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Tunnel Hirschhagen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
44 Tunnel Hirschhagen
Offizieller Name Tunnel Hirschhagen
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung Bundesautobahn 44
Ort bei Hirschhagen
im Fulda-Werra-Bergland;
Landkreis Kassel und Werra-Meißner-Kreis, Nordhessen
Länge 4204 m (Südweströhre),<ref name="AusschreibDE" />
4147 m (Nordoströhre)<ref name="AusschreibDE" />dep1
Anzahl der Röhren 2
Bau
Bauherr Bundesrepublik Deutschland
Baukosten 341 Mio. <ref name="HNA21092019" />
Baubeginn 9. Juni 2013 (Tunnelanschlag)<ref name="HrOnl09062013" />
Fertigstellung Juni 2022<ref name="tunnelFerigstellung"/>
Planer Dipl.-Ing. Bernd Gebauer Ingenieur GmbH
Betrieb
Betreiber Bundesrepublik Deutschland
Freigabe 7. Oktober 2022<ref name="freigabeHessenschau" />
Lagekarte
Koordinaten
Nordwestportal 51° 14′ 4,7″ N, 9° 40′ 17″ O
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Südostportal 51° 12′ 45,9″ N, 9° 42′ 52,9″ O
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Der Tunnel Hirschhagen ist ein Straßentunnel der Bundesautobahn 44 in Nordhessen. Er ist nach dem Rennsteigtunnel der zweitlängste Autobahntunnel Deutschlands und verbindet die Anschlussstellen Hessisch-Lichtenau-West und Helsa-Ost. Auf seinen 4204 m unterquert er den Rohrberg auf dem Gebiet der Gemeinde Helsa im Landkreis Kassel und der Stadt Hessisch Lichtenau im Werra-Meißner-Kreis. Benannt wurde der Tunnel nach dem nördlich von ihm liegenden Hessisch-Lichtenauer Ortsteil Hirschhagen. Seine Südweströhre ist 4204 m und seine Nordoströhre 4147 m<ref name="AusschreibDE" /> lang.

Als Bauzeitraum wurde anfangs Frühjahr 2013 bis 2018<ref name="HNA31012013" /> genannt; später wurde davon ausgegangen, dass der Tunnel am 31. Dezember 2020 fertig gestellt werden sollte, diese verschob sich in den Juni 2022.<ref name="tunnelFerigstellung">IHK-Präsidium besichtigte A44-Tunnel Hirschhagen. IHK Kassel-Marburg, abgerufen am 7. Oktober 2022.</ref><ref name="HNA18072017" /> Die Freigabe für den Straßenverkehr erfolgte schließlich am 7. Oktober 2022.<ref name="freigabeHessenschau">Max Sprick: Tunnel Hirschhagen auf der A44 in Nordhessen wird für Verkehr freigegeben. In: hessenschau de. Hessischer Rundfunk, 7. Oktober 2022, abgerufen am 7. Oktober 2022.</ref> Mit der Eröffnung löste er den osthessischen Tunnel Neuhof (1610 m; A 66) als längsten Autobahntunnel Hessens ab.

Geographische Lage

Der Tunnel Hirschhagen liegt innerhalb des Fulda-Werra-Berglandes im Naturraum Kaufunger Wald (mit Söhre) – zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau.

Sein Nordwestportal liegt auf Helsaer Gebiet nahe dem Ortsteil Eschenstruth südlich der Autobahnanschlussstelle Helsa-Ost in der Südsüdostflanke des 527,8 m ü. NHN hohen Bielstein. Anfangs unterquert der Tunnel das östlich von Eschenstruth auf 301,5 m<ref name="DE_BFN-Karten">Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)</ref> Höhe gelegene Lossetal (nahe dortigem Sportplatz) mit der Bundesstraße 7, der Lossetalbahn, der Straße Eschenstruth–Waldhof und der Losse.

Danach verläuft der Tunnel auf Hessisch Lichtenauer Gebiet zwischen Hirschhagen im Nordosten und Fürstenhagen im Südwesten in der bewaldeten Südwest- und Südflanke des 535,6 m hohen Rohrbergs. Dabei unterquert er die zwischen den Ortschaften verlaufende Hirschhagener Straße und führt zu seinem zwischen Hessisch Lichtenau im Süden und dessen abseitiger Ortslage Föhren im Nordosten gelegenen Südostportal.

