Zum Inhalt springen

Sebastian Lee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Sebastian Lee 1843.jpg
Sebastian Lee (1843)<ref>Aus: History of violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments hrsg. von Edmund S. J. van der Straeten (William Reeves, 1915).</ref>

Sebastian Lee (auch: Lée) (* 24. Dezember 1805 in Hamburg; † ebenda am 4. Januar 1887) war Cellist, Komponist und Musikpädagoge.

Leben

Sebastian Lee wurde in Hamburg von dem Romberg-Schüler Johann Nikolaus Prell (1773–1849) unterrichtet. Auch sein jüngerer Bruder Louis Lee (1819–1896)<ref>Vgl. den Nachruf auf Louis Lee in: Phönix Nr. 11 im November 1896, Sp. 385 (online bei Google Books).</ref> spielte Cello sowie Klavier<ref>Vgl. Oscar Paul (Hg.): Handlexikon der Tonkunst, 2. Band, Nachtrag, Leipzig 1873, S. 16 (Digitalisat).</ref>.

1830 begann Sebastian Lee seine Karriere als Solist mit Konzerten in Deutschland, zuerst in Hamburg, dann in Leipzig. Es folgte eine Tournee über Kassel und Frankfurt nach Paris, wo er im April 1832 eintraf und mit großem Beifall im Théâtre-Italien auftrat. 1836 gastierte er in London, kehrte aber 1837 nach Paris zurück. Hier war er von 1837 bis 1868 Solocellist im Orchester der „Grand Opéra“.<ref>Vgl. Wilhelm Joseph von Wasielewski: Das Violoncell und seine Geschichte. Leipzig 1889, S. 182 (Digitalisat).</ref> Außerdem war er von 1840 bis 1870 Lehrer am „Conservatoire de Paris“<ref>Vgl. Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Januar 1886, S. 20 (online bei ANNO).</ref>.

Sebastian Lee gab 1845 in Frankreich seine bis heute verwendete und bekannte Violoncello-Schule op. 30 (Ecole du Violoncelliste) heraus. Seine Zeit in Paris war geprägt von reicher Schaffenskraft und unzähligen Auftritten in den Salons der Pariser Gesellschaft, bei denen er seine eigenen Kompositionen spielte (wie z. B. Fantasien über bekannte Opernmelodien oder Walzer)<ref>Wie z. B. seine Walzer op. 42, vgl. Revue et Gazette Musicale vom 9. Mai 1847, S. 158 (online bei ANNO).</ref>. Er trat aber auch in öffentlichen Konzerten auf, sowohl solistisch<ref>Wie z. B. in einem Konzert der spanischen Pianistin und Liszt-Schülerin Rosario de los Hierros 1840 in Paris, bei diesem Konzert wurde sein Spiel folgendermaßen beschrieben: „M. Lée est un de nos bons violoncellistes à qui nous aurions bien envie d'adresser le reproche de sacrifier un peu trop aux grâces sur son instrument qui ne demande qu’à parler avec vigueur et gravité; mais il le fait chanter d’une manière si mélancolique, si suave et si douce, qu’on se laisse bercer par sa mélodie sans lui demander compte de ses moyens mécaniques d’exécution.“ [„Herr Lée ist einer unserer besten Cellisten, dem wir gerne vorwerfen würden, seinem Instrument, das nur darauf wartet, mit Kraft und Ernst zu sprechen, etwas zu viel Anmut zu opfern; doch er lässt es so melancholisch, so lieblich und so sanft erklingen, dass man sich von seiner Melodie wiegen lässt, ohne seine mechanischen Spieltechniken zu hinterfragen.“ - Übersetzung mit DeepL] (Revue et Gazette Musicale vom 12. März 1840, S. 167–168, hier S. 168 online).</ref> als auch in kammermusikalischen Besetzungen<ref>Vgl. z. B. Revue et Gazette Musicale vom 4. April 1847, S. 116 (online bei ANNO); vgl. Revue et Gazette Musicale vom 29. Januar 1854, S. 36 f. (online bei ANNO), in dieser Rezension wird Sebastian Lee als „violoncelliste chanteur“ beschrieben, also als Cellist mit einem sanglichen Ton.</ref>. In direktem Bezug zur genannten Schule op. 30 stehen die Etüden op. 31 Bd. 1 und Bd. 2, die bis heute verlegt werden und in Gebrauch sind, sowie die jeweils zu drei Werken zusammengefassten Duette op. 36, op. 37, op. 38, op. 39.

Mit Ausbruch des Deutsch-Französsichen Krieges kehrte er nach Hamburg zurück. Hier wirkte er u. a. als erster Cellist in den Philharmonischen Konzerten und ließ sich als Cellolehrer nieder. Außerdem veranstaltete er in Hamburg Kammermusik-Soireen und schrieb weitere Werke bzw. Bearbeitungen für das Cello.<ref>Vgl. Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Januar 1886, S. 20 (online bei ANNO).</ref>

Sebastian Lee war mit Caroline Theodora Luther (1806–1882) verheiratet und hatte zwei Kinder: Sein Sohn Eduard war Pianist und starb bereits 1861 mit 26 Jahren in Hamburg<ref>Oscar Paul (Hg.): Handlexikon der Tonkunst. 2. Band, Nachtrag, Leipzig 1873, S. 16 (Digitalisat).</ref>, seine Tochter Caroline (* 1842) war mit dem Hamburger Kaufmann Cesar Böckmann verheiratet, ein Bruder des Lee-Schülers Ferdinand Böckmann. Sie wurde ebenfalls musikalisch ausgebildet und soll mit Adelina Patti befreundet gewesen sein.<ref>Vgl. Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Januar 1886, S. 20 (online bei ANNO); vgl. auch Revue et Gazette Musicale vom 30. Juli 1865, S. 250 (online bei ANNO).</ref> Sebastian Lee lebte zuletzt im Haus seiner Tochter,<ref>Vgl. Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Januar 1886, S. 20 (online bei ANNO).</ref> in der Friedrichstraße 3 (Uhlenhorst).<ref>Vgl. Hamburgisches Adress-Buch für 1887, Dritter Abschnitt, S. 227 (Digitalisat).</ref>

Sebastian Lee starb in Hamburg am 4. Januar 1887.

Werke (Auswahl)

Schulen

Violoncello-Schule op. 30

Etüdensammlungen

  • Melodische und progressive Etüden op. 31: Bd. 1, 1–22; und Bd. 2, 23–40
  • Zwölf Etüden zur Vervollkommnung op. 57
  • Vierzig leichte Etüden in der ersten Lage op. 70
  • Sechs melodische Etüden für das Cello allein op. 76
  • Guide du jeune Violoncelliste; 40 Exercices journaliers pour le Violoncelle op. 82 et. op. 83
  • Sechs Etüden für Violoncello op. 92
  • Fünfzig Etüden für den Anfang (Die ersten Schritte des jungen Violoncellspielers) op. 101
  • Sechs Capricen für Violoncello solo op. 105
  • Zwölf melodische Etüden für das Violoncello op. 113
  • 30 Präludien in allen Tonarten, jedem Präludium eine Tonleiter, mit und ohne Benutzung des Daumens für das Violoncello op. 122
  • Vierundzwanzig melodische Etüden für zwei Violoncelli op. 131

Duos für 2 Violoncelli

Duette aus „Die Schule des Violoncellisten“ op. 36, op. 37, op. 38, op. 39

  • Drei leichte Duos in fortschreitender Schwierigkeit F-Dur, C-Dur, D-Dur op. 36
  • Drei Duos G-Dur, B-Dur, d-Moll op. 37
  • Drei Duos in fortschreitender Schwierigkeit D-Dur, F-Dur, a-Moll op. 38
  • Drei mittelschwere Duos G-Dur, c-Moll, D-Dur op. 39
  • Sechs leichte Duos für zwei Violoncelli mit fortschreitender Schwierigkeit op. 60 Bd. 1, Nr. 1–3; Bd. 2, Nr. 4–6
  • Sechs Capricen für Violoncell mit Begleitung eines zweiten Violoncell op. 109
  • 22 Sehr Leichte Duette op. 126

Duos für Violoncello und Violine

Duette op. 124, op. 125

Bedeutung und Wirken

Sebastian Lee hat mehrere in der damaligen Zeit bekannte Cellisten herangebildet. Die bekanntesten davon sind Albert Gowa, Ferdinand Böckmann, August Bieler und Johann Karlowicz.<ref>Vgl. Eintrag: Sebastian Lee. In: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025). Letzte Änderung dieses Dokuments am 6. April 2022.</ref>

Die Bedeutung von Sebastian Lee liegt aus heutiger Sicht im Besonderen auf seinen dankbaren, musikalisch und technisch anspruchsvollen Etüden und Duetten, deren Studium dem Studierenden die Mittel für ein absolut gesanglich orientiertes Spiel in die Hand gibt. Von seinen über 130 hinterlassenen Cellowerken widmen sich die Mehrheit pädagogischen Zwecken.<ref>Vgl. Julius Bächi: Berühmte Cellisten. Porträts der Meistercellisten von Boccherini bis Casals und von Paul Grümmer bis Rostropovitch. Zürich/Freiburg i. Br. 1973, S. 58.</ref> Laut Julius Bächis Einschätzung liegt der Schwerpunkt seiner Etüden auf eine „elastische, feiner Nuancierung fähige Bogenführung und auf gediegenen, satten, modulationsreichen Ton.“<ref>Julius Bächi: Berühmte Cellisten. Porträts der Meistercellisten von Boccherini bis Casals und von Paul Grümmer bis Rostropovitch. Zürich/Freiburg i. Br. 1973, S. 58.</ref> Sebastian Lee hat die Gabe, schon während 16 Takten eine spezifische Stimmung und eindeutige, unverwechselbare musikalische Atmosphäre zu schaffen – sehr gut zu erfahren zum Beispiel in Op. 30 (Übungen in den Tonarten) oder Op. 101 (50 kurze Übungen für den Anfänger).

Literatur

  • Julius Bächi: Berühmte Cellisten. Porträts der Meistercellisten von Boccherini bis Casals und von Paul Grümmer bis Rostropovitch. Zürich/Freiburg i. Br. 1973, S. 58 f.
  • Theodore Baker: A Biographical Dictionary of Musicians. New York 1900, S. 347.
  • Margaret Campbell: The Great Cellist. London 1988, S. 69.

Weblinks

| {{#if: 
    | Vorlage:DNB-Portal – veraltete Parametrisierung 3=
  }}

}}

Einzelnachweise

<references />

{{#ifeq: p | p | | {{#if: 116860413n/85/7731659394111 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 116860413 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 116860413 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n/85/77316 | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n/85/77316 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 59394111 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 59394111 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung

{{#if: Lee, Sebastian | {{#if: | {{#if: Violoncellist und Komponist | {{#if: 24. Dezember 1805 | {{#if: Hamburg | {{#if: 4. Januar 1887 | {{#if: Hamburg |

Vorlage:Wikidata-Registrierung