Zum Inhalt springen

Sebastianstraße (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sebastianstraße
Wappen
Straße in Berlin
Datei:Berlin-Kreuzberg und Mitte Sebastianstraße.jpg
Sebastianstraße in Richtung
Alfred-Döblin-Platz
Datei:Placeholder.svg
Basisdaten
Ort  Berlin
Ortsteil  Kreuzberg und Mitte
Angelegt  27. Februar 1839
Neugestaltet 
Hist. Namen  Kirchgasse (um 1699 bis um 1723),
Kirchstraße (um 1723 bis Mitte 18. Jh.),
Sebastiankirch-Gasse (Mitte 18. Jh. bis 1839)
Name erhalten 
Anschluss­straßen 
Alte Jakobstraße (nördlich),
Dresdener Straße (südlich)
Querstraßen  Heinrich-Heine-Straße,
Prinzenstraße,
Luckauer Straße,
Alexandrinenstraße
Plätze  Alfred-Döblin-Platz
Nummern­system 
Bauwerke 
U-Bahn-Stationen
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßengestaltung
Länge 840 m

-

Karte
Vorlage:Maplink

Die Sebastianstraße liegt in den Berliner Ortsteilen Mitte (Hausnummern 1–61) und Kreuzberg (Hausnummern 69–88). Sie ist nach der Sebastiankirche (später: Luisenstadt-Kirche) benannt, die im ehemaligen Köpenicker Viertel (später Luisenstadt) bis 1965 stand. Da Kreuzberg in West-Berlin und Mitte in Ost-Berlin lag, teilte die Sektorengrenze und ab 1961 die Berliner Mauer auch die Sebastianstraße.

Verlauf und Geschichte

Die Straße beginnt im Norden an der Alten Jakobstraße und verläuft in südöstlicher Richtung bis zur Dresdener Straße. In Höhe der Alten Jakobstraße wurde 1694 auf Initiative des Kirchenvorstehers Sebastian Nethe der Grundstein für eine Kirche gelegt. Ihm zu Ehren erhielt sie den Namen Sebastiankirche mit der angrenzenden Kirchgasse (die heutige Sebastianstraße). Um 1723 wurde sie in Kirchstraße und Mitte des 18. Jahrhunderts in Sebastiankirch-Gasse umbenannt. 1839 erfolgte die bis heute verwendete Bezeichnung Sebastianstraße, während die Kirche zwei Jahre zuvor zu Ehren von Luise von Mecklenburg-Strelitz in Luisenstadt-Kirche umbenannt worden war.

Die Berliner Mauer teilte ab dem 13. August 1961 die Straße der Länge nach: Die Häuser mit den Hausnummern 1–3 lagen in Ost-Berlin, die Häuser 81–87 auf der gegenüberliegenden Seite in West-Berlin. Dort durften Fußgänger den Gehweg benutzen, der seit 1945 zum Sowjetischen Sektor gehörte.<ref>Chronik der Mauer: 29. August 1961, Webseite von Chronik der Mauer, abgerufen am 26. Januar 2013.</ref> Auf Ost-Berliner Seite wurde der Häuserblock Sebastian-/Luckauer Straße wenig später abgerissen.

Fluchttunnel Sebastianstraße 82

Datei:Berlin-Kreuzberg Sebastianstraße 82.jpg
Berlin-Kreuzberg, Sebastianstraße 82:
Von diesem Haus auf West-Berliner Seite wurde ein Fluchttunnel in den Osten gegraben
Datei:Gedenktafel Sebastianstr 82 (Kreuzb) Fluchttunnel3.jpg
Informationstafel gegenüber dem Haus Sebastianstraße 82, von dem aus ein Fluchttunnel in den Osten gegraben wurde

Während der Zeit der Teilung sind für die Jahre 1961–1982 insgesamt 70 Fluchttunnel bekannt, mit denen versucht wurde, Angehörige und Freunde nach West-Berlin zu bringen. Vom Haus Sebastianstraße 82 aus wurde im Frühjahr/Sommer 1962 solch ein Tunnel gegraben. Unter Leitung der Fluchthelfer Siegfried Noffke und Dieter Hötger entstand so ein rund 30 Meter langer und rund 75 Zentimeter breiter Tunnel, der bis unter das Kellerfundament des Gebäudes in der Heinrich-Heine-Straße 45–49 reichte. Geplant war, am 28. Juni 1962 Angehörige nach West-Berlin zu bringen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war jedoch seit dem 4. Juni durch den Inoffiziellen Mitarbeiter „Pankow“ über das Projekt informiert und observierte die Arbeiten. Unter dem Decknamen „Maulwürfe“<ref name="Baron2009">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989: ein biographisches Handbuch. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Ch. Links Verlag, Vorlage:Cite book/Date, ISBN 978-3-86153-517-1, [ ], S. 99 (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am 28. Januar 2013]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> wurde zunächst auf West-Berliner Seite nach Spuren von Erdarbeiten gesucht. Man entdeckte dabei neben den Erdarbeiten in Haus 82 ein rund zwei Meter tiefes Loch, das jedoch zu einem nicht weiter verfolgten Tunnel aus Haus Nummer 81 gehörte. Am 28. Juni durchbrachen die Fluchthelfer mit Hilfe eines Wagenhebers den Kellerboden und liefen um 12:15 Uhr in die vorbereitete Falle. Kurz nach dem Einsatzsignal eröffnete ein MfS-Offizier das Feuer auf Noffke und Hötger, die unbewaffnet waren. Noffke starb an seinen Schusswunden, Hötger wurde schwer verletzt. Durch Querschläger wurden jedoch auch der Offizier sowie der IM „Pankow“ verwundet. Hötger wurde wie die elf Fluchtwilligen wegen sogenannter „Republikflucht“ zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Der Inoffizielle Mitarbeiter wurde von Erich Mielke mit der Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee in Gold ausgezeichnet.<ref>Informations- und Gedenktafel der Berliner Unterwelten e. V. in der Sebastianstraße</ref> Seit 2009 erinnert eine Informationstafel in der Straße an das Geschehen.<ref>Eliese Berresheim: Erinnerungstafel enthüllt – eine gescheiterte Tunnelflucht. In: Berliner Morgenpost, 13. August 2009, abgerufen am 27. Januar 2013. (Link kostenpflichtig)</ref>

Künstlerische Darstellung

Sonstiges

Siehe auch

Weblinks

Commons: Sebastianstraße (Berlin) – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 30′ 16,8″ N, 13° 24′ 45,1″ O

 {{#coordinates:52,504653|13,412531|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-BE
   |type=landmark
  }}