Zum Inhalt springen

Tołkiny

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Ort in Polen Tołkiny (Vorlage:DeS) ist ein Dorf in Polen, in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Gmina Korsze (Stadt- und Landgemeinde Korschen) im Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg).

Geographische Lage

Datei:2008-02 Tołkiny 12.jpg
Tołkiny

Tołkiny liegt im Nordosten Polens, etwa 25 Kilometer südlich der Staatsgrenze zur russischen Oblast Kaliningrad. Benachbarte Dörfer sind im Nordwesten Chmielnik, im Osten Starynia und im Südwesten Babieniec. Bis zur Kreisstadt Kętrzyn (Vorlage:DeS) sind es zehn Kilometer in südöstlicher Richtung.

Geschichte

Ortsgeschichte

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des heutigen Tołkiny stammen aus den Jahren 1419 und 1440. Zur Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert wurde auf einer Anhöhe die Kirche errichtet, welche unter anderem Verteidigungszwecken diente.<ref name="Swat"> Swat 1978, S. 236–237</ref> 1650 wurde das Schloss von Georg Müller im barocken Stil umgestaltet.<ref name="opng"> Gut Tolksdorf bei ostpreussen.net </ref> 1818 bestand das Dorf aus insgesamt 23 Wohngebäuden. Dazu zählten auch zwei Waldhäuser sowie die Gebäude des Vorwerks. 1830 erfolgte ein weiterer, spätklassizistischer Umbau des Schlosses. 1867 bekam Tolksdorf mit der Ostpreußischen Südbahn einen Bahnanschluss.

Am 30. April 1874 wurde Tolksdorf Amtsdorf und namensgebend für einen Amtsbezirk<ref name="Jehke">Rolf Jehke, Amtsbezirk Tolksdorf</ref>, der bis 1945 bestand und zum Kreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges<ref> Januar/Februar 1945 </ref> wurde Tołkiny zur Festung erklärt und von etwa 60 deutschen Volkssturmmännern unter Befehl eines Hauptmanns verteidigt. Bewaffnet waren sie mit Karabinern und Panzerfäusten.<ref> Heinz Werner Hübner, Noch siebzig Tage bis Pillau - TEIL 5, Die Zeit 12/1995</ref> Das Schloss überstand den Krieg nicht, nur Teile des Kellers sind erhalten.<ref name="opng" /> Als Folge des Krieges wurde Tolksdorf als Tołkiny Teil Polens. 1970 gab es hier einen Kindergarten, eine achtklassige Grundschule, eine Landwirtschaftsschule<ref> szkoła przysposobienia rolniczego </ref> sowie einen Bibliothekspunkt. 1973 wurde das Dorf Teil der Gmina Korsze (Korschen) im Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg), bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Einwohnerzahlen

Nachfolgend die graphische Darstellung der Einwohnerentwicklung.<ref> Die Zahl für 1818 beinhaltet sowohl das Vorwerk als auch zwei Waldhäuser
Quellen für 1818, Mai 1939 und 1970: Swat 1978, S. 237
Für 1933: Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>

<timeline> ImageSize = width:300 height:200 PlotArea = left:70 right:40 top:20 bottom:20 TimeAxis = orientation:vertical AlignBars = justify Colors =

 id:gray1 value:gray(0.9)

DateFormat = yyyy Period = from:0 till:600 ScaleMajor = unit:year increment:100 start:0 gridcolor:gray1 PlotData =

 bar:1820 color:gray1 width:1
  from:0 till:166 width:15 text:166 textcolor:red  fontsize:8px
 bar:1885 color:gray1 width:1
  from:0 till:234 width:15 text:234 textcolor:red  fontsize:8px
 bar:1910 color:gray1 width:1
  from:0 till:194 width:15 text:194 textcolor:red  fontsize:8px
 bar:1933 color:gray1 width:1
  from:0 till:522 width:15 text:522 textcolor:red  fontsize:8px
 bar:1939 color:gray1 width:1
  from:0 till:563 width:15 text:563 textcolor:red  fontsize:8px
 bar:1970 color:gray1 width:1
  from:0 till:227 width:15 text:227 textcolor:red  fontsize:8px

</timeline>

Amtsbezirk Tolksdorf (1874–1945)

Der Amtsbezirk Tolksdorf bestand bei seiner Errichtung im Jahre 1874 aus fünf Orten. Am Ende waren es aufgrund von Umstrukturierungen noch drei:<ref name="Jehke"/>

Deutscher Name Polnischer Name Bemerkungen
Babziens Babieniec
Henriettenhof Chmielnik 1928 nach Schönfließ eingemeindet
Junkerken Jutrkowo 1938 nach Babziens eingemeindet
Schönfließ Kraskowo
Tolksdorf Tołkiny
ab 1901:
Plötnick
Płutniki bis 1901 Amtsbezirk Lamgarben, ab 1928 zur Landgemeinde Tolksdorf

Am 1. Januar 1945 bildeten nur noch die Gemeinden Babziens, Schönfließ und Tolksdorf den Amtsbezirk Tolksdorf.

