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Tiefseegigantismus

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Datei:Bathynomus giganteus.jpg
Die bis zu 45 cm lange und 1,7 kg schwere Riesenassel Bathynomus giganteus lebt auf dem Meeresboden.
Datei:Riesenkalmar.jpg
Präparierter Riesenkalmar Architeuthis dux

Tiefseegigantismus (auch Abyssaler Gigantismus) bezeichnet in der Zoologie die Hypothese, dass vergleichbare Taxa oder Faunen der Tiefsee mit zunehmender Wassertiefe größer werden. Die Vermutung eines Tiefseegigantismus stammt aus Einzelbefunden. Systematische Untersuchungen können jedoch nicht bestätigen, dass dieser Effekt überhaupt als genereller Trend vorliegt,<ref name="Shirayama"/><ref name="Collins"/> und es wird diskutiert, auf welche Einflüsse er zurückgeführt werden müsste.<ref name="Collins"/><ref name="McClain"/> In den Ozeanen ist auch das Gegenteil bekannt: Gigantismus oberflächennaher Planktonfresser (Walhai, Bartenwale).

Verifizierung

Ein Trend zu Tiefseegigantismus lässt sich durch systematische Vergleiche der Körpergrößen verwandter Taxa in Flachwasser und Tiefsee untersuchen.<ref name="Shirayama"/><ref name="McClain"/>

Ein genereller Tiefseegigantismustrend wurde festgestellt beim Vergleich mit im Flachwasser lebenden kleineren Gastropoden.<ref name="McClain"/> Ein genereller Trend konnte für beutesuchende Fische des nordöstlichen Atlantiks festgestellt werden.<ref name="Collins"/>

Kein Trend zu Tiefseegigantismus wurde festgestellt für nicht Beute suchende Fische.<ref name="Collins"/> Für Gastropoden, die im Flachwasser bereits ziemlich groß sind, ist aber der gegenteilige Trend zu beobachten.<ref name="McClain"/>

Die Ergebnisse, ob tatsächlich ein Trend zu Tiefseegigantismus besteht, sind widersprüchlich, je nach Untersuchungskonzept besteht ein Tiefseegigantismus, aber auch „Tiefseeverzwergung“.<ref name="Shirayama"/><ref name="Collins"/><ref name="McClain"/>

Meio- und Makrofauna des Benthos nehmen mit zunehmender Wassertiefe ab, was aufgrund zunehmender Nahrungsknappheit nicht verwundert, aber das Verhältnis zwischen Meio- und Makrofauna des Benthos unterliegt keinem Trend.<ref name="Shirayama"/>

Selektionsdruck

Um einen generellen Trend zu erklären, ist ein gleichgerichteter Selektionsdruck über lange Zeiträume erforderlich. Als Selektionsfaktoren verantwortliche Umweltfaktoren kommen hier z. B. in Frage:

  • Nahrungsknappheit<ref name="Collins"/><ref name="McClain"/>
    • spätere Geschlechtsreife
    • Erleichterung der Partnerfindung bei geringer Populationsdichte
    • ungleiche Verteilung von Makronahrung<ref name="Collins"/>
    • gleichmäßige Verteilung von Mikronahrung<ref name="Collins"/>
    • Zusammenleben mit Symbionten
  • Schutz vor Fressfeinden<ref name="Collins"/><ref name="McClain"/>
  • permanent tiefe Temperaturen (ca. 4 °C)
  • Höhere Schwimmgeschwindigkeit und Ausdauer
    • Jagd<ref name="Collins"/>
    • Behauptung gegen permanente Strömungen
  • Dunkelheit
    • verminderte Energieressourcen siehe Nahrungsknappheit<ref name="Collins"/><ref name="McClain"/>
    • verminderte Wahrnehmbarkeit durch Fressfeinde
  • Wasserdruck
  • andere Faktoren
  • Kombinationen mehrerer Faktoren<ref name="Collins"/>

Als Erklärungsmodelle wurde der Schutz vor Fressfeinden diskutiert.<ref name="McClain"/> Da angenommen wird, dass Nahrungsarmut auf Inseln den gegenteiligen Trend zu bewirken vermag, scheint dieser häufig genannte Erklärungsversuch für Tiefseegigantismus generell wenig überzeugend.<ref name="McClain"/> Es ist von erheblicher Bedeutung, ob die Nahrung hauptsächlich aus Detritus oder aus (großem) Aas oder aus (großer) lebender Jagdbeute besteht.<ref name="Collins"/>

Beispiele

Ähnliche und gegensätzliche Trends

In den Ozeanen besteht Gigantismus oberflächennaher Planktonfresser. Andere generelle Körpergrößentrends sind bekannt in Polarregionen („Polargigantismus“; Makrofauna). Auf Inseln werden sowohl Inselverzwergung<ref name="McClain"/> als auch gegenläufiger Inselgigantismus angenommen.

Einzelbelege

<references> <ref name="Collins">

M. A. Collins et al.: Trends in body size across an environmental gradient: a differential response in scavenging and non-scavenging demersal deep-sea fish. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, Band 272, Nr. 1576, 2005, S. 2051–2057. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.</ref>

<ref name="McClain">Craig R. McClain, Alison G. Boyer, Gary Rosenberg: The island rule and the evolution of body size in the deep sea. Journal of Biogeography, Band 33, Nr. 9, 2006, S. 1578–1584. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.</ref> <ref name="Shirayama">Yoshihisa Shirayama: Size structure of deep‐sea meio‐and macrobenthos in the Western Pacific. Internationale Revue der gesamten Hydrobiologie und Hydrographie, Band 68, Nr. 6, 1983, S. 799–810. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.</ref> </references>