Walter Paul Schreiber
Walter Paul Emil Schreiber (* 21. März 1893 in Berlin; † 5. September 1970 in San Carlos de Bariloche, Provinz Río Negro, Argentinien)<ref>Vasilij Stepanowitsch Christoforow, Vladimir Gennadjewitsch Makarow, Matthias Uhl (Hrsg.): Verhört: Die Befragungen deutscher Generale und Offiziere durch die sowjetischen Geheimdienste 1945–1952 (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Moskau, Band 6). De Gruyter, ISBN 978-3110416046, Anhang 7.17 (Kurzbiographie Walter Schreibers).</ref><ref>Sterbedatum nach: Rainer Mackensen, Jürgen Reulecke, Josef Ehmer: Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts „Bevölkerung“ vor, im und nach dem „Dritten Reich“: Zur Geschichte der deutschen Bevölkerungswissenschaft. VS Verlag, 2009, S. 326.</ref> war ein deutscher Arzt. Als Generalarzt war er Fachspartenleiter im Reichsforschungsrat<ref>Helmut J. Fischer: Hitlers Apparat. Kiel 2000.</ref> und seit 1933 Mitglied der NSDAP.
Biografie
Schreiber wuchs als Sohn des Postbeamten Paul Schreiber und dessen Ehefrau Johanna Marie Gertrud (geb. Kettlitz) auf. Nach dem Abitur in Berlin studierte er Medizin an den Universitäten in Berlin, Tübingen und Greifswald.
Nach seiner Freiwilligenmeldung für den Einsatz im Ersten Weltkrieg im Jahre 1914 diente Walter Schreiber im 42. Infanterie-Regiment und nahm an den Kämpfen in Frankreich teil. In der Marneschlacht wurde er verwundet. Nach seiner Genesung und weiteren Studien arbeitete er als Sanitätsarzt an der Westfront bis zum Jahre 1918.
Im Jahre 1920 promovierte er zum Doktor der Medizin an der Universität Greifswald. Im Zweiten Weltkrieg diente er im Sanitätswesen der Wehrmacht und wurde als Generalarzt Chef der Abteilung Wissenschaft und Gesundheitsführung der Heeressanitätsinspektion. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nahm er die Aufgaben eines Bevollmächtigten für Seuchenbekämpfung wahr.<ref>Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2003.</ref>
Im Oktober 1942 nahm Schreiber an der Tagung „Ärztliche Fragen bei Seenot und Winternot“ teil, bei der auch Ergebnisse der Menschenversuche im KZ Dachau vorgetragen wurden. Im Mai 1943 leitete Schreiber die dritte Arbeitstagung der beratenden Fachärzte der Wehrmacht. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung wegen der Versuche mit Fleckfieber an KZ-Gefangenen durch eine Stellungnahme des Generalarztes Gerhard Rose. Schreiber entzog daraufhin Rose das Wort und veranlasste, dass diese Kritik nicht in das Protokoll aufgenommen wurde.<ref name="Ebbinghaus">Angelika Ebbinghaus, Klaus Dörner (Hrsg.): Vernichten und Heilen. Der Nürnberger Ärzteprozeß und seine Folgen, Berlin 2001.</ref>
Im Rahmen der Anwendung des Ipsenschen murinen Fleckfieberimpfstoffs gab Schreiber Rose 1943 den Auftrag, beim Hygiene-Institut der Waffen-SS nachzufragen, ob im KZ Buchenwald eine Anwendung des Impfstoffs erprobt werden könne.<ref name="Ebbinghaus" /> Die Stelle des Kommandeurs der Lehrgruppe C der Militärärztlichen Akademie nahm er im September 1943 ein.
Im Jahre 1944 wurde Schreiber bei Karl Brandt, dem Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen, Wissenschaftlicher Beirat. Schreiber war in den letzten Kriegswochen „Festungsarzt“ von Berlin und geriet so in sowjetische Gefangenschaft. Im Generalslager Krasnogorsk wurde er, wie sein mitgefangener Oberstarzt Ernst Günther Schenck berichtete, der Vorbereitung des Bakterienkrieges beschuldigt und mit dem Tode bedroht. Dies soll jedoch nur ein vorgeschobener Grund gewesen sein: „Vielmehr hatte man es darauf abgesehen, ihn als Belastungszeugen für den Nürnberger Prozess zu präparieren“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Zunächst verfasste er am 16. April 1946 ein Schreiben „an die Regierung der Sowjetunion“, in dem er die deutsche Führung der „Vorbereitung des bakteriologischen Krieges mit Erregung der Pest beschuldigte. Eine so entsetzliche, bisher niemals im Kriege angewendete Maßnahme der Kriegsführung, wie sie der Einsatz von Pesterregern zur Erzeugung von Pestepidemien darstellt, stand gegen Ende des Krieges kurz vor der Anwendung.“<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Am 12. August 1946 wollte Generalmajor Alexandrow, sowjetischer Hilfsankläger, diesen Brief auf dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess verlesen. Auf Antrag von Hans Laternser wurde stattdessen Schreiber als Zeuge vorgeladen, damit er im Kreuzverhör befragt werden könnte.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Zwei Wochen später erschien Schreiber dann tatsächlich vor Gericht und sagte, er habe im Juli 1943 an einer vom Oberkommando anberaumten geheimen Besprechung teilgenommen. Dort sei mitgeteilt worden, dass Hitler „den Reichsmarschall Hermann Göring mit der Leitung der Durchführung aller Vorbereitungen des bakteriologischen Krieges beauftragt und ihm die dazu notwendigen Vollmachten erteilt [habe]. Es wurde dann bei dieser Besprechung eine Arbeitsgemeinschaft ‚Bakteriologischer Krieg‘ gegründet“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Wie dagegen die von Heinrich Kliewe gesammelten und von der Alsos Mission ausgewerteten Akten belegen, hatte Schreiber tatsächlich zum besagten Zeitpunkt, am 21. Juli 1943, an einer geheimen Konferenz teilgenommen. Das soll eine Sitzung des deutschen B-Schutz-Komitees gewesen sein, der „Arbeitsgemeinschaft Komitees“, das – im Gegensatz zu Schreibers Ausführungen – schon am 4. März 1943 zur Koordinierung der von Hitler geforderten Maßnahmen zum verstärkten Schutz vor biologischen Waffen gebildet worden war. Im Verlauf der Besprechung wurde erwähnt, Hermann Göring habe Kurt Blome einen Auftrag zur „Bearbeitung von B.-Mitteln“ erteilt. Oberst Münch, der Chef der Organisationsabteilung des Wehrmachtführungsstabs, stellte aber – nach den Aufzeichnungen von Heinrich Kliewe – fest: dieser Entscheidung „stehe entgegen, daß der Führer alle Arbeiten, die sich mit dem aktiven Einsatz von B.-Mitteln befassen, verboten habe“. Deshalb wolle man klären, „ob der Führer seine bisher ablehnende Haltung geändert habe“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Hitler blieb jedoch bis zu seinem Ende beim Verbot offensiver biologischer Kriegsvorbereitungen.
Weiter behauptete Schreiber, von einem Biowaffeninstitut in Posen seien „vom Flugzeug aus Abspritzversuche mit Bakterien-Emulsion“ durchgeführt worden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Blomes dual-use „Zentralinstitut für Krebsforschung“ in Nesselstedt bei Posen ist aber tatsächlich nie arbeitsfähig geworden. Deshalb sei Blome, so Schreiber in Nürnberg, kurz vor Kriegsende mit seinen Pestkulturen nach Schloss Sachsenburg umgezogen. Tatsächlich soll nach Aktenlage und eigener Aussage Blome nie im dortigen Institut der Mikrobiologie der Wehrmacht aufgetaucht sein.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Im September 1948 wurde er aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in den östlichen Teil Deutschlands entlassen. In der Sowjetzone bot man ihm eine Funktion als Arzt in der neu gebildeten Volkspolizei an. Daraufhin floh er am 17. Oktober 1948 nach West-Berlin. Dort unterbreiteten ihm die alliierten Behörden das Angebot, beim Counter Intelligence Corps mitzuarbeiten. Darauf wurde er 1950 im Camp King in Oberursel als Arzt beschäftigt.<ref>Linda Hunt: Secret Agenda. The United States Government, Nazi Scientists, and Project Paperclip, 1945 to 1990. St. Martin’s Press, New York, 1991.</ref>
Im Rahmen der Operation Paperclip wechselte Schreiber im September 1951 an die School of Aviation Medicine auf die Randolph Air Force Base bei San Antonio in Texas, worüber am 7. Oktober 1951 in The New York Times berichtet wurde.
Der Journalist Drew Pearson publizierte im Jahre 1952 den Zusammenhang von Schreibers Tätigkeit im NS-Regime und seinem Auftritt im Nürnberger Ärzteprozess. Darauf versuchte der Direktor der Joint Intelligence Objectives Agency (JIOA), Oberst Benjamin Heckmeyer, den Schaden zu begrenzen.<ref>Tom Bower: The Paperclip Conspiracy. The Battle for the Spoils and Secrets of Nazi Germany. London 1987.</ref> Als Ausweg schlug Schreiber vor, zu seiner Tochter nach Argentinien zu gehen. Am 22. Mai 1952 flog er nach Buenos Aires. Dort soll er als Arzt in einem Labor gearbeitet haben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Argentinien, wo er 1970 starb.
Aus seiner Ehe mit Olga Schreiber, geb. Conrad (1896–1992) gingen die Tochter Dorothea Irmgard Olga Johanna Schreiber (1925–2000) und der Sohn Paul-Gerhard Walter Wilhelm Schreiber (1934–2021) hervor.
Veröffentlichungen
- Gemeinsam mit Wilhelm Ziegelmayer und Walther Kittel: Soldatenernährung und Gemeinschaftsverpflegung, Vorwort von Anton Waldmann und Friedrich Karmann, Steinkopff Verlag, Dresden und Leipzig 1939, DNB-Link
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Einzelnachweise
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