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Tuğba Tekkal

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Tuğba Tekkal
Datei:Hart aber fair - 2022-11-14-4144.jpg
Tuğba Tekkal, 2022
Personalia
Geburtstag 5. März 1985
Geburtsort HannoverDeutschland
Größe 170 cm
Position Mittelfeldspielerin
Frauen
Jahre Station Spiele (Tore)1
2002–2007<ref>Christian Lawendel: Ex-Fußballerin Tekkal: Für eine Frau war ich gut. In: Spiegel Online. 24. Juni 2011, abgerufen am 8. Juli 2018.</ref> TSV Havelse
2008 Hamburger SV II (6)
2008–2009 Hamburger SV 21 0(3)
2009–2011 1. FC Köln 29 0(3)
2012–2017 1. FC Köln 111 (11)
2015 1. FC Köln II 1 0(0)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Stand: Saisonende 2016/17<ref>Datencenter: Tugba Tekkal. In: dfb.de. Abgerufen am 8. Juli 2018.</ref>

Tuğba Tekkal (* 5. März 1985 in Hannover) ist eine ehemalige deutsche Profi-Fußballspielerin, Sozialunternehmerin und Gründerin.

Leben

Tekkals Eltern waren in den 1970er-Jahren als Einwanderer aus der Osttürkei nach Deutschland gekommen. In ihrer Heimat waren sie als Kurden und Teil der jesidischen Glaubensgemeinschaft verfolgt worden. In der neuen Heimat arbeitete ihr Vater als Fliesenleger, ihre Mutter war Hausfrau. Tekkal ist eines von elf Geschwistern, darunter die Autorin Düzen Tekkal.

Sie wuchs im hannoverschen Arbeiterstadtteil Linden in einer Vierzimmerwohnung auf, die sie sich mit ihren zehn Geschwistern teilte.<ref name=":0">Marie Gogoll: Fußballerin Tuğba Tekkal: „Auf dem Platz fragt keiner, wo du herkommst“. In: Die Tageszeitung: taz. 19. Juli 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. Juli 2025]).</ref> Das Wohnzimmer der Familie diente häufig als Treffpunkt politisch aktiver Jesiden, wobei ihr Vater Geflüchteten Unterkunft bot und sich für die Anerkennung der Religionsgemeinschaft als politisch verfolgt einsetzte.<ref name=":0" />

Tekkal begann schon früh mit dem Fußballspielen, erst auf dem Bolzplatz, später im Verein. Ihren Eltern verheimlichte sie lange ihre Leidenschaft zum Ballsport. Mit der Unterstützung ihrer Geschwister schaffte sie es dann aber doch, die Eltern von ihrem Hobby zu überzeugen.

Heute lebt Tekkal in Köln und Berlin und setzt sich mit ihrer Arbeit für das Empowerment von Frauen und die Werte des freiheitlich-demokratischen Grundgesetzes ein. Sie hält regelmäßig Vorträge über ihre Rolle als Frau, Sportlerin und Deutsche mit Migrationshintergrund.

Karriere

Tekkal spielte von 2002 bis Dezember 2007 für den TSV Havelse und von Januar bis Juni 2008 beim HSV II. Im Jahr 2007 wechselte sie in die Bundesliga zum Hamburger SV. Beim HSV bestritt sie 21 Spiele, in welchen ihr drei Tore gelangen. Die zu diesem Zeitpunkt 20-Jährige war nach einem erfolgreichen Probetraining verpflichtet worden und konnte erst nach längerer Überzeugungsarbeit gegenüber ihren zunächst skeptischen Eltern nach Hamburg ziehen.<ref name=":0" /> In der 2. Bundesliga erhielt sie beim HSV lediglich eine monatliche Aufwandsentschädigung von rund 175 Euro und finanzierte ihren Lebensunterhalt durch einen Nebenjob in einem Fitnessstudio.<ref name=":0" />

