Zeiss-Großplanetarium
Das Zeiss-Großplanetarium in Berlin wurde 1987 „als eines der größten und modernsten Planetarien weltweit“ eröffnet.<ref name="rbb-2025">Zeiss-Großplanetarium in Berlin unter Denkmalschutz gestellt. In: Rundfunk Berlin-Brandenburg (online). 20. Januar 2025, abgerufen am 21. Januar 2025.</ref> Es befindet sich am Rande des in den 1980er Jahren erbauten Wohngebietes Ernst-Thälmann-Park im Ortsteil Prenzlauer Berg und gehört wie die Archenhold-Sternwarte und das Planetarium am Insulaner mit der Wilhelm-Foerster-Sternwarte zur Stiftung Planetarium Berlin.
Seit seiner Wiedereröffnung im August 2016 bietet es ein umfangreiches Bildungs- und Programmangebot aus den Bereichen Astronomie, Wissenschaft sowie Kultur und erreicht besonders hohe Besucherzahlen. Es gilt als das meistbesuchte Planetarium im deutschsprachigen Raum. Von 1987 bis Anfang 2025 besuchten mehr als fünf Millionen Gäste die Einrichtung. Im Januar 2025 wurde das Planetarium in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.
Geschichte
Das nach den Plänen des Architekten Erhardt Gißke in zwei Jahren Bauzeit<ref name="rbb-2025" /> errichtete Zeiss-Großplanetarium wurde am 9. Oktober 1987 im Zuge des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins eröffnet.<ref name="30GB">Stefan Strauss: Das Zeiss-Großplanetarium wird 30. In: Berliner Zeitung. 5. Oktober 2017, abgerufen am 3. März 2025.</ref> Als Prestigebau sollte es der anschaulichen Vermittlung neuester astronomischer Kenntnisse dienen, die Stärke der sozialistischen Raumfahrt demonstrieren und die DDR als Spitzentechnologie-Land präsentieren.<ref>epd: Berliner Zeiss-Großplanetarium unter Denkmalschutz. In: evangelisch.de. 25. Januar 2025, abgerufen am 3. März 2025.</ref> Der historische Sternprojektor Cosmorama, hergestellt vom VEB Carl Zeiss Jena,<ref>Andreas Hergeth: Die DDR lässt freundlich grüßen. In: Die Tageszeitung. 4. Februar 2025, abgerufen am 3. März 2025.</ref> war im Fußboden versenkbar, konnte den Sternenhimmel mit 9.200 Sternen naturgetreu darstellen, alle Sternbilder figürlich in die Kuppel projizieren sowie Planeten einblenden. Er zählte zu den ersten computergesteuerten Projektoren, die sowohl manuell über ein Bedienpult als auch vollständig automatisiert über Computer gesteuert werden konnten.<ref name="ZDF">Zahlen, Daten & Fakten der Stiftung Planetarium Berlin. Abgerufen am 14. November 2023.</ref>
Zwischen April 2014 und August 2016 wurde das Zeiss-Großplanetarium für rund 13 Millionen Euro saniert und umgebaut<ref name="30GB" /> Ziel war unter anderem, zum „modernste(n) Wissenschaftstheater Europas“ zu werden.<ref>Rebecca Hillauer: Nur der echte Himmel ist schöner. In: Deutschlandfunk Kultur. 8. September 2016, abgerufen am 3. März 2025.</ref> Der Einsatz des Cosmorama endete, er wurde in der Ausstellung im Foyer des Hauses platziert und kann dort kostenfrei besichtigt werden. Im Zuge der Sanierung des Großplanetariums wurde auch die Medientechnik vollständig erneuert.<ref name="ZDF" /> Zum 1. Juli 2016 wechselte das Zeiss-Großplanetarium von der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin in die neugegründete Stiftung Planetarium Berlin.<ref>Stefan Strauß: Drei Sternenhäuser unter einem Dach. In: Berliner Zeitung, 11. Mai 2016.</ref> In der Zeit von 2022 bis 2025 verzeichnete das Zeiss-Großplanetarium jährlich Besucherrekorde: 2025 wurden mehr als 370.000 Gäste gezählt.<ref>Ghazal Webser: Viertes Rekordjahr in Folge: Zeiss-Großplanetarium 2025 mit über 370.000 Besucher*innen weiterhin Deutschlands meist-besuchtes Planetarium, Stiftung Planetarium Berlin erreicht über 22.200 Gäste mehr als im Vorjahr. In: Stiftung Planetarium Berlin. 20. Januar 2026, abgerufen am 26. Januar 2026.</ref> Im Januar 2025 wurde das Planetarium in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.<ref name="rbb-2025" />
Planetariumsleiter<ref>Geschichte. Zeiss-Großplanetarium. In: planetarium.berlin. Abgerufen am 3. März 2025.</ref>
- 1987–2004: Dieter B. Herrmann
- 2005–2006: Klaus Bernhard Staubermann
- 2006–2009: Hans-Friedger Lachmann (kommissarisch)
- 2009–2013: Felix Lühning
- seit 2013:Tim Florian Horn
Gebäude
Der Kuppelsaal des Planetariums (Planetariumssaal) prägt mit 30 Metern Durchmesser das Berliner Stadtbild (Innendurchmesser: 23 Meter). Der Planetariumssaal hat 307 Sitzplätze und wird ergänzt durch ein großes Foyer und Ausstellungen sowie einem hauseigenen Kinosaal mit 160 Plätzen.<ref>Zeiss-Großplanetarium Berlin - Hundertjähriges Bestehen des Planetariums. In: Centennial of the Planetarium. Abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref>
Technische Ausstattung des Planetariumssaals
Sternprojektor
Der Planetariumsprojektor Zeiss Universarium Modell IX wurde speziell für das Haus modifiziert und ist im Fußboden versenkbar. Der Sternprojektor kann 9505 Sterne und die Milchstraße darstellen. Jeder Stern wird hierbei durch eine eigene Glasfaser gespeist. Neben dem Sternprojektor zeigen zusätzliche acht Planetenprojektoren die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten.<ref name="ZDF" />
360°-Fulldome-Technik
Die 360°-Fulldome-Projektion ergänzt den Sternprojektor um ein mehrkanaliges, digitales Projektionssystem mit zehn Zeiss Velvet Videoprojektoren in 8K-Auflösung. Sie werden von zehn Grafikrechnern gespeist und erzeugen ein kuppelfüllendes Videobild. Die Projektion mit den Zeiss Velvet Videoprojektoren kann mit dem Sternenprojektor verknüpft werden, sodass astronomische Objekte wie Nebel, aber auch Sternbilder passgenau auf den Sternenhimmel projiziert werden können. Die Nutzung eines Echtzeit-fähigen Bildgenerators ermöglicht es, tagesaktuell neue astronomische Inhalte zu integrieren.<ref name="ZDF" />
Spatial Sound
Das Spatial Sound-System im Planetariumssaal simuliert räumliche Tonquellen und verfügt über 49 Lautsprecher und 4 Subwoofer, die eine Gesamtleistung von 52,5 kW betragen.<ref>Zahlen, Daten & Fakten der Stiftung Planetarium Berlin. In: www.planetarium.berlin. Stiftung Planetarium Berlin, 2022, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref>
Veranstaltungen, Inhalte und Besucherzahlen
Das Planetarium zeigt astronomische Programme und behandelt in seinen Veranstaltungen auch naturwissenschaftliche sowie kulturelle Themen.<ref>Zeiss-Großplanetarium. In: www.planetarium.berlin. Stiftung Planetarium Berlin, 2022, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Das Planetarium ist regelmäßiger Veranstaltungsort der Radio-Eins-Reihe Hörspielkino unterm Sternenhimmel.<ref>Hörspielkino unterm Sternenhimmel – Die Termine. In: Rundfunk Berlin-Brandenburg (online). Abgerufen am 3. März 2025.</ref> Im Kuppelsaal werden mit der 360-Grad-Fulldome-Technik neben Programmen aus Astronomie und Wissenschaft auch Vorträge, Hörspiele, Musikprogramme sowie hauseigene Highlight- und Konzertreihen und ein umfangreiches Bildungsangebot für Kinder und Schulklassen ausgerichtet.<ref>Zeiss-Großplanetarium Berlin. Abgerufen am 28. Februar 2022.</ref> Im Sommer 2024 war das Großplanetarium einer der Berliner Gastgeber der IPS-Konferenz, dem wichtigsten Branchentreffen der Experten aus Planetarien.<ref>Venues. IPS 2024 in Jena and Berlin. In: ips2024.org. 2024, abgerufen am 28. April 2025.
Annette Herold-Stolze: Spektakuläres am Himmel. In: Mitteldeutsche Zeitung, 25. Juli 2024, S. 20.</ref> Seit 2024 findet einmal pro Jahr im Zeiss-Großplanetarium die Lange Nacht der Astronomie statt, die die Stiftung Planetarium Berlin, Träger des Zeiss-Großplanetariums, gemeinsam mit der Astronomischen Gesellschaft 2024 auf die Bundesebene gehoben hat.<ref>dpa: Erste deutschlandweite Lange Nacht der Astronomie. In: Süddeutsche Zeitung (online). 18. Oktober 2024, abgerufen am 28. April 2025.</ref><ref>Astronomische Gesellschaft: Lange Nacht der Astronomie am 19. Oktober 2024. In: astronomische-gesellschaft.de. 2024, abgerufen am 28. April 2025 (Pressemitteilung der Gesellschaft).</ref><ref>Lange Nacht der Astronomie findet erstmals bundesweit statt. In: ARD Audiothek. rbb24 Inforadio, 18. Oktober 2024, abgerufen am 28. April 2025.</ref> Die Lange Nacht der Astronomie wurde 2014 in Berlin ins Leben gerufen und findet seitdem regelmäßig statt.<ref>Astronomische Gesellschaft e. V.: Lange Nacht der Astronomie am 19. Oktober 2024. In: astronomische-gesellschaft.de. Abgerufen am 15. Mai 2025.</ref>
Seit seiner Wiedereröffnung im August 2016, der eine zweijährige Modernisierungspause vorausging, bietet das Planetarium ein umfangreiches Bildungs- und Programmangebot aus den Bereichen Astronomie, Wissenschaft sowie Kultur und erreicht besonders hohe Besucherzahlen.<ref>Stiftung Planetarium Berlin verzeichnet zwei Millionen Gäste seit Gründung 2016 – und erreichte 2022 ein Rekordjahr. In: berlin.de. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, 20. März 2023, abgerufen am 3. März 2025.</ref> Von 1987 bis Anfang 2025 besuchten mehr als fünf Millionen Gäste die Einrichtung.<ref>Technisches Meisterwerk aus DDR-Zeit. In: Märkische Oderzeitung, 29. Januar 2025, S. 20.</ref> Es gilt als das meistbesuchte Planetarium im deutschsprachigen Raum.<ref>Was sind Berlins meistbesuchte Sehenswürdigkeiten, Attraktionen, Museen und Bühnen? In: about.visitberlin.de. Berlin Tourismus & Kongress GmbH, abgerufen am 28. April 2025.</ref>
Kino im Planetarium
Das Programm des hauseigenen Kinos wurde mehrfach vom Medienboard Berlin-Brandenburg ausgezeichnet.<ref>Zeiss-Großplanetarium. In: www.planetarium.berlin. Stiftung Planetarium Berlin, 2022, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Es besteht aus Dokumentationen, Spielfilmen und Kinderprogrammen.<ref>Zeiss-Großplanetarium – Kinobeschreibung und Termine. Abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> 2023 nahm das Zeiss-Großplanetarium im Rahmen der Reihe „Berlinale goes Kiez“ erstmals<ref>Ghazal Weber: Film ab: Kino im Zeiss-Großplanetarium nimmt mit „Berlinale goes Kiez“ erstmals an der Berlinale teil. In: planetarium.berlin. 8. Februar 2023, abgerufen am 3. März 2025 (Pressemitteilung der Stiftung Planetarium Berlin).</ref> an der Berlinale teil.<ref>Manuela Frey: Kino im Zeiss-Großplanetarium bei „Berlinale goes Kiez“. In: Berliner Woche. 15. Februar 2023, abgerufen am 3. März 2025.</ref>
Ausstellungen
Das Zeiss-Großplanetarium zeigt auch Ausstellungen. 2024 wurde beispielsweise die audiovisuelle Wanderausstellung „achtzehn“ präsentiert.<ref>Bernd Wähner: Was 18-Jährige bewegt. In: Berliner Woche. 3. Juli 2024, abgerufen am 3. März 2025.</ref> Zum Jahresende 2024 eröffnete die kostenfreie Dauerausstellung „Universum zum Anfassen“. Sie will Wissenschaft und Astronomie möglichst anschaulich und interaktiv vermitteln.<ref>Manuela Frey: Neue Dauerausstellung im Zeiss-Großplanetarium. In: Berliner Woche. 17. Dezember 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Dezember 2024; abgerufen am 3. März 2025.</ref>
Prominente
In den Programmen, Konzerten, Lesungen und Veranstaltungen des Zeiss-Großplanetariums waren zahlreiche prominente Gäste und bekannte Persönlichkeiten zu sehen, so unter anderem ESA-Astronaut Matthias Maurer,<ref>ESA-Astronaut Matthias Maurer. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. März 2023; abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> ESA-Astronaut Alexander Gerst<ref>Sabine Flatau: Auf Tuchfühlung mit Alexander Gerst im Zeiss-Großplanetarium. 16. Juli 2019, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> und ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti<ref>Tobias: Samantha Cristoforetti | Literatur Live Berlin. Abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> sowie die Bands Mando Diao,<ref>Mando Diao live im Zeiss-Großplanetarium: Im Weltall gibt's doch auch kein Bier. In: Rolling Stone. 24. Februar 2023, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Tocotronic,<ref>Tocotronic am 25.1.18 im Zeiss-Planetarium (mit Video) - [030]. 29. Januar 2018, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Die Andere Seite<ref>MOZ.de: Tom Schilling und Band Die Andere Seite im Zeiss-Großplanetarium Berlin am 25.10. 24. Oktober 2022, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> oder Fall Out Boy.<ref>Desh Kapur: Fall Out Boy release So Much (For) Stardust & unveil new Hold Me Like a Grudge video… In: allmusicmagazine.com. 25. März 2023, abgerufen am 28. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Siehe auch
Literatur
- Zeiss-Großplanetarium Berlin; 2., stark veränderte Auflage; Herausgeber: Zeiss-Großplanetarium Berlin; Baudirektion Hauptstadt Berlin des Ministeriums für Bauwesen, Städtebau und Wohnungswirtschaft; Deutsche Bauakademie; Berlin 1990
Weblinks
Einzelnachweise
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Koordinaten: 52° 32′ 34,8″ N, 13° 25′ 40,7″ O
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