Kirche

Vorlage:Hauptartikel

Kirchengebäude

Datei:2008-02 Tołkiny 06.jpg
Die Kirche in Tołkiny

Die Kirche von Tołkiny wurde zur Wende des 14. zum 15. Jahrhundert errichtet.<ref name="Swat" /> Das Langhaus besteht vollständig, der Turm teilweise aus Feldsteinen. Gegen 1500 wurde der Turm der Kirche fertiggestellt. Im 19. Jahrhundert wurde der Holzaufbau der Obergeschosse durch rundbogige Ziegelblenden ersetzt. Der Altar der Kirche wurde zwischen 1604 und 1607 gefertigt. 1675 wurde der Altar von Michel Großmann restauriert. Im mit einer flachen Holzdecke überspannten Innenraum der Kirche befindet sich eine Gedenktafel für Heinrich Graf zu Dohna-Schlobitten, welche 1994 von seinen Kindern gestiftet wurde. Der Taufstein aus Granit stammt aus dem 15. Jahrhundert.<ref> Die Kirche in Tolkiny - Tolksdorf bei ostpreussen.net </ref>

Kirchen-/Pfarrgemeinde

Evangelisch

Die Kirche in Tolksdorf entstand in vorreformatorischer Zeit. Nach Einführung der Reformation war sie evangelisch und gehörte mit der Schwesterkirche in Schönfließ (Vorlage:PlS) zur Pfarrei Lamgarben (Garbno), später dann bis 1945 zum gemeinsamen Pfarramt Schönfließ-Tolksdorf mit Sitz in Schönfließ. Beide Kirchen – sie zählten 1925 zusammen 1520 Gemeindeglieder – waren in den Kirchenkreis Rastenburg (Kętrzyn) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.<ref>Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 474</ref>

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Leben der evangelischen Gemeinde ein Ende. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Pfarrei in Kętrzyn innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Katholisch

Nach 1945 stieg die Zahl der im Bereich Tołkiny lebenden Katholiken aufgrund polnischer Neusiedler stark an. Sie reklamierten das bisher evangelische Gotteshaus des Dorfes für sich. Die Kirche erhielt den Namen der „Mutter Gottes vom Tor der Morgenröte“ und ist heute eine Filialkirche der Pfarrgemeinde in Garbno im Erzbistum Ermland.<ref>Parafia Garbno im Erzbistum Ermland</ref>

Verkehr

Straße

Datei:2008-02 Tołkiny 04.jpg
Die Bahnstation

Das Dorf liegt etwa zwei Kilometer südlich der Woiwodschaftsstraße 592, zu der eine Nebenstraße führt. Die Straße in südwestlicher Richtung führt durch Babieniec (Vorlage:DeS) und Worpławki (Worplack) und mündet nach etwa sechs Kilometern in die Woiwodschaftsstraße 590. Aus der Region kommend enden zwei Straßen in Tołkiny.

Schiene

Etwa 1,5 Kilometer nordöstlich des eigentlichen Dorfes befindet sich die Bahnstation Tołkiny. Sie liegt an der Strecke von Białystok über Ełk (Lyck) nach Korsze (Korschen).

Luft

Der geographisch nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Kaliningrad, der sich etwa 100 Kilometer nordwestlich, auf russischem Hoheitsgebiet befindet, und darum kaum zu nutzen ist. Auf polnischem Staatsgebiet ist es der etwa 180 Kilometer westlich gelegene Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig.

Persönlichkeiten

Aus dem Ort gebürtig

Mit dem Ort verbunden

  • Heinrich Graf zu Dohna-Schlobitten, bisweilen auch: Graf zu Dohna-Tolksdorf (1882–1944), Gutsherr auf Tolksdorf. Er ist ein Beteiligter am Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler, hatte im Herbst 1919 die Baltische Landeswehr verlassen und Arbeiten in Ostpreußen übernommen. Nachdem sein Schwiegervater gestorben war, übernahm er das Gut in Tolksdorf. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trat er wieder in die Armee ein, nahm aber 1943 seinen Abschied und kehrte nach Tolksdorf zurück. Nach dem gescheiterten Attentat wurde er verhaftet und hingerichtet. Seine Frau Maria-Agnes aus der Familie v. Borcke, welche hier seit 1772 ansässig war, wurde in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht, welches sie überlebte.<ref name="opng" />

Literatur

  • Tadeusz Swat: Dzieje Wsi. In: Aniela Bałanda u. a.: Kętrzyn. Z dziejów miasta i okolic. Pojezierze, Olsztyn 1978, S. 209 (Seria monografii miast Warmii i Mazur).

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Gmina Korsze