Schwaben in Berlin ist eine stereotype Bezeichnung für als spießig, wohlhabend und provinziell wahrgenommene Zugezogene,<ref name="Super-Wessis" /> die den Prozess der Gentrifizierung in Berlin vorantreiben. Die Gruppe ist weder geographisch noch dialektal klar definiert und kann sich auch auf Zugezogene beziehen, die nicht aus Schwaben stammen. Das Klischee der „Schwaben“ hat seine Ursprünge im linksalternativen Milieu West-Berlins der 1980er Jahre und ist häufig Gegenstand von Theater, Kabarett, Satire und Feuilleton.
Schwabenfeindlichkeit wurde verschiedenen Gruppen in unterschiedlichen Zusammenhängen zugeschrieben. Heute gilt dies vor allem für die Konflikte zwischen Schwaben und Badnern.<ref>Jan Fleischhauer: Badener versus Schwaben: In der Identitätsfalle. In: Der Spiegel. Abgerufen am 9. Mai 2021.</ref> In einer Umdichtung des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Badnerlieds wird der Neckar als „alte Schwabensau“ bezeichnet.<ref>Waltraud Linder-Beroud: Wie badisch ist das Badnerlied? Zur Geschichte der Landeshymnen in Baden und Württemberg. In: Eckhard John (Hrsg.): Volkslied – Hymne – politisches Lied. Populäre Lieder in Baden-Württemberg. Volksliedstudien, Band 3. Waxmann, Münster 2003, ISBN 3-8309-1351-6, S. 54–95, hier S. 89.</ref> Eine abwertende Bezeichnung für Badener in Schwaben ist Gelbfüßler. Konflikte zwischen Habsburgern und Eidgenossen führten im 15. Jahrhundert zum Schwabenkrieg. Im 19. Jahrhundert entstanden in der Schweiz die Schimpfwörter „Schwabe“ und „Sauschwabe“<ref>Forschungsmagazin Horizonte, März 2012. Abgerufen am 9. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> für Deutsche,<ref>Johannes Bumüller: Die Weltgeschichte. Ein Lehrbuch für Mittelschulen und zum Selbstunterricht. Dritter Teil: Die neue Zeit. 6., verbesserte Auflage. Herder, Freiburg 1867, S. 36.; Friedrich Wilhelm Barthold: Deutschland und die Hugenotten. Geschichte des Einflusses der Deutschen auf Frankreichs kirchliche und bürgerliche Verhältnisse … 1531–1598. Band 1, Schlodtmann, Bremen 1848, S. 31.; Dora Rudolf: Konrad Meyer und sein Freundeskreis. Ein Zürcher Literaturbild aus dem 19. Jahrhundert. Juchli & Beck, Zürich 1909, S. 43 (Suche: „Schwabenhass“).</ref> in den 1970er Jahren das Wort „Gummihals“. Im Elsässischen wurde das Wort „Schwob“ für Deutsche verwendet.<ref>Jean-Noël Grandhomme: Boches ou tricolores: les Alsaciens-Lorrains dans la Grande Guerre. Nuée bleue, 2008, ISBN 978-2-7165-0741-7, S.414 (google.de [abgerufen am 7. Mai 2022]).</ref><ref>Julia Schroda: Nationaler Anspruch und regionale Identität im Reichsland Elsass-Lothringen im Spiegel des französischsprachigen Elsassromans (1871-1914). Peter Lang, 2008, ISBN 978-3-03911-460-3, S.188 (google.de [abgerufen am 7. Mai 2022]).</ref>
„Schwaben“-Lehnwörter in Mittel- und Osteuropa
In verschiedenen Ländern in Mittel- und Osteuropa werden vom Wort „Schwaben“ abgeleitete Lehnwörter als abwertende Bezeichnungen für Deutsche verwendet. Es handelt sich dabei um als Ethnophaulismen, die sich nicht auf Menschen beziehen müssen, die aus der Region Schwaben stammen. In Polen entstand im 19. Jahrhundert das Wort „Szwab“.<ref>August Wilhelm Ritter von Zerboni di Sposetti: Aus Galizien. Costenoble und Remmelmann, 1851, S.303 (books.google.de [abgerufen am 14. Mai 2021]).</ref><ref>Klaus-Dieter Ludwig: Deutsche und polnische Lexikographie nach 1945 im Spannungsfeld der Kulturgeschichte. Peter Lang, 2011, ISBN 978-3-631-61377-1, S.92ff. (books.google.de [abgerufen am 14. Mai 2021]).</ref> Bei den Magyaren<ref>Anonym: Die magyarische Revolution. Kurzgefaßte Schilderung der jüngsten Zeitereignisse in Ungarn und Siebenbürgen. Heckenast, Pest 1849, S. 197.</ref> bezogen sich in der aufkommenden ungarischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts ähnliche Bezeichnungen als „Verachtung auf die Deutschen“,<ref>Politische Miscellen vom Verfasser der „sibyllinischen Bücher aus Oesterreich“. Tendler, Wien 1848, S. 79.</ref> die in der Mehrheit Donauschwaben waren. Im ehemaligen Jugoslawien war die Bezeichnung „Schwabo“ für Deutschsprachige gebräuchlich und wird heute von Menschen verwendet, die von dort nach Deutschland ausgewandert sind. Die Schriftstellerin und spätere Nobelpreisträgerin Herta Müller verwendete in der 1982 im Band Niederungen in Bukarest erschienenen Erzählung Das schwäbische Bad zahlreiche Beschimpfungen gegen Schwaben. Sie löste damit einen Skandal unter den Banater Schwaben aus, die darin Nestbeschmutzung sahen.<ref>„Du schwäbisches Arschkappelmuster, du schwäbisches Mondskalb, du schwäbisches Kampelsackel.“ zit. nach: Grazziella Predoiu: Rumäniendeutsche Literatur und die Diktatur: "Die Vergangenheit entlässt dich niemals". Kovač, 2004, ISBN 978-3-8300-1712-7, S.58 (books.google.de [abgerufen am 14. Mai 2021]).</ref>
Schwaben in West-Berlin seit den 1960er Jahren
Entstehung des Klischees
Das Klischee vermeintlich schwäbischer Zugezogener und die Abneigung gegen „Schwaben“ ist bereits in den 1980er Jahren im linksalternativen Milieu von Berlin-Kreuzberg und Schöneberg (etwa in der Potsdamer Straße<ref>Benny Härlin, Michael Sontheimer: Potsdamer Strasse: Sittenbilder und Geschichten. Rotbuch, 1983, ISBN 978-3-88022-274-8, S.29f. (books.google.de [abgerufen am 7. Mai 2021]).</ref>), der Szene von Hausbesetzungen und Wohngemeinschaften und den Demonstrationen am 1. Mai<ref>CC Malzahn: Von grüner Harmonie in Baden-Württemberg. In: Die Tageszeitung. 26. März 1992, S.5 (taz.de [abgerufen am 21. Mai 2021]).</ref> dokumentiert.<ref>Barbara Lang: Mythos Kreuzberg: Ethnographie eines Stadtteils (1961–1995). Campus Verlag, 1998, ISBN 978-3-593-36106-2, S.121 (books.google.de [abgerufen am 29. April 2021]).</ref><ref>J. C. Wartenberg: Kreuzberg K36: Leben in (der) Bewegung : Kreuzberg inside bis zum Fall der Mauer. Jörg Lühmann, 2005, ISBN 978-3-934119-09-3, S.76 (books.google.de [abgerufen am 20. Mai 2021]).</ref><ref>David Wagner: Welche Farbe hat Berlin. Verbrecher Verlag, 2013, ISBN 978-3-943167-52-8 (books.google.de [abgerufen am 20. Mai 2021]).</ref> „Schwaben“ wurden mit „Wessis“ identifiziert, also Zugezogene aus allen Teilen Westdeutschlands.<ref>Böhm/Helwerth: Streetfighter Sexismus Sprechverbot. In: Die Tageszeitung. 7. August 1989, S.9 (taz.de [abgerufen am 21. Mai 2021]).</ref><ref>Olaf Leitner: West-Berlin! Westberlin! Berlin (West)!: die Kultur, die Szene, die Politik : Erinnerungen an eine Teilstadt der 70er und 80er Jahre. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2002, ISBN 978-3-89602-379-7, S.367 (books.google.de [abgerufen am 1. Mai 2021]).</ref> Im engeren Sinn wurden als „Schwaben“ Zugezogene aus Süddeutschland bezeichnet. Da insbesondere Schwäbisch und Badisch für Sprecher des Berliner Dialekts ähnlich klingen, unterscheiden sich Fremd- und Selbstzuschreibungen.<ref>Gelbfiaßler und Schwobaseckel. Abgerufen am 21. Mai 2021.</ref>
Erklärungen
Der in Leonberg aufgewachsene Historiker und Publizist Götz Aly beschreibt den Zuzug von Studenten aus Baden-Württemberg nach West-Berlin seit den 1960er Jahren und ihre Dominanz in der 68er-Bewegung in mehreren Beiträgen. In einem in der taz veröffentlichten Streitgespräch mit Katharina Rutschky vertritt er die Ansicht, die Mehrheit der Studenten an der FU Berlin seien „Krawallschwaben“ gewesen, also junge Menschen aus dem süddeutschen Raum, die aus autoritären Elternhäusern stammten.<ref>Streitgespräch Aly vs. Rutschky: "In welcher K-Gruppe waren Sie denn?" In: Die Tageszeitung. 27. Dezember 2007 (taz.de [abgerufen am 20. November 2020]).</ref> In seinem Buch Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück (2008) erklärt Aly die Abwanderung junger Menschen aus Baden-Württemberg nach West-Berlin mit der dort vorherrschenden liberalen Atmosphäre:
„Die alte Bundesrepublik exportierte in den Sechziger- und Siebzigerjahren Jugendliche, die unter dem heimatlichen Modernisierungsstau rebellisch geworden waren, ins vergleichsweise freiheitliche, nicht von nachbarschaftlicher Sozialkontrolle durchherrschte Westberlin, und dort schlugen die Repressionsflüchtlinge erst recht über die Stränge. Anschließend mokierten sich Politiker wie Filbinger oder Strauß über die angeblich unfähigen Berliner Stadtregenten, die der importierten Plage ratlos gegenüberstanden und sich an der Frage zerstritten, ob sie ihre betonte und bislang bewährte Reformfreude beibehalten oder zu reaktionärerer, gewissermaßen süddeutscher Härte übergehen sollten.“
Aly schlägt in Anlehnung an den Länderfinanzausgleich scherzhaft „eine Reparationsleistung der konservativen Weststaaten an Berlin“ vor: „20 000 Euro pro westdeutschem Repressionsflüchtling, zu verzinsen mit fünf Prozent seit dem 1. Januar 1970 bis zum 31. Dezember 2007“. Dies ergebe im Jahr 2008 mit Zinsen 95.979,63 Euro. Bei einer Schätzung von 100 000 nach West-Berlin zugewanderten jungen Menschen wären laut Aly zehn Milliarden Euro als Ausgleichszahlung fällig.<ref>Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück. S. Fischer, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-10-000421-5, S. 74 f.</ref>
Das von Aly angesprochene Milieu wird aufgrund seiner pietistischen Prägung auch als Pietcong (Kofferwort aus „Pietismus“ und „Vietcong“) bezeichnet.<ref>Peter Unfried: Ein verlässlicher Aufreger: Aufmarsch des Pietcong. In: Die Tageszeitung. 5. Februar 2014 (taz.de [abgerufen am 16. April 2021]).</ref> Der in Schwäbisch Hall aufgewachsene SPD-Politiker Erhard Eppler war von Herbert Wehner so bezeichnet worden.<ref>Jochen Müller: Religion und Strafrecht: christliche Einflüsse auf Normenbestand, Dogmatik und Argumentationsstrukturen des deutschen Strafrechts. Logos Verlag Berlin GmbH, 2008, ISBN 978-3-8325-1930-8, S.51 (books.google.de [abgerufen am 17. Mai 2021]).</ref> Der in Neckargröningen geborene Journalist Ulrich Kienzle bezeichnete die Pietisten als die „schwäbischen Taliban“.<ref>Michaela Adick: Die schwäbischen Taliban sind unter uns. In: Stimme.de. 11. Februar 2011, abgerufen am 15. Mai 2021.</ref> Als bekanntestes Beispiel gilt die in einer schwäbischen Pfarrersfamilie aufgewachsene RAF-Terroristin Gudrun Ensslin,<ref>Harald Schmidt im F.A.Z.-Gespräch: „Mit Tanja tanzt man keinen Stehblues“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. (faz.net [abgerufen am 17. Mai 2021]).</ref> die an der FU Berlin studierte.
Künstlerische und satirische Rezeption
In der ersten Folge der Serie Liebling Kreuzberg (1986) empfängt der Kreuzberger Anwalt Robert Liebling (Manfred Krug) seinen neuen Mitarbeiter Dr. Giselmund Arnold (Michael Kausch), der zuvor zwei Jahre in Stuttgart gearbeitet hat. Liebling lobt sein „schönes, verständliches Deutsch“.<ref>Liebling Kreuzberg 01e01: Der neue Mann (1986). Abgerufen am 20. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
1988 begann der in Stuttgart geborene Kabarettist und Moderator Albrecht Metzger mit einer Reihe von Theaterstücken in Kreuzberg über Schwaben im damaligen West-Berlin unter dem Titel Schwabenoffensive.<ref>Dorothee Hackenberg: Kreuzberg – keine Atempause: Porträts. Berlin Edition, 2007, ISBN 978-3-8148-0157-5, S.58f. (books.google.de [abgerufen am 7. Mai 2021]).</ref> Das erste Stück trug den Titel Komm du bloß hoim. Ein Stück für Schwaben und Schwabenhasser.<ref>Krista Tebbe: Kreuzberg, Prenzlauer Berg: annähernd alles über Kultur. Kunstamt Kreuzberg, 1990, S.147 (books.google.de [abgerufen am 16. März 2021]).</ref><ref>Schwabenoffensive. Abgerufen am 16. März 2021.</ref> Ursprünglich wollte Metzger in Berlin einen Kongress organisieren, auf dem sich alle in Berlin lebenden Schwaben versammeln sollten. Auf dem „Schwäbischen Kosmos“ sollten Koryphäen Kurzreferate auf Schwäbisch halten. Der Senat bewilligte jedoch nur Mittel für Metzgers Theaterprojekt.<ref>Dorothee Hackenberg: Kreuzberg – Keine Atempause. Porträts. Berlin: bebra, 2007, ISBN 978-3-8148-0157-5, S. 57.</ref>
Verschiedene Spaß- und Kommunikationsguerilla-Aktionen persiflierten bundesdeutsche Debatten über Ausländerpolitik. 1995 kandidierte der als Der wahre Heino bekannte Sänger Norbert Hähnel für die SpaßparteiKreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum für die Abgeordnetenhauswahlen. Ein Wahlversprechen lautete „kein Asyl für Schwaben“.<ref>N.N.: „Kein Asyl für Schwaben“, jetzt-Magazin, 16. Oktober 1995.</ref> Die Partei forderte bereits 1989 eine „Zuzugssperre für Süddeutsche, insbesondere Schwaben“. Falls dies grundgesetzlich nicht umzusetzen sei, solle eine „Rückkehr- bzw. Dortbleibprämie“ ausgelobt werden.<ref>Endlich: die KPD/RZ hat Antworten auf alle unsere Fragen! In: Die Tageszeitung. 4. März 1989, S.28 (taz.de [abgerufen am 15. Mai 2021]).</ref> Gefordert wurde außerdem die „Abschiebung straffällig gewordener Schwäbinnen und Schwaben“.<ref>N.N.: „Der wahre Heino will ins Rote Rathaus“, Mitteldeutsche Zeitung, 17. Oktober 1995; Dorthe Ferber: „Zuviele Anhänger verderben die Gemütlichkeit“, Der Tagesspiegel, 15. Oktober 1995.</ref> Im 1996 erstmals erschienenen Handbuch der Kommunikationsguerilla der aus süddeutschen Zugezogenen bestehenden „autonomen a.f.r.i.k.a.-gruppe mittlerer neckar“ wurde die Forderung der Prämie übernommen.<ref>Luther Blissett, Sonja Brünzels: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Verlag Libertäre Assoziation, 1996, ISBN 978-3-924737-38-2, S.164 (books.google.com [abgerufen am 16. April 2021]).</ref> Der Berliner Senat hatte 1975 eine Zuzugssperre für Ausländer in Kreuzberg, Tiergarten und Wedding beschlossen.<ref>Berliner Morgenpost – Berlin: Zuzugssperre. 19. Januar 2008, abgerufen am 15. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger hatte 1975 eine Rückkehrprämie für Ausländer gefordert.<ref>Ernst Gehmacher, Daniel Kubát, Ursula Mehrländer: Ausländerpolitik im Konflikt: Arbeitskräfte oder Einwanderer? : Konzepte d. Aufnahme- u. Entsendeländer. Verlag Neue Gesellschaft, 1978, ISBN 978-3-87831-272-7, S.125 (books.google.de [abgerufen am 15. Mai 2021]).</ref> 1990 sprach sich sein Amtsnachfolger Lothar Späth für Rückkehrprämien für Übersiedler aus der DDR aus.<ref>Rückkehrprämien im Gespräch. In: Die Tageszeitung. 1. März 1990, S.2 (taz.de [abgerufen am 15. Mai 2021]).</ref> Datei:Berlin 7 Schwaben.jpgSkulptur „Die Sieben Schwaben“ von Hans-Georg Damm am Fehrbelliner Platz (1978)
1997 veröffentlichte der Essayist Michael Rutschky im Merkur eine an das Genre des Bildungsromans angelehnte Erzählung über die im pietistischen Schwaben aufgewachsene Kreuzbergerin Gerlinde Stürzenbecher, die in sein Buch Lebensromane (1998) einging.<ref>Michael Rutschky: Werde, der du bist. Vom Bildungsroman zur therapeutischen Gesellschaft. Merkur: März 1997, 51. Jahrgang, Heft 576, S. 187–203.</ref>
