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Stummelfußfrösche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Stummelfußfrösche
Datei:Atelopus zeteki (2).jpg

Panama-Stummelfußfrosch (Atelopus zeteki)

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
ohne Rang: Amphibien (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Neobatrachia
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Stummelfußfrösche
Wissenschaftlicher Name
Atelopus
Duméril & Bibron, 1841

Die Stummelfußfrösche (Atelopus) werden manchmal auch Harlekinfrösche oder Harlekinkröten genannt und bilden eine im tropischen Lateinamerika – zwischen Costa Rica im Norden und Bolivien im Süden – beheimatete Gattung aus der Familie der Kröten (Bufonidae). Es werden 104 beschriebene Arten zu diesen Amphibien gezählt – einige weitere ehemalige Atelopus-Arten werden mittlerweile anderen Gattungen zugeordnet.<ref name="ASW" /> In älteren Systematiken wurden die Stummelfußfrösche zusammen mit den Sattelkröten (Brachycephalus) als eigene Familie Atelopidae abgegrenzt. Unter anderem das Vorhandensein des Bidderschen Organs weist sie aber als Angehörige der „Kröten“ aus.

Beschreibung

Es handelt sich um meist sehr kleine, schlanke und mitunter bizarr gebaute, sehr farbenfrohe und giftige Froschlurche (siehe beispielsweise: Panama-Stummelfußfrosch). Der deutsche Name bezieht sich auf die häufig stark verkürzten inneren Finger und Zehen.

Die Pupille ist horizontal. Die Zunge ist elliptisch, ganzrandig und hinten frei abhebbar. Gaumenzähne und Gaumenfalten sind nicht vorhanden. Das Trommelfell ist nicht sichtbar. Die Finger sind entweder frei oder an der Basis mittels einer Schwimmhaut miteinander verbunden. Diese greift nicht zwischen die Metatarsen der 4. und 5. Zehe ein. Die Spitzen der Finger und Zehen sind höchstens leicht verdickt, aber niemals zu deutlichen Haftscheiben verbreitert. Die Endglieder der Zehen sind einfach und knöchern. Die Coracoide und Praecoracoide divergieren mehr oder weniger stark. Das Omosternum ist nicht vorhanden. Das Sternum ist knorpelig. Mäßig stark verbreitert sind die Querfortsätze das Sakralwirbels.<ref name="Nieden" />

Lebensweise

Zu ihren bevorzugten Lebensräumen zählen Schluchten von Berg-Nebelwäldern. Sie halten sich dort am Boden auf und sind in der Regel tagaktiv auf der Jagd nach Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Die Wanderungen zu Laichplätzen in schnellfließenden Bergbächen und kleinen Flüssen können Stummelfußfrösche wochen- oder sogar monatelang in Paarungsumklammerung zubringen. Die Männchen vieler Arten stoßen leise trillernde oder zirpende Balzrufe aus. Der Laich wird in Schnüren abgelegt und an Pflanzen oder Steine im Wasser geheftet. Die Kaulquappen verfügen über große Saugnäpfe, um in der Strömung der Bäche nicht verdriftet zu werden.

Gefährdung

Bekanntheit haben Stummelfußfrösche in jüngster Zeit dadurch erlangt, dass fast alle Arten in ihrem Fortbestand akut gefährdet sind: Die IUCN stuft von 101 bewerteten Arten allein 67 in der höchsten Gefährdungskategorie, vom Aussterben bedroht (critically endangered), ein, wobei 38 dieser Arten mit dem Zusatz möglicherweise ausgestorben (possibly extinct) versehen sind. Drei Arten gelten als sicher ausgestorben (extinct).<ref name="IUCN2025">IUCN (2025). IUCN Red List of Threatened Species. Version 2025-2</ref> Nach einer Studie von 2005 zeigten von den damals berücksichtigten 113 beschriebenen Arten 42 einen deutlichen Rückgang, 30 Arten wurden als verschollen bewertet. Nur 10 Arten galten als in ihrem Bestand stabil.<ref>La Marca et al.: Catastrophic Population Declines and Extinctions in Neotropical Harlequin Frogs (Bufonidae: Atelopus), Biotropica 37, 2005, S. 190-201 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF online (Memento des Vorlage:IconExternal vom 8. Januar 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.natureserve.org Artikel auf researchgate</ref> Die Art Atelopus balios wird von der IUCN inzwischen sogar zu den einhundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten gezählt.<ref>Informationsschrift der IUCN zu den 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten, engl.</ref>

Der massive Rückgang der Stummelfußfrösche wird neben anderen Ursachen in erster Linie auf Infektionen durch den Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) zurückgeführt, insbesondere bei den Populationen in Mittelamerika. Dessen vermehrtes Auftreten bringen Untersuchungen wiederum mit einem beginnenden Klimawandel in Zusammenhang. So soll eine verstärkte Wolkenbildung über den Berghabitaten zu höheren Durchschnittstemperaturen in den Nächten führen, wodurch sich die für das Gedeihen des Chytridpilzes optimale Temperaturspanne ausdehnt.<ref>Studie in „Nature“, zit. in: Philip Bethge: Eine Arche für die Frösche. – Der Spiegel 47/2006: S. 176–178.</ref>

Zum Rückgang dürften ferner (frühere) Massenexporte in die westlichen Industrieländer beigetragen haben, wo diese Lurche in Terrarien gehalten wurden – oft mit geringem Erfolg und entsprechend hohem „Tierverbrauch“.<ref name="Schulte" />

Arten

Datei:Atelopus carrikeri01.jpg
Atelopus carrikeri
Datei:Atelopus flavescens.jpg
Atelopus flavescens
Datei:Atelopus franciscus male territorial call - pone.0022080.s002.oga
Atelopus franciscus
Datei:Atelopus glyphus.jpg
Atelopus glyphus
Datei:Atelopus laetissimus.jpg
Atelopus laetissimus
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Atelopus nahumae
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Atelopus patazensis
Datei:Atelopus spumarius.jpg
Atelopus spumarius
Datei:Atelopus spurrelli.jpg
Atelopus spurrelli
Datei:Atelopus varius.jpg
Atelopus varius
Datei:Atelopus zeteki01b.jpg
Panama-Stummelfußfrosch (Atelopus zeteki)

Die Gattung umfasst 104 Arten.<ref name="ASW" />

Stand: 31. Oktober 2025

Einzelnachweise

<references> <ref name="Nieden">Fritz Nieden: Anura II. In: F. E. Schulze, W. Kükenthal, K. Heider (Hrsg.): Das Tierreich. Walter de Gruyter & Co., Berlin/Leipzig 1926, S. 76.</ref> <ref name="ASW">Darrel R. Frost: Atelopus Duméril & Bibron, 1841. Amphibian Species of the World: An Online Reference. Version 6.2. Electronic Database accessible at American Museum of Natural History, New York 1998–2024. Abgerufen am 16. Februar 2024.</ref> <ref name="Schulte">Rainer Schulte: Frösche und Kröten. Ulmer-Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-8001-7048-5, S. 110 ff.</ref> <ref name="Herrera-Alva 2020">V. Herrera-Alva, V. Díaz, E, Castillo, C. Rodolfo & A. Catenazzi: A new species of Atelopus (Anura: Bufonidae) from southern Peru. Zootaxa, 4853, 2020.</ref> <ref name="Batista 2021">M. Veselý & A. Batista: A new species of Atelopus (Amphibia: Bufonidae) from eastern Panama. Zoological Research/Dōngwùxué yánjiū, 42, Kunming 2021, S. 272–279, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.319.</ref> <ref name="Velásquez-Trujillo 2024">D. A. Velásquez-Trujillo, F. Castro-Herrera, S. Lötters & A. Plewnia: A new species of harlequin toad from the Western Cordillera of Colombia (Bufonidae: Atelopus), with comments on other forms. Salamandra 60: 2024, S. 67–81.</ref> <ref name="Plewnia 2024">A. Plewnia, A. Terán-Valdez, J. Culebras, R. Boistel, D. J. Paluh, A. B. Quezada Riera, C. H. Heine, J. P. Reyes-Puig, D. Salazar-Valenzuela, J. M. Guayasamin & S. Lötters: A new species of harlequin toad (Bufonidae: Atelopus) from Amazonian Ecuador. Salamandra, 60, 2024, S. 237–253.</ref> <ref name="Lötters 2025">Stefan Lötters, P. Böning, S. Bailon, J. D. Barros Castañeda, R. Boistel, A. Catenazzi, J. C. Chaparro, G. Chávez, A. Chujutalli, L. Coen, L. A. Coloma, A. J. Crawford, J. Culebras, J. C. Cusi Martínez, J. M. Daza-R., I. De la Riva, D. J. Ellwein, R. Ernst, S. V. Flechas-Hernández, A. Fouquet, J. M. Guayasamin, C. H. Heine, R. F. Jorge, A. Jung, K.-H. Jungfer, N. Kaffenberger, H. Krehenwinkel, E. La Marca, M. Lampo, G. F. Medina-Rangel, L. Orsen, D. J. Paluh, J. L. Peréz-González, J. Perrin, A. B. Quezada Riera, J. P. Reyes-Puig, B. Roca-Rey Ross, D. C. Rößler, L. A. Rueda-Solano, D. Salazar-Valenzuela, J. C. Señaris Vasquez, M. Sowinski, A. Terán-Valdez, A. Tovar-Ortiz, M. Veith, P. J. Venegas, R. von May, T. Weitkamp & A. Plewnia: A roadmap for harlequin frog systematics, with a partial revision of Amazonian species related to Atelopus spumarius. Zootaxa. 5571, 2025, S. 1–76. doi:10.11646/zootaxa.5571.1.1.</ref> </references>

Literatur

  • Rainer Schulte: Frösche und Kröten. Ulmer-Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-8001-7048-5.

Weblinks

Commons: Stummelfußfrösche (Atelopus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien