Zecke (Schimpfwort)
Zecke, häufig auch im Plural Zecken, ist ein in Deutschlands rechtsextremem Umfeld entstandener und gebräuchlicher Begriff, mit dem Andersdenkende abgewertet und beleidigt werden,<ref>Andreas Cyffka (Hrsg.), Werner Wolski (Bearb.): PONS Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Neubearbeitung 2011, 1. Auflage. PONS, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-12-517047-6, S. 1623.</ref> insbesondere Linke und Punks.<ref>Reiner Erb: Ideologische Anleihen, Geschichtsbilder und Symbole rechtsextremer Jugendgruppen – „Neonazis“ und „Skinheads“. In: Uwe Backes (Hrsg.): Rechtsextreme Ideologien in Geschichte und Gegenwart (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Bd. 23). Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-03703-6, S. 289–309, hier S. 304.</ref>
In der Ideologie des heutigen Rechtsextremismus gehören sogenannte Zecken zu den Hauptfeindbildern und gelten als „Undeutsche in Ideologie und Kultur“.<ref>Bernd Wagner: Zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus in den neuen Bundesländern. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bd. 39, 2000, ISSN 0479-611X, S. 30–39.</ref> Die Abwertung von Menschen als Zecken, also Parasiten, knüpft an die in der Sprache des Nationalsozialismus gebräuchlichen Tiermetaphern an. Im Nationalsozialismus waren die Begriffe „Volksschädlinge“ und „jüdische Parasiten“ weit verbreitet. Diese Schädlingsmetaphern sind auch heute in rechtsextremer Musik weit verbreitet<ref>z. B. im Text des Liedes „Du bist Stolz“ der Gruppe Kraftschlag von der indizierten Schallplatte Trotz Verbot ist nicht Tot (1992), vergleiche: Klaus Farin: „In Walhalla sehen wir uns wieder …“ Rechtsrock. In: Klaus Farin (Hrsg.): Die Skins. Mythos und Realität. Links, Berlin 1997, ISBN 3-86153-136-4, S. 213–243, hier S. 226–227.</ref> und können auch als indirekte Tötungsaufforderungen gewertet werden.<ref>Peter Schlobinski: Zum Sprachgebrauch rechtsradikaler Musikgruppen. In: Der Deutschunterricht. Bd. 59, Nr. 5, 2007, ISSN 0340-2258, S. 67–75.</ref> Gewalttaten der Rechtsextremen wurden oft als „Zecken klatschen“ bezeichnet.<ref>Helmut Heitmann: Die Skinhead-Studie. In: Klaus Farin (Hrsg.): Die Skins. Mythos und Realität. Links, Berlin 1997, ISBN 3-86153-136-4, S. 69–95, hier S. 85.</ref>
Innerhalb der Punk- oder Rapszene wird der Begriff im Sinn eines Geusenworts manchmal auch als Selbstbezeichnung verwendet.<ref>Klaus N. Frick: Es lebe der Punk Vol. 5. Ox-Fanzine Ausgabe 64.</ref><ref name=":0"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zeckenrap: Wenn Zecken rappen ( vom 16. Juni 2018 im Internet Archive)</ref> Die Punkbands Se Sichelzecken und ESA-Zecken machten das Schimpfwort zu einem Bestandteil ihrer Namen.
In den letzten Jahren ist der Begriff Zecke als Selbstbezeichnung im Musikgenre Zeckenrap verwendet worden und wurde dort popularisiert.<ref name=":0" /> Auch bei manchen Anhängern des Fußballvereins FC St. Pauli, besonders in der Ultra-Szene, heißt es in Fangesängen „Wir sind Zecken“.<ref>1910Hoschi: Hallenturnier 2010 – Ultrà Sankt Pauli – Wir sind Zecken … 25. Januar 2010, abgerufen am 13. April 2018.</ref>
Im Juli 2019 beschimpfte der italienische Innenminister Matteo Salvini im Nachgang zur Affaire um die Sea-Watch 3 und deren Eindringen in den Hafen von Lampedusa die deutsche Kapitänin Carola Rackete bei einem Parteifest der Lega in Barzago als „deutsche Zecke“.<ref>Salvini wird gegen Carola Rackete ausfällig. Die Welt, 19. Juli 2019.</ref><ref>Sea-Watch, l’offesa di Salvini a Carola Rackete: «Pure la zecca tedesca mi ha denunciato». YouTube-Video.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />