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Zabrze

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{{#if: behandelt die polnische Großstadt. Siehe auch: Alt-Zabrze, Klein-Zabrze bzw. Zabrze Cove.

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}} Vorlage:Infobox Ort in Polen

Zabrze [[[:Vorlage:IPA]]] (von 1915 bis 1945 Hindenburg O.S.) ist eine oberschlesische Großstadt in der Woiwodschaft Schlesien im südlichen Polen rund 150 km südöstlich von Breslau und etwa 90 km nordwestlich von Krakau und ein bedeutendes Zentrum des Oberschlesischen Industriegebietes (Bergbau, Maschinen- und Eisenindustrie).

Geographie

Geographische Lage

Zabrze grenzt an die Städte Gliwice (Gleiwitz), Bytom (Beuthen O.S.) und Ruda Śląska (Ruda) sowie an die Landkreise (Powiat) Gliwicki und Tarnogórski.

Stadtgliederung

Die Stadt Zabrze umfasst eine Fläche von 80,4 km² mit 21 Stadtteilen<ref>Vgl. Statystyki. In: miastozabrze.pl, abgerufen am 14. Mai 2023 (polnisch).</ref><ref>Vgl. Dzielnice. In: miastozabrze.pl, abgerufen am 14. Mai 2023 (polnisch).</ref>:

  • Biskupice (Biskupitz-Borsigwerk)
  • Centrum Północ (Zentrum Nord)
  • Centrum Południe (Zentrum Süd)
  • Grzybowice (Pilzendorf)
  • Helenka (Helenenhof)
  • Kończyce (Kunzendorf)
  • Maciejów (Mathesdorf)
  • Makoszowy (Makoschau)
  • Mikulczyce (Mikultschütz; 1936–45: Klausberg O.S.)
  • Osiedle Janek (übersetzt: Siedlung Janek, Neubau nach 1945)
  • Osiedle Mikołaja Kopernika (übersetzt: Nikolaus-Kopernikus-Siedlung, Neubau nach 1945)
  • Osiedle Młodego Górnika (übersetzt: Jungbergmann-Siedlung, Neubau nach 1945)
  • Osiedle Tadeusza Kotarbińskiego (übersetzt: Thadeus Kotarbinski-Siedlung)
  • Pawłów (Paulsdorf)
  • Rokitnica (Rokittnitz; 1936–45: Martinau)
  • Zaborze Północ (Zaborze-Poremba Nord)
  • Zaborze Południe (Zaborze-Poremba Süd)

Geschichte

Datei:Zabrze - Poczta Główna 01.jpg
Postamt
Datei:Zabrze - Teatr Nowy.JPG
Das „Teatr Nowy“ (Neues Theater) im Gebäude des ehemaligen Kasinos der Donnersmarckhütte
Datei:Karte von Hindenburg in Oberschlesien (1929).jpg
Karte von Hindenburg und Umland (1929)
Datei:Zabrze St. Joseph's Church facade.jpg
Josefskirche

Erstmals erwähnt wurde die eigenständige kleine Siedlung Zabrze (später Alt-Zabrze) in den Jahren 1295 bis 1305 als „Sadbre sive Cunczindorf“ (d. h. Sabre oder Cunczindorf = das Dorf des Cunzen bzw. des Conrads). Sie befand sich danach unter böhmischer, habsburgischer und preußischer Herrschaft. Die älteste Siedlung innerhalb des jetzigen Stadtgebietes ist Biskupitz (1243). 1774 wurde Dorotheendorf gegründet, 1775 Klein-Zabrze.

Im Jahre 1873 wurde in der Landgemeinde Alt-Zabrze das Landratsamt für den neuen Kreis Zabrze eingerichtet. Dieser war aus dem südwestlichen Teil des Kreises Beuthen im Regierungsbezirk Oppeln der preußischen Provinz Schlesien entstanden. Die Aufteilung des Kreises Beuthen war wegen der stark gestiegenen Einwohnerzahlen infolge der Industrialisierung notwendig geworden.

Am 1. April 1905 wurden die Gemeinden Alt-Zabrze, Klein-Zabrze und Dorotheendorf sowie der Gutsbezirk Zabrze zur neuen Gemeinde Zabrze zusammengefasst sowie die Kolonie C von Zaborze eingemeindet.

Die Landgemeinde Zabrze wurde am 21. Februar 1915 auf Beschluss des Landkreises und mit diesem zu Ehren des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg in „Hindenburg O.S.“ (O.S. = Oberschlesien) umbenannt. Nach Auflösung der Provinz Schlesien im November 1919 wurde aus dem Regierungsbezirk Oppeln die eigenständige Provinz Oberschlesien. Hindenburg O.S. gehörte fortan zur Provinz Oberschlesien.

Zum 1. Oktober 1922 wurde der Landgemeinde Hindenburg O.S. (dem damaligen „größten Dorf Europas“) das Stadtrecht gemäß der Städte-Ordnung für die sechs östlichen Provinzen der preußischen Monarchie vom 30. Mai 1853 verliehen. Am 1. Januar 1927 wurde der Kreis Hindenburg O.S. aufgelöst. Die Landgemeinde und der Gutsbezirk Sosnitza wurden nach Gleiwitz eingemeindet, während die Landgemeinden Biskupitz, Mathesdorf und Zaborze in die Stadt Hindenburg O.S. eingegliedert wurden, die seitdem einen eigenen Stadtkreis bildete. Erster Oberbürgermeister der Stadt Hindenburg O.S. wurde der Zentrums-Politiker Hans Lukaschek.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Am 1. April 1938 wurden die bisherigen preußischen Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien wieder zur Provinz Schlesien zusammengefasst, danach am 18. Januar 1941 als Gaue wieder in Ober- und Niederschlesien aufgeteilt. Hindenburg O.S. wurde aus dem Regierungsbezirk Oppeln ausgegliedert und dem Regierungsbezirk Kattowitz unterstellt.

Die 1873 eingeweihte Synagoge wurde während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 niedergebrannt. 350 jüdische Männer wurden festgenommen und in das KZ Buchenwald verschleppt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Am 24. Januar 1945 wurde die Stadt durch die Rote Armee erobert, am 19. März 1945 unter polnische Verwaltung gestellt und danach der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. Der Großteil der deutschen Bevölkerung wurde, soweit nicht geflohen, vertrieben bzw. in der Folgezeit ausgewiesen. 1946 erhielt die Stadt den polnischen Namen Zabrze zurück.

1950 kam die Stadt zur Woiwodschaft Katowice. 1951 erfolgte die Eingemeindung von Makoszowy (Makoschau), Kunzendorf, Paulsdorf, Mikultschütz, Rokittnitz, Pilzendorf und später auch Helenenhof.

1953 übernahm die Stadt Essen (Ruhrgebiet) die Patenschaft über Hindenburg O.S., was derzeit als eine Patenschaft für die vertriebenen und ausgesiedelten Hindenburger sowie deren Kulturgut verstanden wird. In Essen befindet sich auch die „Hindenburger Heimatsammlung“. Am 15. März 1991 trat der Zwei-plus-Vier-Vertrag in Kraft, womit die faktische Zugehörigkeit Zabrzes zu Polen auch völkerrechtlich bestätigt wurde. 1999 kam Zabrze zur Woiwodschaft Schlesien und erhielt den Status einer kreisfreien Stadt.

Einwohnerentwicklung

Bei der letzten Volkszählung von 2002 bekannten sich von den damals 195.293 Einwohnern 158.425 oder 81,1 % zur polnischen Nationalität, 3.835 Personen (1,96 %) bezeichneten sich als „Schlesier“, 2.592 (1,33 %) als Deutsche und 123 (0,06 %) als Roma. 30.113 Personen machten keine Angaben zu ihrer Nationalität. Damit lebte 2002 in Zabrze eine kleine, gleichwohl aber die zahlen- und anteilsmäßig größte deutsche Minderheit aller Städte in der Woiwodschaft Schlesien.<ref>Vgl. Vorlage:Webarchiv</ref>

Politik

Datei:A 320 10 z 17.11.2010 - Kościół św. Anny - Zabrze, pl. Pieruszki KS.JPG
Annakirche
Datei:D7K 3057 Panorama-001.jpg
Wasserturm des Klinikums

Oberbürgermeister

Stadtpräsidenten

(nach 1945)

  • 1945 (Ende Februar-Mitte März): Sauer, Komitee Freies Deutschland
  • 1945–1950: Paweł Dubiel
  • 1950–1951: Grzegorz Sabuda
  • 1951–1957: Rufin Suchoń
  • 1957–1960: Jerzy Knapik
  • 1960–1970: Tadeusz Bluszcz
  • 1970–1973: Jerzy Skowronek
  • 1974–1978: Bogusław Pałka
  • 1978–1981: Hubert Niglus
  • 1981–1987: Jan Janota
  • 1987–1991: Gerard Hajda
  • 1991–2002: Roman Urbańczyk
  • 2002–2006: Jerzy Gołubowicz
  • 2006–2024: Małgorzata Mańka-Szulik
  • seit 2024: Agnieszka Rupniewska

An der Spitze der Stadtverwaltung steht eine Stadtpräsidentin bzw. ein Stadtpräsident, der von der Bevölkerung direkt gewählt wird. Von 2006 bis 2024 war dies Małgorzata Mańka-Szulik. Bei den Selbstverwaltungswahlen 2024 unterlag sie Agnieszka Rupniewska von der Koalicja Obywatelska, die damit ihre Nachfolgerin wurde.

