Veit Graber
Veit Graber, auch Vitus Graber genannt, (* 2. Juli 1844 in Weer; † 3. März 1892 in Rom) war ein österreichischer Zoologe, der sich vor allem der Insektenkunde widmete.
Leben
Ausbildung
Von 1858 bis 1864 besuchte Graber das Akademische Gymnasium Innsbruck. Ein Begabtenstipendium ermöglichte ihm das Studium an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ab 1864, hauptsächlich in Zoologie unter Camill Heller (1823–1917). Vorwiegend besuchte er naturhistorische Vorlesungen. Er machte im Dezember 1867 die Lehramtsprüfung für Obergymnasien und erhielt bereits am 31. Januar 1868 sein Doktordiplom der Philosophie. Schon während dieser drei Studienjahre begann er mit seinen eigenen wissenschaftlichen Arbeiten. Für seine Abhandlung Die Orthopteren Tirols erhielt er einen Preis der philosophischen Fakultät. Im Jahre 1866 unterbrach er sein Studium und zog im Rahmen des Deutschen Krieges als Schütze der freiwilligen akademischen Innsbrucker Scharfschützenkompanie an die Grenze zur Lombardei. Dafür wurde er mit der Schützenmedaille ausgezeichnet.
Akademische Laufbahn
Kurz nach Erhalt seines Doktordiploms zog Graber nach Wien, in der Absicht, seine zoologischen Studien dort fortzusetzen und die akademische Laufbahn anzutreten. Zunächst wurde er zur Probe ins Lehramt an der städtischen Oberrealschule auf der Wieden (4. Wiener Bezirk) eingesetzt. Aber schon bald darauf, am 23. April 1868, erhielt er durch das kaiserlich königliche Platzkommando in Wien vom Reichskriegsministerium die Lehrstelle für Naturwissenschaften am kaiserlich königlichen katholischen Staats-Obergymnasium Winkowitz in der kroatisch-slawonischen Militärgrenzregion. Hier gründete er eine Wetterstation und machte Ausflüge ins südliche Ungarn und nach Bosnien, um die dortige Fauna zu studieren. Die daraus resultierenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen sollten ihn bekannt machen.
Im September 1869 wurde Graber als Lehrer ans kaiserlich königliche zweite Staatsgymnasium in Graz versetzt und habilitierte dort bereits im Jahre 1871 unter dem Zoologen Eduard Oscar Schmidt (1823–1886). Mehrfache Lehrämter forderten ihm als Privatdozenten viel Zeit ab. Dementsprechend verlegte er seine Feldforschungsarbeit an den Abend und schrieb seine Arbeiten in der Nacht, so dass seine Gesundheit darunter zu leiden begann. Im Jahre 1873 schlugen die Kollegen der philosophischen Fakultät vor, ihn zum außerordentlichen Professor an der Universität Graz zu befördern. Er besuchte weiterhin Vorlesungen, insbesondere über Histologie von Alexander Rollett (1834–1903), und unternahm drei Forschungsreisen an die Adria und nach Dalmatien.
Als im Jahre 1876 an der Franz-Josephs-Universität Czernowitz ein Lehrstuhl für Zoologie eingerichtet wurde, ernannte Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) Graber sofort, am 23. Juli 1876, als ordentlichen Professor dorthin. Er baute das Institut fast zwei Jahre lang ohne jegliche Hilfe aus und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode. Da ihm kein Assistent zur Verfügung stand, musste er die meisten seiner anatomischen Präparate selbst anfertigen. Bis 1877 hatte er mehrere wissenschaftliche Reisen unternommen und beschäftigte sich 1877–79 erneut mit der Meeresfauna. Dazu besuchte er im Jahre 1884 mehrere Institute im Deutschen Reich und arbeitete ab 1888 an der Zoologischen Station Neapel. Dort eignete er sich sehr viele Kenntnisse an, gewann viele Freunde und interessierte sich auch für Volk, Kultur und Geschichte Neapels und Roms. Seine bedeutendsten Arbeiten gehörten dem Studium der Sinnesorgane niederer Tiere und der Insektenembryologie an.
