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Troika (EU-Politik)

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Troika ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) bezeichnete eine Kooperation von Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission. Die Troika bzw. ihre Repräsentanten verhandelten mit Mitgliedsländern der Eurozone über Kreditprogramme und wirkten als Kontrollinstanz des Europäischen Stabilitätsmechanismus. Besondere Bekanntheit erlangte die Troika im Zuge der seit Herbst 2009 öffentlich bekannten griechischen Staatsschuldenkrise.

Im Jahre 2015 wurde der Begriff Troika auf Wunsch der neu gewählten griechischen Regierung im offiziellen Sprachgebrauch durch Institutionen ersetzt.<ref>Symbolischer Sieg für Griechenland: Die Troika heißt jetzt nicht mehr Troika. In: Spiegel Online. 13. Februar 2015, abgerufen am 28. September 2024.</ref><ref>Die ungeliebten Prüfer der Sparpolitik sind zurück. In: FAZ.net. 13. Februar 2015, abgerufen am 28. September 2024.</ref> Mit Beginn der Verhandlungen über ein drittes Kreditprogramm für Griechenland wurde die Troika im Juli 2015 ersetzt durch die Quadriga.

Zusammensetzung

Die Organisationen der Troika wurden bis zu ihrer Auflösung 2015 durch folgende Personen repräsentiert:

Gremium Ressort/Amt Person Herkunftsland Bild
Europäische Kommission Präsident
(Beamter)
LuxemburgDatei:Flag of Luxembourg.svg Luxemburg
Datei:Ioannes Claudius Juncker die 7 Martis 2014.jpg
Europäische Kommission Vizepräsident, Kommissar für Wirtschaft und Währung
(Beamter)
FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Finnland
Datei:Olli Rehn by Moritz Kosinsky 2.jpg
Europäische Kommission benannter Verhandlungsführer DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Datei:Matthias Mors by Corvin010.jpg
Europäische Zentralbank Präsident der EZB
(Beamter)
ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
Datei:Mario Draghi at the EPP Congress Bonn (2009).jpg
Europäische Zentralbank Abteilungsleiter bei der EZB, benannter Verhandlungsführer DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Datei:Klaus-Masuch.jpg
Internationaler Währungsfonds geschäftsführende Direktorin
des IWF,
engl. Managing Director
FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
Datei:Lagarde.jpg
Internationaler Währungsfonds benannter Verhandlungsführer Poul Mathias Thomsen DanemarkDatei:Flag of Denmark.svg Dänemark
Datei:RIAN archive 166764 News conference on reforming IMF quotas and voting rights..jpg

Klaus Masuch war Verhandlungsführer der EZB-Delegation in Griechenland<ref name="Mitarbeiterliste EZB">Mitarbeiterliste der EZB (PDF; 206 kB).</ref> und Abteilungsleiter im Directorate Economic Developments, zuständig für die EU Countries Division, mit den Sektionen Convergence & Structural Analysis Section und Forecasting & Monitoring Section. Masuch arbeitete zuvor bei der deutschen Bundesbank.<ref name="Dreibund">David Böcking, Giorgos Christides: Troika in Athen: Vor diesen drei Männern zittert Griechenland. In: Spiegel Online. 4. Oktober 2012, abgerufen am 28. September 2024.</ref>

Matthias Mors war Mitarbeiter in der Kommission und vertrat den Bereich Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten II.<ref name="EC-Mitarbeiter Mors">Mitarbeiterliste der EU-Kommission (PDF; 202 kB).</ref> Sein Studium als Ökonom hat er in Regensburg und Oxford absolviert.<ref name="Dreibund" />

Der Däne Poul Thomsen arbeitete über 30 Jahre als Ökonom für den IWF.<ref name="Dreibund" /> Er ist dafür bekannt, dass er Finanzhilfen nur im Gegenzug für („marktfreundliche“) Reformen im Finanzbereich vergibt. Die Umsetzung solcher Programme hatte Thomsen bereits zuvor unter anderem im ehemaligen Jugoslawien, Russland und Island überwacht.<ref name="Dreibund" />

Position der EZB

Die EZB hatte nur eine beratende Funktion innerhalb der Troika, da die Rettungsprogramme von IWF und EU-Kommission unterschrieben wurden. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung gab es seit dem 5. März 2013 Überlegungen bei der EZB, aus der Troika auszusteigen.<ref>Claus Hulverscheidt: EZB zweifelt am Verbleib in der Troika. In: sueddeutsche.de. 5. März 2013, abgerufen am 28. September 2024. </ref> Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, äußerte im Juni 2013, er wolle die Arbeit der Troika langfristig beenden.<ref> Werner Mussler, Patrick Welter: Zwischen den Eurorettern knirscht es. In: FAZ.net. 14. Juni 2013, abgerufen am 28. September 2024.</ref><ref>„Der IWF macht den Stabilitätspakt lächerlich“. In: FAZ.net. 14. Juni 2013, abgerufen am 28. September 2024 (Interview mit Klaus Regling).</ref>

Kritik

Das Europäische Parlament verabschiedete im März 2014 einen Bericht, der die Troika scharf kritisierte und sich für deren schrittweise Abschaffung aussprach. Das Gremium habe einseitig auf Sparmaßnahmen gesetzt und Wachstumsimpulse vernachlässigt. Abgeordnete kritisierten, dem Gremium fehle es an juristischer und demokratischer Legitimation und Kontrolle.<ref>Schelte für die strengen Kontrolleure. In: tagesschau.de. 13. März 2014, abgerufen am 28. September 2024.</ref>

Der Wirtschaftsjournalist Harald Schumann kritisierte im Februar 2015, dass die Troika auf Lohnsenkungen in kriselnden Staaten gedrängt hatte. Seiner Ansicht nach seien die Troika-Mitglieder als Beamte der EU-Kommission zwar auf EU-Recht verpflichtet, hätten aber dennoch gegen Artikel 153 des Vertrages von Lissabon verstoßen, der festschreibt, dass die EU und ihre Organe nicht für das Arbeitsentgelt zuständig sind.<ref name="schumannArte">Harald Schumann: Macht ohne Kontrolle (Dokumentarfilm). Arte, 24. Februar 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Februar 2015; abgerufen am 25. Februar 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv</ref><ref name="schumannLosgeloest">Harald Schumann: Troika: Völlig losgelöst. In: Der Tagesspiegel. 24. Februar 2015, abgerufen am 28. September 2024.</ref> In allen Krisenländern wurden Reformen zur Lohnsenkung durchgeführt, beispielsweise Senkungen der Mindestlöhne in Irland, Portugal und Griechenland. In Griechenland wurde nach einer Drohung, die nächste Kreditauszahlung zu sperren, der Mindestlohn um ein Fünftel auf 3,40 Euro pro Stunde gesenkt, obwohl Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und der zuständige Minister Giorgios Koutroumanis dagegen waren. Außerdem wurde das System der Tarifverträge zerschlagen – in Portugal arbeiteten 2014 nur noch 6 Prozent der Beschäftigten nach Tarif. Die Lohnsenkungen schufen laut Schumann keine neuen Arbeitsplätze; eine massive Auswanderung sei stattdessen eine Folge.<ref name="schumannTS">Harald Schumann: Macht ohne Kontrolle. In: Der Tagesspiegel. 24. Februar 2015, abgerufen am 25. Februar 2015.</ref>

Weiter interviewte Schumann Antonis Manitakis, der in der Regierung Samaras die Verwaltung reformieren und nach individueller Prüfung „die Unfähigen oder Korrupten“ entlassen wollte. Nachdem der öffentliche Dienst bereits ohne Massenentlassungen auf 70 % der Angestellten geschrumpft war, forderte Poul Thomsen, Leiter der IWF-Delegation, ultimativ die Entlassung von 15.000 Angestellten, davon 4.000 sofort. Daraufhin wurden der staatliche Rundfunk geschlossen, Lehrer, Ärzte und Schulinspektoren kollektiv entlassen. Die Verwaltungsreform wurde dagegen nicht weiter verfolgt, und Manitakis trat zurück.<ref name="schumannTS" /><ref name="schumannArte" /> Entlassungen bei den Finanzbehörden führten zu Steuerausfällen.<ref name="schumannArte" />

Die Troika wurde darüber hinaus als undemokratisch empfunden, da diese weder parlamentarisch noch direkt durch Bürger gewählt wurde. Die von ihr erzwungenen harten Sparmaßnahmen kritisierte der Soziologe Stephan Lessenich als „innere Kolonialisierung Europas“.<ref>Stephan Lessenich: Das "System Schäuble" amerikanisiert Europa. In: sueddeutsche.de. 26. Juli 2015, abgerufen am 28. September 2024.</ref>

In einer Rede vom 15. Juli 2014 teilte der damalige Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit, die Troika neu strukturieren zu wollen: „In Zukunft sollte es uns gelingen, die ‚Troika‘ durch eine Struktur mit stärkerer demokratischer Legitimation und Rechenschaftspflicht zu ersetzen, die um die europäischen Institutionen herum angesiedelt ist, mit verstärkter parlamentarischer Kontrolle sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene.“<ref>Jean-Claude Juncker: Ein neuer Start für Europa: Meine Agenda für Jobs, Wachstum, Fairness und demokratischen Wandel. Politische Leitlinien für die nächste Europäische Kommission. 15. Juli 2014, S. 8, abgerufen am 28. September 2024.</ref>

Dokumentationen

Literatur

  • Ulrich Alemann (Hrsg.), Eva G. Heidbreder (Hrsg.), Hartwig Hummel (Hrsg.), Domenica Dreyer (Hrsg.), Anne Gödde (Hrsg.): Ein soziales Europa ist möglich: Grundlagen und Handlungsoptionen. Springer, 2015, S. 261–284

Einzelnachweise

<references />