Bei der Wahl 2024 traten die vier bestplatzierten Kandidaten der vorherigen Wahl erneut an. Hinzu kamen drei neue Kandidaten. Die Abstimmung brachte folgendes Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 25. Mai 2024.</ref>

  • Agnieszka Rupniewska (Koalicja Obywatelska) 27,4 % der Stimmen
  • Małgorzata Mańka-Szulik (Wahlkomitee Małgorzata Mańka-Szulik) 21,7 % der Stimmen
  • Kamil Żbikowski (Wahlkomitee „Besseres Zabrze“) 21,4 % der Stimmen
  • Borys Borówka (Prawo i Sprawiedliwość) 11,3 % der Stimmen
  • Alina Nowak (Wahlkomitee „Gemeinsam für Zabrze“) 11,3 % der Stimmen
  • Sebastian Dziębowski (Wahlkomitee „Vereinigte soziale Initiativen Zabrze“) 5,2 % der Stimmen
  • Rafał Mosiołek (Konfederacja und unabhängige lokale Verwaltungen) 1,7 % der Stimmen

Wie 2018 erreichten Amtsinhaberin Mańka-Szulik und Agnieszka Rupniewska die Stichwahl, in der sich diesmal die Herausforderin mit 57,9 % der Stimmen durchsetzen konnte.

Auch bei der Wahl 2018 trat Mańka-Szulik mit ihrem eigenen Wahlkomitee an. Die Abstimmung brachte folgendes Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 30. Juli 2020.</ref>

In der daraufhin nötigen Stichwahl setzte sich die Amtsinhaberin Mańka-Szulik mit 51,6 % der Stimmen knapp gegen ihre stärkste Herausforderin Rupniewska durch.

Stadtrat

Der Stadtrat besteht aus 25 Mitgliedern und wird direkt gewählt. Die Stadtratswahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 25. Mai 2024.</ref>

  • Koalicja Obywatelska (KO) 31,8 % der Stimmen, 11 Sitze
  • Wahlkomitee „Besseres Zabrze“ 17,4 % der Stimmen, 5 Sitze
  • Wahlkomitee Małgorzata Mańka-Szulik 16,8 % der Stimmen, 4 Sitze
  • Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 16,6 % der Stimmen, 4 Sitze
  • Wahlkomitee „Gemeinsam für Zabrze“ 8,1 % der Stimmen, kein Sitz
  • Wahlkomitee „Vereinigte soziale Initiativen Zabrze“ 5,8 % der Stimmen, 1 Sitz
  • Konfederacja und unabhängige lokale Verwaltungen 3,5 % der Stimmen, kein Sitz

Die Stadtratswahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 30. Juli 2020.</ref>

Wappen

Vorlage:Hauptartikel Das Wappen von Zabrze stellt auf goldenem Hintergrund einen gemauerten roten Dreiturm mit Zinnen und blauem Zahnrad dar. Es wurde zwischen 1927 und 1948 genutzt und wieder seit 1990 in leicht modifizierter Form.

Städtepartnerschaften

Zabrze unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:<ref>Vgl. Miasta partnerskie. In: miastozabrze.pl, abgerufen am 14. Mai 2023 (polnisch).</ref>

Sehenswürdigkeiten

Datei:Zabrze - Ul. Wolności 01.jpg
„Admiralspalast“

Wirtschaft

Datei:Zabrze---concordia-zach.jpg
Kohlengrube „Concordia“

Heute ist Zabrze ein bedeutendes wissenschaftliches, kulturelles und industrielles Zentrum im Oberschlesischen Industrierevier. Unter anderem befinden sich hier Institute der Polnischen Akademie der Wissenschaften, die Oberschlesische Philharmonie sowie Betriebe der Elektronik-, Glas- oder Lebensmittelindustrie. Seit 1841 wird in der Region Bergbau betrieben.

Verkehr

Datei:Silesian Tramways 02.jpg
Straßenbahn in Zabrze

Der Bahnhof Zabrze liegt an der Strecke Katowice–Legnica. Weiterhin verlaufen einige Güterstrecken durch die Stadt.

Im Nahverkehr besteht eine Anbindung an das Netz der Oberschlesischen Straßenbahn.

In der Nähe befindet sich die Autostrada A4. Die Drogowa Trasa Średnicowa verläuft durch Zabrze.

Naherholung

Der woiwodschaftliche Kultur- und Erholungspark sowie der Maciejów-Park (früher „Mathesdorfer Wald“) dienen als Erholungsgebiete für die Einwohner von Zabrze. Der Botanische Garten wurde in den 1930er Jahren angelegt. Eine Sehenswürdigkeit ist der Wasserturm Zabrze.

Sport

Fußball in Hindenburg O.S. vor 1945

Der erfolgreiche Hindenburger Verein war der 1910 gegründete SC Preußen Hindenburg. Er spielte in der obersten Fußballliga, damals auf regionaler Ebene die Gauliga Schlesien bzw. ab dem Jahre 1941 die Gauliga Oberschlesien, und nahm einmal an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil. Daneben existierten noch in Hindenburg O.S. die folgenden Fußballvereine: die SpVgg Deichsel, der TV Deichsel, der TuS Hindenburg 09, der SV Delbrückschächte, der SV Borsigwerk und die Sportfreunde Klausberg.

Fußball in Zabrze nach 1945

Die Bedeutung von Sport lässt sich in Zabrze vor allem am Fußballverein Górnik Zabrze ablesen, der bis 2021 mit 14 Titeln polnischer Rekordmeister war, aber seit 1988 keine Meisterschaft mehr gewonnen hat. Bekanntheit in Deutschland gewann der Verein durch die Beschäftigung von Lukas Podolski und die Teilnahme an Podolskis Abschiedsspiel in Köln am 10. Oktober 2024.

Persönlichkeiten

Datei:Janosch.jpg
Janosch

Ehrenbürger

  • Heinz Tobolla (1925–2013), Bildhauer und Künstler, seit 2007 Ehrenbürger der Stadt Zabrze
  • Janosch (* 1931), deutscher Illustrator, Kinderbuchautor und Schriftsteller, seit 2011 Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Politik und Wirtschaft

Datei:Fritz Kramer DSC03182.jpg
Fritz Kramer (2018)

Wissenschaft, Bildung, Medien

Kunst und Kultur

Sport

Datei:StolpersteinReinholdAltmann.JPG
Stolperstein in Leipzig, Liebigstr. 20 für Bruder von Wilhelm Altmann

Sonstige

  • Heinrich Erlen (1907–1974), deutscher Jurist, Polizist und SS-Führer
  • Wilhelm Döring (1917–2013), SS-Obersturmführer und Leiter der Kriminalpolizei in Siegburg
  • Joachim Kroll (1933–1991), deutscher Serienmörder

Weitere Persönlichkeiten

  • Carl Szmula (1828–1890), Arzt in Zabrze
  • Reinhold Altmann (1865–1934), Chefarzt des Knappschaftslazaretts in Zabrze
  • Franciszek Trąbalski (1870–1964), polnischer sozialistischer Politiker (PPS, PZPR)
  • Rudolf Hartmann (1856–1929), Chefarzt des Knappschaftslazaretts in Zabrze und Politiker
  • Manfred Skutta (1932–2006), Jurist, Richter, Direktor des Amtsgerichts
  • Horst Sylla (* 1933), Generalleutnant der Nationalen Volksarmee

Trivia

Ernst Thälmann, damals Fraktionsvorsitzender der KPD, schlug im Juni 1924 im Reichstag vor, die Stadt Hindenburg in Leningrad umzubenennen.<ref>Vgl. Reichstagsprotokolle 1924, abgerufen am 24. Dezember 2021</ref> Die Bergarbeiterstadt Zabrze wird als Heimatort der pseudo-polnischen Musikerfamilie „Popolski“ erwähnt. Von dort wird Der Popolski Show „Live aus der Plattenbau“ fiktiv gesendet.

Literatur

  • Josef Knossalla: Geschichte der Stadt Hindenburg O/S. (Zabrze) 1929
  • Josef Pollok: „Hindenburg OS, Stadt der Gruben und Hütten“, Essen 1979
  • Kalendarium Zabrzanske, Zabrze 2006

Weblinks

Vorlage:Commonscat Vorlage:Wikivoyage

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Woiwodschaft Schlesien

Vorlage:Normdaten