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Wilhelm Michaelsen

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Die geographische Verbreitung der Oligochaeten (1903)

Johann Wilhelm Michaelsen (* 9. Oktober 1860 in Hamburg; † 18. Februar 1937 ebenda) war ein deutscher Zoologe, der sich hauptsächlich mit den Wenigborstern (Oligochaeta) beschäftigte.

Leben

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Grabstätte Wilhelm Michaelsen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Michaelsen wurde am 9. Oktober 1860 in Hamburg als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren und sollte ursprünglich Ingenieur werden.<ref name="Panning, 1937" /> Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr besuchte er eine Privatschule und anschließend eine Realschule 2. Ordnung, die er im Frühjahr 1878 mit dem Schlussexamen beendete. Bis zum Frühjahr 1879 arbeitete er als Maschinenbauer und absolvierte im Herbst des gleichen Jahres den Vorbereitungskurs für das Polytechnikum. Mit Beginn des Jahres 1880 trat er dann allerdings in eine Realschule 1. Ordnung ein, an der er im Frühjahr 1881 maturierte. In weiterer Folge studierte er Naturwissenschaften, zunächst drei Semester in Leipzig und schließlich sechs Semester in Kiel, wo er 1886 mit einer Arbeit zu Untersuchungen über Enchytraeus Möbii Mich. und andere Enchytraeiden promovierte.<ref name="Diss" />

Ab November 1887 war er am Hamburger Zoologischen Museum tätig,<ref name="Mitteilungen 1888" /> zunächst als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter, ab dem 1. Januar 1894 als festangestellter Assistent<ref name="Jahrbuch 1894" /> und später als Hauptkustos.<ref name="nature" /> 1907 wurde ihm die Professorenwürde verliehen.<ref name="Mitteilungen 1908" /> Er blieb dem Museum treu und war bis zu seinem Tod 1937 wissenschaftlich aktiv.<ref name="Mitteilungen 1938" />

Michaelsen war verheiratet. Seine Frau Agnes begleitete und unterstützte ihn auf seiner dritten großen Forschungsfahrt. Die Ehe blieb kinderlos.<ref name="Mitteilungen 1938" />

Johann Wilhelm Michaelsen verstarb nach mehrwöchiger Krankheit am 18. Februar 1937 in Hamburg<ref name="Mitteilungen 1938" /> und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Die Grabstätte befindet sich in den Planquadraten R 9/R 10 südlich von Kapelle 1. Sein Tod löste auch international bei seinen Fachkollegen Bestürzung aus. So verfasste etwa Charles Carmichael Arthur Monro einen Nachruf für das englischsprachige Fachmagazin Nature.<ref name="nature" /><ref name="Mitteilungen 1938" /><ref name="Sherlock & Berridge, 2012" />

Forschungstätigkeit und Expeditionen

Michaelsens wissenschaftliches Hauptinteresse galt den Wenigborstern, er veröffentlichte aber auch Arbeiten etwa zu den Vielborstern und den Manteltieren.<ref name="nature" /> Im Verlauf seiner fast 50-jährigen Karriere veröffentlichte er im Durchschnitt etwa vier Fachpublikationen pro Jahr,<ref name="Mitteilungen 1938" /> in denen er insgesamt mehr als 1000 Taxa beschrieb.<ref name="Csuzdi, 2006" />

Die Enchyträen-Gattung Buchholzia, benannt nach Reinhold Wilhelm Buchholz, war eines der ersten Taxa, die Michaelsen 1886, noch vor seinem Eintritt beim Hamburger Zoologischen Museum, beschrieben hatte.<ref name="Michaelsen, 1886" /> Am bekanntesten ist jedoch vermutlich der Badische Riesenregenwurm (Lumbricus badensis), den er 1907 zunächst als Lumbricus papillosus var. badensis beschrieben hatte.<ref name="Michaelsen, 1907" /> Michaelsen gilt heute als der Begründer der modernen Systematik der Wenigborster.<ref name="Csuzdi, 2006" />

Michaelsens wissenschaftliche Arbeit wurde wesentlich durch drei größere Expeditionen geprägt. 1892/93 durchforschte er im Rahmen der „Hamburger Magalhaensischen Sammelreise“ ausgehend von Punta Arenas, Ushuaia und Valdivia die Südspitze Südamerikas.<ref name="Michaelsen, 1896" /> Während der „Hamburger Südwest-Australischen Forschungsreise“ erkundete er 1905 gemeinsam mit Robert Hartmeyer den Südwesten Australiens<ref name="Michaelsen & Hartmeyer, 1907" /> und 1911/12 schließlich während der „Hamburger deutsch-südwestafrikanischen Studienreise 1911“ auch den Südwesten Afrikas.<ref name="Michaelsen, 1914" /> Nach seiner Ansicht ließen sich die verwandtschaftlichen Beziehungen und Verbreitungsgebiete insbesondere der bodenbewohnenden (terrikolen) Wenigborster in diesen Regionen am einfachsten erklären, wenn man davon ausging, dass die Kontinentalverschiebungstheorie von Alfred Wegener korrekt sei. Wegener integrierte Michaelsens Überlegungen prompt in der zweiten Auflage seines Buches über Die Entstehung der Kontinente und Ozeane.<ref name="Michaelsen, 1922" />

Schriften (Auswahl)

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Einzelnachweise

<references> <ref name="Panning, 1937"> A. Panning: Professor Dr. Wilhelm Michaelsen † 18.2.37 – Nachruf gehalten in der Sitzung vom 26. Mai 1937. In: Abhandlungen und Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg, Band 1, 1937, S. 51–56. </ref> <ref name="Diss"> W. Michaelsen: Untersuchungen über Enchytraeus Möbii Mich. und andere Enchytraeiden. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde der philosophischen Facultät zu Kiel, 1886, 51 S., (Digitalisat des beigefügten Lebenslaufs bis 1886). </ref> <ref name="Mitteilungen 1888"> A. Pagenstecher: Bericht des Direktor Professor Dr. Pagenstecher für das Jahr 1887. In: Mitteilungen aus dem Naturhistorischen Museum in Hamburg, Band 5–6, 1888, S. III–XI, (Digitalisat). </ref> <ref name="Jahrbuch 1894"> K. Kraepelin: Naturhistorisches Museum: Bericht des Direktors Professor Dr. Kraepelin. In: Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten, Jahrgang 12, 1894, S. LXV–LXXV, (Digitalisat). </ref> <ref name="nature"> C. C. A. Monro: Prof. J. W. Michaelsen. In: nature, Band 104, 1937, S. 308–309, (Digitalisat). </ref> <ref name="Mitteilungen 1908"> K. Kraepelin: Naturhistorisches Museum: Bericht für das Jahr 1907. In: Mitteilungen aus dem Naturhistorischen Museum in Hamburg, Band 25, 1908, S. I–X, (Digitalisat). </ref> <ref name="Mitteilungen 1938"> B. Klatt: Wilhelm Michaelsen †. In: Mitteilungen aus dem Hamburgischen Zoologischen Museum und Institut, Band 47, 1938, S. I–XIV, (Digitalisat). </ref> <ref name="Sherlock & Berridge, 2012"> E. Sherlock & L. Berridge: History of the earthworm collections at the Natural History Museum, London. In: Zoology in the Middle East, Band 58, Supplementum 4, 2012, S. 177–187, (Digitalisat). </ref> <ref name="Csuzdi, 2006"> C. Csuzdi: Annotierter Katalog der Benhamiinae Arten in der Sammlung des Zoologischen Instituts und Museums von Hamburg (Oligochaeta: Acanthodrilidae). In: Opuscula Zoologica, Band 35, 2006, S. 19–33, (Digitalisat). </ref> <ref name="Michaelsen, 1886"> W. Michaelsen: Ueber Chylusgefässsysteme bei Enchytraeiden. In: Archiv für mikroskopische Anatomie, Band 28, 1886, S. 292–304, (Digitalisat). </ref> <ref name="Michaelsen, 1907"> W. Michaelsen: Zur Kenntnis der deutschen Lumbricidenfauna. In: Mitteilungen aus dem Naturhistorischen Museum in Hamburg, Band 24, 1907, S. 189–193,(Digitalisat). </ref> <ref name="Michaelsen, 1896"> W. Michaelsen: Reisebericht. In: Naturhistorisches Museum zu Hamburg (Hrsg.): Ergebnisse der Hamburger Magalhaensischen Sammelreise 1892/93, Band I: Allgemeines, Chordonier, Echinodermen und Coelenteraten, 1896, S. 1–47, (Digitalisat). </ref> <ref name="Michaelsen & Hartmeyer, 1907"> W. Michaelsen & R. Hartmeyer: Reisebericht. In: W. Michaelsen & R. Hartmeyer (Hrsg.): Die Fauna Südwest-Australiens: Ergebnisse der Hamburger südwest-australischen Forschungsreise 1905, Band 1, Gustav Fischer, Jena, 1907, 116 S., (Digitalisat). </ref> <ref name="Michaelsen, 1914"> W. Michaelsen: Reisebericht. In: W. Michaelsen (Hrsg.): Beiträge zur Kenntnis der Land- und Süßwasserfauna Deutsch-Südwestafrikas: Ergebnisse der Hamburger deutsch-südwestafrikanischen Studienreise 1911, Band 1, Friederichsen & Co., Hamburg, 1914, S. 5–53, (Digitalisat). </ref> <ref name="Michaelsen, 1922"> W. Michaelsen: Die Verbreitung der Oligochäten im Lichte der Wegener’schen Theorie der Kontinentenverschiebung und andere Fragen zur Stammesgeschichte und Verbreitung dieser Tiergruppe. In: Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg, Band 29, 1922, S. 45–79, (Digitalisat). </ref> </references>

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