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Seydlitz (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Stammwappen derer von Seydlitz
Stammwappen derer von Seydlitz

Die Familie von Seydlitz (auch Seidlitz bzw. Zeidlitz) gehört zum schlesischen Uradel und erscheint erstmals urkundlich 1287 mit Otto de Sidelicz.

Ursprung und Geschichte

Auf Grund ihrer Namensgebung vermutete der Historiker Johann Sinapius einen vandalischen Ursprung des Geschlechts derer von Seidlitz und erwähnt in seinen Schlesischen Curiositäten, dass sie bereits in den wendischen Kriegen um das Jahr 931 rittermäßige Soldaten gewesen sein sollen. Weiter wird berichtet, dass sich 627 ein Robert Seidlitz als Ritter auf dem Heereszug in das Heilige Land befand und dort neben anderen Rittern seinen Geist Gott aufgeopfert haben soll. Mitte des 7. Jahrhunderts soll ein Bernhard Seidlitz († 653 Rom) als Zeremonienmeister von Eugen I. gedient haben, im Jahr 1010 Konrad Seidlitz als Domkantor in Bamberg.

Das Geschlecht erscheint urkundlich erstmals am 12. Juni 1287 mit Otto de Sidelicz<ref>Original vormals im Schlossarchiv Dieban bei Steinau an der Oder.</ref> und weitere Mitglieder des Geschlechts treten gesichert im 13. Jahrhundert als castellani (Burggesessene) und barones auf, deren Stammhäuser sich in Thüringen und Böhmen sowie in Schlesien befanden. Ein gemeinsamer Ursprung mit dem schlesischen Geschlecht von Kurzbach wird auf Grund der Wappengleichheit vermutet. Das Geschlecht existiert noch in drei Stämmen: von Seydlitz und Gohlau, von Seydlitz-Kurzbach und von Seidlitz und Ludwigsdorf, deren näherer genealogischer Zusammenhang bisher nicht feststeht. Dies gilt ebenso für die Familie von Seydlitz mit zwei verschiedenen heraldischen Stämmen in Estland, wo nach der Neuauflage von Siebmacher’s Wappenbuch Ende des 19. Jh. die Familie von Seidlitz II ein ähnliches Wappen führte.<ref>Siehe: Seidlitz I Herren von, Est(h)land; Seidlitz II. Herren von. (Est(h)land), Ebenda: Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft. Band 3/11: Adel der Russ. Ostseeprovinzen. Die Ritterschaft. Band II: Edelleute Hertell - Zoritsch, Nachträge. Verlag Bauer und Raspe E. Küster, Nürnberg 1898, S. 434. u. Tafel 171.</ref> Seit dem 25. August 1858 besteht ein Geschlechtsverband.

Wappen

Das Stammwappen zeigt in Silber drei rote Fische übereinander. Auf dem Helm mit rot-weißen Decken sind zwei aufwärts geschrägte Turnierlanzen mit Fähnlein verwechselter Farbe zwischen einem roten und einem silbernen Büffelhorn angebracht und mit diesen verschränkt.

Bekannte Familienmitglieder

Datei:Le général von Seydlitz à la bataille de Zorndorf.jpg
Kavalleriegeneral Friedrich Wilhelm von Seydlitz (1721–1773) in der Schlacht von Zorndorf (1758)

Schiffe mit dem Namen Seydlitz

  • Seydlitz des Norddeutschen Lloyd, deutsches Hilfsschiff im Ersten Weltkrieg
  • Seydlitz, Großer Kreuzer (Schlachtkreuzer) der deutschen Kaiserlichen Marine
  • Seydlitz, Schwerer Kreuzer der deutschen Kriegsmarine, unvollendet

Seydlitz-Stiftungen

Der Ritterschaftsrat Ernst Friedrich von Seydlitz hinterließ ein Vermögen von 90.000 Reichstalern<ref>Christian Daniel Beck: Allgemeines Repertorium der neuesten in- und ausländischen Literatur für 1829, Zweiter Band, Hrsg. Von einer Gesellschaft Gelehrter, Carl Cnobloch, Leipzig 1829, S. 240.</ref> und setzte diese in verschiedene Bildungseinrichtungen in Berlin ein. Daraus entstand eine Stiftung, für Stipendiaten, hauptsächlich am damaligen Gewerbe-Institut Berlin, auch Gewerbe-Akademie genannt, dem Vorläufer der heutigen TU Berlin. Etwa ein Zehntel der Bewerber dort erhielten das Seidlitz-Stipendium.<ref>Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preussens, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 56, Walter de Gruyter, Berlin 1984, S. 324. ISBN 3-11-009598-X.</ref><ref>Festschrift der Technische Hochschule Berlin zur Feier der Einweihung ihres neuen Gebäudes am 2. November 1884, Reichsdruckerei, Berlin 1884, S. LXII.</ref><ref>Herr von Seydlitz erhielt 1833 im Vestibül des neuen Gebäudes der Gewerbeinstituts Berlin ein Denkmal, nach dem Entwurf von Schinkel. Aus dem Institut entstand später die TU Berlin.</ref> Die Stiftung bestand mindestens bis 1928.<ref>E. C. Zehme, F. Meißner, W. Kraska: Verschiedenes, in: ETZ. Elektrotechnische Zeitschrift (Zentralblatt für Elektrotechnik) 1928, Organ des Elektrotechnischen Vereins seit 1880, 49. Jahrgang, Heft 49, Julius Springer, Berlin, 6. Dezember 1928, S. 1792.</ref>

Des Weiteren hat der Vater des Autors Oscar Maria von Seydlitz, Gutsherr auf Meyershof bei Dorpat in Livland, eine Familien-Stiftung begründet.<ref>Alfred Baron von Eberstein: Hand-und Adressbuch der Genealogen und Heraldiker unter besonderer Berücksichtigung der Familiengeschichtsforscher, in: Handbuch für den deutschen Adel, Erste Abtheilung, XVI. Nachtrag, Mitscher & Röstell, Berlin 1889, S. 334.</ref>

Siehe auch

Literatur

Weitere Literatur

  • Abraham Hermann, Leonhard David Hermann: Des Geistlichen Gebrauch des Hoch-Adelichen Wappens derer von Koschembahr. In: Abrahami Hermanni Praxeos Heraldico-Mysticae Pars Secunda. Band 2: Zweyter Theil. In: (Des) Geistlichen Wappen-Brauchs, Denen Christ-Edlen Gemüthern, so solche führen, Sowol zum Verfolg .... Verlag David Richter, Bautzen/Görlitz 1726, S. 1/7.<ref>Reprint unter: Abrahami Hermanni Praxeos Heraldico-Mysticae Pars Secunda. In: Zweyter Theil d. Geistlichen Wappen-Brauchs. Hrsg. Herold (Verein), Signatur I H 86-2 (2), BoD-Norderstedt, Berlin 2013. ISBN 978-3-8430-7012-6.</ref>
  • E. v. Seydlitzsche Geographie. In vier Ausgaben. C. Größere Schul-Geographie, Ferdinand Hirt, Breslau 1892.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Seydlitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien