Wiljalba Frikell
Wiljalba Frikell (* 27. Juni 1817 in Sagan, Schlesien;<ref>Sammelakte Nr. 222 zum Sterberegister des Standesamtes Kötzschenbroda aus dem Jahre 1903; im Stadtarchiv Radebeul.</ref> † 10. Oktober 1903 in Kötzschenbroda, Sachsen; eigentlich Friedrich Wilhelm Frickel) war ein deutscher Zauberkünstler. Wohl zu Anfang der 1840er Jahre ergänzte Frickel seinen Familiennamen in der Originalschreibweise durch den exotisch klingenden, erfundenen Vornamen Wiljalba. 1845 entfernte er den Buchstaben C aus dem Namen und wurde zu Wiljalba Frikel. Zu den Auftritten 1851 in London verdoppelte er den letzten Buchstaben L und verlagerte die Betonung auf die zweite Silbe von Frikell.<ref name="V&R012014">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Leben und Wirken
Erste Jahre als Varietézauberer
Frickel wurde 1817 als Sohn eines Regimentsarztes im schlesischen Sagan geboren. Mit sechs Jahren war er Waise. Er gilt als zauberkünstlerischer Autodidakt.<ref name="mzleipzig">Friedrich Wilhelm Frickel.</ref> Seine ersten Berufsjahre trat er wie viele Varietékünstler seiner Zeit in einem farbenprächtigen Kostüm auf, in seinem Fall unter anderem in einem Pagengewand aus der Zeit des französischen Königs Ludwig XIV. Zudem nutzte er zahlreiche Apparaturen für seine Bühnenzauberkunst. Er zeigte „Höhere Magie oder scheinbare Zauberei“.<ref name="mzleipzig" /> So soll er 1835 einen Auftritt in Marienbad gehabt haben, bei dem der griechische König Otto zugegen war und infolge dessen Frickel zu seinem Hofzauberkünstler ernannt wurde. Es folgte unter anderem eine Tournee durch den vorderen Orient, bei der er auch vor dem ägyptischen Khedive Mehemed Ali auftrat. Dazu kamen einige europäische Länder. In diesen ersten Jahren soll der ab 1845 als Bellachini auftretende Zauberkünstler Samuel Berlach sein Schüler und Gehilfe gewesen sein.
Zurück in Deutschland war Frickel 1842 in Hamburg, wo er beim Großen Brand seine gesamte Bühnenausstattung verlor.
Entwicklung des Manipulators
In der Folgezeit entwickelte Frickel einen neuen Typ Zauberkünstler, den Manipulator, der ohne große Gerätschaften auf der Bühne sein Publikum hauptsächlich durch seine Fingerfertigkeit (Taschenspielerei, engl. sleight of hand), und Kartenkunststücke (engl. card tricks) sowie seine Rednergabe zu verzaubern wusste. Er wechselte vom exotischen Kostüm zu einem eleganten Abendanzug und trat auf mehr oder weniger leerer Bühne auf. Auch entwickelte er seine Kunst zur Salonzauberei weiter (engl. parlor magic), bei der das Publikum einen wesentlich geringeren Abstand zum handelnden Künstler hatte. Eines seiner Hauptutensilien wurde sein „unerschöpflicher Zylinderhut“, aus dem sich als Höhepunkt der Darbietung 200 Messingbecher ziehen ließen. Während dieser Zeit lernte er in Hamburg auch Heinrich Heine kennen.<ref name="mzleipzig" />
Im Jahr 1845 nannte er sich Wiljalba Frikel; ab 1847 plakatierte er sich als „magisch-physikalischen Künstler“.<ref name="mzleipzig" /> 1851 war er in London. Dort schrieb er seinen Nachnamen mit einem zweiten L (Frikell) und betonte ihn auf der letzten Silbe. 1857 war er wieder in London und nannte sich „Wizard without Apparatus“ (dt. „Zauberkünstler ohne Apparaturen“). Dort durfte er im Folgejahr auch vor der englischen Königin Victoria und ihrer Familie auf Schloss Windsor auftreten. Im selben Jahr folgte noch eine Tournee nach St. Petersburg.<ref name="mzleipzig" />
In London sowie später in den Vereinigten Staaten veröffentlichte er zahlreiche Bücher auf Englisch mit Karten-, Taschenspieler- und Zaubertricks, die es vor allem interessierten Amateuren möglich machen sollten, in Salons Kunststücke vorzuführen. Er befasste sich zudem mit Illusionen und Beschwörungsdarstellungen (Mentalmagie, engl. conjuring), die er in seinem Werk Hanky panky (dt. Hokuspokus) niederschrieb.
Ruhestand und USA-Tournee
Mit 44 Jahren setzte sich Frikell, durch seine Kunst zu Wohlstand gekommen, 1862 in Warmbrunnen (möglicherweise ist der Kurort (Bad) Warmbrunn / Warmbrunnen im Riesengebirge / Niederschlesien gemeint) das erste Mal zur Ruhe. In der Folgezeit verlor er durch Börsenspekulationen und durch seine Glücksspielsucht sein Vermögen, so dass er ab 1872 auf eine für ihn erfolgreich verlaufende Gastspielreise durch die USA gehen musste, auf der er sich in den folgenden zwei Jahren ein neues Vermögen aufbauen konnte.
Erneuter Ruhestand und Rückzug aus der Öffentlichkeit
Durch die Vermittlung eines befreundeten Zauberkunstkollegen aus Magdeburg gelangte Frikell auch nach Sachsen, wo er sich im nahe Dresden gelegenen Kötzschenbroda niederließ. Dort baute er sich im Ledenweg 6 ein durch einen markanten Schriftzug an der Hausfront Villa Frikell. benanntes Wohnhaus,<ref name="stadtlex">{{#ifexist:Vorlage:bibISBN/{{#invoke:URIutil|plainISBN|3938460059}} | {{bibISBN/{{#invoke:URIutil|plainISBN|3938460059}}
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Sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte Frikell in Kötzschenbroda. Daneben gab er nur noch selten Wohltätigkeitsauftritte, so 1892 für notleidende Menschen in Dresden. Am 10. Januar 1895 gab er in Dresden anlässlich des Stiftungsfests des Chorgesangsvereins seinen Abschiedsauftritt von der Bühne. In der zweiten Hälfte der 1890er Jahre erschienen jedoch noch weitere Bücher von ihm, mindestens eines davon auch auf Deutsch.
Frikell verstarb 1903 in seiner Villa an einer „Herzlähmung“. Er wurde auf dem städtischen Friedhof beerdigt.<ref name="V&R012014" /> Seine am 8. Dezember 1913 verstorbene Ehefrau wurde neben ihm beerdigt. Der einzige Sohn Adalbert Frickel (* vor 1862; † 26. August 1889), wie sein Vater ein Zauberkünstler, war bereits vor seinen Eltern 1889 in England verstorben.
Houdini und Frikell
Der junge Harry Houdini sammelte alle Informationen, die er beschaffen konnte, um eine Geschichte der Zauberkunst zu erstellen. Dabei erfuhr er genügend Details zur Zauberkunst des 19. Jahrhunderts, um viele der Behauptungen des bedeutenden Zauberkünstlers Jean Eugène Robert-Houdin als von dem Ghostwriter seiner Memoiren falsch dargestellt oder anderen Kollegen weggenommen zu bezeichnen.<ref>Harry Houdini: The unmasking of Robert-Houdin. In: The Publishers Printing Co. New York 1908 (Online-Version mit Frikell-Markups).</ref> So eruierte Houdini, dass es tatsächlich Frikell war und nicht Robert-Houdin, der als Erster auf Kostüme und Draperien verzichtete und die Kunst der Manipulation anwandte. Und Houdini erfuhr 1903, dass Frikell noch lebte und nicht bereits verstorben war, wie allgemein vermutet worden war.<ref>Harry Houdini: Dr. Wiljalba Frikell Still Alive. In: Mahatma. Ausg. 6, Nr. 11, New York, Mai 1903.</ref>
Houdini fuhr während seiner Europatournee 1903 nach Kötzschenbroda bei Dresden. Nach vielen Anstrengungen, zu einem Treffen mit dem Altmeister der Fingerfertigkeit zu kommen, traf Houdini in dessen Hause nur noch auf den gerade Verstorbenen.<ref name="V&R012014" />
Ehrungen
Vom dänischen König Christian VIII. erhielt Frikell aufgrund seiner außerordentlichen Leistungen den Dannebrog-Orden für zivile Verdienste.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20140102192539
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Frikell hat heute einen Platz in der Hall of Fame der Society of American Magicians.<ref>Society of American Magicians Hall of Fame and Magic Museum.</ref>
Der US-amerikanische Journalist, Autor und Amateurzauberkünstler Fulton Oursler (1893–1952) gab sich das Pseudonym Samri Frikell, zusammengesetzt aus den Namen Samri Baldwin und Wiljalba Frikell.<ref>Samri Frikell in der MagicPedia.</ref>
Werke
- Professor Wiljalba Frikell's Lessons in magic: Or, Two hours of illusions, without the aid of apparatus. 1858.
- Sociable, or, One thousand and one home amusements: Containing acting proverbs, dramatic charades, acting charades, or drawing-room pantomimes, musical … being a fund of never-ending entertainment. 1858.
- The secret out: Or, One thousand tricks with cards, and other recreations. Illustrated with over three hundred engravings. And containing clear and comprehensive … in chance, natural magic, etc., etc., etc. 1859.
- The magician′s own book, or The whole art of conjuring. Being a complete hand-book of parlor magic. Dick and Fitzgerald, New York 1862.
- Fireside games, for winter evening amusement. A repertory of social recreations, containing an explanation of the most entertaining games, suited to the family circle, and also adapted for social gatherings, pic-nics and parties. Dick and Fitzgerald, New York 1859 (Online-Version).
- Parlor tricks with cards : containing explanations of all the tricks and deceptions with playing cards ever invented, embracing tricks with cards performed by skillful manipulation and sleight of hand, by the aid of memory, mental calculation, and the peculiar arrangement of the cards. 1863.
- Book of riddles and five hundred home amusements, containing a choice and curious collection of riddles, charades, enigmas, rebuses, anagrams, transpositions, conundrums, amusing puzzles, queer sleights, recreations in arithmetic, fireside games, and natural magic, embracing entertaining amusements in magnetism, chemistry, second sight, and simple recreations in science for family and social pastime. Dick and Fitzgerald, New York 1863 (Online-Version).
- The secret out, or, One thousand tricks in drawing-room or white magic: With an endless variety of entertaining experiments. 1871.
- Hanky panky: A book of conjuring tricks. 1875.
- The Magician′s Own Book. 1877 (Online-Version).
- Parlor magic: Containing directions for performing over one hundred amusing tricks in magic and legerdemain (The People's hand book series). 1894.
- Der Tausendkünstler; eine reichhaltige Sammlung von leicht ausführbaren, höchst interessanten und überraschenden Taschenspieler- und Karten-Kunststücken, Belustigungen aus der Chemie und Arithmetik und Scherzen, zur heiteren Unterhaltung im gemütlichen Kreise. 1898.
- The secret out, or, One thousand tricks with cards, and other recreations. 1899.
- 150 magic parlor tricks: The secrets of magic simplified for the use of amateurs and beginners. H. Morris, Chicago 1907.
Literatur
- Professor Frikell. In: The Illustrated London News von 1858.
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- Harry Houdini: Dr. Wiljalba Frikell Still Alive. In: Mahatma. Ausg. 6, Nr. 11, New York, Mai 1903.
- Harry Houdini: The unmasking of Robert-Houdin. In: The Publishers Printing Co. New York 1908 (Online-Version mit Frikell-Markups).
- Harry Houdini, Walter B. Gibson (Hrsg.), Morris N. Young (Hrsg.): Houdini on magic. Dover Publications, Constable, London 1953.
- Andreas Michel-Andino: Reihe Persönlichkeiten in der Zauberkunst im Magic Center Harri Verlag: Heft 13: Wiljalba Frikell (1817–1903), Stilikone der Illusionskunst, 2017
Weblinks
- Wiljalba Frikell in der MagicPedia
- Frickel beim Magischen Zirkel Leipzig
- Vita von Frickels Sohn Adalbert beim Magischen Zirkel Leipzig
Einzelnachweise
<references />
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