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Silber(II)-fluorid

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Silber(II)-fluorid (Summenformel AgF2) ist das einzige bei Zimmertemperatur beständige Silber(II)-Salz. Die stabile Oxidationsstufe des Silbers ist +1, die Bildung von Silber(II)-fluorid ist daher ungewöhnlich.

Gewinnung und Darstellung

AgF2 wird durch die Reaktion von Silber mit elementarem Fluor hergestellt:

<chem>Ag + F2 -> AgF2</chem>

Bei 200 °C reagiert Silber(I)-fluorid oder Silber(I)-chlorid ebenfalls zu Silber(II)-fluorid<ref name="IS3">Vorlage:Literatur</ref>:

<chem>2 AgCl + 2 F2 -> 2 AgF2 + Cl2</chem>

Silber(II)-fluorid ist ein starkes Fluorierungsmittel und lichtempfindlich. Daher muss es in Teflon, passiviertem Metall oder in einem Behältnis aus Quarzglas aufbewahrt werden.

Eigenschaften und Struktur

Reines Silber(II)-fluorid ist ein weißes, kristallines und hygroskopisches Pulver<ref name="IS3" />. In kommerziellen Produkten von dunkler, brauner bis schwarzer Färbung findet man meist ein Fluor-Silber-Verhältnis unterhalb von 2, typischerweise 1,75.<ref>J. T. Wolan, G. B. Hoflund: Surface Characterization Study of AgF and AgF2 Powders Using XPS and ISS, in: Applied Surface Science 1998, 125.</ref>

Über den tatsächlichen Oxidationszustand des Silbers im Silber(II)-fluorid gab es lange keine Sicherheit, ob es tatsächlich als AgIIF2 oder in Analogie zum Silber(I,III)-oxid eher als ein Tetrafluoroargentat(III) des Silber(I) AgI[AgIIIF4] zu formulieren sei. Durch Neutronenstreuuntersuchungen wurde erstere Annahme bestätigt, wenngleich bei höheren Temperaturen auch die Tetrafluoroargentat(III)-Struktur auftrat.<ref>H.-C. Miller, A. Schultz, M. Hargittai: Structure and Bonding in Silver Halides: A Quantum...X=F, Cl, Br, I. In: Journal of the American Chemical Society (2005), 127.</ref>

Die Verbindung ist bei Raumtemperatur paramagnetisch, unterhalb ihrer Curie-Temperatur von −110 °C jedoch ferromagnetisch.

Silber(II)-fluorid bildet mit Fluoriden die intensiv gefärbten Fluorokomplex-Anionen [AgF3], [AgF4]2− und [AgF6]4−.

Verwendung

Silber(II)-fluorid ist ein sehr starkes Fluorierungs- und Oxidationsmittel:

  • Fluorierung und Herstellung von organischen Perfluorverbindungen<ref>D. Rausch, R. Davis, D. W. Osborne: The Addition of Fluorine to Halogenated Olefins by Means of Metal Fluorides. In: Journal of Organic Chemistry (1962) 28, S. 494–497</ref>,
  • Fluorierung von aromatischen Verbindungen; eine selektive Monofluorierung ist aber schwierig<ref>A. Zweig, R. G. Fischer, J. Lancaster: New Methods for Selective Monofluorination of Aromatics Using Silver Difluoride. In: Journal of Organic Chemistry (1980), 45.</ref>,
  • Oxidation von Xenon; bei dieser Reaktion in wasserfreiem Fluorwasserstoff (HF) erhält man Xenondifluorid XeF2<ref>J. Levec, J. Slivnik, B. Zemva: On the Reaction Between Xenon and Fluorine. In: Journal of Inorganic and Nuclear Chemistry, (1974) Volume 36.</ref>,
  • Silber(II)-fluorid oxidiert Kohlenmonoxid zu Carbonylfluorid (COF2).

Silber(II)-fluorid ist kommerziell verfügbar, der Bedarf liegt aber unter 100 kg pro Jahr. Verwendung findet es vor allem in Laboratorien; für die Großindustrie ist es mit rund 1200 US$/kg (1993) zu teuer.

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Navigationsleiste Silberhalogenide