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Werder (Landschaft)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Münden 1584 Franz Hogenberg1 cropped Tanzwerder.jpg
Darstellung des Tanzwerders in Münden auf einem Kupferstich von Frans Hogenberg (1584; Ausschnitt)

Der Werder (seltener auch das Werder), auch Werth genannt, ist eine topografische Bezeichnung für Flussinseln und (seltener) für Inseln in stehenden Gewässern. Weiterhin bezeichnet Werder eingedeichtes oder aus Sumpf trockengelegtes und als Moorbesiedlung urbar gemachtes Land. In regionalen Namen finden sich ähnliche Formen wie ‑werth, ‑wörth, ‑ward.

Etymologie

Das Wort ist seit dem 8. Jahrhundert in der Bedeutung „Flussinsel“ nachgewiesen. Die althochdeutsche Form war uuerid. Das zugrundeliegende westgermanische Wort für „Flussinsel“ kann maskulin (waruþa-) oder Neutrum (waruþaz) gewesen sein. Im Altenglischen wurde waroþ („Strand“, „Ufer“) daraus.

Aus welchem lexikalischen Kern die Bezeichnung sich herleitet, ist unklar. Erwogen wird einerseits das Verb wehren, althochdeutsch werien, altnordisch verja, gotisch warjan, (ur)germanisch möglicherweise war-ija-. Es kommt aber auch eine Verwandtschaft mit dem altnordischen ver und dem altenglischen waer infrage, beide sowohl für „Meer“ als auch für „Land am Wasser“ verwendet.<ref>Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm: Artikel „Werder“</ref>

Varianten

Der Namensbestandteil Werder hat verschiedene regionale Varianten:

Dazu im niederländischen Sprachraum:

  • waard, sowohl als eigenständiger Begriff für „flache Landschaft in einem Flussgebiet“<ref>Begriffsklärung waard in der niederländischen Wikipedia</ref> als auch als Namensbestandteil: Polder Markerwaard, zahlreiche zumeist ehemalige Inseln an Waal, Neder Rijn, Lek und IJssel, z. B. die Kleefse Waard in Arnheim

Das {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}} ist dagegen mit Warft/Wurtkünstlicher Hügel‘ verwandt.<ref>Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm: Artikel „Wurt“</ref>

Besonderheit: -wärder

Für Hamburg gab es bis zum Groß-Hamburg-Gesetz noch den Wortteil -wärder als Besonderheit.

Dort wurden die Elbinseln, sofern sie mit dieser Bezeichnung als solche kenntlich gemacht wurden, mit Umlaut ä geschrieben – beispielsweise Steinwärder und Finkenwärder. Letztere war bis 1937 zweigeteilt, in einen nördlichen hamburgischen und einen südlichen preußischen Teil (der Provinz Hannover). In den Hamburger Schulatlanten war daher der nördliche Teil der Insel mit Finkenwärder, der südliche Teil mit Finkenwerder bezeichnet.

Abgrenzungen und Gegenüberstellungen

Inseln

Datei:20190512 xl P1070615-großer-werder-im-liepnitzsee-bei-wandlitz.jpg
Großer Werder im Liepnitzsee bei Wandlitz

Der Namensbestandteil Werder bezeichnet Inseln in Flüssen und Flussmündungen, teilweise auch Seen.

Erhöhte Wohnplätze

Der Namensbestandteil -warden oder -warder könnte im Unterschied zu „Werder“ eher auf Warft/Wurt und damit auf werfen im Sinne von „aufschütten“ zurückgehen, da er fast nur in Marschländern mit Warften vorkommt.

Andere Bezeichnungen für erhöhte Wohnplätze sind niederdeutsch Bulte, nord- und mitteldeutsch Horst (entsprechend dem Nest großer Vögel), Donk am Niederrhein wie im niederländischen Sprachgebiet.

Einzelnachweise

<references/>