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2,4,6-Tribromphenol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Strukturformel von 2,4,6-Tribromphenol
Allgemeines
Name 2,4,6-Tribromphenol
Andere Namen
  • Bromol
  • TBP
Summenformel C6H3Br3O
Kurzbeschreibung

weiß bis rötlich-weißer Feststoff<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 204-278-6
ECHA-InfoCard 100.003.890
PubChem 1483
ChemSpider 1438
DrugBank DB02417
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 330,79 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="GESTIS" />

Dichte

2,55 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Schmelzpunkt

89–92 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

244 °C<ref name="GESTIS" />

pKS-Wert

6,08<ref name="WHO">Concise International Chemical Assessment Document (CICAD) für Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit

sehr schlecht in Wasser (71 mg·l−1 bei 15 °C)<ref name="Thermofisher">Vorlage:Thermofisher</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 317​‐​319​‐​400
P: 273​‐​280​‐​302+352​‐​305+351+338<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

2000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

2,4,6-Tribromphenol (TBP<ref></ref>) ist eine chemische Verbindung, die sowohl zu den Phenolen als auch zu den Halogenaromaten zählt. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Hydroxygruppe (–OH) und drei Bromatomen (–Br) als Substituenten. Es wird u. a. als Flammschutzmittel verwendet.<ref name="GESTIS" />

Darstellung

2,4,6-Tribromphenol 2 entsteht durch direkte Bromierung von Phenol 1 mit elementarem Brom in Gegenwart von Kaliumbromid.<ref>L. Gattermann, H. Wieland: Die Praxis des organischen Chemikers, 43. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin · New York 1982, ISBN 3-11-006654-8, S. 230: "2,4,6-Tribromphenol".</ref> Wird Brom dabei im Überschuss verwendet, reagiert das 2,4,6-Tribromphenol zu 2,4,4,6-Tetrabrom-2,5-cyclohexadienon (alter Trivialname: Tribromphenolbrom, Schmelzpunkt 124 °C) weiter.<ref>J. A. Price: The Structure of Tribromophenol bromide. In: J. Am. Chem. Soc. 77, 1955, S. 5436–5437; doi:10.1021/ja01625a081.</ref> Diese Folgereaktion kann mit Iodwasserstoff umgekehrt werden.<ref>H. P. Latscha, H. A. Klein, G. W. Linti: Analytische Chemie: Chemie-Basiswissen III, S. 287 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Darstellung von Tribromphenol durch Bromierung von Phenol mit elementarem Brom
Darstellung von Tribromphenol durch Bromierung von Phenol mit elementarem Brom

Eigenschaften

2,4,6-Tribromphenol bildet weißlich-rosafarbene Schuppen, die bei 87–90 °C schmelzen. Der Siedepunkt liegt bei 282–290 °C. Aufgrund des −I-Effekts der Bromsubstituenten weist es eine höhere Acidität im Vergleich zum Phenol auf. Der pKs-Wert mit 6,08 ist daher deutlich niedriger (Phenol: 9,99<ref>CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, 3. Auflage, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.</ref>).

Reaktionen

Bei der Nitrierung von 2,4,6-Tribromphenol wird das Bromatom an der para-Position von der Nitrogruppe verdrängt, es bildet sich 2,6-Dibrom-4-nitrophenol. Geht man jedoch vom Ethylether des 2,4,6-Tribromphenols aus, so wird die Nitrogruppe an der Position 3 angelagert, es bildet sich also 1-Ethoxy-2,4,6-tribrom-3-nitrobenzol.<ref>K. J. P. Orton: The Nitration of s-Trihalogen Acetanilides. In: J. Chem. Soc., Transactions 81, 1902, S. 501–502; doi:10.1039/CT9028100500; Volltext.</ref> Organismen metabolisieren 2,4,6-Tribromphenol zu 2,4,6-Tribromanisol.<ref>Universität Hohenheim: Halogenierte Naturstoffe (HNPs).</ref><ref>W. Suske: Polybromiert und trotzdem natürlich. In: Chemische Rundschau, Nr. 4, 18. April 2006, S. 31–34; PDF.</ref>

Beim Kochen mit Zinkstaub und Eisessig wird ein Bromatom aus der ortho-Position abgespalten, es entsteht 2,4-Dibromphenol.<ref name="Kohn">Moritz Kohn, Julius Pfeifer: Dehalogenierungen von Bromphenolen. XXIV. Mitteilung über Bromphenole. In: Monatshefte für Chemie. 48(5–6), 1927, S. 211–229, doi:10.1007/BF01518617.</ref>

Umweltrelevanz und Gefahren

Im Elektroschrott wurde in einer 2011 durchgeführten Studie eine durchschnittliche Konzentrationen von 18 ppm gefunden, was das Vorkommen von TBP in elektronischen Geräten bestätigte.<ref>Ruedi Taverna, Rolf Gloor, Urs Maier, Markus Zennegg, Renato Figi, Edy Birchler: Stoffflüsse im Schweizer Elektronikschrott. Metalle, Nichtmetalle, Flammschutzmittel und polychlorierte Biphenyle in elektrischen und elektronischen Kleingeräten. Bundesamt für Umwelt, Bern 2017. Umwelt-Zustand Nr. 1717: 164 S.</ref>

2,4,6-Tribromphenol wurde 2012 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von 2,4,6-Tribromphenol waren die Besorgnisse bezüglich der Einstufung als CMR-Stoff, hoher (aggregierter) Tonnage, hohes Risikoverhältnis (Risk Characterisation Ratio, RCR) und weit verbreiteter Verwendung sowie der Gefahren ausgehend von einer möglichen Zuordnung zur Gruppe der PBT/vPvB-Stoffe. Die Neubewertung fand ab 2012 statt und wurde von Norwegen durchgeführt. Anschließend wurde ein Abschlussbericht veröffentlicht.<ref>Europäische Chemikalienagentur (ECHA): Substance Evaluation Conclusion and Evaluation Report</ref><ref>Community Rolling Action Plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum </ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />