Schultheiss von Bern
Der Schultheiss von Bern war bis 1798 das Oberhaupt der Reichsstadt Bern, später der Stadt und Republik Bern, von 1803 bis 1831 der neuen Republik Bern und schliesslich von 1831 bis 1846 der Präsident des bernischen Regierungsrates.
Geschichte
Die Stadt hatte in ihren Anfängen Stadtrecht nach dem Vorbild der Stadt Freiburg im Breisgau. Der Stadtherr setzte als Stellvertreter einen Schultheissen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ein. Eine Urkunde von 1223 nennt mit {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) erstmals einen bernischen Schultheissen.<ref>Zeerleder Urkunden 1, S. 208. in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> Nach dem Tod Berchtolds V. im Jahr 1218 fiel die Stadt Bern, weil auf Königsland errichtet, dem König anheim. Von nun an setzte der römisch-deutsche König den Schultheissen oder Reichsvogt ein, später möglicherweise auch Peter von Savoyen, der Schirmherr ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) Berns. Mit der 1218 datierten, möglicherweise aber erst später ausgefertigten Goldenen Handfeste erhielt der bernische Rat das Recht, den Schultheissen aus seiner Mitte zu wählen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Bern im 13. Jahrhundert um dieses Recht zu ringen hatte.<ref>Anne-Marie Dubler und Hans Grütter: Bern (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz.</ref> Noch 1244 und 1255 werden Reichsvögte und Reichsdelegierte in den Quellen erwähnt. Eine Wahl des Schultheissen durch den Rat (mit Bestätigung durch den König) dürfte sich erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durchgesetzt haben.
1293 bestätigte König Adolf in Zürich die Goldene Handfeste, gewährte den Bernern das Recht, während einer Reichsvakanz selber einen Schultheissen zu wählen<ref>Regesta Imperii 7 n. 176</ref> und sah ihnen in einer zweiten Urkunde alles nach, was sie sich während der letzten Reichsvakanz (Juli 1291 bis Mai 1293) an Rechten angeeignet hatten.<ref>Regesta Imperii 7 n. 179</ref> Damit lag die Wahl des Schultheissen endgültig in der Hand der Stadt. Mit der Verfassungsänderung von 1294 wurde ein Grosser Rat geschaffen. Um 1300 sind die Berner so selbstbewusst, dass sie sich nicht mehr als Königs-, sondern als Reichsstadt sehen, indem sie zwischen dem Reich und der Person des jeweiligen Herrschers (König, Kaiser) klar unterscheiden.<ref>Beat Junker, Anne-Marie Dubler: Bern (Kanton). In: Historisches Lexikon der Schweiz.</ref> Bis 1533 wurde der Schultheiss jährlich neu gewählt, von 1533 bis 1585 für jeweils zwei Jahre und von 1585 bis 1798 bis auf Widerruf alternierend mit dem Altschultheissen.
Nach der Helvetik oblag die Wahl des Schultheissen bis 1831 wiederum dem Grossen Rat. Von 1831 bis 1846 war der Schultheiss Vorsitzender des Regierungsrates. Seit 1846 heissen die Vorsitzenden des Regierungsrates Präsident oder Präsidentin.<ref>Die Regierungspräsidentinnen und Regierungspräsidenten seit 1893 – Présidentes et présidents du Conseil-exécutif depuis 1893. (PDF) In: Regierungsrat – Conseil-exécutif. Staatsarchiv des Kantons Bern, S. 38–40, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 3. Januar 2011 (deutsch, französisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref>
Schultheissen von Bern
Bis 1293
Die Präposition «von» kann blosse Herkunftsbezeichnung sein und sagt daher nichts eindeutiges über die ständische Stellung einer Person aus. 1783 wird allen Burgern der Stadt Bern Adelsqualität zugestanden und erlaubt, den Adelspartikel «von» zu führen. Der Begriff Patrizier wird in der bernischen Verwaltung erst ab 1651 verwendet.
Zum Stand siehe: Patriziat (Bern).
