ab dem 16. Februar 1468 erhielt Mertheim von Redwitz einen beträchtlichen Anteil des Guts als Lehen.<ref name="Kunstmann" /> Unter seiner Führung wurde die damalige Burg im Jahr 1470 weitgehend durch einen Neubau ersetzt.<ref name="bd" /> In einer Urkunde vom 7. Juni 1487 wird er als alleiniger Lehensmann Wildenroths genannt.<ref name="Kunstmann" /> Seine letzte Belehnung fand am 17. August 1502 statt. Sein Nachfolger als brandenburgisch-bayreuthischer Lehensmann auf Wildenroth wurde am 21. Mai 1509 Alexander von Redwitz.<ref name="Kunstmann" /><ref name="müller">Müller (1993), S. 37 f.</ref> Zur Zeit des Bauernkrieges war er Amtmann zu Vilseck bei Amberg und wurde von den dortigen Bauern gefangen genommen.<ref name="müller" /> Als er erfuhr, dass die Burgkunstadter Bevölkerung sein Schloss niederbrennen wollte, bat er mit einem Brief unter Berufung auf den ihm als Lehensmann zustehenden Schutz beim Bayreuther Hauptmann Hans von Laineck um Hilfe.<ref name="müller" />
Trotz eines am 21. Mai 1525 geschlossenen Friedenspaktes der Bauernführer zu Bamberg mit dem Markgrafen und dessen Lehensmännern<ref name="müller" /> und einer an die umliegenden Gemeinden postalisch zugestellten Warnung von Hans von Laineck,<ref name="müller" /> das Schloss Wildenroth nicht anzugreifen, wurde es am 23. Mai gestürmt und niedergebrannt.<ref name="müller" /><ref name="ab">Schloss Wildenroth in der privaten Datenbank Alle Burgen.Vorlage:Abrufdatum, abgerufen am 12. September 2015</ref> Der Schaden am Gebäude wurde auf 3300 Gulden beziffert.<ref name="Kunstmann" /> Alexander von Redwitz erhielt eine Entschädigung von 310 Gulden, 7 Pfund und 7½ Pfennige für gestohlene und zerstörte Waren und Möbel.<ref name="Kunstmann" /> Im selben Jahr begannen der Sohn des Amtmanns, Fritz von Redwitz und dessen Frau Katharina von Guttenberg, den Wiederaufbau,<ref name="bd" /> der bis 1536 dauerte.<ref name="ab" /> Bereits am 20. Januar 1529 erhielt Berthold von Redwitz für die unmündigen Söhne seines Bruders Alexander, Merthein Wolf und Jorg Christoph, das Gut Wildenroth zum Lehen. Am 30. September 1535 übernahm der inzwischen mündig gewordene Merthein Wolf das Lehen. Vier Jahre später, am 22. Januar 1539, wurde Jorg Christoph neben seinem älteren Bruder ebenfalls Lehnsherr von Wildenroth. Für die Jahre 1544 und 1558 wurde er als alleiniger Lehensbesitzer genannt.<ref name="Kunstmann" />
Im Dreißigjährigen Krieg durch Brand (1656) in Mitleidenschaft gezogen, wurde das Schloss wiederaufgebaut und im 18. Jahrhundert durch den Anbau des polygonalen Eckturms mit Dachhaube im Südwesten ergänzt. Der östliche Anbau wird in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert.<ref name="expose">Verkaufsexposé Schloss Wildenroth des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege; abgerufen am 19. August 2019</ref>
1807 wurde das Schloss Wildenroth der Stammsitz einer Linie der Familie von Redwitz, die vorher in der Veste Oberndorf bei Oberndorf gelebt hatte.<ref>Internetseiten Weißenbrunner Geschichte, weissenbrunn.de, abgerufen am 29. Dezember 2011</ref> In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss unter der Herrschaft derer von Redwitz aus- und umgebaut.<ref name="ab" /> Im Jahr 1877 verkauften die von Redwitz das Schlossgut an den nichtadligen Gutsverwalter Ernst Redwitz aus Obersiemau.<ref name="bd" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Reichsfreiherren von Redwitz ( vom 19. Dezember 2015 im Internet Archive), musketiere-zu-kueps.de, abgerufen am 29. Dezember 2011</ref> Ende der siebziger Jahre erwarb es der jetzige Eigentümer. Gegenwärtig wird es privat genutzt.
Beschreibung
Kern der heutigen Anlage auf einem Grundstück von etwa 1,5 ha ist der dreigeschossige Hauptbau mit oktogonalem Eckturm, dessen Fachwerkobergeschoss im 18. Jahrhundert aufgesetzt wurde.<ref name="bd" /> Der Ostteil des Gebäudes springt vor und es schließt sich der einstöckige Anbau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an.<ref name="bd" /> Über dem schlicht gestalteten Hauptportal im Süden befindet sich ein Relief mit dem Wappen derer von Redwitz und der Jahreszahl 1370,<ref name="bd" /> das sich ursprünglich in einem älteren Gebäudeteil befand.<ref name="bd" />
Im Süden abfallend, von zwei Mauern und Baumbestand begrenzt, befindet sich auf dem Gelände noch eine ehemalige Schäferei mit denkmalgeschützten Stallungen.
Literatur
- Ruth Bach-Damaskinos, Peter Borowitz: Schlösser und Burgen in Oberfranken – Eine vollständige Darstellung aller Schlösser, Herrensitze, Burgen und Ruinen in den oberfränkischen kreisfreien Städten und Landkreisen. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1996, ISBN 3-87191-212-3, S. 188.
- Helmut Demattio: Kronach: der Altlandkreis. In: Historischer Atlas von Bayern. Reihe 1, Heft 32, Kommission für Bayerische Landesgeschichte, 1998, S. 323 ff. (Eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)
- Johann Baptist Müller: Die Stadt Burgkunstadt im Bauernkrieg von 1525. In: CHW – Jahrbuch Geschichte am Obermain, Band 19, CHW Selbstverlag, Lichtenfels 1993/94, S. 37 f.
- Hellmut Kunstmann: Der Burgenkranz um Wernstein im Obermaingebiet. Kommissionsverlag Degener & Co, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-7686-4083-3, S. 34–41. (Eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)
- Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone. 2. Band. Druck- und Verlagsanstalt Neue Presse GmbH, Coburg 1978, S. 169–171.
- Johann Baptist Roppelt: Historisch-topographische Beschreibung des kaiserlichen Hochstifts und Fürstenthums Bamberg: Nebst einer neuen geographischen Originalcharte dieses Landes in 4 Blättern. Nördlicher Theil, Band 1. Verlag Schneider und Weigel, Nürnberg 1801, S. 255–256.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Schlösser: Schloss Buch | Schloss Ebneth | Schloss Giechkröttendorf | Wasserschloss Hochstadt | Schloss Kleinziegenfeld | Altes Schloss (Lichtenfels) | Stadtschloss Lichtenfels | Schloss Maineck | Schloss Redwitz | Schloss Schney | Schloss Strössendorf | Schloss Trieb (Schloss Nassanger) | Schloss Unterlangenstadt | Schloss Wildenroth
Burgen und Ruinen: Burg Ansberg (abgegangen) | Burg Niesten (abgegangen)
Motten (alle abgegangen): Turmhügel Hahnhof | Turmhügel Hainzendorf | Turmhügel Kutzenberg | Turmhügel Nassanger Weiher | Burg Liebenburg | Turmhügel Trebitzmühle | Burg Schönbrunn | Turmhügel Seubersdorf | Turmhügel Seubersdorf II | Turmhügel Stein | Turmhügel Weihersmühle
Burgställe (abgegangene oder unbekannte Burgen): Ringwall Abtenberg | Ringwall Alter Staffelberg | Burgstall Arnstein | Burgstall Baiersdorf | Burg Banz | Ringwall Banzer Berg | Burg Burgkunstadt | Abschnittsbefestigung Burgstall | Burgstall bei Burgstall (Hochstadt am Main) | Abschnittsbefestigung Dornig | Abschnittsbefestigung Geiskirche | Abschnittsbefestigung Graitz | Ringwall Großer Kordigast | Burgstall auf dem Heideknock (Burg Leuchnitz?) | Abschnittsbefestigung Kahlberg | Burgstall Kaider | Burgstall Kleinziegenfeld | Abschnittsbefestigung Kröttenstein | Burgstall Köttel | Ringwall Kulch | Burgstall Külmitz | Burgstall Kordigast | Burg Lichtenfels | Abschnittsbefestigung Mellaberg | Burgstall Obristfeld | Burgstall Pfaffendorf | Burgstall Pfarrfelsen | Ringwall Possenberg | Burgstall Rauhenstein | Burgstall Rauschenstein | Burgstall Rauschnerburg (Burgkunstadt) | Burgstall Redwitzburg (Burgkunstadt) | Burgstall Schlossberg | Abschnittsbefestigung Schwedenschanze | Ringwall auf dem Staffelberg | Burgstall Steglitz | Burgstall Wohnsig | Abschnittsbefestigung Zeulner Berg
Koordinaten: 50° 8′ 59,6″ N, 11° 19′ 43″ O
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