Zum Inhalt springen

Staffelsee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox See

Der Staffelsee ist ein 4,6 km langer und 3,7 km breiter See im Ammer-Loisach-Hügelland<ref name="BezGei">Einhard Bezzel, Ingrid Geiersberger: Wasservogeljagd am Staffelsee: Fallbeispiel für die Störwirkung verschiedener Jagdmethoden. In: Ornithologischer Anzeiger. Band 37, 1998, S. 61–67 (Vorlage:ZOBODAT).</ref> im südlichsten Landkreis Oberbayerns, dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Er ist knapp acht Quadratkilometer groß mit einer Tiefe von bis nahezu 40 Meter. Sieben baumbestandene Inseln machen ihn zum inselreichsten See im Alpenvorland.<ref>schloesser.bayern.de</ref> Er liegt „inmitten einer voralpinen Moorlandschaft westlich von Murnau“.<ref>https://www.wwa-wm.bayern.de/themen/fluesse_seen/gewaesserportraits/doc/staffelsee.pdf Wasserwirtschaftsamt Weilheim: Staffelsee</ref>

Entstehung

Der Toteissee, dessen Becken vom Loisachgletscher geformt wurde, entstand in der Würmeiszeit. Der See ist wegen seiner geschützten Lage zwischen den Molasserippen der Murnauer Mulde nur flach ausgeschürft. Die Grundfläche des Sees, dessen Wasserspiegel gegen Ende der Würmeiszeit etwa zehn Meter höher als heute lag, weist viele vom Eis polierte Konglomerat‑Inseln des Oberoligozäns auf (sogenanntes Wörth‑Konglomerat).

Namen

Im sogenannten Staffelsee-Inventar wird von einem Kirchengut namens „Staphinseie“ berichtet.<ref>Theodor von der Goltz, Geschichte der Deutschen Landwirtschaft</ref> Als latinisierte Form lässt sich „Stafnensis“ finden. Ob diese Fundstellen tatsächlich auf den Staffelsee hindeuten, ist nicht ausreichend geklärt.

Es gibt aber auch eine gewisse Ähnlichkeit zu den bayerischen Kurzformen Steffl oder Stefferl für den Vornamen Stefan bzw. Stephan. Ebenfalls kommen die Abkürzungen Stoffl oder Stofferl für Christoph in Betracht. Andere Herleitungen bringen die zahlreichen Untiefen mit dem Begriff „Stufe“ auch im Sinne von Treppe und dem Namen in Verbindung (Staffel/Staffelei ist in Süddeutschland ein mundartlicher Ausdruck mit dieser Bedeutung).

Gliederung

Der Staffelsee wird in die drei Seeteile Obersee, Untersee und Steg(see) gegliedert.<ref>Ferienwohnung am Staffelsee</ref>

Der Untersee ist der nördliche Teil um die Inseln Buchau, Gradeneiland und Mühlwörth, mit der Uffinger Bucht im Norden. Der Obersee ist der südwestliche Teil um die Inseln Große Birke und Kleine Birke. Der Steg oder Stegsee ist der südöstliche Teil mit den Inseln Wörth und Jakobsinsel. Letztere nannte man früher auch Steginsel.<ref name="Prechtl S. 3">J. B. Prechtl: Der Staffelsee. München 1853, S. 3</ref> In den Stegsee ragt die Halbinsel Burg, die die Seehauser Bucht im Norden von der Murnauer Bucht im Süden trennt. Der Stegsee wird auch Mittersee genannt.<ref>Hansjakob Gebhart: Staffelsee-Chronik. Murnau 1931, S. 79</ref>

Die Grenze zwischen Untersee im Norden und Stegsee im Süden verläuft in ost-westlicher Richtung zwischen den Landspitzen Kühle (Vorlage:Coordinate) beim Ort Seehausen und Scharfes Eck (Vorlage:Coordinate) südlich der Halbinsel Lindenbichl und berührt das südliche Ende der Buchau. Die Grenze zwischen dem Obersee im Westen und dem Stegsee im Osten verläuft in nord-südlicher Richtung zwischen dem Scharfen Eck und dem Geratsried am Südufer des Sees, wobei die Insel Wörth ganz zum Stegsee gerechnet wird.<ref name="Bürgerblatt2014">Bürgerblatt für Uffing und Scheffau, 34/2014, Teil 1, S. 20–21: Historische Staffelseekarte</ref>