Daran anschließend verläuft die durch den Tunnel führende Autobahn zwischen Fürstenhagen und Föhren über die Steinbachtalbrücke, woran sich die Anschlussstelle Hessisch Lichtenau-West anschließt.

Baubeschreibung, -geschichte, -kosten

Datei:BAB A44 August 2014 (5).JPG
Bundesautobahn A44: Baustelle Tunnel Hirschhagen, Südostportal

Der Tunnel Hirschhagen ist Teil der künftigen Verlängerung der A 44 von Kassel (geplantes Autobahndreieck Kassel-Ost) an der A 7 nach Herleshausen (geplantes AD Herleshausen-Wommen) an der A 4. Er gehört außerdem zur 5,94 km<ref name="VKE12" /> langen „VKE 12 – AS Helsa-Ost–AS Hessisch Lichtenau-West“ (VKE = Verkehrskosteneinheit), deren Vorarbeiten im Juni 2010<ref name="VKE12" /> begannen.

Im Februar 2007 wurde für die VKE 12 das Planfeststellungsverfahren eingeleitet und dessen Beschluss im Frühjahr 2010 erlassen.<ref name="VKE12" /> Der Bauauftrag für den Tunnel wurde am 29. Januar 2013<ref name="HNA31012013" /> unterschrieben. Die Kosten für das Bauprojekt des Autobahnabschnitts Helsa–Hessisch Lichtenau mit dem Tunnel wurden 2013 mit voraussichtlich etwa 247 Mio. <ref name="HNA31012013" /> angegeben, 2017 wurden 324 Mio. €<ref name="HNA18072017" /> erwähnt, und seit 2019 werden 341 Mio. €<ref name="HNA21092019" /> genannt.

Nach Vorarbeiten fand der Tunnelanschlag am 9. Juni 2013 statt.<ref name="HrOnl09062013" /> Bis Mitte 2015 hatten sich die Tunnelbauarbeiter vom Nordwestportal etwa 2300 m und vom Südostportal etwa 1000 m weit in den Berg vorgearbeitet. Für Anfang November 2015 war der Tunneldurchschlag geplant.<ref name="HNA29062015" /> Doch der Durchschlag der Südweströhre fand erst am 19. Februar 2016<ref name="DurchschlagRöhreSW" /> statt. Die Innenverkleidung wurde 2017 fertig gestellt; der Beginn der Straßenbauarbeiten war für Ende August desselben Jahres angesetzt.<ref name="HNA18072017" />

Der Tunnelvortrieb fand vorwiegend in Schichten aus Buntsandstein statt. 60 % der Tunnelstrecke wurden aus dem Berg gesprengt, der Rest wurde gebaggert. Bei der Ausschachtung beider Tunnelröhren entstand insgesamt etwa 960.000  Abraum, der mit rund 48.000 Lkw-Ladungen zu je zirka 30 t abgefahren wurde. Die Firstüberdeckung, also der Abstand zwischen Tunnel- zur Erdoberfläche, erreicht im Südhang des Rohrbergs maximal etwa 85 m, und die oberflächennaheste Stelle liegt im Bereich der Losse-Unterquerung bei rund 10 m.<ref name="HNA18072017" />

Der Tunnel bekam entsprechend neuester Sicherheitsstandards 2 Röhren (Südwest 4204 m; Nordost 4147 m),<ref name="AusschreibDE" /> die durch 7 befahrbare und 8 begehbare Querstollen (insgesamt also 15) miteinander verbunden sind. Sie dienen bei Gefahrsituationen als Fluchtwege in die jeweils andere Röhre, die dann für den Verkehr gesperrt werden kann, und Rettungskräften als Zuwege. Der Tunnel hat 14 Nothaltebuchten (7 je 2-spuriger Richtungsfahrbahn).<ref name="HNA18072017" /> Die Tunnelröhren haben zwei Stahlbetonschalen: Ihre Außenschalen sind 40 cm dick, die Innenschalen etwa 80 cm; zwischen beiden Schalen befindet sich eine Wasserschutzfolie. Die Röhren sind jeweils insgesamt 11 m hoch und 12 m breit. Im Inneren sind sie 6,5 m hoch, und die 2-spurigen Richtungsfahrbahnen sind je Röhre 7,5 m breit.<ref name="HNAQuerSkizze" /> Die Röhren wurden mit etwa 164.000 m³ Beton stabilisiert, und es wurden rund 447.000 Anker und 8000 t Baustahl für die Außenschale sowie für die Innenschale etwa 192.000 t Beton und 14.500 t Baustahl verbaut.<ref name="HNA18072017" />

