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Therapeutisches Klettern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Therapeutisches Klettern, auch Klettertherapie genannt, ist eine Therapieform, die sich des Kletterns bedient. Sie wird insbesondere angewandt in der Kinderheilkunde, Orthopädie, Sporttherapie und als Bestandteil in der Psychotherapie. Angeboten wird es unter anderem von Physio-, Ergo- oder Psychotherapeuten.

Entwicklung

Therapeutisches Klettern wurde anfangs vor allem in der Orthopädie sowie der Neurologie zur Rehabilitation eingesetzt. Inzwischen wird Klettern zusehends von Psychologen im Rahmen einer Psychotherapie oder Verhaltenstherapie genutzt.<ref>Bericht über therapeutisches Klettern der Psychiatrie der Universitätsklinik Tübingen</ref> Dabei geht es weniger um den sportlichen Effekt des Trainings, sondern um verschiedene therapeutische und rehabilitative Ansätze: Im Bereich der Motorik gehören dazu die Behandlung von Koordinationsstörungen, die Förderung der Fein- und Grobmotorik, Kraft, Ausdauer, sowie Reaktion und Belastbarkeit. In der Wahrnehmung werden das Gleichgewicht, die Tiefen- und Oberflächensensibilität, die räumliche Wahrnehmung sowie das Körperschema gefördert. Durch die Förderung von Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Selbsteinschätzung wird der sozioemotionale Bereich angesprochen und gestärkt. Geistige Fähigkeiten (Kognition) werden durch das Definieren eines Ziels, Handlungsplanung, Gedächtnis, Konzentration und das Erstellen von Problemlösungsstrategien verbessert.<ref name="Institut für Sportmedizin-2">Dieter Lazik, F. Bittmann: Erfahrungsbericht zum therapeutischen Klettern. Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam, o. J., Abschnitt „2. Theoretische Grundlagen“.</ref>

Das Therapeutische Klettern ist eine relativ neue Therapieform, die trotz bereits vorliegender Erfahrungen und einer positiven Prognose in Bezug auf den Krankheitsverlauf noch verhältnismäßig selten genutzt wird.<ref name="Institut für Sportmedizin-1">Dieter Lazik, F. Bittmann: Erfahrungsbericht zum therapeutischen Klettern. Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam, o. J., Abschnitt „1. Einleitung und Problemstellung“.</ref>

Anwendungsbereiche

Effekte und Wirkungsprinzip

Klettern besitzt einen hohen Motivationscharakter. Die Patienten gewinnen Selbstvertrauen in ihre körperlichen Fähigkeiten, da sowohl in Standhöhe als auch darüber hinaus gearbeitet werden kann.

Durch die nötige Kombination dynamischer Muskelarbeit (dynamisch-konzentrisch, dynamisch-exzentrisch), denn für das Klettern ist abwechselnd statische und dynamische Muskelarbeit notwendig. Sowie das man sich in geschlossenen Muskelfunktionsketten bewegt. Und durch das Abrufen dreidimensionaler Bewegungsmuster, bei denen Druck- und Dehnungsrezeptoren in Muskeln aber auch Sehnen, Gelenkkapseln und Bindegewebe z. B. durch Druck, Dehnung, Entspannung oder auch durch Streckung stimuliert werden (PNF-ähnliche Muster), wirkt Klettern ganzheitlich auf den Bewegungsapparat. Der Gleichgewichtssinn wird durch die ständige Körperschwerpunktkontrolle und Stabilisierung gefördert.

Literatur

  • Peter Klein, Erich Schunk: Klettern. Koordinativ-Orientierte Sportarten. 1. Aufl. Hofmann, Schorndorf 2005, ISBN 3-7780-0141-8. (Praxisideen 14; 187 Seiten)
  • Anne-Claire Kowald, Alexis Zajetz: "Therapeutisches Klettern – Anwendungsfelder in Psychotherapie und Pädagogik". Schattauer GmbH; Auflage: 1. (31. Dezember 2014). ISBN 978-3-7945-2968-1
  • Kurt Meinel, Günter Schnabel: Bewegungslehre – Sportmotorik. Abriss einer Theorie der sportlichen Motorik unter pädagogischem Aspekt. 11., überarb. und erw. Aufl. Meyer & Meyer, Aachen 2007, ISBN 3-89899-245-4, S. 238, 343, 371, 376. (Lehrbuch; 501 Seiten; Standardwerk)
  • Dieter Lazik, F. Bittmann: Erfahrungsbericht zum therapeutischen Klettern. Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam, o. J.
  • Dieter Lazik: Therapeutisches Klettern. Thieme, Stuttgart 2008, ISBN 3-13-145731-7. (Physiofachbuch; 144 Seiten)
  • Guido Köstermeyer: Peak-Performance. Klettertraining von A–Z. 5., erw. Aufl. tmms-Verlag, Korb 2008, ISBN 978-3-930650-52-1. (Lehrbuch; 146 Seiten)
  • Ivette Mehlhorn: Therapeutisches Klettern, Diplomarbeit an der Universität Potsdam, 1999

Weblinks

Einzelnachweise

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