Talgat Tadschuddin
Talgat Tadschuddin (Tadschuddinow) Safitsch (* 12. Oktober 1948 in Kasan) ist Vorsitzender und Oberster Mufti der Zentralen geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands (ZDUM) und führt den Titel Schejch-ul-Islam. Er ist Kasaner Tatare.
Ausbildung und Karriere während der Sowjetzeit
Tadschuddin nahm am 13. Oktober 1966 das Studium an der Mir-i-Arab-Medrese in Buchara auf und beendete es im Jahre 1973 mit Auszeichnung. In demselben Jahr wurde er zum zweiten Imam-Chatīb der Kasaner Kathedral-Moschee al-Mardschani ernannt. Nach einer Probezeit schrieb sich Tadschuddin zum Studium an der al-Azhar-Universität in Ägypten ein, das er 1978 beendete. In demselben Jahr wurde er zum ersten Imam-Chatīb der al-Mardschani-Moschee ernannt. Am 19. Juni 1980 wurde er auf einer Konferenz der Muslime des Europäischen Teils der UdSSR und Sibiriens zum Mufti und Vorsitzenden der „Geistlichen Verwaltung der Muslime des Europäischen Teils der UdSSR und Sibiriens“ (DUMES) gewählt. Allerdings begann sich schon zu dieser Zeit eine Opposition gegen ihn zu formieren.<ref>Vgl. Roman A. Silantʹev: Novejšaja istorija islamskogo soobščestva Rossii. Ichtios, Moskau, 2006. S. 433f.</ref> 1989 organisierte er die gesamtrussischen Feiern zum 1100-jährigen Jubiläum der Annahme des Islams durch die Völker des Wolga-Gebietes und des Vor-Ural-Gebietes.<ref>Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008, S. 168.</ref>
Auf einer Konferenz der Führer der Geistlichen Verwaltungen der Sowjetunion im Mai 1990 wurde Tadschuddin zum Vorsitzenden der Direktion der internationalen Beziehungen der muslimischen Organisationen der Sowjetunion gewählt. Auf dem 5. Kongress der DUMES, der vom 6. bis 8. Juni 1990 in Ufa stattfand, wurde Tadschuddin im Amt als Mufti und Vorsitzender der DUMES bestätigt und ihm gleichzeitig der geistliche Ehrentitel Schejch-ul-Islam verliehen.<ref>Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008, S. 168.</ref> Allerdings wurde Tadschuddin 1990 zur wichtigsten Zielscheibe der Kritik der tatarischen Nationalisten.<ref>Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008, S. 65b.</ref>
Aktivitäten als Oberster Mufti der ZDUM
Seit 1994 ist Tadschuddin Oberster Mufti der „Zentralen Geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands“ (Zjentralnoje duchownoje uprawlenije mussulman Rossii; ZDUM). Am 21. September 1998 wurde er mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet.<ref>Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008, S. 168.</ref> Tadschuddin nahm im Mai 2002 an der Gründung der vom Kreml unterstützen Partei „Evrasija“ teil, die sich die Wiederherstellung eines pan-russischen Imperiums auf den Säulen eines „wissenschaftlichen Patriotismus“, des ethischen Traditionalismus, der gelenkten Marktwirtschaft und der ethnischen Verwurzelung des „eurasiatischen“ Menschen zum Ziel gesetzt hat.<ref name="haGalil">haGalil: Schwulsein und der Koran - Wie der Oberste Mufti von Russland den Schwulen mit dem Tode droht 2006</ref>
Am 14. April 2003, drei Wochen nach der amerikanischen Intervention im Irak und zwei Wochen nach der Ausrufung des Heiligen Krieges gegen die Vereinigten Staaten durch Scheich Tadschuddin wurde dieser durch den konkurrierenden Mufti-Rat Russlands unter der Leitung seines langjährigen Gegners, des Leiters der Geistlichen Verwaltung der Muslime des europäischen Teils Russlands, Rawil Gainutdin, in einer Fatwa als „falscher Prophet und Abtrünniger“ bezeichnet.<ref name="haGalil" />
2006 kündigte er Massenproteste russischer Muslime an, sollte eine Gay-Parade in Moskau stattfinden. Die Teilnehmer müssten damit rechnen verprügelt zu werden. Als Begründung gab er den Propheten Mohammed an, der angeblich dazu aufgerufen hat Homosexuelle zu töten, weil ihre Tätigkeit zum Aussterben der Menschheit führt.<ref name="haGalil" />
Tadschuddin ist Mitglied des Rats für die Zusammenarbeit mit den religiösen Vereinigungen beim Präsidenten der Russischen Föderation, des Präsidiums des Interreligiösen Rats Russlands sowie des Interreligiösen Rates der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Er gilt als der beste Kenner der arabischen Sprache unter den russischen Muftis.<ref>Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008, S. 168.</ref>
Literatur
- Ruslan Kurbanow: The Clerical Board of Russian Moslems. Contradictions and Developmental Dynamics. in Hans-Georg Heinrich, Ludmilla Lobova, Alexey Malashenko (eds.): Will Russia become a Muslim society? Lang, Frankfurt/Main, 2011. S. 85–120. Hier S. 99–103.
- Roman A. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii, enziklopedija. Algoritm, Moskau, 2008. S. 168.
Weblinks
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