Der im oberschwäbischen Bad Saulgau geborene Regisseur Erwin Michelberger drehte 1999 den Dokumentarfilm-Essay Blumen lieben oben über die ebenfalls dort geborene Ingrid Rogge, die 1979 unter ungeklärten Umständen in einem Haus in der Kreuzberger Waldemarstraße zu Tode kam. Ihr Skelett wurde dort erst 1985 entdeckt.<ref>Kreuzberg S.O. 36 (nosing around). Abgerufen am 20. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Schriftstellerin Marie-Luise Scherer hatte darüber 1987 eine Reportage im Spiegel veröffentlicht und darin das Milieu der Hausbesetzer geschildert, in das sich junge Menschen aus dem Schwäbischen flüchteten.<ref>Marie-Luise Scherer: Der unheimliche Ort Berlin. In: Der Spiegel. Abgerufen am 20. Mai 2021.</ref>
Der in Bremen geborene und in den 1980er Jahren nach Kreuzberg gezogene Schriftsteller Sven Regener beschreibt Schwaben im Kreuzberg der 1980er Jahre in verschiedenen, seit den 2000er Jahren erschienenen Romanen, darunter Herr Lehmann (2003),<ref>Peter Just, Pascal Pfitzenmaier, Nicola Uther: Das Literarische Quartett: 10. Oktober 1997-14. Dezember 2001. Directmedia, 2006, ISBN 978-3-89853-301-0, S.597 (books.google.de [abgerufen am 12. Mai 2021]).</ref> Der kleine Bruder (2008), Magical Mystery (2013) und Wiener Straße (2017).<ref>Michael Pilz: Wer ist hier der Einheimischste? In: Die Welt. 30. August 2008 (welt.de [abgerufen am 16. April 2021]).</ref> Darin tritt die Figur des wohlhabenden Kneipenwirts Erwin Kächele auf, der in Der kleine Bruder als „Schwabensau“ bezeichnet wird.<ref>Sven Regener: Der kleine Bruder: Roman. Eichborn Verlag, 2008, ISBN 978-3-8218-0744-7, S.78 (books.google.de [abgerufen am 12. Mai 2021]).</ref> Regener nannte Schwabenhasser in einem Interview „Rassisten“.<ref>"Wer gegen Schwaben ist, ist auch nur Rassist". Abgerufen am 16. April 2021.</ref> Kreuzberg sei durch die Sanierungstätigkeit von Zugezogenen aus Schwaben „gerettet“ worden.<ref>Jochen Overbeck: Sven Regener: "Kreuzberg wurde von den Schwaben gerettet". In: Der Spiegel. Abgerufen am 16. April 2021.</ref>
Zwei Skulpturen stellen Schwaben im öffentlichen Raum Berlins dar: Die 1978 errichtete Skulptur Die Sieben Schwaben von Hans-Georg Damm auf einer Straßeninsel am Fehrbelliner Platz und die Skulptur Schwäbische Floßfahrer von Peter Lenk.<ref>Peter Lenk, Dirk Bartsch: Berliner Rodeo. Stadler, Konstanz 2004, ISBN 978-3-7977-0508-2.</ref> Lenk wollte sie in den 1980er Jahren auf dem Kurfürstendamm aufstellen, was jedoch nicht zustande kam.<ref>Text + Kritik: Zeitschrift für Literatur. Martin Walser. Ed. Text und Kritik, 2000, ISBN 978-3-88377-628-6, S.130 (books.google.com [abgerufen am 7. Mai 2021]).</ref> Sie steht heute in der Walterhöferstraße in Berlin-Zehlendorf. Nachdem der Bezirk Wilmersdorf Damms Skulptur zunächst nicht ankaufte, bekundete Daimler in Stuttgart Interesse. Der in Stuttgart geborene Verleger Franz Karl Maier, Herausgeber des Tagesspiegels, spendete dem Bezirksamt 50.000 DM, sodass die Skulptur 1991 angekauft werden konnte.<ref>Sieben Spießgesellen auf dem Mittelstreifen. Abgerufen am 20. Mai 2021.</ref>
Schwaben in der Gentrifizierungsdebatte
Schwaben in Berlin und Ostdeutschland seit 1990
Das in den 1980er Jahren geprägte Klischee der Schwaben setzte sich im nach Wende und Wiedervereinigung geeinten Berlin fort, als viele Menschen aus West-Berlin und den alten Bundesländern in günstige Wohnungen im Ostteil der Stadt sowie in Städte in Ostdeutschland zogen oder dort an Hausbesetzungen teilnahmen.<ref>Wie Kreuzberger früher über Schwaben lästerten. Abgerufen am 17. Mai 2021.</ref><ref>Uwe Rada: Das Ende der Neugierde. In: Die Tageszeitung. 11. Juni 1994, S.37 (taz.de [abgerufen am 21. Mai 2021]).</ref> 1990 kam es im Zusammenhang mit der Räumung der Mainzer Straße in Friedrichshain zu Randalen. Der Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD), dessen Koalition dadurch später zerbrach, sagte dem Spiegel in einem Interview mit der Überschrift „Die Besetzer sprechen Schwäbisch“:
„Die Herkunft der Festgenommenen nach den Krawallen dieser Tage hat gezeigt, daß es sich eindeutig um einen Randale-Export von West nach Ost gehandelt hat. Die Sprache der Besetzer ist bekanntlich Schwäbisch. In Kreuzberg etwa dominieren jene Kinder der süddeutschen Kleinstädte, die sich hier austoben und die verpaßten Indianerspiele ihrer Jugend nachholen – womit ich die Intensität der Gewalt nicht verharmlosen will.“<ref>Der Spiegel: »Die Besetzer sprechen Schwäbisch«. Abgerufen am 16. Mai 2021.</ref>
Der Tübinger Journalist Philipp Maußhardt schrieb 1991 in der Zeit eine satirische Reportage unter der Überschrift Wie sag ich’s meinem Schwaben? über drei Hausbesetzer aus Jena, die den neuen Besitzer ihres Hauses in Schwaben besuchen und dort mit ihm über die Miete verhandeln.<ref name=":2">Philipp Maußhardt: Wie sag ich’s meinem Schwaben? In: Die Zeit. 6. September 1991, abgerufen am 21. Mai 2021.</ref>
Klischees seit den 2000er Jahren: „Ökoschwaben“, „Porno-Hippie-Schwaben“, „Schwabylon“
Seit den 2000er Jahren berichteten überregionale Medien über Lebensweisen Zugezogener in Berlin-Prenzlauer Berg mit seinen Gründerzeitvierteln. Dazu gehört eine häufig zitierte Reportage von Henning Sußebach im Zeit Magazin Leben aus dem Jahr 2007, auf die der Begriff Bionade-Biedermeier sowie der Typus des „Ökoschwaben“ und „Pornobrillenträgers“ zurückgeht.<ref>Lob des Prenzlauer Bergs. 28. Juni 2017, abgerufen am 17. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Best of Feuilleton 2007. In: Der Umblätterer. Abgerufen am 17. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Taz-Adventskalender: Bionade-Biedermeier. In: Die Tageszeitung. 10. Dezember 2019, S.21 (taz.de [abgerufen am 17. Mai 2021]).</ref> Einen großen Biosupermarkt am Senefelderplatz bezeichnet Sußebach darin „Kathedrale der Ökoschwaben“.<ref>Henning Sußebach: Die große Welt gleich nebenan: Expeditionen in den deutschen Alltag. Ch. Links Verlag, 2016, ISBN 978-3-86153-875-2, S.105 (google.de [abgerufen am 4. Februar 2022]).</ref><ref>Susanne Messmer: So provisorisch wie lebendig. In: Die Tageszeitung: taz. 8. Juni 2013, ISSN0931-9085, S.51 (taz.de [abgerufen am 4. Februar 2022]).</ref> Ein bereits früher gängiger Typus ist der „Ökospießer“, der eine ökologisch bewusste mit einer spießbürgerlichen Lebensweise verbindet. Die Bezeichnung wurde häufig für Politiker der Grünen aus Baden-Württemberg gebraucht.<ref>Martin Unfried: 27 Stunden wie im Flug. In: Die Tageszeitung. 18. Februar 1995, S.23 (taz.de [abgerufen am 18. Mai 2021]).</ref><ref>Eckhard Fuhr: Grünes Freiburg: Im Eldorado der Öko-Spießer. In: Die Welt. 9. April 2011 (welt.de [abgerufen am 18. Mai 2021]).</ref><ref>Moritz von Uslar: Morgens halb zehn in Deutschland: Reich, aber unsexy. In: Die Zeit. 25. September 2014, abgerufen am 18. Mai 2021.</ref><ref>Sabine am Orde: Claudia Roth über Spießigkeit: „Ich besitze auch Gartenzwerge“. In: Die Tageszeitung. 9. September 2013 (taz.de [abgerufen am 18. Mai 2021]).</ref> Häufig wird mit den Schwaben das Klischee des „Häuslebauers“, das mit dem hohen Anteil von Einfamilienhäusern in Baden-Württemberg zusammenhängt, und die Redensart „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ verbunden.<ref name=":2" /><ref>Wir brauchen die zwanghaften Schwaben. Abgerufen am 21. Mai 2021.</ref>