Die Tunnelbelüftung geschieht in Längsrichtung mit insgesamt 54 Strahlventilatoren,<ref name="HNA21092019" /> und etwa von der Tunnelmitte zur Erdoberfläche führt ein etwa 80 m langer Abluft- und Entrauchungsschacht zur Erdoberfläche, wo ein Betriebsgebäude steht.<ref name="HNA18072017" />

Zu den Arbeiten, die im Rahmen des Tunnelbaus ausgeführt wurden oder werden müssen, gehören, neben der Errichtungen der Portalbauwerke und dortiger Stirn- und seitlicher Stützwände, unter anderem auch der Aushub der Baugrube am Nordwestportal, gesichert mit rückverankerten Bohrpfahlwänden, und Spundwandverbau, der Aushub eines Löschwasserbeckens am Südostportal und -auffangbeckens am Nordwestportal, die Errichtung je eines Betriebsgebäudes an beiden Portalen und eines 400 m langen Steilwalls am Nordwestportal sowie etwa 1000 m Kanalbau.<ref name="AusschreibDE" />

Ab 2019 fand der Einbau aller technischen Anlagen statt: Stromversorgung mitsamt Beleuchtung und Belüftung sowie Verkehrs-, Steuer-, Überwachungs-, Sicherheits- und Brandschutztechnik statt. Es wurden insgesamt 735 km Kabel durch Leerrohre links und rechts der Tunnelfahrbahnen gezogen. Im Abstand von 150 m wurden Brandmelder und Notrufanlagen in Tunnelwandnischen installiert, und im Abstand von 25 m weist die Notbeleuchtung auf die nächste Fluchtmöglichkeit hin. Im Tunnel gibt es insgesamt 66 Hydranten; dort sollen Löschkräfte für die Dauer einer Stunde maximal 1200 Liter Wasser pro Minute zapfen können.<ref name="HNA21092019" />

Bis zur Verkehrsfreigabe des Tunnels lief der Verkehr auf der etwa parallel zur künftigen Autobahntrasse angelegten B 7. Die Verkehrsbelastung für den gesamten Abschnitt VKE 12 wird auf etwa „37.800 Kfz/24 h prognostiziert.<ref name="VKE12" />

Einzelnachweise

<references> <ref name="AusschreibDE">Auftragsbekanntmachung …VKE 12, Tunnel Hirschhagen… Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 31. Oktober 2019., abgerufen am 27. Februar 2013, auf ausschreibungen-deutschland.de</ref> <ref name="HNA31012013">247-Millionen-Euro-Projekt: Hessens längster Straßentunnel. In: hna.de. Verlag Dierichs GmbH & Co KG, abgerufen am 7. Oktober 2022.</ref> <ref name="HrOnl09062013"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., vom 9. Juni 2013, aus hr-online.de</ref> <ref name="HNA21092019">A44-Tunnelbau Hirschhagen geht in die letzte Phase, vom 21. September 2019, abgerufen am 31. Oktober 2019, auf hna.de</ref> <ref name="HNA18072017">A44-Tunnel Hirschhagen: Freie Fahrt erst im Jahr 2020. In: hna.de. Verlag Dierichs GmbH & Co KG, abgerufen am 7. Oktober 2022.</ref> <ref name="HNA29062015">Die Schienen senkten sich: Bauarbeiten an A44-Tunnel dauern länger. In: hna.de. Verlag Dierichs GmbH & Co KG, abgerufen am 7. Oktober 2022.</ref> <ref name="VKE12">Hessen Mobil, Straßen- und Verkehrsmanagement: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />VKE 12 – AS Helsa-Ost–AS Hessisch Lichtenau-West (Memento vom 5. April 2013 im Internet Archive), abgerufen am 27. Februar 2013</ref> <ref name="DurchschlagRöhreSW">Durchstich beim A44-Tunnel Hirschhagen. In: hna.de. Verlag Dierichs GmbH & Co KG, abgerufen am 7. Oktober 2022.</ref> <ref name="HNAQuerSkizze">Skizze Tunnelquerschnitt aus Einzelnachweis … Freie Fahrt erst im Jahr 2020, vom 18. Juli 2017, abgerufen am 21. Juli 2017, auf hna.de</ref> </references>