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Lizardit

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Lizardit
Datei:Lizardite-362595.jpg
Lizardit-Handstück aus Montville, Morris County, New Jersey, USA (Größe: ≈ 3,8 × 2,5 × 2,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Lz<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Mg3Si2O5(OH)4<ref name="IMA-Liste" />
  • Mg6[(OH)8|Si4O10]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Schichtsilikate (Phyllosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.10b
VIII/H.27-020

9.ED.15
71.01.02b.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin, trigonal oder hexagonal
Kristallklasse; Symbol siehe Kristallstruktur
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,55(3); berechnet: 2,57<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität leicht biegsam<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe grün, hellgelb bis weiß; in dünnen Schichten farblos bis blassgrün<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Wachsglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,541 bis 1,563<ref name="Mindat" />
nβ 1,565<ref name="Mindat" />
nγ 1,553 bis 1,568<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,012<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 37 bis 61° (gemessen)<ref name="Mindat" />

Lizardit (IMA-Symbol Lz<ref name="Warr" />) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Er kristallisiert je nach struktureller Modifikation im monoklinen, trigonalen oder hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Mg6[(OH)8|Si4O10]<ref name="StrunzNickel" /> und gehört als Mitglied der Serpentingruppe zu den Schichtsilikaten.

Lizardit findet sich meist in Form feinkörniger bis massiger Mineral-Aggregate, entwickelt aber auch tafelige bis pyramidale Kristalle mit wachsartigem Glanz auf den Oberflächen. Seine Farbe variiert zwischen durchscheinendem grün und hellgelb bis weiß.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Lizardit in den Serpentiniten am östlichen Kliff auf der Halbinsel Lizard in der englischen Grafschaft Cornwall und beschrieben 1956 durch E. J. W. Whittaker und J. Zussman, die das Mineral nach seiner Typlokalität benannten.

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Lizardit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Amesit, Antigorit, Berthierin, Chrysotil, Cronstedtit, Greenalith Karyopilit und Népouit sowie dem inzwischen als Varietät von Pennantit diskreditierte Grovesit die „Serpentin-Reihe (trioktaedrisch)“

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/H.27-20. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Lizardit zusammen mit Amesit, Antigorit, Berthierin, Brindleyit, Carlosturanit, Chrysotil, Cronstedtit, Dozyit, Fraipontit, Greenalith, Guidottiit, Karpinskit, Karyopilit, Kellyit, Népouit und Pecorait die „Serpentingruppe“ (VIII/H.27) bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lizardit ebenfalls in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese ist allerdings unterteilt nach der Struktur der Schichten, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Kaolinitschichten, zusammengesetzt aus tetraedrischen oder oktaedrischen Netzen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Amesit, Antigorit, Berthierin, Brindleyit, Chrysotil, Cronstedtit, Fraipontit, Greenalith, Karyopilit, Kellyit, Manandonit, Népouit und Pecorait die „Serpentingruppe“ mit der System-Nr. 9.ED.15 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Lizardit in die Abteilung der „Schichtsilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Karyopilith, Népouit und Greenalith in der „Serpentingruppe (Lizardit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 71.01.02b innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 1:1-Lagen“ zu finden.

Kristallstruktur

Von Lizardit existieren fünf strukturelle Modifikationen:

Kristallographische Daten für Lizardit<ref name="StrunzNickel" />
Name Lizardit-1M Lizardit-1T Lizardit-6T1 Lizardit-2H1 Lizardit-2H2
Kristallsystem monoklin trigonal hexagonal
Kristallklasse m 3m 3 6mm 6
Raumgruppe Cm P31m P3 P63cm P63
Gitterkonstanten der
Elementarzelle
a = 5,31 Å
b = 9,20 Å
c = 7,31 Å
β = 90,0°
a = 5,33 Å; c = 7,25 Å a = 5,32 Å
c = 43,61 Å
a = 5,32 Å
c = 14,54 Å
a = 5,33 Å
c = 14,37 Å
Zahl der Formeleinheiten in der Elementarzelle 1 0,5 3 1 1

Bildung und Fundorte

Datei:Lizardite, Chrysotile-288581.jpg
Lizardit (grün) mit Chrysotil-Ader (perlweiß) aus „Gordon's Kalksteinbruch“ bei Montville, Morris County (New Jersey), USA
(Größe ca. 8,89 × 5,08 × 5,08 cm)

Lizardit entsteht typischerweise durch retrograde, das heißt rückschreitende Metamorphose (Diaphthorese), als Umwandlungsprodukt aus Olivin, Orthopyroxen oder anderen ultramafischen magmatischen Gesteinen. Als Begleitminerale treten unter anderem Chrysotil, Brucit und Magnetit auf.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als eher seltene Mineralbildung kann Lizardit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen dokumentiert.<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seiner Typlokalität am östlichen Kliff auf der Halbinsel Lizard trat das Mineral im Vereinigten Königreich noch im „Coombe Farm“-Steinbruch bei Henbury nahe Bristol in England und am Loch Scye in den nordwestlichen Highlands von Schottland auf.

In Deutschland konnte Lizardit bisher am Steinbruch „Michelsberg“ am Katzenbuckel in Baden-Württemberg, an den Steinbrüchen Zeilberg bei Maroldsweisach und „Heß“ bei Wurlitz in Bayern, sowie am Vulkan Kalem bei Birresborn, Arensberg und Schellkopf bei Brenk in Rheinland-Pfalz gefunden werden.

In Österreich fand sich das Mineral in Gesteinsproben beim Aushub des Ehrentaler Bergtunnel bei Klagenfurt in Kärnten, im Marmorsteinbruch bei Kochholz (Dunkelsteinerwald) in Niederösterreich sowie am Brennkogel und am Totenkopf in den Hohen Tauern von Salzburg.

In der Schweiz wurde Lizardit bisher am Wolfgangpass, im Oberhalbsteintal und am Julierpass im Kanton Graubünden sowie am Geisspfad im Binntal im Kanton Wallis entdeckt.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Äthiopien, Argentinien, Australien, Brasilien, China, der Demokratischen Republik Kongo, der Dominikanischen Republik, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indonesien, Israel, Italien, Jamaica, Japan, Kanada, Kuba, Marokko, Neuseeland, Norwegen, Oman, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Slowakei, Spanien, Südafrika, Trinidad and Tobago, Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken, genauer am nordöstlichen Rand der „Markov-Tiefe“ innerhalb der „Sierra-Leone-Bruchzone“ (Sierra-Leone-Schwelle), konnte Lizardit nachgewiesen werden.<ref name="Mindat-MarkovTiefe" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 16. Juni 2022. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Lizardite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Lizardite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-MarkovTiefe"> Northeastern rim, Markov Deep, Sierra Leone fracture zone, Mid-Atlantic Ridge complex, Atlantic Ocean. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>