WHILE-Programm
WHILE-Programme spielen in der Theoretischen Informatik eine Rolle, insbesondere in Zusammenhang mit Berechenbarkeit.
Eigenschaften
- RAM-berechenbar, Turing-berechenbar, GOTO-berechenbar und WHILE-berechenbar sind äquivalent
- LOOP-berechenbar <math> \varsubsetneq </math> WHILE-berechenbar
- Kleenesche Normalform (Jedes WHILE-Programm kommt auch nur mit einer While-Schleife aus)
Syntax
WHILE-Programme haben folgende Syntax in modifizierter Backus-Naur-Form:
<math>\begin{array}{lrl} P & ::= & x_i := x_j + c \\
& | & x_i := x_j - c \\
& | & P;P \\
& | & \mathrm{LOOP} \, x_i \, \mathrm{DO} \, P \, \mathrm{END} \\
& | & \mathrm{WHILE} \, x_i \ne 0 \, \mathrm{DO} \, P \, \mathrm{END}
\end{array} </math>
Auf das LOOP-Konstrukt in dieser Definition kann auch verzichtet werden, ohne dass die Menge der WHILE-berechenbaren Funktionen kleiner wird. Schließlich kann jeder LOOP-Ausdruck durch ein WHILE emuliert werden. Allerdings hat ein Verzicht auf das LOOP zur Folge, dass nicht mehr alle WHILE-Programme in Kleenesche Normalform gebracht werden können.
Erklärung der Syntax
Ein WHILE-Programm P besteht aus den Symbolen WHILE, LOOP, DO, END, :=, +, -, ;, <math>\ne</math>, einer Anzahl Variablen <math>x_1, x_2, ...</math> sowie beliebigen Konstanten c.
Es sind nur vier verschiedene Anweisungen erlaubt, nämlich
- die Zuweisung einer Variablen durch eine weitere Variable, vermehrt um eine Konstante, etwa
- <math>x_3:=x_4+10</math>
- oder vermindert um eine Konstante, etwa
- <math>x_5:=x_6-300</math>
- eine LOOP-Anweisung, die zu Beginn den Wert einer Variablen überprüft und ein WHILE-Programm entsprechend oft wiederholt, etwa
- <math>\mathrm{LOOP} \quad x_7 \quad \mathrm{DO} \quad x_7:=x_7+1 \quad\mathrm{END}</math>
Zu beachten ist, dass bei LOOP eine Änderung des Variablenwertes im zu wiederholenden Teilprogramm keine Auswirkung auf die Anzahl der Wiederholungen dieses Teilprogramms hat.
- eine WHILE-Anweisung, die eine Variable auf ungleich Null abfragt und ein WHILE-Programm zwischen DO und END enthält, etwa
- <math>\mathrm{WHILE} \quad x_8 \ne 0 \quad \mathrm{DO} \quad x_8:=x_8+1 \quad\mathrm{END}</math>
Die Anweisungen sind für sich genommen bereits vollständige WHILE-Programme. Des Weiteren ist die
- Aneinanderreihung von WHILE-Programmen, jeweils getrennt durch ein Semikolon, etwa
- <math>x_9:=x_9+3; \quad x_{10}:=x_9-2</math>
wieder ein WHILE-Programm.
Allgemein
Jede WHILE-berechenbare Funktion ist GOTO-berechenbar und umgekehrt sowie turingberechenbar.
Mit <math>\mathrm{WHILE}</math> wird ferner die Menge aller WHILE-Programme gemäß obiger Definition bezeichnet.
Kleenesche Normalform für WHILE-Programme
Jede WHILE-berechenbare Funktion kann durch ein WHILE-Programm mit nur einer WHILE-Schleife berechnet werden.
Beweis: Sei <math>P</math> ein beliebiges WHILE-Programm. Wir formen <math>P</math> zunächst, wie im Abschnitt „Simulation durch GOTO-Programme“ dieses Artikels beschrieben, um, um ein äquivalentes GOTO-Programm <math>P'</math> zu erhalten. Anschließend formen wir <math>P'</math> den Anweisungen im Abschnitt „Simulation durch WHILE-Programm“ im Artikel GOTO-Programm folgend in ein äquivalentes WHILE-Programm <math>P</math> um. Hierbei ist zu beachten, dass die für diese Konstruktion notwendigen IF THEN END Anweisungen durch LOOPs simuliert werden können. Per Konstruktion hat <math>P</math> nur eine WHILE-Schleife.
Konsequenzen
Die einfach beweisbare Tatsache, dass jedes GOTO-Programm in ein WHILE-Programm überführt werden kann und umgekehrt, hat zur Konsequenz, dass man beweisen kann, dass ein beliebiges Pascal-Programm die gleichen Leistungen erbringen kann wie ein beliebiges BASIC-Programm. Außerdem zeigt sie, dass man jedes Programm auch strukturiert programmieren kann, ohne „Spaghetticode“ zu erzeugen.
Simulation durch GOTO-Programm
Ein jedes WHILE-Programm
- <math>\mathrm{WHILE} \quad x_2 \ne 0 \quad\mathrm{DO} \quad P \quad\mathrm{END}</math>
kann durch das folgende GOTO-Programm simuliert werden:
M1: IF x2 = 0 THEN GOTO M2;
P;
GOTO M1;
M2: ...
Siehe auch
Literatur
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