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Unterverwandlung

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Als Unterverwandlung bezeichnet man im Schach die Umwandlung eines Bauern auf der gegnerischen Grundreihe in eine geringerwertige Figur als die Dame – also in Turm, Läufer oder Springer.

Motivation und Vorkommen

Umwandlungen in einen Springer kommen in praktischen Partien selten bis gelegentlich vor, um ein Schach zu bieten – oft kombiniert mit einer Gabel oder als Bestandteil einer Matt-Kombination. Eine solche Unterverwandlung in einen Springer kann auch im frühen Stadium der Partie als Eröffnungsfalle vorkommen (zu einer bekannten Variante siehe Albins Gegengambit).

Dagegen sind ernsthafte Umwandlungen in Turm und insbesondere Läufer in einer normalen Partie äußerst selten. Insofern es sich nicht um Scherz-Unterverwandlungen handelt, in denen beispielsweise ein Turm gleichermaßen wie eine Dame mattsetzt oder die neue Figur sowieso sofort geschlagen wird, dienen diese seltenen Unterverwandlungen stets dazu, ein gegnerisches Patt zu vermeiden. Theoretisch kommt neben der Pattvermeidung des Gegners auch die Motivation vor, eine Unterverwandlung für ein eigenes Patt als Remischance zu nutzen; dies ist noch nicht in praktischen (bekannten) Partien vorgekommen.

Für alle erdenklichen Nutzungsfälle ist Unterverwandlung ein beliebtes Motiv in der Schachkomposition.

Turnierpartien

Unterverwandlungen sind in Partien extrem selten. Der niederländische Schachkuriositätensammler Tim Krabbé hat auf seiner Website ein paar Dutzend Unterverwandlungen in Partien seit 1863 zusammengetragen. Er berücksichtigte dabei nur tatsächlich sinnvolle Unterverwandlungen, also keine Scherzunterverwandlungen, wenn der Stein ohnehin geschlagen werden muss oder ohnehin Gewinnstellung erreicht ist. In einigen der Stellungen ist die Unterverwandlung der leichteste Weg und in anderen sogar notwendig.

Springerumwandlungen sind häufiger anzutreffen, wobei die Partie zwischen László Szabó und Borislav Ivkov in Belgrad 1964 eine Besonderheit darstellt: Nach Ivkovs Umwandlung im 49. Zug befanden sich fünf Springer auf dem Brett. Ivkov gewann.<ref>Szabo–Ivkov bei chessgames.com</ref>

Beispiele

Vorlage:Schachbrett/Tabelle

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Kompositionen

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Weitere Beispiele von Unterverwandlungen finden sich in den Studien von Benkő, Saavedra, Vitali Halberstadt, Gorgijew und Selesnjow. Pogosjanz zeigte sogar eine beiderseitige Springerunterverwandlung. Eine achtfache (!) Springerunterverwandlung ist bei André Chéron zu finden.

Wird im Rahmen einer Schachkomposition ein Bauer in verschiedenen Varianten in alle möglichen Figuren umgewandelt, so spricht man von einer Allumwandlung.

Anekdotisches

Vorlage:Schachbrett/TabelleIn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es in England statthaft, einen Bauern nach Erreichen der gegnerischen Grundreihe ohne Umwandlung auf dieser stehen zu lassen (und zwar bis zum Ende der Partie, so er nicht vorher geschlagen wurde). Die englische Bezeichnung für einen solchen Bauern war dummy pawn. Er wurde 1862 in den Gesetzen der Britischen Schachföderation festgeschrieben und einige der ersten Turniere wurden nach diesen Regeln gespielt, zuletzt in Wien 1873. Trotzdem etablierte sich mangels Akzeptanz der Regel im deutschsprachigen Raum kein Konsens für eine deutsche Übersetzung. Die Leipziger Illustrirte Zeitung schrieb im Jahr 1878: „Der vor längeren Jahren in englischen Schachkreisen zur Sprache gebrachte ,dummy pawn‘ (stumme Bauer) ist im deutschen Schach nie zur Geltung gekommen. Jeder in das achte Feld rückende Bauer muß sofort in einen beliebigen Offizier verwandelt werden; als Bauer darf er nicht stehen bleiben.“<ref>Illustrierte Zeitung, 28. September 1878, S. 236</ref> Die deutsche Übersetzung der Bücher von Tim Krabbé verwendet die Übersetzung Dummy-Bauer. Ein Dummy-Bauer dürfte in praktischen Partien kaum jemals notwendig gewesen sein. Allerdings gibt es einige Schachkompositionen mit diesem Thema. Im Jahre 1903 wurde diese Möglichkeit wieder abgeschafft.

Ein Dummy-Bauer konnte vor allem zur Erzwingung eines Selbstpatts dienlich sein, wie die Illustration zeigt.

Literatur

Weblinks

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Einzelnachweise

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