Weißes Veilchen
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| Weißes Veilchen | ||||||||||||
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| Datei:RNR Grottes de la cote de la Baume - img 50010.jpg
Weißes Veilchen (Viola alba) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Viola alba | ||||||||||||
| Besser |
Das Weiße Veilchen (Viola alba <templatestyles src="Person/styles.css" />Besser) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Veilchen (Viola) innerhalb der Familie der Veilchengewächse (Violaceae). Das Parma-Veilchen ist die gefülltblühende Kulturform der im Mittelmeergebiet heimischen Unterart Viola alba subsp. dehnhardtii.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Das Weiße Veilchen wächst als ausdauernde krautige Pflanze. Die in Mitteleuropa vorkommende Unterart Viola alba subsp. alba des Weißen Veilchens erreicht eine Wuchshöhe von 3 bis 10 Zentimetern. Die Ausläufer wurzeln nicht, sie steigen vorne auf und blühen meist im ersten Jahr. Der Stängel ist weich behaart.
Die Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist abstehend behaart. Die Blattspreite ist fast dreieckig-herzförmig und weich behaart. Die Nebenblätter sind bei einer Länge von 10 bis 15 Millimetern sowie einer Breite von etwa 2 Millimetern linealisch-lanzettlich mit spitzem oberen Ende<ref name="Hegi1966" /> und entfernt fransig behaart.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von März bis April. Die Blüten befinden sich einzeln in den Blattachseln. Die Blütenstiele sind 4 bis 6 Zentimeter lang und tragen in oder über der Mitte die zwei Vorblätter.<ref name="Hegi1966" />
Die duftende, zwittrige Blüte ist bei einer Länge von 15 bis 20 Millimetern zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kronblätter sind weiß oder selten violett.<ref name="Hegi1966" /> Der Sporn ist 3 bis 4 Millimeter lang, weiß, gelblich- oder grünlichweiß oder violett.<ref name="Hegi1966" /> Die Narbe ist schnabelförmig.<ref name="Hegi1966" />
Die Kapselfrucht ist kugelig und behaart.<ref name="Hegi1966" /> Die Samen haben ein großes Elaiosom.<ref name="Hegi1966" />
Die Chromosomenzahl von Viola alba beträgt 2n = 20.<ref name="Oberdorfer2001" />
Vorkommen
Das allgemeine Verbreitungsgebiet des Weißen Veilchens erstreckt sich von Nordafrika bis Europa und Südwestasien. Das Hauptareal liegt im nördlichen Mittelmeerraum und erstreckt sich nach Norden ins Oberrheingebiet, und es reicht von der Balkan-Halbinsel bis nach Niederösterreich. Zwischen der südwestdeutschen und der niederösterreichischen Arealgrenze gibt es im bayerischen Alpenvorland nur einzelne Wuchsorte. Ein völlig isoliertes Einzelvorkommen existiert in Öland bei 63° n. Br. Ausgedehnte Teilareale liegen in Nordafrika, in Transkaukasien und in der südlichen Türkei.
Das Weiße Veilchen braucht kalkhaltigen Lehmboden in warmen, aber eher schattigen als sonnigen Lagen. Es besiedelt etwas stickstoffbeeinflusste Waldränder, Gebüsche und siedlungsnahe Ödflächen. Es gedeiht in Mitteleuropa in Pflanzengesellschaften des Verbands Alliarion.<ref name="Oberdorfer2001" /> In der Schweiz kommt es auch in Gesellschaften des Hainbuchenwalds (Verband Carpinion) und des Flaumeichenwalds (Verband Quercion pubescenti-petraeae) vor.<ref name="InfoFlora" /> Es steigt im Unterwallis bis in eine Höhenlage von 1200 Meter auf.<ref name="Hegi1966" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die Erstbeschreibung von Viola alba erfolgte 1809 durch Wilibald Swibert Joseph Gottlieb von Besser in Prim. Fl. Galiciae Austriac. 1, S. 171.<ref name="GRIN" />
Unterarten und ihre Verbreitung
Das natürliche Vorkommen von Viola alba erstreckt sich von Südwest- über Zentraleuropa bis in die Türkei und den Iran. In Nordafrika kommt Viola alba in Marokko, Algerien und Tunesien vor.<ref name="GRIN" />
Je nach Autor gibt es in Europa von Viola alba <templatestyles src="Person/styles.css" />Besser etwa drei Unterarten:<ref name="GRIN" />
- Viola alba <templatestyles src="Person/styles.css" />Besser subsp. alba (Syn.: Viola alba subsp. scotophylla <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jordan) Nyman): Sie kommt in Europa und Westasien vor.<ref name="GRIN" />
- Viola alba subsp. cretica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Heldr.) Marcussen: Sie ist ein Endemit von Kreta.<ref name="GRIN" />
- Viola alba subsp. dehnhardtii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ten.) W.Becker: Sie kommt in Südeuropa, Nordafrika und Südwestasien vor.<ref name="GRIN" />
Parmaveilchen
Früher wurden Parma-Veilchen als zu Viola odorata oder zu Viola suavis gehörig oder aber als Hybride mehrerer Arten betrachtet, neuere Untersuchungen legen jedoch eine Zugehörigkeit zu Viola alba subsp. dehnhardtii nahe.<ref name="Malécot2007" /> Das Parma-Veilchen ist nur aus Gartenkultur bekannt. Vom Märzveilchen unterscheidet sie sich durch hellere, langgestrecktere glänzende Blätter und weitaus zahlreichere, dünnere Ausläufer (Stolonen). Die Blütenfarbe ist hell-lilablau oder weiß, dunklere Formen sind selten. Die Blütezeit reicht meist von Januar bis April, vereinzelt auch schon im Spätherbst. Die chasmogamen Blüten (siehe Kleistogamie) sind infertil, allerdings werden – wenn auch nur unter günstigen Kulturbedingungen und auch dann eher selten – hin und wieder kleistogame Blüten gebildet und fertiler Samen produziert.
