Wertschätzung
Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf einer inneren allgemeinen Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen.
Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. „Er erfreute sich allgemein hoher Wertschätzung“ bedeutet umgangssprachlich: Er ist geachtet/respektiert.<ref>Otfried Höffe, Maximilian Forschner, Christoph Horn, Wilhelm Vossenkuhl: Lexikon der Ethik. C. H. Beck Verlag, München 2008, ISBN 978-3-406-56810-7.</ref><ref>Anselm Grün: Wertschätzung. Die inspirierende Kraft der gegenseitigen Achtung. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 2017, ISBN 978-3-451-06964-2.</ref>
Es gibt eine Korrelation zwischen Wertschätzung und Selbstwert: Menschen mit hohem Selbstwert haben öfter eine wertschätzende Haltung anderen gegenüber, werden öfter von anderen wertgeschätzt, wohingegen Personen, die zum aktiven Mobbing neigen, häufig ein eher geringes Selbstvertrauen damit kompensieren.<ref>Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag, Paderborn 2016, ISBN 978-3-95571-572-4.</ref>
Empfangene und gegebene Wertschätzung vergrößern das Selbstwertgefühl sowohl beim Empfänger als auch beim Geber. Wertgeschätzte Personen sind, wenn sie ein offenes Wesen haben und kontaktfreudig sind, oft auch beliebt.<ref>Tilo Benner: 71 Übungen und Rollenspiele zur Mobbingprävention: Wertschätzung – Empathie – Kooperation (5. bis 10. Klasse). Persen, Hamburg 2016, ISBN 978-3-403-23657-3.</ref>
Ein Antonym von Wertschätzung ist Geringschätzung (sie kann bis hin zur Verachtung reichen).
Mattering
Im englischen Sprachgebrauch wird Mattering (von: to matter, deutsch: Bedeutung haben) im gleichen Sinn verwendet. Der Begriff wurde von 1981 von Marshall B. Rosenberg und B. C. McCullough eingeführt.<ref></ref> Es beschreibt das psychologische Grundbedürfnis des Menschen, wichtig zu sein. Ein Mensch fühlt sich wichtig, wenn er nicht nur einen Beitrag für andere leistet, sondern sich für diesen Beitrag auch wertgeschätzt fühlt. Dieses Gefühl lässt sich im Hinblick auf die Bedeutung für die eigene Person, für andere Menschen und für die Gesellschaft insgesamt betrachten.<ref name="Prilleltensky">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Mattering ist ein zentraler Bestandteil des Selbstbilds jedes Menschen und verstärkt ihre psychische Resilienz.<ref name="Flett">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie keine Rolle spielen, leidet ihr Wohlbefinden und ihre psychische Gesundheit häufig darunter,<ref name="Flett" /> und sie fühlen sich möglicherweise zu politischen Ideen hingezogen, die ihr Gefühl stärken, für die Gesellschaft von Bedeutung zu sein, wie beispielsweise fremdenfeindliche Politik.<ref name="Prilleltensky" />
Der Begriff Mattering dringt in den deutschen Sprachraum vor und wird von Psychologen verwendet unter dem Aspekt des Bedürfnisses nach Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl.<ref>Werner Stangl: mattering. In: Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik. 2026, abgerufen am 27. März 2026.</ref> Er wird zunehmend in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen verwendet.<ref>Francine Russo: Wertschätzung: Bin ich wichtig? spectrum.de, 8. Dezember 2022, abgerufen am 27. März 2026.</ref><ref>Stefanie Maeck: Psychologie des Mattering: Wie wir für andere wertvoll werden – und davon selbst profitieren. geo.de, 9. Februar 2026, abgerufen am 27. März 2026.</ref><ref>Annette Schäfer: Weil ich es dir wert bin! Psychologie heute, 9. Dezember 2024, abgerufen am 27. März 2026.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Wertschätzung in der klientenzentrierten Therapie
Die bedingungslose positive Wertschätzung ist ein Fachbegriff aus der Klientenzentrierten Psychotherapie von Reinhard Tausch, Carl Rogers und anderen davon beeinflussten Therapieformen.<ref>Carl Rogers: Die nicht-direktive Beratung. 6. Auflage. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-596-42176-4.</ref><ref>Reinhard Tausch, Anne M. Tausch: Gesprächspsychotherapie: Hilfreiche Gruppen- und Einzelgespräche in Psychotherapie und alltäglichem Leben. Hogrefe Verlag, Göttingen 1990, ISBN 3-8017-0417-3.</ref> Sie gehört mit Empathie und Kongruenz bzw. Echtheit zu den drei Grundhaltungen eines Therapeuten gegenüber dem Klienten. Ziel der positiven Wertschätzung ist, den Klienten in seinen positiven Eigenschaften und im Selbstwert zu bestärken, um daraus Zuversicht und Energie zu beziehen, die den therapeutischen Veränderungsprozess fördern (siehe auch Positive Psychologie).<ref>Karin Bundschuh-Müller: „Es ist was es ist sagt die Liebe ...“Achtsamkeit und Akzeptanz in der Personzentrierten und Experientiellen Psychotherapie. In: Thomas Heidenreich (Hrsg.), Johannes Michalak (Hrsg.): Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Ein Handbuch. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, DGVT-Verlag, Tübingen 2009, ISBN 3-87159-090-8.</ref><ref>Stephen Joseph, P. Alex Linley, Luise Reddemann: Positive Therapie: Grundlagen und psychologische Praxis (Leben lernen). Klett-Cotta, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-608-89102-7.</ref>
Literatur
- Reinhard Tausch: Das psychotherapeutische Gespräch. Erwachsenen-Psychotherapie in nicht-directiver Orientierung. Verlag für Psychologie Hogrefe, Göttingen 1960 (Ab der 2. Auflage als: Gesprächspsychotherapie. Zahlreiche Auflagen).
- Reinhard Tausch, Anne M. Tausch: Gesprächspsychotherapie: Hilfreiche Gruppen- und Einzelgespräche in Psychotherapie und alltäglichem Leben. Hogrefe Verlag, Göttingen 1990, ISBN 3-8017-0417-3.
- Carl R. Rogers: Die nicht-direktive Beratung (= Die praxisbezogene Darstellung der neuen psychotherapeutischen Methoden. Band 1). Verlag Kindler, München 1972, ISBN 3-463-00535-2 (Zahlreiche Auflagen).
- Barbara Mettler-von Meibom: Gelebte Wertschätzung. Eine Haltung wird lebendig. Kösel Verlag, München 2007, ISBN 978-3-466-30745-6.
- Anselm Grün: Wertschätzung. Die inspirierende Kraft der gegenseitigen Achtung (Herder Spektrum). Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 2017, ISBN 978-3-451-06964-2.
- Stephen Joseph, P. Alex Linley, Luise Reddemann: Positive Therapie: Grundlagen und psychologische Praxis (Leben lernen). Klett-Cotta, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-608-89102-7.
- Karin Bundschuh-Müller: „Es ist was es ist sagt die Liebe ...“ Achtsamkeit und Akzeptanz in der Personzentrierten und Experientiellen Psychotherapie. In: Thomas Heidenreich (Hrsg.), Johannes Michalak (Hrsg.): Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Ein Handbuch. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, DGVT-Verlag, Tübingen 2009, ISBN 978-3-87159-090-0 (PDF).
Weblinks
- Literatur von und über Wertschätzung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />