Siegfried Liebau
Siegfried Liebau (* 12. Januar 1911 in Schochwitz; † 20. April 1995<ref>Lebensdaten nach: Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 256</ref>) war ein deutscher SS-Obersturmbannführer, Anthropologe und Mediziner.
Leben
Liebau war der Sohn eines Pfarrers und entfernt mit Otmar Freiherr von Verschuer verwandt.<ref name="Klee256">Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 256</ref> Nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn absolvierte er ein Studium der Medizin und promovierte 1936 mit einer Dissertation namens: Über Hämangiome des Ohres zum Dr. med.<ref name="Klee371">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 371</ref> Anfang der 1930er Jahre arbeitete Liebau gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard unter deren Cousin Ernst-Robert Grawitz am Berliner Krankenhaus Westend. Mitte der 1930er Jahre heiratete Libau Ingeborg von Ekesparre, die er über Otmar Freiherr von Verschuer kennengelernt hatte.<ref name="Sachse226"> Carola Sachse (Hrsg.): Die Verbindung nach Auschwitz. Biowissenschaften und Menschenversuche an Kaiser-Wilhelm-Instituten. Dokumentation eines Symposiums, Göttingen 2003, S. 226</ref>
Liebau beantragte am 1. Juli 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.158.861).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/25750779</ref> Er schloss sich auch der SS an (SS-Nummer 276.969), bei der er Ende Januar 1945 bis zum SS-Obersturmbannführer aufstieg.<ref>Siegfried Liebau bei www.dws-xip.pl</ref> Nach dem 1936 erfolgten Beitritt zur SS gehörte er der SS-Verfügungstruppe an und war als Assistenzarzt in der Chirurgie am SS-Lazarett in Berlin beschäftigt.<ref>Anahid S. Rickmann: „Rassenpflege im völkischen Staat“: Vom Verhältnis der Rassenhygiene zur nationalsozialistischen Politik, Dissertation, Bonn 202, S. 303. {{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}.</ref> Liebau wechselte 1938 ins Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA). Ab November 1938 war Liebau Adjutant an der SS-Ärztlichen Akademie in Berlin.<ref name="Klee371"/> Liebau publizierte 1940 unter dem Titel: Die operative Behandlung der männlichen Sterilität einen Beitrag in der Zeitschrift Der Erbarzt, deren Herausgeber Verschuer war. Zwischen Mai 1940 und dem 25. Oktober 1942 arbeitete Liebau als Personalreferent sowie Hauptabteilungsleiter am Sanitätsamt der Waffen-SS in Berlin. Sein Vorgesetzter war dort Karl Genzken.<ref name="Sachse226" />
Zwischen Anfang Dezember 1942 und Oktober 1943 war Liebau wissenschaftlicher Assistent Verschuers am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (KWI-A) in Berlin-Dahlem.<ref name="Sachse256"> Carola Sachse (Hrsg.): Die Verbindung nach Auschwitz. Biowissenschaften und Menschenversuche an Kaiser-Wilhelm-Instituten. Dokumentation eines Symposiums, Göttingen 2003, S. 256</ref> Liebau war in den ersten Monaten des Jahres 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau anwesend. Dort fotografierte er für Verschuers Assistentin Karin Magnussen Angehörige einer Sinti-Familie, die heterochrome Augen hatten.<ref name="Schmuhl476"> Hans-Walter Schmuhl: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945. Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 9. Wallstein, Göttingen 2005, S. 476</ref> Zudem war Liebau in die Zwillingsforschung am KZ Auschwitz-Birkenau involviert.<ref name="Schmuhl480"> Hans-Walter Schmuhl: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945. Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 9. Wallstein, Göttingen 2005, S. 480</ref> Nach seiner Tätigkeit im KWI-A war Liebau kurzzeitig während des Deutsch-Sowjetischen Krieges eingesetzt und danach als leitender Mediziner beim Höheren SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik in der Operationszone Adriatisches Küstenland. Gegen Kriegsende musste ihm ein Arm amputiert werden.<ref name="Klee256"/>
Nach Kriegsende war Liebau in Nürnberg in alliierter Internierungshaft.<ref name="Sachse256"/> Nach seiner Entlassung arbeitete Liebau als Vertreter für homöopathische Präparate und eröffnete in Hannover eine homöopathische Praxis.<ref name="Klee371"/>
Literatur
- Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
- Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. 3. Auflage. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-14906-1.
- Carola Sachse (Hrsg.): Die Verbindung nach Auschwitz. Biowissenschaften und Menschenversuche an Kaiser-Wilhelm-Instituten. Dokumentation eines Symposiums. Wallstein-Verlag, Göttingen 2003 (=Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 6), ISBN 3-89244-699-7.
- Hans-Walter Schmuhl: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945. Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 9. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-799-3.
Einzelnachweise
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- Person (deutsche Besetzung Italiens 1943–1945)
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