In wintermilden Gebieten des Mittelmeerraumes können Parma-Veilchen im Freiland gezogen werden, diesseits der Alpen sollten sie wegen der frühen Blüte vorzugsweise unter Glas kultiviert werden. Mit einer Schutzdecke vertragen die Pflanzen aber auch Temperaturen unter 0 °C.
Botanische Geschichte
Gefüllte Veilchen sind seit der Antike bekannt, sie werden bereits bei Theophrast erwähnt. Seit Beginn der Neuzeit gibt es zahlreiche Erwähnungen in der Literatur, allerdings muss offenbleiben, ob es sich dabei um Parma-Veilchen oder aber gefüllte Formen von Viola odorata handelte. Die erste gesicherte Darstellung eines Parma-Veilchens findet sich in einem der erhaltenen Karlsruher Tulpenbücher.<ref>Karlsruher Tulpenbücher. In: Webseite der Badischen Landesbibliothek. Badische Landesbibliothek, abgerufen am 27. Januar 2018.</ref> Im 19. Jahrhundert wurde das Parma-Veilchen insbesondere wegen seines intensiv süßen, „pudrigen“ Duftes hoch geschätzt. Etwa seit 1800 erschienen zahlreiche Kultivare, die zunächst als zu Viola odorata gehörig betrachtet wurden. Deren heute sehr selten gewordene gefüllte Formen sind jedoch von denen der Parma-Veilchen unschwer zu unterscheiden. Erst durch die Untersuchungen von Malécot u. a. hat sich herausgestellt, dass die heute vorhandenen Parma-Veilchen-Kultivare mit hoher Wahrscheinlichkeit alle einen gemeinsamen Ursprung in Viola alba haben.<ref name="Malécot2007" />
Nutzung
Bis zum Ersten Weltkrieg waren Parma-Veilchen als Schnittblumen weitverbreitet. Großkulturen gab es vor allem in Südeuropa, aber auch in Deutschland wurden sie als Treibveilchen unter Glas kultiviert. Für Parfümeriezwecke und für die Konditorei (kandierte Veilchen) wurden Parma-Veilchen ebenfalls verwendet, nach Einführung synthetischer Jonone (Veilchenduftstoffe) ist diese Nutzung praktisch bedeutungslos geworden. Heute wird der kommerzielle Anbau nur noch in geringen Umfang in der Umgebung von Toulouse betrieben. Es gibt in der Gegend noch etwa zehn Produzenten.<ref name="vonAscheraden2019">Alexandra von Ascheraden: Die Veilchen von Toulouse. In: Jardinsuisse (Hrsg.): gplus – Fachmagazin für die grüne Branche. Heft 1, 2019, ISSN 1420-2859, S. 24–25 (gplus.ch).</ref> Sie sind in den beiden Städten Parma und Toulouse von hoher folkloristisch-touristischer Bedeutung.
Kultivare
- ‘Parme de Toulouse’, hell lilablau, die am weitesten verbreitete Sorte, in-vitro-vermehrte Pflanzen sind in großen Stückzahlen teilweise unter Phantasienamen im Handel zu finden
- ‘Conte di Brazza’ (Syn.: ‘Swanley White’), weiß mit manchmal mit bläulichem Anflug
- ‘Duchesse de Parme’, ähnlich ‘Parme de Toulouse’
- ‘D’Udine’, ähnlich ‘Parme de Toulouse’
- ‘Marie Louise’, dunklerer Farbton mit heller, manchmal auch zusätzlich rötlicher Mitte: nachweislich bereits 1830 in Nürnberg vorhanden<ref name="vonReider1830/31">Jacob Ernst von Reider: Annalen der Blumisterei. Nürnberg, 1830/31, Tafel 137.</ref>
- ‘Pallida Plena’ (Syn.: ‘Neapolitan’), das Neapolitanische Veilchen, gilt als die ursprüngliche Form, blasslila und nicht sehr vital
- ‘Hopley's White’, weiß mit grünlichem Anflug
- ‘Ash Vale Blue’, eine neuere zweifarbige Sorte, hellblau mit weiß
Literatur
- Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Siegmund Seybold: Die Flora von Deutschland und der angrenzenden Länder. Ein Buch zum Bestimmen aller wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. 95., vollst. überarb. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01498-2.
- Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland. 20., neu bearbeitete Auflage, Gefäßpflanzen Grundband, Spektrum Akademischer Verlag, 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3.
- Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 2: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Dilleniidae): Hypericaceae bis Primulaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-3312-1.
- Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2., überarbeitete Auflage, Band 3, Franckh-Kosmos-Verlag, 1994, 2000, ISBN 3-440-08048-X.
- Roy E. Coombs: Violets: The History & Cultivation of Scented Violets. Second Edition, B. T. Batsford, Publisher 2003.
Einzelnachweise
<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Viola alba Besser In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Hegi1966"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Malécot2007"> Valéry Malécot, Jérôme Munzinger, Roxana Yockteng, Max Henry: On the origin of the sweet-smelling Parma violet cultivars (Violaceae): wide intraspecific hybridization, sterility, and sexual reproduction. In: American Journal of Botany. Volume 94, 2007, S. 29–41. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Abstract. ( des Vorlage:IconExternal vom 22. Oktober 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. </ref> </references>
Weblinks
- Viola alba Besser, Weißes Veilchen. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Vorlage:BIB
- Weißes Veilchen. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Veilchen-Homepage: Viola suavis M. Bieb. Blaues Veilchen, Parmaveilchen (Viola sepincola Jord.)