Theodor von Sitten
Der heilige Theodor von Sitten (auch Theodul, lateinisch Theodulus Sedunensis, alemannisch San(k)t Joder,<ref name="id">Schweizerisches Idiotikon, Band III, Spalte 11 f., Artikel Joder I (Digitalisat).</ref> bündnerromanisch Sogn Gioder; † um 400) war der erste bekannte Bischof von Octodurum (heute Martigny, Unterwallis, Schweiz). Er ist Landespatron des Kantons Wallis sowie des Bistums Sitten.<ref name="walser-alps">St. Jodern; der Heilige Theodul abgerufen am 1. Dezember 2017.</ref> Sein Patronats- und Gedenktag ist der 16. August.
Leben
Theodor bzw. Theodul war vermutlich um 375 der erste Bischof von Octodurum. Er war persönlich bekannt mit dem heiligen Ambrosius von Mailand und nahm 381 an der Synode von Aquileia und vermutlich auch 393 an der Synode von Mailand teil. Dieser Theodor entdeckte laut dem Zeugnis des Eucherius von Lyon (Passio Acaunensium martyrum, um 430) die Gebeine des heiligen Mauritius, des Anführers der sagenhaften Thebäischen Legion, und dessen Gefährten und liess für sie in Octodurum eine Basilika erbauen.
Mehr ist über die historische Person nicht bekannt. Spätere Quellen verlegen den Heiligen in das sechste oder gar das neunte Jahrhundert: Die sogenannte Stiftungsurkunde der Abtei, datiert auf das späte 8. oder frühe 9. Jahrhundert, macht Theodor zu einem Zeitgenossen des heiligen Sigismund von Burgund (6. Jahrhundert). Eine eigentliche Heiligenvita Theodors ist erst aus dem 12. Jahrhundert überliefert (Vita beati Theodori Sedunensis episcopi<ref>Fribourg/Freiburg, Kantons- und Universitätsbibliothek, Ms. L 5 foll. 1r-7r, Ruodpertus Monachus Peregrinus: Vita s. Theodori episcopi Sedunensis. Acta Sanctorum t. 37, 278–280.</ref>), verfasst durch einen Mönch Ruodpertus, verfasst vermutlich im 11., frühestens im 10. Jahrhundert. Hier wird Theodor zum Zeitgenossen Karls des Grossen und empfängt von diesem das Wallis als Lehen.<ref>Kirsten Groß-Albenhausen in: Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon. Band XI (1996), Spalten 881–884.</ref>
Verehrung und Patronate
Die Gebeine des heiligen Theodor wurden vermutlich mit der Verlegung des Bischofssitzes im späten 6. Jahrhundert nach Sitten überführt. Während der Besetzung der Stadt Sitten durch französische Truppen 1798 gingen sie verloren. Die Verehrung des heiligen Theodul ist erstmals für das Jahr 999 urkundlich belegt. Sie verbreitete sich von Sitten und über Engelberg (12. Jahrhundert) in die übrige Schweiz und Süddeutschland (das damalige Herzogtum Schwaben) sowie weiter nach Savoyen und mit dem Zug der Walser auch nach Vorarlberg.
Theodul ist Schutzpatron des Wallis sowie, zusammen mit dem heiligen Nikolaus, auch Schutzpatron der Walser<ref name="id" /><ref name="walser-alps" /> sowie Glocken-, Wetter-, Winzer- und Viehpatron. Ferner ist Theodul auch Stadtpatron im schwäbischen Ehingen, wo ihm vor dem Ständehaus der Theodulbrunnen von 1987 gewidmet ist.
Ikonographie
Die ältetesten bekannten bildlichen Darstellungen von Theodor-Theodul stammen aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert. Die älteste erhaltene Skulptur dürfte eine sitzende Bischofsfigur aus von Saint-Luc sein, deren Identifizierung als Theodul allerdings unsicher bleibt. Die ältesten Darstellungen Theoduls mit seinen Attributen stammen aus dem 15. Jahrhundert.<ref>Gattlen (1981), S. 12.</ref>
Theodors bzw. Theoduls Hauptattribut ist der glockentragende Teufel. Dies nach einer spätmittelalterlichen Legende, laut der der Teufel für Theodul eine Glocke von Rom in das Wallis tragen musste. Weitere Attribute sind der Bischofsstab, ein Schwert, sowie eine Weintraube. Die Darstellung mit Schwert bezieht sich auf eine Legende, die Theodul in die Zeit Karls des Großen versetzt und berichtet, Karl habe Theodul die Hoheitsrechte über das Wallis verliehen. Die Darstellung des Heiligen mit dem Attribut des glockentragenden Teufels ist wesentlich Matthäus Schiner (r. 1499–1522) zu verdanken. Nicht nur stellte Schiner den Heiligen wiederholt mit dem Glockenteufel auf seinen Münzen dar, er erbaute auch die Kirche St. Theodul in Sitten, in der der Heilige wiederholt zusammen mit dem Glockenteufel abgebildet wurde.
Münzen des Bistums Sitten, geprägt unter Matthäus Schiner und seinem Vorgänger und Onkel Nikolaus Schiner (r. 1496–1499, mit Matthäus als Vikar) zeigen den heiligen Theodul teilweise mit Bischofsstab und Schwert zusammen mit dem Glockenteufel oder mit Glocke (ohne Teufel), auch mit geschultertem Schwert und Krummstab zusammen mit der hl Katharina von Alexandria, und auf dem größeren Guldiner (1498) auch kniend, von Kaiser Karl dem Großen das Schwert entgegennehmend. Die einzige bekannte Walliser Goldmünze, ein Dukat von Hildebrand von Riedmatten (r. 1565–1604) zeigt das Riedmatter Familienwappen mit dem über den Wappenschild hinausragenden Oberkörper des hl. Theodul mit Schwert und Krummstab.<ref>coingallery.de: Bistum Sitten, Nikolaus Schiner als Bischof: Guldiner 1498. Thronender Ks. Karl der Große übergibt dem knienden Bischof Theodul ein Schwert; Bistum Sitten, Hildebrand von Riedmatten, 1565–1604: Dukat o. J. Wappenschild von Riedmatten, oben Brustbild des hl. Theodul mit Schwert und Krummstab.</ref>
Die Darstellung mit Weintraube bezieht sich auf ein Weinwunder, die unerschöpfliche „St. Jodernkufe“.<ref>Laut der Legende habe St. Joder, als einmal der Frost die Weinlese zerstört hatte, eine Kufe voll Wein gesegnet, die danach unerschöpflich Wein spendete und nie versiegte, auch viele Jahre nach dem Tod des Heiligen nicht, bis endlich ein neugieriger Frevler die Kufe aufbrach und sie leer vorfand, nur am Spundloch hing eine Traube, die jedoch sogleich verdorrte und zu Staub zerfiel. Zitiert nach M. Tscheinen, P. J. Ruppen: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden. Sitten 1872.</ref> Daneben wird er auch dargestellt, wie er die Reliquien der thebäischen Märtyrer einsammelt, und vereinzelt auch, wie er ein ertrunkenes Kind wieder zum Leben erweckt.
Theodulsglocke
Die Legende zu Theodul und der Glocke ist nicht in der Vita des Ruodpertus überliefert, sondern entstammt späterem Volksgut. Fassbar wird sie erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Laut dieser Legende habe Theodul in Rom den Papst vor einer Versuchung gerettet. Zum Dank erhielt er eine Glocke. Der Teufel selbst habe Theodul zusammen mit seiner Glocke auf seinem Buckel durch die Lüfte von Rom bis nach Sitten tragen müssen. Die älteste Überlieferung dieser Legende datiert auf 1491, in einer Walliser Handschrift die ebenfalls einem Ruodpertus zugeschrieben ist.<ref>Furrer: Histoire du Valais [Originalsprache: Deutsch], vol. 1 (1873), S. 50. Revue de la Suisse catholique 11 (1880), 788ff.</ref> In späteren Abwandlungen, aufgrund des ikonographischen Attributs des Teufels mit geschulterter Glocke, habe der Teufel die Glocke auf seinem Buckel für Theodul über die Alpenpässe tragen müssen. Auf dieser Variante der Legende beruht die Benennung des zuvor als Augsttalpass bekannten Alpenübergangs als Theodulpass (um 1700).
In Sitten wurden Fragmente der Glocke Theoduls gezeigt, angeblich wurden der ursprünglichen Glocke auch immer wieder kleine Partikel entnommen und beim Guss weiterer Wetterglocken zugesetzt. Beim Läuten sollte Theoduls Fürsprache drohendes Unwetter abwenden. Eine solche Theodulsglocke wird von Theodor Vernaleken in Masescha (Triesenberg, Liechtenstein) beschrieben.<ref>Franz Josef Vonbun, Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein (1858), Nr. 207, S. 154.</ref>
Die Glocke findet sich im Wappen mehrerer Walsergemeinden, so von Tschappina und von Triesenberg.
Literatur
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- Acta Sanctorum t. 37 (Augusti tomus tertius) (1867), 273ff.
- {{#if: Kirsten Groß-Albenhausen|Kirsten Groß-Albenhausen: }}Theodor (…), Bischof von Octodurus. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL){{#if:11|. Band 11, Bautz, {{#switch:11
|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:881–884|, Sp. {{#iferror:{{#expr:881–884}}|881–884|{{#expr:1*881–884*0}}–{{#expr:-(0*881–884*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070613165107/http://www.bautz.de/bbkl/t/theodor_v_oc.shtml%7C}}.{{#if: 11 | |{{#ifeq:||}}}}
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- Wir Walser 1981/2, 1 und 2, mit Beiträgen von Engelbert Bucher, A. E. Gattlen und Josef Guntern.
- A. E. Gattlen: Bildliche Darstellungen des heligien Theodul im Wallis. In: Wir Walser 19.2 (1981). [1]
Einzelnachweise
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