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Spontane Ordnung

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Die Spontane Ordnung ist eine Theorie zum unbeabsichtigten Aufkommen von Ordnung aus vermeintlichem oder tatsächlichem Chaos. Sie überträgt bekannte Phänomene aus den Naturwissenschaften, wie die Evolution der Arten, auf die menschliche Gesellschaft.<ref name="cambridge-2">Luban, Daniel. (2019). What Is Spontaneous Order?. American Political Science Review, 1–13. doi:10.1017/S0003055419000625. S. 2–3.</ref><ref name="hunt">Hunt, L. (2007). The Origin and Scope of Hayek’s Idea of Spontaneous Order. In: Hunt, L., McNamara, P. (eds) Liberalism, Conservatism, and Hayek’s Idea of Spontaneous Order. Palgrave Macmillan, New York. https://doi.org/10.1057/9780230609228_3 S. 43–44.</ref> Theoretiker des Begriffs der „spontanen Ordnung“ betonen, dass viele Bräuche und Institutionen nicht das Ergebnis eines absichtlichen Entwurfs, sondern die Folge von vielen einzelnen Handlungen sind.<ref name="cambridge-1">Luban, Daniel. (2019). What Is Spontaneous Order?. American Political Science Review, 1–13. doi:10.1017/S0003055419000625. S. 1.</ref>

Naturwissenschaft

In der Thermodynamik folgt spontane Ordnung aus der gebrochenen Symmetrie zwischen dem Prinzip der Entropie und der Maximum-Entropie-Methode, was die Präferenz der Natur für den Weg des geringsten Widerstandes widerspiegelt.<ref>S. P. Mahulikar, H. Herwig: Conceptual investigation of the entropy principle for identification of directives for creation, existence and total destruction of order. In: Physica Scripta. 70(4), 2004, S. 212–221.</ref>

Herkunft des Begriffs für menschliche Gesellschaften

Eine soziale Ordnung wird oft definiert als Existenz von vorhersehbaren Verhaltensmustern oder das Vorkommen von kooperativem Verhalten.<ref name="cambridge-2"/>

Zurückgeführt werden Wurzeln der Theorie der spontanen Ordnung oft insbesondere auf Denker der schottischen Aufklärung. David Hume beschrieb, wie Konventionen stillschweigend entstehen können, ohne eine ausdrückliche Vereinbarung der Parteien. Adam Ferguson schrieb, das Nationen auf Einrichtungen basieren, die nicht die Ausführung eines genau so geplanten menschlichen Entwurfs sind. Auch die Theorie von Adam Smith, wonach Marktteilnehmende Resultate produzieren, die nicht so beabsichtigt waren (verbunden mit der Theorie der Unsichtbaren Hand), bildet ein Fundament der Theorie.<ref name="cambridge-1"/><ref>Norman Barry: The Tradition of Spontaneous Order. Library of Economics and Liberty. Band V, Nr. 2, 1982, S. 7–58. Arlington, VA: Institute for Humane Studies.</ref> Populär wurde der Begriff „spontane Ordnung“ selbst jedoch erst im 20. Jahrhundert, erfunden wurde der Begriff vom Chemiker Michael Polanyi.<ref name="cambridge-1"/>

Verwendungen des Begriffs

Hayek und Märkte

Populär wurde der Begriff „spontane Ordnung“ vor allem durch die Publikationen von dem Ökonomen Friedrich Hayek, welcher die Marktwirtschaft als eine spontane Ordnung ansah.<ref name="cambridge-1"/><ref name="hunt"/> Das Konzept war eine Erweiterung seiner bestehenden Argumentation für die Marktwirtschaft und gegen die Planwirtschaft im Kalten Krieg.<ref name="cambridge-1"/> Der Markt ermöglicht nach Hayek eine Vermeidung von Chaos und eine „effizientere Verteilung der Ressourcen einer Gesellschaft als jede Art von Design.“<ref>Hayek cited. Christian Petsoulas: Hayek's Liberalism and Its Origins: His Idea of Spontaneous Order and the Scottish Enlightenment. Routledge. 2001. S. 2</ref> Die spontane Ordnung basiere im Gegensatz zu anderen Systemen nicht auf Befehlen, wobei Befehle und Gehorsam weiterhin vorkommen.<ref name="cambridge-4">Luban, Daniel. (2019). What Is Spontaneous Order?. American Political Science Review, 1–13. doi:10.1017/S0003055419000625. S. 4–6.</ref>

Das Konzept der spontanen Ordnung erklärt nach Hayek sowohl Geld und Märkte als auch viele weitere Institutionen. Ein gewisses Level der Harmonie zwischen der verschiedenen Elementen sei jedoch für die Ordnung notwendig, um kooperativ zu arbeiten.<ref name="cambridge-3">Luban, Daniel. (2019). What Is Spontaneous Order?. American Political Science Review, 1–13. doi:10.1017/S0003055419000625. S. 1–3.</ref> Dieses Konzept der spontanen Ordnung verbreitete sich auch bei anderen Vertretern der Österreichischen Schule der Ökonomie.<ref>David A. Harper, Paul Lewis: New perspectives on emergence in economics, Journal of Economic Behavior & Organization, Volume 82, Issues 2–3, 2012, S. 329–337. https://doi.org/10.1016/j.jebo.2012.02.004.</ref> Der ordoliberale Ökonom Franz Böhm unterstützte die Markt-Ansicht von Hayek, war jedoch der Ansicht, dass es aktiven Handeln des Souveräns (Staates) bedarf, um die Marktordnung zu kreieren.<ref name="cambridge-6">Luban, Daniel. (2019). What Is Spontaneous Order?. American Political Science Review, 1–13. doi:10.1017/S0003055419000625. S. 6.</ref>