Zur Saison 2009/10 wechselte Tekkal in die 2. Bundesliga zum 1. FC Köln. Am Ende der Saison 2010/11 verließ sie den Verein und wollte ihre sportliche Karriere wegen ihrer beruflichen Karriere als Sport- und Fitnesskauffrau beenden, kehrte aber in der Winterpause 2011/12 zum Verein zurück. Nach zwei Vizemeisterschaften 2012/13 und 2013/14 gelang ihr mit der Mannschaft 2014/15 als ungeschlagener Meister der 2. Bundesliga Süd der Aufstieg in die Bundesliga.

Im Jahr 2017 entschied sich Tekkal zur Beendigung ihrer fußballerischen Karriere. Ausschlaggebend war eine Knöchelverletzung, deren langwierige Reha sie nicht mit ihrem wachsenden menschenrechtlichen Engagement vereinbaren konnte.<ref name=":0" />

2025 kandidierte Tekkal im Team mit Carsten Wettich und Wilke Stroman erfolglos für das Präsidium des 1. FC Köln.<ref name=":0" />

Soziales Engagement

Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help e. V.

2015 gründete Tuğba Tekkal zusammen mit drei Schwestern, darunter die Journalistin Düzen Tekkal, den gemeinnützigen Verein für humanitäre Hilfe Háwar.help e. V.<ref>Startseite. Abgerufen am 23. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Gegründet wurde der Verein, um auf das genozidäre Vorgehen des IS und die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die die jesidische Glaubensgemeinschaft im Irak und in Syrien erleiden musste. Mittlerweile ist daraus eine Organisation erwachsen, die Menschenrechte in den Krisenregionen, aber auch in Deutschland stärkt – und sich insbesondere für die Rechte von Mädchen einsetzt, ganz egal ob sie jesidischen, muslimischen oder christlichen Glaubens sind. Der Verein verfolgt damit das Ziel, die demokratische, offene Gesellschaft zu stärken.

Der Verein betreibt mehrere Projekte. Dazu gehört das Mädchen-Fußball-Projekt SCORING GIRLS* sowie das Frauen-Empowerment-Zentrum Back to Life, das psychosoziale Betreuung, Alphabetisierungs- und Handwerkskurse sowie Bildungsworkshops zu Themen wie Frauenrechte und Unternehmertum für Frauen und Kinder aus IS-Kriegsgefangenschaft im Irak und in Deutschland bietet.  

2021 übernahm Annalena Baerbock die Schirmherrschaft des Projekts Back to Life.<ref>BAERBOCK ÜBERNIMMT SCHIRMHERRSCHAFT VON BACK TO LIFE. In: HÁWAR.help. 20. September 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ein weiteres Projekt des Vereins ist das Projekt School Talks, das Dialoge an deutschen Schulen über Menschenrechte, Marginalisierung und entwicklungspolitische Zusammenhänge, sowie Sensibilisierung und politisches Engagement ermöglicht. In diesem Rahmen tritt Tekkal mit Schulklassen in einen offenen Dialog. Außerdem leitet sie Capacity Building Workshops und stärkt somit die Kompetenzen der jungen Menschen.

Mädchen-Empowerment-Projekt SCORING GIRLS*

Im Jahr 2016 initiierte Tekkal im Rahmen von HÁWAR.help das Empowerment-Projekt SCORING GIRLS*<ref>SCORING GIRLS*. In: HÁWAR.help. Abgerufen am 23. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, das Mädchen und jungen Frauen aus zugewanderten oder sozio-ökonomisch schlechter gestellten Familien kostenloses Fußballtraining und werteorientierte Bildung ermöglicht.

Die Mädchen und jungen Frauen bekommen unabhängig ihrer Nationalität, sozio-ökonomischer Herkunft oder Religion die Chance, gemeinsam ihre Stärken und Interessen zu erkennen und genug Selbstvertrauen aufzubauen, um ihre Lebensträume umsetzen zu können.

Mittels Fußball, aber auch Schul- und Hausaufgabenhilfe, Berufsorientierung und der Einbindung starker Frauen-Vorbilder werden Werte wie Teamgeist, Empathie, Verantwortungsbewusstsein oder Führungsstärke bei Mädchen und jungen Frauen gefördert. Die  Projektteilnehmerinnen lernen so, respektvoll miteinander umzugehen und an sich selbst zu glauben – ob im Klassenraum oder auf dem Fußballfeld.

Mittlerweile haben die SCORING GIRLS*-Projekte in Berlin und Köln bereits über 150 Mädchen mit verschiedensten Lebensgeschichten aus mehr als 15 Ländern erreicht.

Schirmherrin des Projekts ist die Journalistin und Fernsehmoderatorin Anne Will<ref>ANNE WILL IST SCHIRMHERRIN DER SCORING GIRLS*. In: HÁWAR.help. 3. November 2020, abgerufen am 23. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.

Tekkal betont, dass das Training insbesondere für jesidische Mädchen in irakischen Binnenflüchtlingscamps eine therapeutische Wirkung entfaltet und ihnen erstmals wieder Zuversicht vermittelt.<ref name=":0" /> Zugleich kritisiert sie strukturelle Barrieren im deutschen Vereinsfußball, durch die Mädchen aus einkommensarmen Familien oder mit Migrationsgeschichte weiterhin unterrepräsentiert bleiben, und fordert mehr Offenheit der Vereine.<ref name=":0" />

Bildungsinitiative GermanDream

Darüber hinaus gründete sie 2019 mit ihren Schwestern zusammen die Bildungsinitiative GermanDream<ref>Startseite. Abgerufen am 23. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, mit der Wertedialoge an hunderten deutschen Schulen veranstaltet werden. Anliegen ist es, jungen Menschen die Werte von Freiheit und Selbstbestimmung zu vermitteln und Extremismus vorzubeugen, insbesondere dem Islamismus und Rechtsextremismus. Zu den Werbebotschaftern, die als positive Vorbilder Integration erleichtern sollen, gehören u. a. die Managerin Janina Kugel, FDP-Chef Christian Lindner, Cem Özdemir, der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn, der Fußballer Leon Goretzka, die Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer und das Model Sara Nuru.

In diesem Rahmen tritt Tekkal selbst auch regelmäßig als Wertebotschafterin mit jungen Menschen in den Dialog über die Werte der Demokratie. Sie konzipiert dafür Formate und Workshops gegen Rassismus, Populismus und Extremismus.

Des Weiteren hielt sie Vorträge bei der Konrad-Adenauer-Stiftung<ref>„Demokratie bedeutet, dass wir an einem Tisch sitzen und unterschiedliche Meinung haben können“. 2. Juli 2017, abgerufen am 23. Dezember 2021.</ref>, beim Volkswagen #WeDriveDiversity-Talk<ref>#VWTailgate Tour: #WeDriveDiversity-Talk. Abgerufen am 23. Dezember 2021.</ref>, bei der internationalen Woche gegen Rassismus für die Landessportjugend<ref>GWeb Solutions: „PINK gegen Rassismus“: Gleich drei Events an einem Tag! Abgerufen am 23. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Tekkal war Testimonial der Corona-Kampagne von Chancen NRW<ref>Zum Anzeigen anmelden oder registrieren. Abgerufen am 23. Dezember 2021.</ref> sowie Gesicht der Integrationskampagne #IchDuWirNRW<ref>Bei Facebook anmelden. Abgerufen am 23. Dezember 2021.</ref>.

Auszeichnungen und Erfolge

Literatur

mit Anna Dreher: Tor zur Freiheit: meine ganze Geschichte. Elisabeth Sandmann Verlag, München 2023. ISBN 978-3-949582-05-9.

Weblinks

Commons: Tuğba Tekkal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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