Zum Inhalt springen

Věra Chytilová

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Vera Chytilova.jpg
Věra Chytilová (2007)

Věra Chytilová (* 2. Februar 1929 in Ostrava, Tschechoslowakei; † 12. März 2014 in Prag) war eine tschechische Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Sie gilt als bedeutende Vertreterin der „Neuen Welle“ des tschechoslowakischen Films in den 1960er Jahren.

Leben und Karriere

Věra Chytilová begann ein Studium der Philosophie und Architektur in Brünn von 1948 bis 1949.<ref name=":1">TAUSENDSCHÖNCHEN. In: Cinemalovers. Abgerufen am 10. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dieses brach sie jedoch ab und arbeitete anschließend als Zeichnerin, Laborassistentin und Model<ref name=":1" /> bevor sie ab 1953 bei den Barrandov-Studios in Prag u. a. als Regieassistentin tätig war. Chytilovás erster Ehemann, der Fotograf Karel Ludwig, machte die zukünftige Regisseurin erstmals mit den Barrandov-Studios bekannt.<ref name=":1" /> Das Paar war Anfang der 1950er verheiratet.<ref>Lecture & Film: Věra Chytilová – Januar 2022. In: DFF.FILM. Abgerufen am 10. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Neben der Regieassistenz übernahm Chytilová in den Studios auch Aufgaben als Scriptgirl und zeichnete für die Filmklappe verantwortlich.<ref name=":1" /> Schließlich ging sie an die Prager Filmhochschule (FAMU) und studierte dort von 1957 bis 1962 in der Regieklasse von Otakar Vávra. Sie war eine der ersten Frauen, die im Fach Regie dort studierte.<ref name=":1" /> An der FAMU lernte sie auch Miloš Forman kennen.

Es entstanden mehrere Studienfilme Dům na Ořechovce (1959), Pan Ká (1960), Zelená ulice (1960) und Žurnál FAMU (1961). Für ihre Diplomarbeit entstand schließlich der Film Strop / Die Decke (1961).<ref name=":0">Fred Gehler (Hrsg.): Regiestühle international. 1. Auflage. Berlin 1987, S. 276.</ref> Chytilovás Filme behandelten feministische Themen, wobei sie sich westlichen Vorstellungen im Feminismus verweigerte.<ref>Sprengmeisterin. Abgerufen am 15. August 2023.</ref> Mit ihrer Arbeit als Regisseurin Anfang der 1960er Jahre gilt sie als bedeutende Vertreterin der „Neuen Welle“ in der Tschechoslowakei. Besonders ihr Film Tausendschönchen von 1966 gilt als eine der wichtigsten Veröffentlichungen der Filmbewegung.<ref name=":2">Vera Chytilová for beginners. Abgerufen am 10. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Film wurde aufgrund seiner Darstellung von Lebensmittelverschwendung und Hedonismus in der Tschechoslowakei verboten.<ref name=":2" /><ref>Gegen die Regeln | Prager Zeitung. In: Prager Zeitung | Aus Tschechien. Aus Überzeugung. 9. April 2014, abgerufen am 10. Mai 2023.</ref>

Nach der Besetzung der Tschechoslowakei 1968 (und einem praktischen Ende der Tschechoslowakischen Neuen Welle) wurde Chytilová mit einem Arbeitsverbot belegt.<ref name=":3">jádu - Kultur - Goethe-Institut. Abgerufen am 10. Mai 2023.</ref> Sie drehte in den 60er und 70er Jahren zwar weiterhin als Regisseurin, allerdings im Bereich der Werbung und unter dem Namen ihres zweiten Ehemanns Jaroslav Kučera, dem Kameramann ihres Films Tausendschönchen.<ref>Vera Chytilová (1929-2014): Czech New Wave director. Abgerufen am 10. Mai 2023.</ref> Ihr Berufsverbot sollte 1976 mit dem Film Hra o jablko enden.<ref name=":3" />

Sie gehörte 1988 dem ersten Präsidium des KIWI – Kino Women International an, einer Assoziation osteuropäischer Filmemacherinnen.<ref name=":02">Frýdlová, Pavla: KIWI. In: Karola Gramann und Heide Schlüpmann (Hrsg.): Geschichtsanschauungen. Eine Publikation anlässig von Remake. Frankfurter Frauen Film Tage 2019. Selbstverlag, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-00-063863-3, S. 140–143.</ref>

Filmografie (Auswahl)

  • 1961: Die Decke (Strop) (Buch, Regie)<ref name=":0" />
  • 1962: Ein Sack voller Flöhe (Pytel blech) (Regie)<ref name=":0" />
  • 1963: Von etwas anderem (O něčem jiném) (Buch, Regie)
  • 1965: Perlen auf dem Meeresgrund (Perličky na dně) (Episode Automat Welt, Regie, Buch)
  • 1966: Tausendschönchen (Sedmikrásky) (Regie)
  • 1969: Fruit of Paradise (Ovoce stromu rajskych jíme)
  • 1976: Ein bisschen schwanger<ref>hFMA: Termine: Lecture & Film: HRA O JABLKO (Ein bißchen schwanger) von Věra Chytilová | Vortrag von Daniel Fairfax. Abgerufen am 10. Mai 2023.</ref>/Spiel um den Apfel<ref>Bundesarchiv - Recherche - Detailansicht - "Spiel um den Apfel (Hra o jablko) (1976)". Abgerufen am 10. Mai 2023.</ref> (Hra o jablko) (Buch, Regie)
  • 1979: Geschichte der Wände (Panelstory) (Regie, Buch)
  • 1980: Kalamitäten (Kalamita) (Regie, Buch)
  • 1981: Chytilová gegen Forman (Chytilová versus Forman) (Regie)
  • 1984: Fauns allzuspäter Nachmittag (Faunovo velmi pozdní odpoledne) (Regie, Drehbuch)
  • 1985: Prague (Regie, Drehbuch)
  • 1986: Die Wolfsbaude<ref>Die Wolfsbaude. In: Internationales Frauen Film Fest. Abgerufen am 6. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> (Vlčí bouda) (Regie, Drehbuch)
  • 1988: Einmal hin, einmal her (Kopytem sem, kopytem tam) (Regie)
  • 1988: Der Narr und die Königin (Šasek a královna) (Regie, Drehbuch)
  • 1993: Das Erbe oder: Fuckoffjungsgutntag (Dědictví aneb kurvahošigutntag) (Regie, Drehbuch)
  • 1998: Große Fallen, kleine Fallen (Pasti, pasti, pastičky) (Regie, Drehbuch)
  • 2000: Velvet Hangover / Sametová kocovina (als sie selbst, Dokumentarfilm von Robert Buchar)
  • 2001: Vyhnáni z ráje (Regie, Drehbuch)
  • 2005: Pátrání po Ester (Regie)
  • 2006: Hezké chvilky bez záruky (Regie, Drehbuch)

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Fred Gehler (Hrsg.): Regiestühle international. Henschel, Berlin 1987, ISBN 3-362-00132-7.
  • Chytilová, Věra. In: Jenny Uglow, Maggy Hendry: Macmillan Dictionary of Women’s Biography. 3. Auflage. Macmillan, London 1999, ISBN 0-333-72573-5, S. 126.
  • Margarete Wach (Hrsg.): Věra Chytilová. edition text + kritik, München 2020, ISBN 978-3-96707-087-3.

Weblinks

Commons: Věra Chytilová – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein