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Černýit

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Černýit
Datei:Mineralogy and Distribution of Critical Elements in the Sn–W–Pb–Ag–Zn Huanuni Deposit, Bolivia - Figure 4b (cropped).png
Mineralprobe aus Huanuni (Bolivien) im Dünnschliff mit Černýit, Sphalerit, Arsenopyrit und Galenit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1976-057<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Čný<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel
  • Cu2CdSnS4<ref name="IMA-Liste" />
  • Cu2(Zn,Cd,Fe)SnS4
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.06-090

2.CB.15a
02.09.02.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-skalenoedrisch; 42m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe I42m (Nr. 121)Vorlage:Raumgruppe/121<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,49 Å; c = 10,85 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte ≈ 4<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,776<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Farbe stahlgrau
Strichfarbe schwarz
Transparenz opak
Glanz Metallglanz

Černýit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu2(Zn,Cd,Fe)SnS4 und bildet bis zu 200 μm große, unregelmäßig geformte Körner von stahlgrauer Farbe, die mit Stannit und Kesterit verwachsene Aggregate bilden.

Etymologie und Geschichte

Das Mineral wurde erstmals 1978 von S. A. Kissin, D.R. Owens und W. L. Roberts in der Tanco-Mine in der kanadischen Provinz Manitoba sowie in der Hugo-Mine bei Keystone im US-Bundesstaat South Dakota gefunden. Sie benannten es nach dem tschechisch-kanadischen Mineralogen Petr Černý.

Klassifikation

Da der Černýit erst 1976 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde und die Erstbeschreibung erst 1978 publiziert wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet. Einzig im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/C.06-90. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Černýit zusammen mit Barquillit, Briartit, Famatinit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Keutschit, Kuramit, Luzonit, Permingeatit, Petrukit, Pirquitasit, Rhodostannit, Sakuraiit, Stannit, Toyohait und Velikit die „Stannit-Gruppe“ bildet.<ref name="Lapis" />

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Černýit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“, dort allerdings in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach den in der Verbindung enthaltenen Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Ferrokësterit, Hocartit, Idait, Kësterit, Kuramit, Pirquitasit, Stannit, Velikit die „Stannitgruppe“ mit der System-Nr. 2.CB.15a bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Černýit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Auch hier ist er in der „Stannitgruppe (Tetragonal: I42mVorlage:Raumgruppe/121) A2BCS-Typ“ mit der System-Nr. 02.09.02 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.

Kristallstruktur

Černýit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I42m (Raumgruppen-Nr. 121)Vorlage:Raumgruppe/121 mit den Gitterparametern a = 5,49 Å und c = 10,85 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Černýit bildet sich als seltener Bestandteil in komplex zonierten Pegmatiten. Als Begleitminerale können unter anderem Chalkopyrit, Hawleyit, Pyrrhotin, Sphalerit, Stannit und Kësterit sowie gediegen Bismut auftreten.

Černýit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, die bisher nur in wenigen Proben aus weniger als 10 Fundorten bekannt wurden (Stand 2019). Seine Typlokalität, die Tanco-Mine in der Provinz Manitoba ist dabei der bisher einzige dokumentierte Fundort in Kanada. Neben seiner Co-Typlokalität, der Hugo Mine bei Keystone (South Dakota) fand sich das Mineral noch in der nahe gelegenen Peerless-Mine.

Weitere Funde liegen unter anderem in Waldsassen in Bayern (Deutschland), Hemnes in Norwegen, Kamienna Góra in Polen sowie Salamanca und Cáceres in Spanien bekannt.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Vorlage:Wikidata-Registrierung

  • Černýit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Černýite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Černýit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 12. Dezember 2019. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:Referrer am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Cernyite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 12. Dezember 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>