Inseln

Der See hat sieben Inseln. Zu denen heißt es 1853: Er hat einen Flächenraum von mehr als 2000 Tagwerken, eine Tiefe von 5–24 Klaftern und 7 Inseln mit den Namen Oberpirka, Unterpirka, Wörth, S. Jakob oder Steginsel, Bucha, Gradeneila und Milliwörtl.<ref name="Prechtl S. 3" /> Die Inseln sind gehobene, aus ihrem Zusammenhang gelöste Molassefragmente. Das Seebecken ist in ihrer Lagerung stark gestörte Molasse.<ref>Alois Geistbeck: Die südbairischen und nordtirolischen Seen. In: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885, Band XVI, S. 334–354, hier S. 346.</ref>

Datei:Wörth Staffelsee 1770.jpg
Das Werk von etwa 1770 zeigt den früher vorhandenen Steg über die kleine Jakobsinsel zur Insel Wörth
Datei:Staffelsee Old Map.jpg
Die historische Karte zeigt ebenfalls den Steg

Eine Übersicht der Inseln (von Südwest über Südost nach Nord) mit Flächenangabe bietet die nachstehende Tabelle:

Vorlage:All Coordinates

Nr. Insel Fläche
Seeteil<ref name="Bürgerblatt2014" /> Koordinaten
(WGS 84)
1 Große Birke 23610 Obersee Vorlage:Coordinate
2 Kleine Birke 1770 Obersee Vorlage:Coordinate
3 Wörth 395120 Stegsee Vorlage:Coordinate
4 Jakobsinsel (St. Jakob) 140 Stegsee Vorlage:Coordinate
5 Buchau 45420 Untersee Vorlage:Coordinate
6 Gradeneiland 890 Untersee Vorlage:Coordinate
7 Mühlwörth (Rabeninsel) 7560 Untersee Vorlage:Coordinate
  Inseln im Staffelsee 474510 Staffelsee  
Datei:Staffelsee Karte B.jpg
Karte des Staffelsees

Die Inseln sind von sehr unterschiedlicher Größe. Wörth ist die größte und einzig permanent bewohnte. Die Schiffsverbindung von Seehausen zur Insel Wörth führt südlich an der Jakobsinsel vorbei.

Untiefen

Auf der Staffelseekarte von 1890 sind insgesamt 19 zumeist benannte Untiefen verzeichnet, davon zwei im Obersee, fünf im Stegsee und zwölf im Untersee (darunter eine unbenannt).<ref name="Bürgerblatt2014" /> 17 der Untiefen sind benannt, zwei davon (Grad Eiland und St. Jakob) sind nach den ihnen nahe gelegenen Inseln benannt. Nur zwei dieser historisch bezeichneten Stellen sind tatsächlich Erhebungen auf dem Seegrund, die bis nahe an die Oberfläche reichen, wie anhand einer modernen Tiefenlinienkarte festgestellt werden kann:

Der Stein, 260 Meter nordnordwestlich der Insel Buchau im Untersee bei Vorlage:Coordinate gelegen, ist die bekannteste Untiefe im Staffelsee. Er hat eine geringste Wassertiefe von nur rund 60 Zentimetern. Die mit 39,4 Metern tiefste Stelle des Staffelsees liegt nur 400 Meter nordwestlich dieser Stelle. Am Hain ist eine weitere nur rund 60 Zentimeter tiefe Untiefe, gelegen im Obersee bei Vorlage:Coordinate, 250 Meter westlich der Nordwestspitze der Insel Wörth.

Halbinseln

Datei:Luftbild Staffelsee 01 (RaBoe retuschiert).jpg
Der See aus einem Flugzeug gesehen
  • Die Halbinsel Lindenbichl liegt am westlichen Seeufer 300 Meter westlich der Nordspitze der Insel Buchau im Seeteil Untersee (Vorlage:Coordinate). Sie ist 2,6 ha groß und 230 Meter lang, und gehört, wie das übrige westliche und nördliche Seeufer, zur Gemeinde Uffing. Sie war früher eine Insel und ist heute nur durch einen weniger als 50 Meter breiten Moorstreifen mit dem Festland verbunden. Sie ist nur mit Booten zu erreichen und vom Festland her nicht zugänglich, da das Moor als die einzige Verbindung zum Festland als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist und somit nicht betreten werden darf. Früher gab es am Ostufer einen Steg, der nicht mehr existiert. Die Halbinsel ist von der evangelischen Jugend Weilheim gepachtet, die seit 1953 hier jedes Jahr in den Sommerferien ein Kinder-Zeltlager veranstaltet, das sich hoher Beliebtheit erfreut. Die Halbinsel ist über ein kleines Motorboot namens Titanic zu erreichen und wird damit versorgt. Die Beleggruppen kommen mit der MS Seehausen und einer Fähre, der Blende, auf die Halbinsel. 500 Meter weiter nördlich, jenseits der Halbinsel am nördlichen Westufer, befindet sich der große Zeltplatz Am Aichale oder Aichalehof.
  • Die Halbinsel Burg schließt sich westlich an den Ortsteil Seehausen der Gemeinde Seehausen am südlichen Ostufer im Stegsee an, bei Vorlage:Coordinate, und gehört auch zur Gemeinde Seehausen. Sie ist 1,7 ha groß und hat einen Campingplatz. 260 Meter westlich davon liegt das östliche Ende der Insel Wörth. Auf halbem Wege liegt die kleine Jakobsinsel, über die früher der Holzsteg vom Festland auf die Insel Wörth führte. Die Halbinsel Burg trennt die Murnauer Bucht im Süden von der Seehauser Bucht im Norden.
  • Offiziell hat der Staffelsee nur die beiden vorgenannten Halbinseln. Jedoch ist die Achmündung im Südwesten (Obersee), mit landfest gewordenem Inselhügel, ebenfalls eine Halbinsel (bzw. der Hügel eine ehemalige Insel), die fast 400 Meter in den See ragt, bei einer Breite von 50 bis 100 Metern und eine Fläche von rund 3 Hektar, bei Vorlage:Coordinate.