2008 prägte das Stadtmagazin Zitty den Typus des „Porno-Hippie-Schwaben“, eine „wohlhabende Weiterentwicklung des Latte-macchiato-Trinkers, der in aller Regel in den Medien oder der Werbung arbeitet“. In einer Online-Umfrage wurde der Typus zum größten Feindbild des Jahres gewählt.<ref name="tagesspiegel-20111220">Moritz Honert: Schwabenhass im Szenekiez. In: Der Tagesspiegel. 20. Dezember 2011.</ref><ref>Anne Haeming: Unser Hauptstädtle. In: Die Zeit. 10. Januar 2013, abgerufen am 17. Mai 2021.</ref><ref>Familie in Prenzlauer Berg – Anatomie eines Feindbildes. 22. Februar 2011, abgerufen am 18. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Feindbild des Schwaben wurde von Harald Martenstein mit dem des Hipsters und des Touristen (siehe Overtourism) verglichen.<ref>Harald Martenstein: Hipster haben auch Fans. In: Der Tagesspiegel Online. 28. Juli 2012, ISSN1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 9. Januar 2022]).</ref> Die Gruppe „Hipster Antifa Neukölln“ hieß 2012 auf Schildern ironisch Hipster, Touristen und Schwaben willkommen.<ref>Mein Freund ist Tourist. Abgerufen am 16. Mai 2021.</ref><ref>Kritische Geographie Berlin: Touristification in Berlin. Ein Bericht zur Workshop-Reihe des Vereins Kritische Geographie Berlin. In: sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung. Band2, Nr.1, 5. Mai 2014, ISSN2197-2567, S.167–180, doi:10.36900/suburban.v2i1.117 (zeitschrift-suburban.de [abgerufen am 16. Mai 2021]).</ref>
Seit den 2010er Jahren wurde über Aufkleber mit der Aufschrift „Welcome to Schwabylon“ berichtet<ref name=":3" />, wobei der Begriff „Schwabylon“ schon früher verwendet wurde, so von Leopold Marx in seinem Werk „Purim in Schwabylon“, das zu Purim im März 1935 geschrieben und von der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft aufgeführt wurde.<ref>Marx, Leopold. Abgerufen am 11. März 2025.</ref> Der in Spandau geborene DJ und Loveparade-Gründer Dr. Motte sagte 2019 im Zusammenhang mit der Auflösung einer Party wegen Ruhestörung: „Berlin wird immer mehr zu Schwabylon“.<ref>Für Berliner Clubs wird es eng. In: Berliner Abendblatt. 4. Juli 2019, abgerufen am 21. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Vereinzelt wird für mit dem Klischee der Schwaben verbundene Aspekte von Gentrifizierung der Begriff „Schwabifizierung“,<ref>Volker Langbein in Großsachsen: "Der Schwabe ist ein Phänomen". Abgerufen am 14. Mai 2021.</ref> „Schwabylonisierung“<ref>Es muss g’schwätzt werda. Abgerufen am 14. Mai 2021.</ref> und „Stuttgartisierung“,<ref>Hans-Peter Schütz: Schwaben raus! Abgerufen am 18. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> für Schwabenfeindlichkeit der Begriff „Schwabismus“ (Kofferwort aus „Schwaben“ und „Rassismus“) verwendet.<ref>Augsburger Allgemeine: Thierse macht Schwaben ein Friedensangebot. Abgerufen am 9. April 2021.</ref> Der Club About Blank veranstaltete 2013 eine 48-stündige Party namens Homopatik Schwabylon.<ref>Gerrit Bartels: Schön in Schwabylon. In: Der Tagesspiegel Online. 26. Juli 2013, ISSN1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 1. Dezember 2021]).</ref> Ein schwäbisches Restaurant in Berlin-Neukölln verwendete den Namen „Schwabylon“.<ref>Tino: 6 Schwäbische Restaurants in Berlin, die sich lohnen. In: Berlin Sehen – Die Hauptstadt erleben. 24. April 2020, abgerufen am 23. August 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zahlen zu Schwaben in Berlin
Da die häufig als fiktive Gruppe dargestellten Schwaben sich nicht als Bevölkerungsgruppe innerhalb der Bevölkerung von Berlin bestimmen lassen, liegen keine Statistiken zu ihrer Größe und ihrer Bedeutung für die Einwohnerentwicklung von Berlin vor. Häufig wurden Schwaben scherzhaft als „zweitgrößte Minderheit“ nach den Türken in Berlin bis 1990 bezeichnet.<ref name=":1">Nina Apin: Montagsinterview Schwabenwirt Berthold Schöttle: „Als die Mauer fiel, kamen auch die anderen Schwaben“. In: Die Tageszeitung. 20. Dezember 2009 (taz.de [abgerufen am 19. Mai 2021]).</ref><ref>Tilman Birr: On se left you see se Siegessäule: Erlebnisse eines Stadtbilderklärers. Manhattan, 2012, ISBN 978-3-641-07339-8 (books.google.de [abgerufen am 19. Mai 2021]).</ref><ref>Moritz Kienast: I hate Berlin: Unsere überschätzte Hauptstadt. Bastei Lübbe, 2011, ISBN 978-3-8387-1033-4 (books.google.de [abgerufen am 19. Mai 2021]).</ref> Die tatsächlich zweitgrößte Minderheit in der Stadt waren 2019 Araber in Berlin.<ref>Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 30. Juni 2019. In: statistik-berlin-brandenburg.de. S. 17, (PDF). (statistik-berlin-brandenburg.de)</ref> Albrecht Metzger verwendete in einem Theaterstück die fiktive Zahl von 100.000 Schwaben in Berlin, später war von 200.000 die Rede.<ref name=":1" /> In zahlreichen Artikeln wurde eine unbelegte Zahl von 300.000 Schwaben in Berlin genannt.<ref>Jürgen Bock: Schwabylon: Schwabenhass in Berlin – was ist dran? In: StN.de (Stuttgarter Nachrichten). 23. Juni 2013, abgerufen am 7. Mai 2021.</ref><ref>Neue Imagekampagne – Sind wir nicht alle ein bisschen Berlin? Abgerufen am 7. Mai 2021.</ref><ref>Schmierereien gegen Schwaben in Berlin: Hassparolen wie bei den Nazis. In: Die Tageszeitung. 4. Mai 2013 (taz.de [abgerufen am 16. Mai 2021]).</ref><ref>14 Merkmale, an denen Sie Schwaben in Berlin erkennen können. In: FOCUS Online. Abgerufen am 16. Mai 2021.</ref> Die meisten innerdeutschen Zuzüge nach Berlin kamen der Rheinischen Post zufolge 2013 aus Brandenburg.<ref name="Mayntz">Gregor Mayntz: Woher kommt der Schwaben-Hass in Berlin? In: Rheinische Post, 4. Januar 2013.</ref> Die Berliner Morgenpost ermittelte 2016, dass Stuttgart nur auf Platz 12 in der Rangliste der Städte mit den meisten Zugezogenen in Berlin kommt, den ersten Platz belegte Hamburg.<ref>Dominik Fürst: Berlin: Schwaben-Streich als Mythos entlarvt. Abgerufen am 7. Mai 2021.</ref> Der Tagesspiegel berichtete 2016, dass die zwischen 2011 und 2014 nach Berlin gezogenen Beamten zu drei Vierteln aus Baden-Württemberg kamen. Dies ging aus einer Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux hervor.<ref>Schwäbische Beamte zieht es nach Berlin. Abgerufen am 20. Mai 2021.</ref>
In der seit den 2000er Jahren in den Medien geführten Debatte um die Gentrifizierung Berlins dienen Schwaben laut Tagesspiegel als Symbol für „Mietpreistreiber und Speerspitze der Gentrifizierung“.<ref name="tagesspiegel-20111220" /> Zugleich wird die Bezeichnung „Schwaben“ laut Frankfurter Allgemeine Zeitung als Synonym für pedantische und kaufkräftige Zugezogene aus dem Süden und Westen der Republik verwendet.<ref name="Super-Wessis" /> Ihnen werde von Berlinern ein mangelnder Sinn für „Berliner Kultur“ und Spießigkeit vorgeworfen, die sich auf die Bezirke übertrage.<ref name="Super-Wessis" /><ref>Nächste Runde im Schwaben-Streit, Die Zeit, 1. Januar 2013.</ref><ref>Ihr seid konservative Spießer! 22. Februar 2011, abgerufen am 11. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Der in Waiblingen geborene und in den 1960er Jahren nach West-Berlin gezogene StadtsoziologeHartmut Häußermann bezeichnete die Gruppe der Schwaben 2011 als „Sündenbock“. Der Schwabe sei leicht am Dialekt erkennbar und stehe mehr als alle anderen Bevölkerungsgruppen für Effizienz, Leistung, Sparsamkeit, Wohlstand sowie die Kehrwoche. Diese Eigenschaften wünsche sich das alternativ geprägte Berlin nicht, so sich das Feindbild „Schwabe“ etabliert habe. Häußermann, der seit den 1990er Jahren am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg lebte,<ref>Kristina Pezzei: Montagsinterview Stadtsoziologe Häußermann: "Die Bürger sind ein wichtiges Korrektiv". In: Die Tageszeitung. 6. April 2009 (taz.de [abgerufen am 9. Mai 2021]).</ref> sagte dem Tagesspiegel 2011: „Wir wissen ja bis heute nicht, ob das drei oder vier Leute sind, die diese Poster kleben, oder ob das eine breite Stimmung ist.“ Zudem sei das Phänomen auf den Prenzlauer Berg beschränkt.<ref>Moritz Honert: Schwabenhass im Szenekiez S. 3, In: Der Tagesspiegel. 20. Dezember 2011.</ref> Den Begriff der „Gentrifizierung“ lehnte Häußermann für die Entwicklung in Prenzlauer Berg ab, da er ein „politischer Kampfbegriff“ geworden sei.<ref>Kollwitzplatz: Prekäres Paradies. Abgerufen am 9. Mai 2021.</ref>
Der in Ost-Berlin aufgewachsene Andrej Holm, Schüler Häußermanns, verwendet den Begriff der Gentrifizierung in seinen Büchern zur Stadtsoziologie Berlins nach 1990. Er beschäftigte sich ab 2008 auf seinem Gentrification Blog mit dem Phänomen des Schwabenhasses.<ref>Ein Schwabe macht noch keinen Sommer. In: Gentrification Blog. 27. Dezember 2008, abgerufen am 8. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Berlin: Es geht gar nicht um die Schwaben. In: Gentrification Blog. 5. Januar 2013, abgerufen am 8. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Holm bezeichnete die Debatte um Schwabenhass in der taz als „Scheindiskussion“, da die Wanderungsbewegungen nach Berlin aus verschiedenen Gebieten kämen und sich die Abneigung der Menschen in Ost-Berliner Bezirken gegen Zugezogene nicht auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe richte.<ref>Nina Apin: Stadtsoziologe Holm über Berlin: „Schwabenhass ist ein Phantom“. In: Die Tageszeitung. 6. Mai 2013 (taz.de [abgerufen am 8. Mai 2021]).</ref> Der in Göppingen geborene Ethnologe Wolfgang Kaschuba erklärte das Phänomen der gestiegenen Aufmerksamkeit für Schwaben in Berlin im Tagesspiegel mit einem Wiedererstarken regionaler Identitäten in der Bundeshauptstadt Berlin.<ref>Berlin ist die Sammelstelle der Stämme. Abgerufen am 20. August 2021.</ref>
Unter dem Titel Woher kommt der hässlichste Deutsche? schrieb der in Hamburg aufgewachsene Kolumnist Jan Fleischhauer 2013 auf Spiegel Online: „Wer glaubt, dass Überfremdungsängste ein Privileg der Rechten seien, ist lange nicht mehr vor die Tür getreten. Was dem Rechten der Muslim, ist dem Linken der Schwabe. Der Eindringling aus dem Südwesten der Republik steht für alles, was man in den aufgeklärten Kreisen für fremd und damit gefährlich hält.“<ref>Jan Fleischhauer: Die Schwabenverächter von heute sind oft die Schwaben von gestern. In: Der Spiegel. Abgerufen am 16. Mai 2021.</ref> Der in Lörrach geborene und in Prenzlauer Berg lebende Kabarettist Florian Schroeder griff den Gedanken in seinem Programm Schwäbische Salafisten auf. Die in Stuttgart lebende Germanistin und Publizistin Hannelore Schlaffer bezog sich 2015 im Merkur auf Fleischhauers These. Sie schrieb:
„Der Schwabe ist der wiederauferstandene Spießer, provinziell, engstirnig, sauber, zungenschwer, treu und fest, der es dahin bringt, von „unserem Hauptstädtle“ zu sprechen. Nicht zufällig kommt der Affront gegen dies harmlose Gemüt aus Prenzlauer Berg, jenem Viertel, wo die zu wohnen bestrebt sind, die sich zur intellektuellen Avantgarde zählen und mittlerweile die Flucht vor den Bürgern aus Westdeutschland nach Kreuzberg oder Friedrichshain angetreten haben. […] Seit dem 19. Jahrhundert suchen Intellektuelle, weil sie sozial keine eindeutig definierte Schicht sind, nach einem Feindbild, das sie zusammenschließt, und erfinden sich das des Spießers. Dieser Neologismus ist ein Taufname; die so bezeichnete Gruppe aufersteht aus dem Wort. Akademischer Vorgänger dieser vornehmeren Form des Spießers, für den nun die Schwaben stehen, war der Philister.“<ref>Hannelore Schlaffer: Philister, Spießer, Schwaben. In: Merkur 69,4 (April 2015), S. 87 f.</ref>
Der in Schwäbisch Gmünd geborene Journalist Peter Unfried schrieb 2021 in der taz, es seien häufig „urbane, emanzipatorische und antirassistische Linksliberale, die Menschenverachtung völlig zu Recht kritisieren, Schwabenverachtung aber für eine notwendige Tugend halten“ würden. Sie verbreiteten „identitäre Ressentiments über Schwaben“, die „kulturlose Materialisten seien, besessen davon, die Straße zu kehren, Maultaschen zu essen und viel Geld zu verdienen. Wobei mit dem Begriff ‚Schwaben‘ zumindest in Berlin auch gleich Badener, Kurpfälzer, Hohenloher und schlicht alle Baden-Württemberger mitdiskriminiert werden.“ Mit dem pejorativenDiminutiv „Ländle“ werde versucht, „die globale Bedeutung des Wirtschafts- und Kulturgiganten Baden-Württemberg zu ignorieren und das Klischee der Provinzdeppen durchzusetzen.“<ref>Peter Unfried: Identitäre Verachtung von Schwaben: Schluss mit dem Ländle-Spott. In: Die Tageszeitung. 13. März 2021 (taz.de [abgerufen am 13. März 2021]).</ref> Der in Remagen geborene Philosoph Markus Gabriel hatte den in Stuttgart geborenen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel in einem Interview 2020 mit der Frankfurter Rundschau scherzhaft als „irgend so einen schwerfälligen Schwaben“ bezeichnet.<ref>Corona-Krise: „Wir haben unsere Gesellschaft US-amerikanischen Unternehmen ausgeliefert“. 23. Juli 2020, abgerufen am 28. September 2020.</ref> Auf die Aussage von Unfried angesprochen, entschuldigte sich Gabriel dafür und bezeichnete „Schwabismus“ als verwerflich.<ref>Peter Unfried: Philosoph Markus Gabriel: „Vor Twitter habe ich Angst“. In: Die Tageszeitung. 27. September 2020 (taz.de [abgerufen am 28. September 2020]).</ref>
„Berliner Schwabenstreit“ 2013
Äußerungen von Wolfgang Thierse um den Jahreswechsel 2012/2013
Die von Medien als „Berliner Schwabenstreit“ bezeichnete Debatte begann nach Äußerungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in einem am 31. Dezember 2012 unter der Überschrift Schwaben sollen „Schrippe“ sagen – findet Thierse veröffentlichten Interview mit Florian Kain in der Berliner Morgenpost. Die Frage des Interviewers lautete: „Können Sie dem Nachbarschaftsmix mit den vielen Schwaben und Latte-Macchiato-Muttis etwas abgewinnen?“. Thierse antwortete:
„Was sollte ich dagegen haben, dass im Prenzlauer Berg besonders viele Eltern mit Kindern wohnen? Es ist schön, dass das kein vergreistes Stadtquartier ist. Es sind andere Dinge, die das alltägliche Zusammenleben manchmal strapaziös machen. Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken. Da sage ich: In Berlin sagt man Schrippen, daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen. Genau das gleiche mit Pflaumendatschi. Was soll das? In Berlin heißt es Pflaumenkuchen. Da werde ich wirklich zum Verteidiger des berlinerischen Deutsch. Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind. Und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche. Sie kommen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig ist, aber wenn sie eine gewisse Zeit da waren, dann wollen sie es wieder so haben wie zu Hause. Das passt nicht zusammen.<ref>Florian Kain: Schwaben sollen „Schrippe“ sagen – findet Thierse. 31. Dezember 2012, abgerufen am 9. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Wolfgang Thierse wettert gegen Schwaben in Berlin. In: Berliner Morgenpost, 30. Dezember 2012 (morgenpost.de).</ref>“
Thierse hatte sich bereits in früheren Interviews über Zugezogene sowie den Öko-Wochenmarkt am Kollwitzplatz beklagt.<ref>Mechthild Küpper: Prenzlauer Berg: Die dicken Autos der Schwaben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. (faz.net [abgerufen am 11. Mai 2021]).</ref> Erst seine Äußerungen Ende 2012 führten jedoch im Januar 2013 zu einer bundesweiten Debatte. Der Journalist Peter Hahne warf Thierse Heuchelei vor. Er bediene das Argumentationsmuster der Ausländerfeindlichkeit, die er selbst so vehement bekämpfe.<ref>Wolfgang Thierses Schwaben-Schelte ist die reine Heuchelei</ref> Der ehemalige baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger wandte ein, ohne die Schwaben wäre die Lebensqualität in Berlin nur schwer möglich, da sie viel Geld über den Länderfinanzausgleich zahlten. Der in Urach geborene Grünen-Politiker Cem Özdemir gab zu bedenken, dass viele Schwaben zum Arbeiten in die Hauptstadt kommen und man ihnen dankbar sein sollte.<ref>Torsten Holtz: FDP-Minister Niebel nennt Thierse "Zickenbart", Die Welt, 1. Januar 2013.</ref> Der in Baden-Württemberg lebende FDP-Politiker Dirk Niebel bezeichnete den katholischen Thierse als „pietistischen Zickenbart“.<ref>Nächste Runde im Schwaben-Streit. In: Die Zeit. 1. Januar 2013, abgerufen am 19. März 2022.</ref> Der Journalist Reinhard Mohr kritisierte, Thierse, der „gegen die Überfremdung der Urberliner Ackerkrume, wo alle zehn Meter die Hundescheiße dampft wie Currywurst“ kämpfe, sei selbst in Breslau geboren und in Thüringen aufgewachsen.<ref>Und ewig grüßt der deutsche Spießer, Cicero 3. Januar 2013.</ref> Der Theatermacher Achim Ruppel wandte in der Berliner Morgenpost ein, der germanische Stamm der Sueben, auf den das Wort „Schwaben“ zurückgeht, habe die Region um das heutige Berlin bereits in der Antike besiedelt.<ref>Achim E. Ruppel: Warum Schwaben in Berlin doch integriert sind. 3. Januar 2013, abgerufen am 29. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach 3000 zum Teil hasserfüllten Protestmails hieß Thierse die Schwaben in Berlin ausdrücklich willkommen.<ref>Thierse macht Schwaben ein Friedensangebot, Augsburger Allgemeine, 14. Januar</ref><ref>"Spießer, Rassist, Nazi": 3.000 Hass-Mails an Wolfgang Thierse, Augsburger Allgemeine, 13. Januar</ref>
Nachdem das Interview für harsche Kritik gesorgt hatte, wurde Thierse dazu Anfang Januar im Spiegel befragt. Er gab an, es habe ihn „überrascht, mit welcher Humorlosigkeit und mit welcher preußischen Schärfe Schwaben auf ein paar ironisch formulierte Bemerkungen reagieren.“ Thierse sagte: „Wer das ganze Interview in der ‚Berliner Morgenpost‘ gelesen hat, weiß, dass es mit meiner ironischen Feststellung begonnen hat, dass ich in meinem Stadtteil eigentlich unter Artenschutz gestellt werden müsste, weil mehr als 90 Prozent der Menschen dort in den letzten zwanzig Jahren zugezogen sind. Ich gehöre also zu den letzten ‚Heimatverbliebenen‘.“ Wie viele Schwaben in Prenzlauer Berg lebten, wisse er nicht.<ref>Prenzlauer Berg: Wolfgang Thierse klagt über fehlende soziale Mischung. In: Der Spiegel. 2. Januar 2013, ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. März 2022]).</ref>
Später wurde über weitere Aktionen von Spaßguerillas im Zusammenhang mit Schwaben in Berlin berichtet: Im Februar 2013 überklebten drei Künstler aus Prenzlauer Berg, die sich als Bewegung „Neuschwabenberg“ bezeichneten, Straßenschilder des Bezirks mit schwäbischen Diminutiven, etwa „Kollwitzsträßle“ und „Wörther Gässle“.<ref>Die Strässlemacher aus Prenzlauer Berg. Abgerufen am 29. April 2021.</ref> Die Aktion wurde mit dem Begriff des Schwabenstreichs bezeichnet.<ref>FOCUS Online: Gässle und Sträßle im Prenzlauer Berg. Abgerufen am 19. Mai 2021.</ref>
Unbekannte sprühten im Mai das Graffito „Kauft nicht bei Schwab’n“ auf eine Häuserwand und spielten damit auf antisemitische Parolen aus der Zeit des Nationalsozialismus an. Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte dies „eine unsägliche Aktion, für die es keine Begründung gibt“. Innensenator Frank Henkel (CDU) als „geschmacklos“, da sie in der Rykestraße stattfand, in der sich eine Synagoge befindet.<ref>Schwaben-Hasser beschmieren Häuserwände, Frankfurter Rundschau vom 5. Mai 2013.</ref>
Die satirische Schändung von Denkmälern mit süddeutschen Lebensmitteln als politische Symbole im Ostteil Berlins war bereits nach der Wiedervereinigung diskutiert worden. Während der Debatte um den Abriss des Lenin-Denkmals am heutigen Friedrichshainer Platz der Vereinten Nationen veröffentlichte die West-Berliner Spaßguerilla Büro für ungewöhnliche Maßnahmen 1991 in der taz einen offenen Brief an den damaligen Bürgermeister Eberhard Diepgen. Darin wurde er dazu aufgefordert, „Lenin von einem Hebekran aus einen echten Pfälzer Saumagen ins Gesicht“ zu schleudern. Der Saumagen spielte auf das Lieblingsgericht des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl an, der im Mai 1991 in Hallemit Eiern beworfen worden war.<ref>Sehr geehrter regierender Bürgermeister Diepgen. In: Die Tageszeitung. 4. Oktober 1991, S.20 (taz.de [abgerufen am 8. Mai 2021]).</ref><ref>abc: Ein Fall fürs Büro. In: Die Tageszeitung. 1. Oktober 1991, S.28 (taz.de [abgerufen am 8. Mai 2021]).</ref>
Weitere Erscheinungsformen
Politik
Der in Berlin-Lichterfelde geborene Grünen-Politiker Benedikt Lux sagte 2009 im Berliner Abgeordnetenhaus: „[W]enn das schwäbische Kind von seinem Ingenieursvater nicht mehr das Geld hat, um hier zu studieren und zu wohnen, dann wird es auch Berlin schlechter gehen.“<ref>Abgeordnetenhaus von Berlin – 16. Wahlperiode, 46. Sitzung vom 30. April 2009, S. 4222, PDF</ref> 2010 sagte er, die Einführung von „sehr repressiven schwäbischen Verhältnissen“ sei nicht das Ansinnen der Grünen.<ref>Abgeordnetenhaus von Berlin, Inhaltsprotokoll InnSichO, 16/55, 16. Wahlperiode 25. Januar 2010, S. 6, PDF</ref> Der in Hamburg geborene Politiker Alexander Morlang sagte 2016 als Fraktionsmitglied der Piratenpartei: „Genauso wie du hier 20 Jahre Klub haben kannst, und dann kommt ein Schwabe und sagt: Das ist aber zu laut. – Dann sagst du dem Schwaben: Geh nach Stuttgart! – Dann sagt er: Nein, Berlin ist ja so cool, aber nicht da, wo ich wohne. – Dann geh nicht in einen Szenekiez! – Da die Subkultur nicht mehr in der Lage ist, mit Sekundenkleber Haustürschlösser zu bearbeiten, bleibt der Schwabe. Das heißt, auch das revolutionäre Potenzial hat nicht mehr die Möglichkeiten, sich gegen diese Schwabifizierung zu wehren, und damit wird dann wieder Kultur zerstört.“Vorlage:": Ungültiger Wert: ref=
Die Satirepartei Die PARTEI schrieb in ihrem Programm zu den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2016 zum Thema „Asylsuchende“: „Die Partei steht geschlossen hinter der abstrusen Forderung Wolfgang Thierses, ein Zuzugsverbot für Schwaben durchzusetzen.“<ref>Elena Wolf: Elena Wolf langweilt die Schwaben-Asylpolitik der Partei „Die Partei“: Alter Trollinger in neuen Schläuchen. In: Die Tageszeitung. 4. August 2016, S.21 (taz.de [abgerufen am 15. Mai 2021]).</ref>
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann setzt sich seit den 2010er Jahren gegen die Diskriminierung aufgrund des schwäbischen Dialekts ein,<ref>Sprachpflege – Kretschmanns Dialekt-Offensive in Baden-Württemberg. Abgerufen am 22. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Winfried Kretschmann: Dialekt in der Gesellschaft, Vortrag in der Kreissparkasse Reutlingen, 20. Oktober 2016 (baden-wuerttemberg.de PDF).</ref> die auch als Linguizismus<ref></ref> bezeichnet wird.
Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 warb der in Ost-Berlin aufgewachsene Linken-Politiker Stefan Liebich mit verschiedenen Aktionen um schwäbische Wähler in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow, zu dem auch Prenzlauer Berg gehört. Der in Leonberg geborene Parteivorsitzende Bernd Riexinger sprach den schwäbischen Text zu einem Wahlkampfvideo, in dem Liebich dabei zu sehen ist, wie er Spätzle mit einer Spätzlepresse zubereitet.<ref>Jacqueline Vieth: Politiker nimmt „Prenzl Schwaben“ in Schutz: Aktion gegen den Schwabenhass in Berlin. In: Stuttgarter Zeitung. 31. August 2017, abgerufen am 14. Dezember 2020.</ref> Die Grünen warben in Prenzlauer Berg mit einem Plakat mit der Aufschrift „Das ganze Ländle zählt auf euch“, auf dem Cem Özdemir und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann abgebildet waren.<ref>Bärbel Krauß: Wahlkampf an der Spree: Werben um die Schwaben in Berlin. In: Stuttgarter Zeitung. 14. September 2017, abgerufen am 17. März 2021.</ref>
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sagte dem Tagesspiegel 2018 über seine Besuche in Berlin: „Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: ,Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands‘“. Die Aussage spielte auf das Schild am Checkpoint Charlie an, das während der Teilung Berlins das Verlassen der Sektorengrenze anzeigte. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte die Äußerung einen „Generalangriff auf die Hauptstadt, der weder sachgerecht noch parteipolitisch zu erklären“ sei. Palmer arbeite in einer „dörflichen Struktur“, die in Berlin nicht zu finden sei.<ref>"Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands!" Abgerufen am 8. Mai 2021.</ref> Palmer entschuldigte sich später für die Aussage.<ref>Nach Berlin-Schelte : Boris Palmer: „Die Kritik war zugespitzt“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. (faz.net [abgerufen am 8. Mai 2021]).</ref>
2018 warb die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG auf Bussen mit dem Slogan „Liebe Schwaben, wir bringen Euch gerne zum Flughafen“. Ein Mann aus Schwaben reichte im Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses eine Petition gegen den Werbespruch ein. Die BVG verwies in ihrer Antwort darauf, dass zum Spruch der Nachsatz „Und auf Wunsch auch wieder zurück“ gehöre. Der Ausschuss lehnte die Eingabe mit der Begründung ab, dass der schwäbische Kabarettist und Schauspieler Bernd Gnann in Berlin Aufkleber mit dem Logo von Biberach verteilt hatte,<ref>Lukas Jenkner: Heißer Hype um Schwabenhass: So sexy ist Biberach. In: Stuttgarter Nachrichten. 19. Januar 2017, abgerufen am 29. April 2021.</ref> auf denen stand: „Wir nehmen Schwaben zurück.“<ref>Wenn Schwaben sich über BVG-Werbung empören. Abgerufen am 29. April 2021.</ref>
Auf dem Berliner Grünen-Parteitag im März 2021 sagte die in Augsburg geborene Bürgermeisterkandidatin Bettina Jarasch, sie habe als Kind „Indianerhäuptling“ werden wollen. Nachdem sie von einigen Delegierten für den diskriminierenden Sprachgebrauch kritisiert wurde, verwies Jan Fleischhauer bei ServusTV auf ihre schwäbische Herkunft. Untergegangen in der Debatte seien „die Gefühle indigener Ost-Berliner, wenn sich eine bayrische Schwäbin mit Wohnsitz in Kreuzberg erst den Wahlbezirk Pankowkulturell aneignet und dann auch noch ,Chief‘ von ganz Berlin werden“ wolle.<ref>Fleischhauer – 9 Minuten netto. In: Servus TV. 2. April 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. April 2021; abgerufen am 15. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.servustv.com</ref><ref>Uwe Rada: Uwe Rada über Bettina Jarasch und ihre Vorstellungen von Stadtentwicklung: Schaffen, schaffen, Brücken bauen. In: Die Tageszeitung. 30. Januar 2021, S.52 (taz.de [abgerufen am 15. April 2021]).</ref>
Satirische und künstlerische Rezeption
Ab den 2000er Jahren trat der in West-Berlin geborene Musiker und Zeichner Fil in der Fil & Sharkey Show mit dem Stück Schwaben auf. Im Refrain heißt es: „Schwabe, bist du Berliner?“.<ref>Michael Pilz: Die Ärzte über „Dunkel“ & Berlin: „Dann ist das, was die Stadt so toll machte, nicht mehr da“. In: Die Welt. 22. September 2021 (welt.de [abgerufen am 5. Januar 2022]).</ref> Auch in seinen Comics verwendete er das Stereotyp,<ref>Oliver Stenzel: Fil & Sharkey: Kult ist der Feind des Humors. In: Stuttgarter Nachrichten. 26. März 2011, abgerufen am 6. Januar 2022.</ref> etwa im Band Didi & Stulle 5: Die Galgenvögel von St. Tropez (2006).<ref>Didi & Stulle 5: Die Galgenvögel von St. Tropez | Reprodukt. Abgerufen am 6. Januar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2010 gründete der Schauspieler und Regisseur Achim Ruppel die Kabarett-Initiative „Schwaben in Berlin“.<ref>schwaben-in-berlin.de</ref> Das erste Stück der Gruppe trug den Titel „Der Schwabe ist an allem schuld“.<ref>youtube.com</ref> 2011 wurde ein Autorenwettbewerb ausgelobt und daraus 2012 das Theaterstück „Schwabenhatz“<ref>youtube.com</ref> im Rahmen einer Kulturwoche, der „Schwabiennale“,<ref>youtube.com</ref> aufgeführt.<ref>Charme-Offensive: Erste Schwabiennale in der Hauptstadt. In: Berliner Morgenpost vom 22. August 2012 (morgenpost.de).</ref><ref>Erste Schwabiennale: eine Woche schwäbische Kultur in Berlin. In: Stuttgarter Zeitung vom 21. August 2012 (stuttgarter-zeitung.de).</ref><ref>Schwabenhatz auch auf der BühneDer Tagesspiegel vom 5. Mai 2013.</ref>
2011 griff der Cartoonist OL das Thema in seinem Band Die Mütter vom Kollwitzplatz auf. Darin sagt eine verschleierte Frau mit Kinderwagen zu einer anderen: „Wie soll Kind Deutsch lernen, wenn in Kita alle sprechen Schwäbisch?“.<ref>Großstädter mit Überbiss. Abgerufen am 15. Mai 2021.</ref>
Im Film Oh Boy (2012) spielt die in Bietigheim-Bissingen aufgewachsene Schauspielerin Katharina Hauck eine schwäbische Café-Angestellte in Prenzlauer Berg.<ref>Luke Vincent Postlethwaite: Beyond the Baustelle: Redefining Berlin’s Contemporary Cinematic Brand as that of a Global Media City. Dissertation, University of Leeds 2015, Online</ref>
Im Comic Eine weitere Giftblüte des Hasses auf "Hipster" und "Schwaben" (2013) von Katz & Goldt wird ein als Hipster bezeichneter Mann in Berlin Opfer eines „Rasurüberfalls“, bei dem sein gepflegter Bart verunstaltet wird. Ein Kollege fragt ihn: „Na ...? Unheimliche Begegnung mit einem Schwabenhasser gehabt?“.<ref>Katz & Goldt | Eine weitere Giftblüte des Hasses auf "Hipster" und "Schwaben". Abgerufen am 16. März 2021.</ref><ref>Max Goldt: Räusper. 2015, S. 47.</ref>
Der in Hamburg geborene Möbeldesigner und Konzeptkünstler Rafael Horzon kommentierte 2020 die Proteste gegen die Räumung der besetzen Liebigstraße 34, nachdem dabei sein Geschäft auf der Torstraße beschädigt worden war. Gegenüber Bild kritisierte Horzon die Demonstranten aus der linksradikalen Szene: „Die traurige Wahrheit ist ja, dass diese Hosentaschen-Revolutionäre selber zu 99 Prozent aus dem schwäbischen Mittelstand kommen, genauso wie die Gentrifizierer, die sie angeblich bekämpfen. Der Hass auf die Gentrifizierer ist ja in Wirklichkeit Selbsthass und Scham über ihre eigene provinzielle Herkunft.“<ref>Morgens Räumung von „Liebig 34“ und abends Groß-Demo: Die Bilanz der Berlin-Randale | Regional. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref>
2021 verglich der in Stuttgart geborene und in Berlin lebende Komiker Aurel Mertz die Schwaben in Berlin in der Instagram-Serie Aurel satirisch mit kriminellen Clans. Der im Stil einer Reportage produzierte Beitrag „Schwaben – Gefährliche Macht“ greift zahlreiche Klischees über Schwaben auf. So würden diese ihre Mitmenschen mit Anzeigen gegen Ordnungswidrigkeiten erpressen, zu Zwecken des Greenwashings Fleisch in Maultaschen verstecken und nach und nach ganze Stadtbezirke aufkaufen.<ref>Schwaben - Gefährliche Macht. Abgerufen am 1. Juni 2024.</ref>
In der 2021 auf Berlinerisch erschienen Mundartausgabe Schwabylon Berlin des Asterix-Bands Gallien in Gefahr kommt ein Hochdeutsch sprechender Alien aus „Schwabylon“ nach Berlin.<ref>Peter Zander: Asterix erneut mit Berliner Schnauze. 29. April 2021, abgerufen am 5. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Angelika Brieschke, Utz Jeggle et al. (Hrsg.): Schwabenbilder. Zur Konstruktion eines Regionalcharakters; Begleitband zur Ausstellung „Schwabenbilder“ im Haspelturm des Tübinger Schlosses, Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen, Tübingen: TTV 1997, ISBN 3-925340-97-1, PDF
Hartmut Häußermann: Institutionentransfer, soziale Konflikte und einheitsstiftende Theorie – die Interpretation gesellschaftlichen Wandels am Beispiel der Stadtemeuerung im Bezirk Prenzlauer Berg. In: K. Hinrichs, H. Kitschelt, H. Wiesenthal (Hrsg.): Kontingenz und Krise. Institutionenpolitik in kapitalistischen und postsozialistischen Gesellschaften. Frankfurt am Main, New York: Campus, 2000, S. 219–241.
Martina Schöller: Von Schwaben nach Berlin: eine empirische Untersuchung zur Bedeutung von Herkunft für Binnenmigrationen. Magisterarbeit Universität Tübingen, Tübingen 2004.
Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs e. V., FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e. V., plateau gelb – büro für mediales (Hg.): Ein jeder nach seiner Façon? 300 Jahre Zuwanderung nach Kreuzberg und Friedrichshain. Eine interaktive CD-ROM zur Geschichte der Zuwanderung, Berlin 2005, ISBN 3-935810-04-0
Thomas Bürk, Thomas Götz: „Schwaben in Berlin: Metamorphosen einer kulturellen Figur und ihrer urbanen Topographien“. In: Orte – Situationen – Atmosphären: kulturanalytische Skizzen. Hrsg. von Beate Binder u. a. Campus, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39269-1, S. 307–320.
Eckhard Hammel: ‚Hure Schwabylon‘. Über die Bundeshauptstadt und den Schwabenhass. In: Edition CultD, 2013, Archivseite
Brenda Strohmaier: Wie man lernt, Berliner zu sein: Die deutsche Hauptstadt als konjunktiver Erfahrungsraum. Campus Verlag 2014.
Ingo W. Warnke: Abkehr vom Dialog. Selbstsegregation im urbanen Sprachraum Berlins. In: Meier, Simon / Rellstab, Dr Daniel H. / Schiewer, Gesine L.: Dialog und (Inter-)Kulturalität: Theorien, Konzepte, empirische Befunde. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2014, S. 275–293.
Knut Petzold: „Vom methodologischen Kosmopolitismus zum methodologischen Lokalismus“. In: Behrens, Melanie, Bukow, Wolf-Dietrich, Cudak, Karin, & Strünck, Christoph (Hrsg.): Inclusive City. Überlegungen zum gegenwärtigen Verhältnis von Mobilität und Diversität in der Stadtgesellschaft. Wiesbaden 2015, S. 97–115, S. 104–106.
Henrik Schultze: Die Grenzen sozialer und räumlicher Zugehörigkeit. Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, 2017, PDF
Paweł Kubiak: Ethnophaulismen in translatorischer Perspektive. In: Glottodidactica. An International Journal of Applied Linguistics, 44(1) 2017, S. 77–96, PDF
Daniele Valisena, Roger Norum: „Bin ich ein Berliner? Graffiti as layered public archive and socio-ecological methodology“. In: Green Letters. Band 23, Nr. 1, 2. Januar 2019, ISSN 1468-8417, S. 83–102, Online
Florence Feiereisen, Erin Sassin: Sounding Out the Symptoms of Gentrification in Berlin. In: Resonance (2021) 2 (1), S. 27–51, Online
Publizistik, Literatur und Satire
Harry Nutt: ‚Wohl’n Wessi, wa?‘ In: Margret Iversen (Hrsg.): Nie wieder Berlin. Berlin-Wortwechsel. Berlin 1989, S. 139–146.
Ute Scheub: ,Aber in Schtuttgart isch’s au scheee‘. Schwaben auf Stadtrundfahrt in Berlin / Frust über das Verschwinden der Mauer / ,Die Oschtler, die leischtet doch nix‘. taz, 2. April 1991 (taz.de).
Philipp Maußhardt: Wie sag ich’s meinem Schwaben? Hausbesetzer besuchen ihren Hausbesitzer. In: Die Zeit. 6. September 1991 (zeit.de).
Mathias Wedel: Leinenzwang für Schwaben. Berlin: Eulenspiegel 2000, ISBN 3-359-00999-1.
Christoph Villinger: Gelbfiaßler und Schwobaseckel. Das Kreuzberg-Museum zeigt eine Ausstellung über 300 Jahre Migration nach Kreuzberg. Die größte Zuwanderergruppe stammt aus Schwaben. Jungle World, 27. April 2005 (jungle.world).
Harald Schmidt [2009]: Schwaben. In: ders.: Fleischlos schwanger mit Pilates. Erfolgreiche Frauen sagen, wie es geht. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-04293-1 (focus.de).
Nina Apin, Bert Schulz: Montagsinterview Schwabenwirt Berthold Schöttle: „Als die Mauer fiel, kamen auch die anderen Schwaben“. In: Die Tageszeitung. 20. Dezember 2009 (taz.de).
Katja Kullmann: Echtleben. Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben. Eichborn, 2011, ISBN 978-3-8218-6535-5.
Anja Maier: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern. Bastei Lübbe Taschenbuch, Köln 2011, ISBN 978-3-404-60299-5.
Sascha Lange: Das wird mein Jahr (Roman). Aufbau-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-7466-2635-2.
Bov Bjerg: Großmaultaschenliebe – Ostberliner Schwabenhass. In: Moritz Kienast (Hrsg.): I hate Berlin. Unsere überschätzte Hauptstadt. Bastei Lübbe, Köln 2011, ISBN 978-3-431-03847-7, S. 161–168 (books.google.de).
Ulrich Kienzle: Ulrich Kienzle und die Siebzehn Schwaben. Eine Reise zu eigenwilligen Deutschen. Edition Sagas, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-9812510-4-3.
Peter Unfried: Autorität ist, wenn die Kinder durchgreifen: Wahre Geschichten aus der Familienhölle. Ludwig Buchverlag, 2012, ISBN 3-453-28044-X, Auszug
Martin Hyun: Ohne Fleiß kein Reis: Wie ich ein guter Deutscher wurde. btb Verlag, 2012, ISBN 978-3-641-07331-2.
Jan Fleischhauer [2013]: Über den hässlichen Deutschen. In: ders.: How dare you. Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken, München, Siedler 2020, ISBN 978-3-8275-0140-0, S. 33–35 (spiegel.de).
Felix Huby, Hans Münch: Die Schwaben und die Republik – So semmer halt! Belser, 2013, ISBN 978-3-7630-2655-5.
Holger Witzel: Gib Wessis eine Chance. Neue Beiträge zur Völkerverständigung, Gütersloh 2013, ISBN 978-3-579-06642-4.