Strakosch (Familie)
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Strakosch ist der Name einer alten österreichischen Industriellenfamilie ursprünglich mährisch-jüdischer Herkunft. Die Familie war zunächst in der Tuchindustrie in Brünn tätig, ab 1867 auch in der Zuckererzeugung. So war beispielsweise die Zuckerfabrik Hohenau in Niederösterreich eine Gründung von sechs Brüdern Strakosch. Die „Zuckerbarone“ Strakosch spielten auch im österreichischen Kulturleben eine nicht unbedeutende Rolle.
Mitglieder der Familie waren vor allem:
- Salomon Strakosch (1795–1867), Tuchfabrikant in Butschowitz bei Brünn, dann in Brünn
- Jonas Strakosch (1820–1888), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch in Brünn und ab 1867 der Zuckerfabrik Hohenau
- Ludwig Strakosch (* 1. November 1855 in Brünn; † 14. Oktober 1919 in Hamburg), Opernsänger<ref name="nfp|27|10|1919|05">Kleine Chronik. (…) † Opernsänger Ludwig Strakosch. In: Neue Freie Presse, Nachmittagblatt, Nr. 19818/1919, 27. Oktober 1919, S. 5, Mitte rechts. (online bei ANNO).</ref> (Bariton), Sohn von Jonas Strakosch und Jeanette Bauer<ref>Arnbom, S. 118.</ref>
- Irma Strakosch (Maria Ludmilla, geb. Czerwinská, 1860–1931), Ehefrau von Ludwig, Sängerin und Schriftstellerin
- Hunold Strakosch (* 4. März 1886 in Danzig; † 1. Juli 1938 im KZ Dachau), Schauspieler, Regisseur und Schauspiellehrer, Sohn von Ludwig und Irma<ref>Hunold Strakosch. In: lexm.uni-hamburg.de, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Hamburg, abgerufen am 29. März 2026.</ref>
- Lydia Biermann (geborene Strakosch, * 16. September 1887 in Königsberg; † 30. Juni 1980 in Berlin), Sängerin und Gesangslehrerin, Tochter von Ludwig und Irma<ref>Sophie Fetthauer: Lydia Biermann. In: lexm.uni-hamburg.de, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Hamburg, abgerufen am 9. Juli 2011.</ref>
- Isidor Strakosch (1826–1898), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch in Brünn und ab 1900 der Zuckerfabrik Hohenau
- Siegfried Strakosch (1867–1933), Sohn von Isidor, ab 1913 nobilitiert zu Strakosch von Feldringen, Zuckerindustrieller und Wirtschaftspolitiker
- Rosa Strakosch (* 1881), geborene Schwarz, Siegfrieds erste Frau, Mutter von Georg
- Georg Strakosch-Feldringen (* 28. September 1898 in Brünn; † 7. Juli 1938 in Wien, Selbstmord), ab 1933 geschäftsführender Direktor der Zuckerfabrik Hohenau<ref>Arnbom, S. 133.</ref>
- Wally Strakosch-Feldringen (* 1. Mai 1884; † 22. November 1970 in Wien)<ref>Achter Bericht, S. 142, 144, 147.</ref>, Tochter des Börsenmaklers Friedrich „Fritz“ Duschnitz (* 1854; † vor 1940) und dessen Ehefrau Adele geb. Landsinger (* 1. September 1856 in Essegg an der Drau; † 18. Dezember 1940 in England),<ref>Achter Bericht, S. 141.</ref> ab 1909 Siegfrieds zweite Frau, Mutter von Christl, Lilly und Hans
- Christl Strakosch-Feldringen (* 3. Juli 1910; † 31. Mai 1997 im US-Bundesstaat Pennsylvania)<ref name="Achter_Bericht_p147" />, verheiratet mit Otto Patzau (* 10. Oktober, 1902; † 21. September 1991)<ref name="Achter_Bericht_p147">https://www.newspapers.com/image/175269227/?terms=%22otto%20patzau%22%20&match=1</ref>, Leiter von A. Egger’s Sohn, einer von Siegfried in Wien erworbenen Süßwarenfirma, die Patzau 1960 an das Unternehmen Friedmann verkaufte. <ref>Arnbom, S. 135.</ref>
- Lilly Strakosch-Feldringen (* 3. Juli 1911; † 17. Mai 2009), Violinistin, Ehefrau von Heinrich Schnitzler (Sohn von Arthur Schnitzler)
- Hans Strakosch-Feldringen (* 2. Februar 1913; † 3. Oktober 1995 in Los Angeles) <ref>Arnbom, S. 127 f.</ref><ref>Achter Bericht, S. 146, 148.</ref>, Eheschließung mit Ini Wessely († 18. Dezember 1982) vor 1938<ref>Arnbom, S. 132.</ref>, nach 1945 Leiter der Zuckerfabriken
- Bernhard Strakosch (1829–1908), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch in Brünn und ab 1867 der Zuckerfabrik Hohenau
- Felix Strakosch (1864–1931), Sohn von Bernhard, Vetter von Siegfried, um 1900 Mitinhaber der Zuckerfabrik Hohenau<ref>Arnbom, S. 123.</ref>
- Oskar Strakosch (1904–1974), Sohn von Felix Strakosch und dessen Ehefrau Elise (* 1878; † nach 1958), trat 1933 als Gesellschafter in das Unternehmen ein,<ref>Arnbom, S. 131.</ref> nach Rückkehr aus der Emigration in London übernahm er 1949 die Zuckerfabrik.<ref>Arnbom, S. 125.</ref>
- Felix Strakosch (1864–1931), Sohn von Bernhard, Vetter von Siegfried, um 1900 Mitinhaber der Zuckerfabrik Hohenau<ref>Arnbom, S. 123.</ref>
- Eduard Strakosch (1830–1888), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch in Brünn und ab 1867 der Zuckerfabrik Hohenau, 1879 Mitgründer der Confections-Waaren-Fabrik D.S.E. Strakosch in Brünn
- Henry Strakosch (1871–1943), Sohn von Eduard Strakosch und Mathilde, geborener Winterstein, österreichisch-britischer Bankier
- David Strakosch (Dominik, 1834–1891), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch und 1879 Mitgründer der Confections-Waaren-Fabrik D.S.E. Strakosch in Brünn
- Simon Strakosch (1835–1901), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch und 1879 Mitgründer der Confections-Waaren-Fabrik D.S.E. Strakosch in Brünn
- Nathan Strakosch (1836–1904), Sohn von Salomon, Hopfenhändler in Prag, Großvater von Alice Rühle-Gerstel
- Jonas Strakosch (1820–1888), Sohn von Salomon, Gesellschafter der Tuchfabrik Gebrüder Strakosch in Brünn und ab 1867 der Zuckerfabrik Hohenau
Weiterhin gehören zur Familie:
- Maurice Strakosch (Moritz Strakosch, 1825–1887), Komponist und Impresario, Onkel von Ludwig Strakosch, Bruder von Max und Ferdinand Strakosch. <ref name="nfp|27|10|1919|05" /> <ref>Arnbom, S. 119 f.</ref>
- Robert Strakosch, Impresario, Sohn von Maurice Strakosch <ref>Forty Years a Manager. (Nachruf auf Maurice Strakosch; englisch). In: The New York Times, 11. Oktober 1887, abgerufen am 9. Juli 2011.</ref>
- Max Strakosch (1835–1892), Impresario, Bruder von Maurice und Ferdinand Strakosch.
- Ferdinand Strakosch († 1902 in Paris), Impresario, Bruder von Maurice und Max Strakosch. <ref name="Arnbom_p111">Arnbom, S. 111.</ref>
- Karl Strakosch, Impresario, wahrscheinlich der Sohn von Ferdinand Strakosch, heiratete am 6. November 1886 die aus der Kellog-Dynastie<ref name="Arnbom_p111" /> stammende Sängerin Clara Louise Kellog (1842–1916).
- Samuel Strakosch (* 1. September 1827 in Brno), verheiratet mit Frances Strakosch-Jacobs (* etwa 1834; † 28. März 1914)
- George Leslie Strakosch (* 1857 in Australien), verheiratet mit Julia Strakosch
- Edgar Hugh Strakosch (* 30. April 1859 in Australien, aufgewachsen in Wien; † 23. Dezember 1942 in San Francisco), Impresario unter anderem von Clara Louise Kellog und Sarah Bernhardt <ref name="Arnbom_p111" />, Textdichter, Direktor der Carleton Opera Company, heiratete am 23. Januar 1889 Henrietta Avery<ref>Chief Musical Events 1889. January. In: The New York Clipper Annual. Frank Queen Pub. Co., New York 1890, S. 10.</ref>, zweite Besetzung für Clara Louise Kellog <ref>Edgar Strakosch’s Bride. Wedded In Canada To Miss Kellogg’s Understudy. (englisch). In: The New York Times, 1. Februar 1889, abgerufen am 10. Juli 2011.</ref>
- Florence Helene Liebers (geb. Strakosch, * 5. Januar 1861 in St. Kielda bei Melbourne, Australien; † 30. April 1932 in Wien), verheiratet mit Carl Liebers (* 7. Juli 1851 in Prag; † 28. Oktober 1888)
- Edith Popper (geb. Strakosch, * 1. Dezember 1862 in Groß Seelowitz, Tschechien; † März 1924)
- Viola Adelaide Grün (geb. Strakosch, * 14. Juli 1864 in Brünn; † 18. Februar 1942 im KZ Theresienstadt), verheiratet mit Georg Grün (* Januar 1856 in Kolín, Tschechien; † 17. Dezember 1921)
- Phoebe Anna Strakosch (* 3. Juli 1868 in Wien; † 26. Mai 1874 ebenda)
- Otto Leopold Strakosch (* 2. März 1873 in Wien)
- Julie Louise Strakosch (* 25. Juni 1876 in Wien), verheiratet mit Hugo Schwarz (* 8. Februar 1878)
Weitere Träger des Namens (Verwandtschaft mit der genannten Familie nicht geklärt bzw. nicht gegeben):
- Alexander Strakosch (* 3. Dezember 1845 in Sebes bei Eperies (Ungarn)<ref name="nfp|17|09|1909|29">Tod des Rezitators Alexander Strakosch. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 16191/1909, 17. September 1909, S. 5 Mitte. (online bei ANNO).</ref>; † 16. September 1909 in Berlin<ref>Rezitator Strakosch gestorben. In: Neue Schlesische Zeitung / Schlesisches Tagblatt. Einzige Morgenzeitung in Österreichisch-Schlesien, Nr. 210/1909 (XIV. Jahrgang), 18. September 1909, S. 1, Mitte links. (online bei ANNO).</ref>), Rezitator, Schauspieler und Sprecherzieher, ab ca. 1870 Lehrer am Wiener Conservatorium, ab 1888 Professor an der Akademie für Tonkunst in München.<ref>Nachlässe in Österreich – Personenlexikon, Österreichische Nationalbibliothek, September 2009.</ref> Alexander Strakosch, ein naher Verwandter von Maurice Strakosch<ref>Kohut, Band 1, S. 250.</ref>, war in erster Ehe mit der Theaterschauspielerin Toni Fürst (1852–1873) und in zweiter Ehe mit der späteren dritten Frau von Gustav Freytag, Anna Götzel (auch: Anna Fuchs<ref name="nfp|17|09|1909|29" />), verbunden <ref>Otmar Rychlik: Gäste – Große Welt in Bad Vöslau. Zur Ausstellung in den historischen Räumen des Schlosses. Stadtgemeinde Bad Vöslau, Bad Vöslau 1994, OBV, S. 164.</ref>, die aus dieser Ehe die gemeinsame Tochter Mika-Maria (* 22. April 1875; † 23. Juli 1959) in die Freytag-Ehe mitbrachte.
Literatur
- Adolph Kohut: Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Ein Handbuch für Haus und Familie. 2 Bände. Payne, Leipzig-Reudnitz 1901/02. – Volltext online: Band 1, Band 2.
- Elisabeth Lebensaft, Josef Mentschl: Strakosch. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 25. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-11206-7, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Marie-Theres Arnbom: Textil und Zucker. Familie Strakosch. In: —: Friedmann, Gutmann, Lieben, Mandl und Strakosch: fünf Familienporträts aus Wien vor 1938. 2. Auflage. Böhlau, Wien 2002, ISBN 3-205-99373-X, S. 105–136 (in Teilen) online.
- Achter Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Wissenschaft über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien sowie der Wienbibliothek im Rathaus. (Restitutionsbericht 2007). Wien 2008. – Volltext online (PDF; 1,2 MB).
- Strakosch (Strakosch-Feldringen), Textil- und Zuckerindustriellen- sowie Musikerfamilie in Mähren, Niederösterreich und Wien. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Hrsg. im Auftrag des Collegium Carolinum von Miroslav Kunštát, Hans Lemberg, Ralph Melville, Ferdinand Seibt, Helmut Slapnicka und Thomas Winkelbauer. Band IV. Collegium Carolinum, München 2024, ISBN 978-3-944396-71-2, S. 465–471.
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
Commons: Strakosch (Familie) – Sammlung von Bildern
- Biografie Siegfried Strakosch (PDF-Datei; 78 kB)
- Weiteres biografisches Material laut Restitutionsbericht, Wien Museum, 2007, S 146ff (PDF-Datei; 1,1 MB)