| Wappen | Reichsvogt und -delegierte | Stand | von | bis | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Waltter, Theto von Ravensburg.jpg | Theto von Ravensburg | Adel | 1223 | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | |
| Aymon I. von Montenach (erw. 1178/1192; † 1239) | Adel, Freiherr | Herr von Belp und Montenach, Schultheiss von Payerne; ⚭ Gepa von Wolhusen | |||
| Datei:Wappen Strättligen und Allmendingen.jpg | Johann von Strättligen | Adel, Freiherr | |||
| Berchtold Bogner | Adel, Ritter | 1244 | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)<ref>Deliciae urbis Bernae, S. 23. in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> | ||
| Ulrich von Wippingen | Adel | 1255 | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) |
| Wappen | Schultheiss | Stand | von | bis | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Rudolf von Krauchthal | Adel | 1223 | 1224 | causidicus; eine Verwandtschaft zum Notabelngeschlecht von Krauchthal lässt sich nicht nachweisen<ref>Gerber 2006: S. 213 Anmerkung 134.</ref> | |
| Datei:Waltter, Walther von Wädenswil.jpg | Walter von Wädenswil | Adel, Freiherr | 1223 | unsicher | |
| Cuno von Sumiswald | Adel | 1225 | |||
| Cuno von Jegenstorf | Adel | 1225 | 1226 | seine Familie wird ab etwa 1230 als Nobiles bezeichnet<ref>Franziska Hälg-Steffen: Jegistorf [Jegenstorf], von. In: Historisches Lexikon der Schweiz.</ref> | |
| Berthold Piscator (Fischer) | Notabel | 1227 | |||
| Peter I. Bubenberg | Adel | 1235 | 1241 | ||
| Jacob von Grasburg | Adel | 1239 | |||
| Wilhelm von Boll | Adel | 1240 | |||
| Peter von Buchegg | Adel, Graf | 1253 | |||
| Burkard II. von Egerdon | Adel | 1256 | erwähnt 1256, 1257 und 1265 | ||
| Heinrich I. von Bubenberg | Adel | 1257 | 1263 | Sohn von Peter I. | |
| Burkard II. von Egerdon | Adel | 1265 | |||
| Heinrich von Bubenberg (Heinrich I.?) | Adel | 1266 | |||
| Konrad II. von Bubenberg | Adel | 1268 | Sohn von Peter I.; der Notabel Burkhard von Belpberg übernahm 1268 seine Stellvertretung vor dem Stadtgericht<ref>Gerber 2006: S. 185.</ref> | ||
| Kuno I. von Bubenberg | Adel | 1269 | 1271 | ? | |
| Werner II. von Kien | Adel, Freiherr | 1271 | 1271 | ||
| Datei:Waltter, Peter von Kramburg.jpg | Peter von Kramburg | Adel, Freiherr | 1272 | 1279 | |
| Niklaus von Münsingen | Adel | 1283 | 1284 | ist ab 1257 erwähnt<ref>Gerber 2006: S. 186 (Tabelle), S. 206.</ref> | |
| Datei:Waltter, Ulrich von Bubenberg 1286.jpg | Ulrich I. von Bubenberg | Adel | 1284 | 1293 | Sohn von Peter I. |
1293 bis 1798
1803 bis 1831
| Bild | Schultheiss | Stand | von | bis | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Niklaus Rudolf von Wattenwyl.jpg | Niklaus Rudolf von Wattenwyl | Patrizier | 1803 | 1831 | nominell letzter Schultheiss |
| Datei:Legrand N F von Mülinen.jpg | Niklaus Friedrich von Mülinen | Adel, Graf | 1805 | 1826 | wurde 1816 von Kaiser Franz I. von Österreich mit seiner Familie in den Grafenstand erhoben<ref>Plüss 1900: S. 6.</ref> |
| Datei:Christoph Friedrich Freudenreich 1755.jpg | Christoph Friedrich Freudenreich | Patrizier | 1807 | 1813 | |
| Datei:EmanuelFriedrich vonFischer.jpg | Emanuel Friedrich von Fischer | Patrizier | 1827 | 1831 | letzter regierender Schultheiss der Restaurationszeit, setzte im Januar 1831 den friedlichen Übergang zum liberalen Regenerationsstaat durch |
Mit der Trennung von Stadt und Kanton Bern nach der Helvetik existierte in den Jahren 1803 bis 1831 neben dem Schultheiss der Republik Bern der Stadtschultheiss (Präsident des Stadtrates, siehe Liste der Stadtpräsidenten von Bern).
1831 bis 1846
| Bild | Schultheiss | Heimatort | von | bis | Amtsjahre als Schultheiss |
|---|---|---|---|---|---|
| Karl Friedrich Tscharner | Bern | 1831 | 1842 | 1832 1834 1836 1838 1840 1842 1844 | |
| Datei:Portrait Karl Anton von Lerber, von Pierre-Nicolas Legrand, 1821.png | Karl Anton von Lerber | Bern | 1832 | 1833 | 1833 |
| Franz Karl von Tavel | Bern | 1835 | 1846 | 1835 1837 | |
| Datei:KarlNeuhaus.jpg | Karl Neuhaus | Biel | 1839 | 1839 1841 1843 1845 |
Literatur
- Karl Geiser: Die Verfassung des alten Bern. In: Festschrift zur VII. Säkularfeier der Gründung Berns, 1191–1891. Schmid, Francke und Co., Bern 1891, S. 1–143, hier: Beilage I: Die Schultheissen von Bern, S. 135–139. online
- Roland Gerber: Münzer contra Bubenberg, Verwandtschaften und Faktionen im Berner Rat zu Beginn des 14. Jahrhunderts. In: Berner Zeitschrift für Geschichte. 68. Jahrgang, Nr. 4, 2006, ISSN 0005-9420, S. 179–234 (bezg.ch [PDF; 779 kB; abgerufen am 13. Januar 2020]).
- Max Jufer: Die Freiherren von Langenstein-Grünenberg. In: Jahrbuch des Oberaargaus. Band 37. Merkur Druck AG, Langenthal 1994 (digibern.ch [PDF; 3,6 MB] Text-Version).
- Max Jufer: Wie der Oberaargau vor 600 Jahren bernisch wurde, Zur Erinnerung an den 27. und 28. August 1406. In: Jahrbuch des Oberaargaus. Band 49. Merkur Druck AG, Langenthal 2006, S. 36–62 (digibern.ch [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 22. November 2010]).
- August Plüss: Die Freiherren von Grünenberg in Kleinburgund. In: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern. Band XVI, Nr. 1. Stämpfli, Bern 1900 (Online – Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde eingereicht der hohen philosophischen Fakultät der Universität Bern).
- Ernst Schweikert: Die deutschen, edelfreien Geschlechter des Berner Oberlandes bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Stände im Mittelalter. P. Hauptmann’sche Buchdruckerei, Bonn 1911 (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde, Rheinische Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn).
- Alfred Zesiger: Die bernischen Schultheissen. In: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde. Band 4. Bern 1908, S. 235–258, doi:10.5169/seals-177908.
Einzelnachweise
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