Graber bekundete oft, dass er mit dem Lehramt in Czernowitz sehr unzufrieden war. Er konnte nur einen Studenten der Fachrichtung Zoologie vorweisen, Anton Jaworowski (später Anton Ritter von Jaworowski; * 1853). Des Weiteren besuchten nur Pharmazie- und einige Medizinstudenten seine Vorlesungen, die hauptsächlich die vergleichende Anatomie der Wirbeltiere behandelten. Die neue Studienordnung zum Sommersemester 1892 sollte zoologische Vorlesungen für Pharmaziestudenten ausschließen. Somit war fraglich, ob zoologische Vorlesungen mangels Publikum überhaupt weiterhin stattfinden konnten.
Von der philosophischen Fakultät der Universität Czernowitz wurde Graber zwei Mal zum Dekan gewählt. Im Jahre 1886/87 war Graber Rektor der Universität.<ref>Rektoratsrede (HKM)</ref> Seit dem 15. Februar 1869 war er Mitglied der kaiserlich-königlichen zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, seit 30. Dezember 1876 Ehrenmitglied des naturwissenschaftlichen Vereins für die Steiermark und seit 16. März 1881 korrespondierendes Mitglied der heute nicht mehr bestehenden Boston Society of Natural History.
Auf einer erneuten Studienreise zur Stazione zoologica in Neapel erlag Graber am 3. März 1892 im Hospital der Deutschen Botschaft in Rom seinem Krebsleiden und einer Herzlähmung. Er wurde auch dort auf dem Campo Santo Teutonico am Fuße der VIII. Kreuzwegstation beigesetzt. Sein Schwiegersohn, Theodor Gartner erwarb 1893 für die Gebühr von 500 Lire die Gedenkstätte „II. Klasse mit ewigem Besitz“. Die Gedenktafel aus Grauem Marmor mit dem von den Angehörigen verfassten Text kostete 100 Lire.
Nach dem Tode Grabers übernahm von 1893 bis 1897 Robert Lendlmayer von Lendenfeld den Lehrstuhl für Zoologie in Czernowitz.
Leitfaden der Zoologie
Graber verfasste etwa 66 häufig reichlich illustrierte Fachabhandlungen, davon galten die meisten der Anatomie und Embryologie der Insekten und weiterer niederer Tierklassen. Mit dem Leitfaden der Zoologie für die oberen Classen der Mittelschulen verfasste er 1888 ein zwar elementares, für diese Zeit aber dennoch sehr fortschrittliches, reich illustriertes Lehrbuch mit anschließenden schulpädagogischen Aufsätzen. Neue Instruktionen zum naturwissenschaftlichen Unterricht an den Mittelschulen erforderten dieses Lehrbuch, das mithilfe des Verlegers als bedeutendes Schulbuch an den meisten österreichischen Obergymnasien und auch deutschen Schulen Einzug fand.
Die Arbeit an einer zweiten, erweiterten Auflage im Jahre 1892 konnte er nicht mehr beenden, Josef Mik (1839–1900) stellte diese Auflage fertig und brachte auch die dritte, erweiterte Auflage 1897 heraus. Eine vierte, erweiterte Auflage verfasste Robert Latzel (1845–1919) im Jahre 1905. Bis ins Jahr 1922 wurden insgesamt neun Auflagen verlegt.
Familie
Graber wurde am 2. Juli 1844 als Sohn eines Sensenschmiedes in Weer im Unterinntal geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er gehörte der römisch-katholischen Konfession an.
Graber lernte in Winkowitz Katharine Prill kennen und heiratete sie dort im Jahre 1868. Mit ihr zusammen hatte er zwei Kinder. In Winkowitz wurde Maria Graber geboren, die den an der Universität Czernowitz beamteten Philologen Theodor Gartner (1843–1925) heiratete und zwei Kinder mit ihm hatte. Etwa vier Jahre später kam in Graz der Geologe und Mineraloge Hermann Veit Graber (1873–1939) zur Welt.
| Ahnentafel von Veit Graber | ||||
|---|---|---|---|---|
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Großeltern |
Franziskus Salesius Graber |
Martin Posch |
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| Eltern |
J. Matthäus Graber (* 1809) |
J. Carl Prill | ||
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Veit Graber (1844–1892) | ||||
| Kinder |
Maria Graber |
Hermann Veit Graber (1873–1939) | ||
Werke
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Literatur
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Einzelnachweise
<references />
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- Entomologe
- Hochschullehrer (Czernowitz)
- Rektor der Franz-Josephs-Universität
- Person (Cisleithanien)
- Person (Kaisertum Österreich)
- Geboren 1844
- Gestorben 1892
- Mann