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Selegilin

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Selegilin ist ein Arzneistoff, der vorrangig zur symptomatischen Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird, im Ausland aber auch als Antidepressivum Verwendung findet. Seine Wirkung vermittelt diese Substanz über eine irreversible Hemmung des Enzyms Monoaminooxidase B (MAO-B-Hemmer) und damit einer Hemmung des Dopamin-Abbaus im Gehirn. Selegilin unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht.

Das pharmakologische Profil von Selegilin (E-250, Deprenyl) wurde erstmals 1965 von József Knoll beschrieben.<ref>I. Szelenyi (Hrsg.): Inhibitors of Monoamine Oxidase B. Pharmacology and Clinical Use in Neurodegenerative Disorders. Springer, 1993. S.IX. doi:10.1007/978-3-0348-6348-3</ref>

Stereoisomerie

N-Methyl-N-(1-methyl-2-phenylethyl)prop-2-in-1-amin hat ein Stereozentrum und ist folglich eine chirale Verbindung, von der es zwei Isomere gibt. Als Selegilin bezeichnet man die (R)-Form (auch L-Selegilin oder (−)-Selegilin). Pharmazeutisch eingesetzt wird das Hydrochlorid.<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref>

Das Racemat, ein 1:1-Gemisch aus (R)- und (S)-Form, wird auch als Deprenyl<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> bezeichnet, von dem auch ein Hydrochlorid<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> beschrieben ist.

(+)- bzw. (S)-Selegilin<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> hat dagegen keine Bedeutung.

Pharmakologie

Anwendungsgebiete

In Kombination mit Levodopa wird Selegilin zur symptomatischen Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. In erster Linie findet Selegilin dabei Einsatz bei Patienten mit einem fluktuierenden Krankheitsbild (Dyskinesien, End-of-Dose-Fluktuationen, On-off-Phänomene). Darüber hinaus ist Selegilin als Monotherapeutikum zur Behandlung früher Stadien der Parkinson-Krankheit zugelassen.

In den USA wird Selegilin unter dem Handelsnamen Emsam zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Es wird dabei transdermal durch ein Pflaster verwendet. In Deutschland besteht jedoch keine Zulassung für dieses Anwendungsgebiet.

Eine diskutierte mögliche Wirksamkeit von Selegilin zur Verbesserung der Symptome der Alzheimer-Krankheit wurde nach einer Metaanalyse von Patientendaten negativ beurteilt.<ref>J. Birks, L. Flicker: Selegiline for Alzheimer’s disease. In: Cochrane Database Syst. Rev. 2003, S. CD000442, PMID 12535396.</ref>

Experimentell kommt der Gebrauch von Selegilin in der Nootropicszene vor, wo dem Stoff in niedriger Dosierung ein Anti-Aging Effekt zugeschrieben wird.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>

In der Tiermedizin wird Selegilin zur Behandlung von Verhaltensstörungen emotionalen oder geriatrischen Ursprungs bei Hunden verwendet.<ref>Vorlage:Vetpharm</ref>

Wirkmechanismus

Als MAO-B-Hemmer ist Selegilin ein Hemmstoff des Enzyms Monoaminooxidase B. Die Hemmung dieses Enzyms führt zu einer Hemmung des Abbaus von Dopamin und somit zu einer Erhöhung der pathologisch erniedrigten Dopaminkonzentration im Gehirn.

Nebenwirkungen

Unter der Anwendung von Selegilin sind insbesondere folgende Nebenwirkungen beschrieben worden: Mundtrockenheit, Appetitverlust, Schwindel, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Angst, Halluzinationen, Transaminasenanstieg, orthostatische Hypotonie und Herzrhythmusstörungen.

Wechselwirkungen

Der Abbau von Arzneistoffen, der über die Monoaminooxidasen abläuft, kann durch Selegilin verlangsamt werden. Keine unerwünschten Wirkungen sind hingegen durch die kombinierte Einnahme von Selegilin (max. 10 mg/Tag) mit tyraminhaltigen Nahrungsmitteln zu erwarten, da durch die MAO-B-Selektivität noch die Monoaminooxidase A für den Abbau von Tyramin zur Verfügung steht.<ref>Tyramin und MAO-Hemmer. Pharmama</ref>

Selegilin kann die Wirkungen und Nebenwirkungen von Sympathomimetika, Psychostimulanzien, Nasentropfen, Antihypotonika, Antihypertonika, Sedativa und Ethanol verstärken.

Die gleichzeitige Einnahme von Selegilin und Antidepressiva (insbesondere SSRI) kann zu schwerwiegenden Reaktionen, wie z. B. Flush, Hyperthermie, Krampfanfällen, Herz-Kreislauf-Störungen, psychischen Störungen (Verwirrtheit, Halluzinationen) bis hin zum Koma führen.

Selegilin verstärkt darüber hinaus die MAO-hemmenden Nebenwirkungen von Linezolid.

Herstellung

Eine mehrstufige Synthese für Selegilin, ausgehend von (RS)-Methamphetamin, ist in der Literatur beschrieben.<ref name="A. Kleemann">Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 1-58890-031-2.</ref>

Handelsnamen

Movergan (D, a.H.), Eldepryl (UK, S, F, DK), Emsam (USA), Zelapar (USA), Generika

Tiermedizin
Selgian

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

Anmerkungen

<references group="S" />

Vorlage:Gesundheitshinweis