Ein Kritiker des Konzeptes vom Markt als spontane Ordnung war der Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi. Nach der Argumentation von Polanyi sind Märkte nicht „natürlich“ und „spontan“ entstanden, sondern entsprangen bewussten Handlungen der Herrschenden. Laissez-faire war eine beabsichtigte Handlung.<ref name="cambridge-2"/> Unter anderem der Anthropologe David Graeber sieht die Entstehung von Märkten ebenfalls nicht als spontan an. Bedingungen für die Marktwirtschaft, wie die Verbreitung des Geldes, wurden demnach durchaus mit Absicht von Regierungen zur Organisation der Wirtschaft eingeführt. Staatenlose Gesellschaften tendierten hingegen zu keiner Marktwirtschaft.<ref>David Graeber: Debt: The first 5,000 Years. Melville House, New York 2011, ISBN 978-1-933633-86-2. S. 49–50.</ref>

Anarchismus

Anarchisten vertreten die Auffassung, dass menschliche Gesellschaften ohne Autoritäten besser funktionieren. Der Naturzustand sei, dass Menschen harmonisch und frei miteinander leben. Anarchie führe zu einer „spontanen Ordnung“. Das politische Spektrum umfasst das ganze politische Spektrum, darunter sowohl die extreme Rechte, welche auf die Herrschaft des Marktes setzt, als auch die extreme Linke, welche auf den Kommunismus als Ziel beim Wegfallen des Staates setzt. Einer der Theoretiker des Anarchismus war Pierre-Joseph Proudhon. Er argumentierte für das Prinzip des Mutualismus (Ökonomie) als Ordnung.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if: | {{#if: Vorlage:Cite book/ParamBool | Vorlage:Toter Link/archivebot | Vorlage:Webarchiv/archiv-bot }}

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  }}</ref> Laut Proudhon ist die Freiheit ist „nicht die Tochter, sondern die Mutter der Ordnung“.<ref>Proudhon: P. J. Proudhon's Solution to the Social Problem. New York: Vanguard, 1927, S. 45</ref>

Das Konzept der spontanen Ordnung wurde auch in den Arbeiten der russischen Slawophilen, insbesondere bei Dostojewski verwendet und ist verwandt mit dem Konzept der Sobornost. Diese nahm Tolstoi als Grundlage der Ideologie des Christlichen Anarchismus. Lenin diente die Sobornost als Basis seiner Reformen, um eine vereinigende Kraft der Obschtschina im präsowjetischen Russland zu bezeichnen.<ref name="buch-j1208xA7F_0C-388">Harold Joseph Berman: Faith and Order. Wm. B. Eerdmans Publishing, 1993, ISBN 978-0-8028-4852-9, S. 388. {{#if: j1208xA7F_0C | {{#if: {{#if: ||1}} {{#if: j1208xA7F_0C ||1}} | <0|&pg={{#if:|RA{{{Band}}}-}}PA388|&pg=388}}{{#if:|&q=}}#v=onepage|{{#if:|&pg=|}}{{#if:|&q=}}}}{{#if:|q=%7B%7B%7BSuchbegriff%7D%7D%7D}}|{{#if:|q=%7B%7B%7BSuchbegriff%7D%7D%7D}}}} {{#if:|{{#invoke:WLink|getEscapedTitle|{{{Linktext}}}}}|eingeschränkte Vorschau}}{{#if:|| in der Google-Buchsuche}}{{#ifeq:|US|-USA}}{{#if: j1208xA7F_0C |{{#invoke: Vorlage:GoogleBook|fine |id=j1208xA7F_0C |errN=Parameter „BuchID“ hat falsche Länge |errC=Parameter „BuchID“ enthält ungültige Zeichen |errH=# in der „BuchID“ |errP=Parameterzuweisungen in der „BuchID“ |class=editoronly |cat={{#ifeq: 0 | 0 | Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch}} |template= Vorlage:Google Buch}} }} | Es darf nur genau einer der beiden Parameter „Suchbegriff“ oder „BuchID“ ausgefüllt werden. Bitte beachte die in der Vorlage:Google Buch befindliche Dokumentation und prüfe die verwendeten Parameter.{{#ifeq: 0 | 0 | }}}} | Es muss mindestens einer der beiden Parameter „Suchbegriff“ oder „BuchID“ ausgefüllt werden. Bitte beachte die in der Vorlage:Google Buch befindliche Dokumentation und prüfe die verwendeten Parameter.{{#ifeq: 0 | 0 | }}}}{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Suchbegriff= BuchID= Seite= Band= SeitenID= Hervorhebung= Linktext= Land= KeinText= |cat= {{#ifeq: 0 | 0 | Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch}} |template= Vorlage:Google Buch |format= }}{{#if:|{{#if:{{#invoke:WLink|isBracketedLink|{{{Linktext}}}}}|}}}}</ref>

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />