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Strebausbau

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Datei:PS720Abbau im Flöz.jpg
Strebausbau mit Holz

Als Strebausbau bezeichnet man im Bergbau sämtliche Ausbauarten, die dazu dienen, das Hangende zwischen der Abbaufront (Kohlenstoß) und der Versatzkante von nachbrechendem Gestein freizuhalten.<ref name="Quelle 1" />

Geschichte

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Einzelstempel

Als Ausbaumaterial wurde im Abbau jahrzehntelang Holz eingesetzt. Ab dem Jahr 1925 wurden im Ruhrbergbau die Abbaubetriebe von kleinen Stoßbetrieben auf Streblangfrontbetriebe mit einer Streblänge von 80 bis 150 Meter umgestellt. Als Ausbaumaterial wurde zu dieser Zeit auch weiterhin Holz eingesetzt.<ref name="Quelle 2" /> Ab dem Jahr 1930 wurde der Holzausbau mehr und mehr durch Reibungsstempel und Stahlkappen verdrängt.<ref name="Quelle 3" /> Gegen Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Gelenk-Stahlkappen entwickelt und in den Streben eingesetzt.<ref name="Quelle 17" /> Ab dem Jahr 1950 wurde die stempelfreie Kohlenfront mit vorkragender Kuppelkappe in den Streben eingeführt. Zur gleichen Zeit wurde die vollmechanische Gewinnung eingeführt, was wiederum dazu führte, dass die Schüttelrutsche in den Streben durch den Kratzkettenförder ersetzt wurde.<ref name="Quelle 3" /> Ab dem Jahr 1960 wurde der Arbeitsablauf in den Streben weiter mechanisiert, die Reibungsstempel wurden durch hydraulische Einzelstempel ersetzt.<ref name="Quelle 2" /> Ab dem Jahr 1965 wurde der vollmechanische Schreitausbau in den Streben eingeführt und schon 1970 war dies die überwiegende Art des Strebausbaus.<ref name="Quelle 3" /> Im Jahr 1981 waren im deutschen Steinkohlenbergbau bereits 98 Prozent aller Strebe mit hydraulischem Schreitausbau ausgerüstet.<ref name="Quelle 10" />

Ausbauarten

Der Strebausbau besteht in der Regel aus Stempeln und Kappen. Man unterscheidet hierbei den reinen Holzausbau, den reinen Metallausbau und den gemischten Ausbau.<ref name="Quelle 5" /> Beim gemischten Ausbau gibt es die Variante Stempel aus Holz und Kappen aus Metall und die Variante Stempel aus Metall und Kappen aus Holz.<ref name="Quelle 5" />

Holzausbau

Datei:Strebausbau Holzstempel mit Kappe v1.gif
Holzausbau Stempel und Kappe

Die älteste Form des Strebausbaus ist vermutlich der hölzerne Einzelstempel mit einem Kopfholz, dem dann mit mehreren Holzstempeln unterstützte Kappenzüge folgten. Um Ressourcen zu sparen, wurden die Stempel an der Versatzkante geraubt und am Kohlenstoß neu gesetzt. Daneben wurden an besonders belasteten Stellen Pfeiler (Kästen) gesetzt. Diese Pfeiler sind im Geviert aufgestapelte Kästen aus Rundholz oder angeflachtem Rundholz, seltener Kantholz wie zum Beispiel Bahnschwellen.<ref name="Quelle 9" /> Eine weitere Variante des Holzausbaus war der Holzstempelausbau mit linienhafter Unterstützung. Hierbei wurden Halbhölzer als Kappen benutzt.<ref name="Quelle 6" /> Strebausbau aus Holz hat unter anderem den Vorteil, dass das Ausbaumaterial leicht zu bearbeiten ist. Allerdings kann das Ausbaumaterial selten wieder verwendet werden.<ref name="Quelle 4" /> Außerdem muss zur Unterstützung des Hangenden direkt jeweils ein Stempel am Kohlenstoß gesetzt werden.<ref name="Quelle 7" />

Metallausbau

Wird der Strebausbau als reiner Metallausbau erstellt, wird er entweder als Einzelstempelausbau oder als Schreitausbau erstellt.<ref name="Quelle 1" />

Einzelstempelausbau

Beim Einzelstempelausbau wird der Strebausbau durch mehrere einzelne Stempel in Verbindung mit Kappen realisiert.<ref name="Quelle 1" /> Anstelle des Ausbaumaterials Holz wird hier Eisen als Ausbaumaterial eingesetzt.<ref name="Quelle 15" /> Als Kappen wurden zunächst abgelegte Bahnschienen eingesetzt, später in speziellen Konstruktionen wie die der Vanwersch-Kappe.<ref name="Quelle 5" /> Durch den Einsatz von Stahlstempeln kann der Abstand zur Abbaufront vergrößert werden, dadurch ist es möglich, die Abbaufront stempelfrei zu halten.<ref name="Quelle 16" /> Dies bringt den Vorteil, dass nun der Einsatz von Gewinnungsmaschinen wie Kohlenhobel oder Walzenschrämlader möglich ist.<ref name="Quelle 7" /> Beim Stempel ging die Entwicklung über verschiedene Reibungsstempel zum Hydraulikstempel.<ref name="Quelle 5" /> Verbreitetste Form war der Ferromatik-Stempel. Dieser Stempel wurde in Größen von 0,4 m bis 5,6 m hergestellt und kann mittels von außen zugeführtem Druckwasser (bis zu 160 bar) mit einem Verstellbereich von bis zu 0,8 m gesetzt werden.

Schreitausbau

Datei:Witten - Zeche Blankenburg 06 ies.jpg
Schildausbau

Als Schreitausbau bezeichnet man alle Ausbaueinheiten, die sich mechanisch fortbewegen.<ref name="Quelle 1" /> Hierbei werden mehrere hydraulische Stempel zu einer Ausbaugruppe zusammengefasst.<ref name="Quelle 7" /> Beim Schreitausbau verlaufen alle Arbeitsschritte – Rauben, Vorrücken, Setzen – mechanisch ab.<ref name="Quelle 8" /> Jede Ausbaueinheit lässt sich über eine Ventilsteuerung betätigen. Die Entwicklung des Schreitausbaus verlief in mehreren Schritten.<ref name="Quelle 7" /> Um die schwere und gefährliche Arbeit des Ausbauumsetzens zu erleichtern, wurden ab Mitte des 20. Jahrhunderts Ausbaugestelle und Ausbauzüge entwickelt. Je zwei Stempel und eine Kappe wurden starr verbunden und über ein Schreitwerk mit einem weiteren Stempelpaar mit Kappe verbunden.<ref name="Quelle 9" /> Dieser Ausbauzug mit in Abbaurichtung hintereinander angeordneten Rahmen bewährte sich aber nicht und verschwand bald.

Der nächste Entwicklungsschritt waren die Gespanne. Aus diesen Gespannen wurde der Bockausbau entwickelt.<ref name="Quelle 3" /> Gespanne und Ausbauböcke werden auch als herkömmlicher Schreitausbau bezeichnet.<ref name="Quelle 1" /> Letzter Entwicklungsschritt ist der Schildausbau. Schildausbau wird ab einer Mächtigkeit von 0,8 m eingesetzt, eine dieser Schildeinheiten wiegt ca. 7 t. Die größten Ausbauschilde sind bis zu 6 m ausfahrbar und erreichen Gewichte von mehr als 25 t.<ref name="Quelle 10" /> Die Versorgung des Schreitausbaus mit Hydraulikflüssigkeit erfolgt über eine zentrale Druckerzeugungsanlage. Die Hydraulikflüssigkeit hat einen Druck von bis zu 200 Bar.<ref name="Quelle 9" />

Durch die Mechanisierung der Ausbauarbeit mittels Schreitausbau konnte die Abbauleistung um ein Mehrfaches gegenüber der Handarbeit gesteigert werden.<ref name="Quelle 7" /> Anfänglich kam es beim Ein- und Ausfahren des Schreitausbaus zu mehreren Unfällen. Grund hierfür war die Überdimensionierung der Hydraulikleitungen. Durch diese Überdimensionierung kam es dazu, dass sich der Ausbau schneller als gewohnt senkte oder ausfuhr. Durch entsprechende Drosseleinrichtungen wurden diese Gefahrenquellen beseitigt.<ref name="Quelle 11" /> Für das Einbringen und Rauben von Schreitausbau gelten im deutschen Bergbau besondere Sicherheitsbestimmungen.<ref name="Quelle 12" /> Sämtliche Bauteile für den Schreitausbau unterliegen einer Zulassung durch das Landesoberbergamt.<ref name="Quelle 13" /><ref name="Quelle 14" />

Sonstiges

Während in den 1950er-Jahren eine Strebausrüstung weniger als 100 t Material umfasste, das im Einsatz mehrmals täglich von Hand umgesetzt wurde, wiegt eine heutige Strebausstattung bis zu 5000 t. Der Einsatz erfolgt mit minimalem menschlichen Aufwand, der logistische Aufwand für Transport von über Tage in die Grube, Ein- und Ausbau (Rauben) ist jedoch beträchtlich.

Literatur

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Einzelnachweise

<references> <ref name="Quelle 1"> Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7. </ref> <ref name="Quelle 2"> Joachim Huske: Der Steinkohlenbergbau im Ruhrrevier von seinen Anfängen bis zum Jahr 2000. 2. Auflage, Regio-Verlag Peter Voß, Werne, 2001, ISBN 3-929158-12-4 </ref> <ref name="Quelle 3"> Ernst-Ulrich Reuther: Einführung in den Bergbau. 1. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1982, ISBN 3-7739-0390-1. </ref> <ref name="Quelle 4"> Ausbauarten. Auf: Fördergerüste im Ruhrbergbau (abgerufen am 19. Oktober 2011). </ref> <ref name="Quelle 5"> Otto Proempeler, Hermann Hobrecker, Günther Epping: Taschenkalender für Grubenbeamte des Steinkohlenbergbaus 1956. Karl Marklein-Verlag GmbH, Düsseldorf 1956. </ref> <ref name="Quelle 6"> Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Zweiter Band, Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage, Verlag von Julius Springer, Berlin 1932. </ref> <ref name="Quelle 7"> Gerhard Ludwig: Bergbauforschung. In: Deilmann Haniel Unser Betrieb, Nr. 4, Juli 1969, Online (abgerufen am 19. Oktober 2011; PDF; 5,6 MB). </ref> <ref name="Quelle 8"> Heinz M. Hiersig (Hrsg.): VDI-Lexikon Maschinenbau. VDI-Verlag GmbH, Düsseldorf 1995, ISBN 978-3-540-62133-1. </ref> <ref name="Quelle 9"> Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweiter Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962. </ref> <ref name="Quelle 10"> Heinz Kundel: Kohlengewinnung. 6. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1983, ISBN 3-7739-0389-8. </ref> <ref name="Quelle 11"> Sammelblatt der Bezirksregierung Arnsberg Abteilung 6: Verwendung von Schreitausbau (abgerufen am 20. Oktober 2011). </ref> <ref name="Quelle 12"> Sammelblatt der Bezirksregierung Arnsberg Abteilung 6: Einbringen von Schreitausbau sowie Ausrauben von Ausbau in Streben, Strecken und sonstigen Grubenbauen (abgerufen am 20. Oktober 2011). </ref> <ref name="Quelle 13"> Zulassungen von Ausbauteilen für Schreitausbau. Online (abgerufen am 21. Oktober 2011; PDF; 2,8 MB). </ref> <ref name="Quelle 14"> Zulassungen von Stempeln und Kappen für Schreitausbau. Online (abgerufen am 21. Oktober 2011; PDF; 2,7 MB). </ref> <ref name="Quelle 15"> Ernst-Ulrich Reuther: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 12. Auflage, VGE Verlag GmbH, Essen 2010, ISBN 978-3-86797-076-1, S. 367–374. </ref> <ref name="Quelle 16"> Horst Roschlau, Wolfram Heinze, SDAG Wismut (Hrsg.): Wissensspeicher Bergbautechnologie. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1974, S. 88–89. </ref> <ref name="Quelle 17"> Karl Fröhlich: Strebausbau für stempelfreie Abbaufront. In: Glückauf, Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift. Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Hrsg.), Heft 37/38, 79. Jahrgang, 18. September 1943, S. 433–438. </ref> </references>