Verwaltung

Der See gehört mit fast der gesamten Fläche zur Gemeinde Seehausen. Im Norden und Westen hat auch die Gemeinde Uffing Anteil am Seeufer, im äußersten Südosten besitzt der Markt Murnau 210 Meter Seeufer zwischen dem Strandbad Murnau und der Schiffsanlegestelle. Der eigentliche See ohne die Uferbereiche ist Eigentum des Freistaates Bayern, für dessen Verwaltung die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen zuständig ist.<ref>Staffelsee auf der Website der Bay. Schlösserverwaltung</ref> Vorlage:Absatz

Tourismus

Der See ist ein beliebter Badesee mit mildem, moorhaltigem Wasser, das durch die Muldenlage des Sees schnell erwärmt wird. Die Umgebung kann über einen Rundwanderweg mit einer Länge von 22 km erkundet werden. Während der Sommermonate können Ruder- und Tretboote gemietet werden und in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte Oktober ist das Angeln möglich. Im Winter finden Eisläufer, Eishockeyspieler und Eisstockschützen auf der ausgedehnten Eisfläche ein weites Betätigungsfeld. Zwischen den Anliegergemeinden Murnau, Seehausen a.Staffelsee und Uffing verkehrt das Fahrgastschiff MS Seehausen.

Ökosystem

Der Staffelsee ist ein mesotrophes Gewässer<ref>https://www.wwa-wm.bayern.de/themen/fluesse_seen/gewaesserportraits/doc/staffelsee.pdf Wasserwirtschaftsamt Weilheim: Staffelsee, PDF, abgerufen am 21. Februar 2022</ref>, das heißt, er weist eine „geringe bis mäßige Nährstoffbelastung“ auf, hat eine „mittlere Sichttiefe“ und eine „mäßige Produktion von Algen“.<ref>https://www.wwa-wm.bayern.de/themen/fluesse_seen/gewaesserportraits/doc/staffelsee.pdf Wasserwirtschaftsamt Weilheim: Staffelsee, PDF, abgerufen am 21. Februar 2022</ref> Laut Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat sich „die insgesamt mäßige Nährstoffbelastung des Sees (...) nach einer erkennbaren Abnahme Anfang der achtziger Jahre, in den letzten fünfzehn Jahren praktisch nicht mehr geändert“.<ref>https://www.wwa-wm.bayern.de/themen/fluesse_seen/gewaesserportraits/doc/staffelsee.pdf Wasserwirtschaftsamt Weilheim: Staffelsee, PDF, abgerufen am 21. Februar 2022</ref> Nahe der weitläufigen Uferbereiche lauern Hechte auf Renken und Schleien. Daneben gibt es Aale, Karpfen, Zander und viele Weißfische.<ref>Der Staffelsee auf angeln.de</ref>

Der Staffelsee „liegt“ laut Wasserwirtschaftsamt Weilheim „inmitten einer voralpinen Moorlandschaft westlich von Murnau... Das Fehlen eines Zuflusses aus den Alpen bewahrt den Staffelsee vor rascher Verlandung“.<ref>https://www.wwa-wm.bayern.de/themen/fluesse_seen/gewaesserportraits/doc/staffelsee.pdf Wasserwirtschaftsamt Weilheim: Staffelsee, PDF, abgerufen am 21. Februar 2022</ref> Diese voralpine Moorlandschaft, genannt Murnauer Moos, ist das größte zusammenhängende naturnah erhaltene Moorgebiet Mitteleuropas.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Die starke Nutzung als Naherholungsgebiet Münchens sorgt dafür, dass bis in den Spätsommer hinein dem See nur eine geringe Rolle als Rastplatz für Wasservögel zukommt. Zwischen Dezember und März ist der See in etwa jedem dritten Jahr ein bis drei Monate ganz oder teilweise zugefroren. Die größten Rastbestände werden daher im Herbst, also zur Zeit der Jagd erreicht. Aus 10 Jahren (1985/86 sowie 1988/89 bis 1995/96) liegen die Jagdstrecken vor. Gemeldet wurden Stockenten, Blässhühner, Reiherenten, Höckerschwäne, Kanadagänse und Lachmöwen.<ref name="BezGei" /> Zum Schutz der Arten ist das Befahren des Staffelsees mit Motorbooten nicht erlaubt.

Trinkwasser

Entgegen anders lautender Quellen<ref>Der Staffelsee auf angeln.de</ref><ref>https://www.fisch-hitparade.de/gewaesser/staffelsee</ref><ref>https://www.monsterfisch.de/gewaesser/staffelsee-murnau-am-staffelsee/</ref><ref>https://www.stand-up-paddling.org/sup-staffelsee/</ref> ist das Wasser des Staffelsees nicht als Trinkwasser eingestuft.<ref>Mail des Wassermeisters von Murnau vom 21. Februar 2022</ref> Die Gemeinden am Staffelsee nutzen das Wasser aus dem Staffelsee daher nicht als Trinkwasserversorgung. Das dortige Trinkwasser wird aus dem Grundwasser gewonnen.<ref>Mail des Wassermeisters von Murnau vom 21. Februar 2022</ref>

Geschichte und Kultur

Der See war seit 1476 vollständig in Besitz des Klostergerichts Ettal. Die einzelnen Fischereigerechtigkeiten waren zum Teil von den Herren von Seefeld (1341), zum Teil von den Herren von Preysing (1471) sowie von den Höhenkirchnern zu Uffing (1475 und 1476) an das Klostergericht gefallen.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Seit 1935 findet jedes Jahr an Fronleichnam eine Seeprozession bzw. Schiffsprozession statt. Von der Dorfkirche zieht der Zug durch die Straßen von Seehausen bis an den See, von dort weiter mit Booten zur Simpertkapelle (St. Bonifatius) auf der Insel Wörth. Hier befand sich vielleicht kurzzeitig das Kloster Staffelsee, das in einer Quelle mit „Ecclesia Stafnensis“<ref>Historisches Lexikon Bayerns</ref> bezeichnet wird und vermutlich durch die Ungarn im 10. Jahrhundert zerstört wurde. Simpert, der letzte Neuburger Bischof, wurde um das Jahr 800 „Bischof von Neuburg im Staffelsee“ (Simpert Episcopus Stafnensis ecclesiae) genannt. Das Kloster kann daher ggf. als zweiter Sitz des Bistums Neuburg angesehen werden. Als gesichert können jedoch alle diesbezüglichen Angaben auch nach Ausgrabungen auf der Insel Wörth nicht eingestuft werden.<ref>Ausgrabungen auf der Insel Wörth</ref>

Zitat

Ödön von Horváth nennt die abgegangene Fürst-Alm auf dem Dünaberg bei Murnau am Staffelsee wegen des Blicks auf das „Murnauer Moos, das Estergebirge und auch das Wettersteingebirge“ als „den schönsten Punkt am nördlichen Rande der bayerischen Alpen, den man mit Kraftfahrzeugen erreichen kann“.<ref>https://murnauer.blog/oedoen-von-horvath/ Murnauer Blog: Im Gespräch mit Ödön von Horváth, 14. Juni 2021, abgerufen am 21. Februar 2022</ref><ref>https://www.projekt-gutenberg.org/horvath/klprosa/chap011.html</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Peter Blath: Der Staffelsee und seine Anrainergemeinden. Sutton Verlag, Erfurt 2006, ISBN 978-3-86680-039-7.
  • Rolf K. F. Meyer, Hermann Schmidt-Kaler: Auf den Spuren der Eiszeit südlich von München -östlicher Teil- (= Wanderungen in die Erdgeschichte. 8). Friedrich Pfeil, München 2002, ISBN 3-931516-09-1.
  • Johann Baptist Prechtl: Der Staffelsee. München 1853 (Digitalisat).

Weblinks

Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Navigationsleiste Naturschutzgebiete im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Vorlage:Normdaten