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Acheuléen

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Das Acheuléen (Aussprache [<templatestyles src="IPA/styles.css" />{{#if:|[}}aʃøleˈɛ̃ː{{#if:

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Das Acheuléen ist mit rund 1,8 Millionen Jahren die am längsten andauernde Kulturstufe der Menschheit.

Etymologie

Der Begriff ist von der eponymen Fundstelle (Typlokalität) Saint-Acheul abgeleitet, einem heutigen Stadtteil von Amiens im Département Somme (Picardie) in Nordfrankreich. Hier wurden seit 1838 Faustkeile aus Feuerstein gefunden. An der Stelle des noch erhaltenen Schauprofils befindet sich heute der Archäologische Garten von Saint-Acheul.

Der Heilige Acheul war ein christlicher Märtyrer, der gegen Ende des 3./Anfang des 4. Jahrhunderts von den Römern unter der Regentschaft der Kaiser Maximian/Diokletian enthauptet wurde. Sein Name leitet sich vom Lateinischen Aciolus ab. Vergleichbar sind die Namen Acceul und Ache, wobei der Heilige Ache ebenfalls enthauptet wurde.

Erstbeschreibung

Die charakteristischen Faustkeile stammen aus einer Terrasse der Somme östlich von Amiens. Nach Besuchen sowohl von Abbeville als auch in Saint-Acheul durch den Geologen Joseph Prestwich wurde endlich das recht hohe Alter der Steinwerkzeuge akzeptiert. Prestwichs Bericht zu dieser Sache wurde in den Proceedings of the Royal Society für 1859/1860 veröffentlicht.

Die Steinartefakte wurden im Jahr 1872 erstmals von Louis Laurent Gabriel de Mortillet als Teil der L'époque de Saint-Acheul beschrieben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Jahr 1925 wurde diese Steinzeitindustrie in Acheuléen (engl. Acheulean) umbenannt.

Einführung

Während das Alt-Acheuléen dem Altpaläolithikum angehört, wird – je nach Bearbeiter – zum Teil bereits das Mittelacheuléen,<ref name="Neue Forschungen Altpaläolitikum">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> einheitlich jedoch das Jungacheuléen durch das Vorhandensein der Levalloistechnik dem Mittelpaläolithikum zugeordnet.<ref name="Bosinski 1967">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Werkzeuge des Acheuléens treten in Afrika erstmals im Early Stone Age vor etwa 1,95 Millionen Jahren auf.<ref name="Mussietal23">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="Lepre u. a., 2011">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Ihnen voran gingen Geröllgeräte des Oldowans als älteste Werkzeuge der Menschheit. Als Hersteller der Faustkeilkulturen kommen die gleichzeitig in Ostafrika existierenden Hominini-Arten Homo habilis, Homo rudolfensis und Homo ergaster bzw. Homo erectus – Letzterer trat erstmals vor rund 1,8 Millionen Jahren in Erscheinung – in Frage.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Faustkeile erscheinen im gesamten Afrika und in den meisten Regionen Eurasiens, wo sie jedoch erst deutlich später, vor etwa 600.000 Jahren häufiger nachgewiesen sind.

Neben Faustkeilen gibt es im Acheuléen weitere typische Steinwerkzeuge. In Afrika sind das große Hackmesser (Cleaver) und Abschläge, im europäischen Acheuléen vor allem Schaber und kleine Faustkeile, die auch Fäustel genannt werden.

Forschungsgeschichte

Datei:Biface de St Acheul MHNT.jpg
Faustkeil aus Saint-Acheul

Die bis zu wahrscheinlich etwa 500.000 Jahre alten Fundschichten von Saint-Acheul wurden 1838 von Jacques Boucher de Perthes entdeckt. Jedoch hatte zuvor bereits John Frere im Jahre 1797 einige Faustkeile vom Fundplatz Hoxne in Suffolk bei der Society of Antiquaries of London eingereicht, die aber von der Wissenschaft nicht akzeptiert wurden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Auch die Funde von Boucher de Perthes wurden zunächst abgelehnt, bis Marcel Jérôme Rigollot in denselben Schichten weitere Faustkeile fand, deren Alter vom Geologen Joseph Prestwich bestätigt wurde.

Ab 1869 schuf Gabriel de Mortillet anhand von namengebenden (eponymen) Fundstellen in Frankreich eine Klassifizierung und Nomenklatur der Perioden des Paläolithikums unter Einbeziehung des Acheuléens.<ref>Gabriel de Mortillet: Essai d’une classification des cavernes et des stations sous abri fondée surles produits de l’industrie humaine. In: Materiaux pour l’histoire de l’Homme. 5, Paris 1869, S. 172–179.
Gabriel de Mortillet: Classification des diverses périodes de l’age de la pierre. In: Revue d’Anthropologie. I, Paris 1872, S. 432–435.</ref> Das europäische Acheuléen (ab ca. 600.000 vor heute) wurde 1924 von Hugo Obermaier in Alt- und Jung-Acheuléen geteilt (Grenze bei ca. 300.000 vor heute). Klaus Günther führte 1964 zusätzlich das Spätacheuléen ein. Heute gilt eine – chronologisch nicht klar fassbare Unterteilung – in Alt-, Mittel- und Jung-Acheuléen.

Besonders das Ende des Acheuléens ist unklar umrissen, zum Beispiel im subsaharischen Afrika beim Sangoan. So zeigt sich, dass viele Inventare der von Gerhard Bosinski eingeführten „Lebenstedter Gruppe“ des Jung-Acheuléens<ref name="Bosinski 1967" /> heute in die mittlere Würm-Kaltzeit bzw. Weichsel-Kaltzeit (60.000 bis 50.000 vor heute) zu datieren sind und der eponyme Fundplatz von Salzgitter-Lebenstedt in das Micoquien zu stellen ist. Daneben bestehen während der frühen Weichsel-Kaltzeit unscharf definierte Grenzen zwischen Acheuléen und Moustérien de tradition Acheuléen (MTA) – zum Beispiel Fundstelle Ochtmissen bei Lüneburg. Hauptcharakteristikum ist stets das Vorhandensein von Faustkeilen, verbunden mit einer großformatigen Abschlag-Industrie mit Schabern.<ref name="Bosinski 1967" /> Sowohl die evolutionistische Sichtweise eines primitiven Acheuléens (Abbevillien oder Protoacheuléen), als auch die Gegenüberstellung faustkeilfreier Inventare als Clactonien sind heute überholt. Obwohl ein genereller Entwicklungstrend zu regelmäßigen und dünneren Faustkeilen besteht, kommen diese vereinzelt schon vor mindestens 500.000 Jahren vor, zum Beispiel im Boxgrove Quarry in England.

Geographische Verbreitung

Datei:Bifaz Handhaxe Biface.gif
Typischer bifazialer (das heißt beidseitig bearbeiteter) Faustkeil des Acheuléens

Die geographische Verbreitung des Acheuléens ist in paläoklimatischen und ökologischen Faktoren begründet, wobei sowohl die Eiszeiten als auch die Desertifikation der Sahara eine Rolle gespielt haben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Werkzeuge des Acheuléens wurden auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gefunden, bis hin zum Regenwald am Kongo. Die Verbreitung nach Norden erfolgte vermutlich über Kleinasien und die Arabische Halbinsel ins heutige Iran<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und Pakistan bis nach Indien und darüber hinaus. Die so genannte Movius-Linie, die die weiteste geographische Ausbreitung der Faustkeilkulturen in Asien anzeigen soll, gilt heute jedoch als veraltet, da Faustkeile auch in Südostasien gefunden wurden. Neue Funde aus Südchina (zum Beispiel Bose-Region) sowie von der philippinischen Insel Luzon zeigen die Verbreitung von Faustkeilen bis ins östliche Südostasien an und damit weit jenseits der Movius-Linie.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

In Europa ist die Einführung von Faustkeilen im mediterranen Raum bereits vor etwa 900.000 Jahren belegt,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> nördlich der Alpen dagegen frühestens vor etwa 600.000 Jahren (Fundplatz Boxgrove Quarry).

Datierung

Absolutalter von frühen Steinwerkzeugen können durch Techniken wie beispielsweise Radiometrie – gewöhnlich Kalium-Argon-Datierung – und Magnetostratigraphie ermittelt werden. So konnten Faustkeile aus der Konso-Formation (sie befanden sich in vulkanischen Aschen) in Äthiopien auf 1,5 Millionen Jahre radiometrisch datiert werden.<ref name="Asfaw">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Ein vergleichbares Alter von bis zu 1,5 Millionen Jahren vor heute besaßen Steinwerkzeuge des Acheuléens in Südasien (Südindien).<ref name="Pappu">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Jahr 2003 konnten dann Proben aus der West-Turkana-Region Kenias beschrieben werden, deren Alter mittels magnetostratigraphischer Methoden auf 1,76 Millionen Jahre bestimmt wurde.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Funde aus Äthiopien erbrachten im Jahr 2023 sogar Alter von rund 1,95 Millionen Jahren.<ref name="Mussietal23" />

Zeitstufen

Datei:Bifaz de San Isidro (M.A.N. 1942-101-4-4723) 01.jpg
Acheuléen-Faustkeil, Fundort San Isidro bei Madrid, etwa 200.000 Jahre alt

Das Acheuléen folgte auf das vorangegangene Oldowan.

In der habituellen Vierteilung der prähistorischen Steinzeitindustrien nehmen Artefakten des Acheuléens den Modus 2 ein, der auf den Modus 1 des Olduwans bzw. Abbevilliens folgte und bereits eine technische Fortentwicklung darstellt. Dennoch reichte der Modus 2 keinesfalls an das Niveau des anschließenden Modus 3 heran, der ins Mittelpaläolithikum gehört und vom Moustérien repräsentiert wird. Der Modus 3 entwickelte sich erstmals vor 500.000 Jahren in Afrika, jedoch erst ab 385.000 Jahren in Indien. Die Industrien des Modus 4 erschienen erst lange nachdem das Acheuléen aufgegeben worden war.

Das Acheuléen wird seinerseits wie folgt unterteilt:

Alt-Acheuléen

Sogenannte Protofaustkeile in Afrika werden der Stufe des Alt-Acheuléens zugeordnet. Auf ein Alter von 1,76 Mio. Jahre datierte Funde stammen beispielsweise aus Kokiselei vom Westufer des Turkana-Sees in Kenia;<ref name="Lepre u. a., 2011" /> nahezu gleich alte, auf 1,75 Mio. Jahre datierte Funde stammen aus der Konso Formation im südlichen Äthiopien und wurden – wie die Funde vom Turkana-See – mit Homo erectus in Verbindung gebracht.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Ebenfalls mit Homo erectus assoziiert sind rund 1,95 Millionen Jahre alte Funde von Steingerät und Knochen aus der Fundstelle Garba IV von Melka Kunturé in Äthiopien.<ref name="Mussietal23" />

Die ältesten Funde des nordalpinen Europas stammen vom Fundplatz Boxgrove Quarry. Der Großteil der europäischen Acheuléen-Funde fallen jedoch in die Holstein-Warmzeit und in die anschließende Abkühlungsphase des frühen Saale-Komplexes. Die Mehrzahl der Fundorte im Vereisungsgebiet dürfte durch Solifluktion der nachfolgenden Saalekaltzeit (bzw. alpinen Riß-Kaltzeit) zerstört worden sein.

Der Faustkeil stellt hierbei die wichtigste Zäsur bei den Steinwerkzeugen dar. Erstmals wurden für einzelne Tätigkeiten spezialisierte Typen hergestellt. Faustkeile bilden oft nur einen geringen Teil im Fundniederschlag des Acheuléens. Weitaus häufiger sind Abschläge und daraus gearbeitete Geräte (zum Beispiel Schaber).

Mittel-Acheuléen

Im Mittel-Acheuléen verbessert sich die Fundlage. Neue und besser bearbeitete Geräte wurden gefunden. Die Faustkeile sind lanzenförmig, die Abschlaggeräte zahlreich. Es finden sich Schaber, Spitzen, gezähnte Werkzeuge und Bohrer. Bereits ab dem mittleren Acheuléen wurden vereinzelt Geräte in der sogenannten Levalloistechnik (Schildkern-Technik) hergestellt,<ref name="Neue Forschungen Altpaläolitikum" /> die für das Mittelpaläolithikum typisch werden. Das Mittel-Acheuléen ist in Westeuropa weit verbreitet, Funde gibt es aus ganz Frankreich, England (Swanscombe-Schädel) und Belgien.

In Südafrika entdeckte, 500.000 Jahre alte Steinartefakte wurden im Jahr 2012 als Projektilspitzen interpretiert; sollte diese Deutung korrekt sein, wären die aus der Fundstelle Kathu Pan 1 (KP1) stammenden Funde die ältesten Belege für die Nutzung von Speeren.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Jung-Acheuléen

Datei:Vuistbijl in silex, 250 000 tot 38 000 BP, vindplaats- Meeuwen, In den Damp, 21.10.1985.jpg
Mittelpaläolithischer Faustkeil aus Feuerstein, Fundort Meeuwen (Belgien), Gallo-Römisches Museum Tongeren

In die Zeit des Jungacheuléens – es beginnt in der späten Riß-Kaltzeit (bzw. Saale-Kaltzeit) und endet zu Beginn der letzten Kaltzeit – fällt der Übergang vom Homo erectus zum Neandertaler. Die hergestellten Werkzeuge gewannen weiter an Qualität. Es treten lanzenförmige aber auch herz- und mandelförmige Faustkeile auf, die sich durch fein herausgearbeitete Spitzen und geradlinige Seitenkanten auszeichnen. Die teilweise über die reine Funktionalität hinaus gestalteten Faustkeile werden als Anzeichen ästhetischen Empfindens interpretiert. Die mit Levalloistechnik bearbeiteten Geräte bilden innerhalb der Jungacheuléen-Inventare oft eine Teilmenge. Abschlaggeräte sind oft vom typischen Moustérien kaum noch zu unterscheiden. Funde gibt es aus Frankreich, England, Belgien, Portugal und Spanien.

Spätacheuléen

Die letzte Stufe, das Spätacheuléen, lag zum Teil im selben Zeitraum wie die folgenden Stufen des Micoquiens bzw. des Moustériens. Gleichzeitig mit dem Acheuléen erscheinen die Kulturen des Clactoniens und des Tayaciens. Die Kultur des Acheuléens endete in Afrika und im Nahen Osten vermutlich früher als in Europa und Asien.<ref name="Key">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

In Europa und in Westasien benutzten frühe Neandertaler anfangs noch die Technologie des Acheuléens, wechselten aber ab zirka 320.000 Jahre vor heute zum fortgeschritteneren Moustérien über. Dieser Verdrängungsprozess war in Europa und im Nahen Osten um 125.000 Jahre vor heute abgeschlossen. Auch in Afrika war das Acheuléen zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden. Dennoch besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich das Acheuléen in Ostasien bis 50.000 Jahre vor heute gehalten hat.<ref name="Key" />

Das Ende des Acheuléens ist nur schlecht definiert. Falls das Sangoan (bzw. Epi-Acheuléen) zum Acheuléen hinzugerechnet wird, so dauerte es insgesamt bis zum Beginn der Eem-Warmzeit um 130.000 Jahre vor heute.

Neuvorschlag

Im Jahr 2016 machten L. Gonen Sharon und Deborah Barsky einen Neuvorschlag zur Gliederung des Acheuléens, der folgende einfachere Dreiteilung umfasst (von jung nach alt):<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

  • Spätes Acheuléen (Late Acheulean) – 500.000 bis 100.000 Jahre vor heute
  • Großabschlag-Acheuléen (Large Flake Acheulean oder abgekürzt LFA) bzw. Mittleres Acheuléen<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> – 1000.000 bis 500.000 Jahre vor heute
  • Frühes Acheuléen (Early Acheulean) – 1950.000 bis 1000.000 Jahre vor heute

Das LFA kennzeichnet sich durch die Herausbildung einer Vielzahl von volumetrisch komplexer Bearbeitungsabläufen aus. Ziel ist die Gewinnung von Ausgangsstücken (engl. blanks), die dann nur noch geringer Abänderung bedürfen, um schließlich standardisierte große Schneidwerkzeuge (engl. Large Cutting Tools oder abgekürzt LCTs) zu erhalten. Mit dem LFA beginnt in Westeuropa das Acheuléen, das Frühe Acheuléen fehlt hier.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Das LFA tritt vor allem auf der Iberischen Halbinsel auf, kann aber gelegentlich auch in Südwestfrankreich und in Griechenland angetroffen werden.

Lebensweise

Über die Lebensweise des Homo erectus geben die Fundplätze des Acheuléens Auskunft. Die meisten Fundstellen sind Freilandfundplätze. Erst später wurden zunehmend auch Höhlen bewohnt. Erste Spuren der Nutzung des Feuers finden sich in der Mindel-Kaltzeit (bzw. Elster-Kaltzeit). Größeres Wild, zum Beispiel Waldnashorn und Waldelefant, wurde bereits regelmäßig gejagt, wie man aus dem recht häufigen Fund von Knochen zusammen mit Werkzeugen des Acheuléens erkennen kann. Gräber haben sich nicht erhalten. Man weiß auch nichts über die soziale Organisation oder religiöse Ansichten der damaligen Menschen.

Steinwerkzeuge, die 2008 und 2009 von einem amerikanisch-griechischen Forschungsteam bei Plakias an der südwestlichen Küste Kretas gefunden wurden, legen die Vermutung nahe, dass die Frühmenschen womöglich schon vor 700.000 Jahren in der Lage waren, als Seefahrer ferne Küsten zu erreichen.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:On Crete, New Evidence of Very Ancient Mariners|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=On Crete, New Evidence of Very Ancient Mariners}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://www.nytimes.com/2010/02/16/science/16archeo.html%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=On Crete, New Evidence of Very Ancient Mariners}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://www.nytimes.com/2010/02/16/science/16archeo.html}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=On Crete, New Evidence of Very Ancient Mariners}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:The New York Times2010-02-15{{#if: 2010-07-05 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Ausbreitung

Ausgehend von Ostafrika erreichte die Kultur des Acheuléens relativ rasch den Nahen Osten und Indien, aber erst sehr viel später Europa. In Indien lässt sich die Kultur bereits 1,5 Millionen Jahre vor heute nachweisen, im Nahen Osten mit der Fundstätte Ubeidiya in Israel um 1,4 Millionen Jahre vor heute.

In Europa folgt das Acheuléen mit sehr starker Verzögerung erst ab 760.000 Jahren vor heute auf das Oldowan. Dennoch werden aber bereits ab 850.000 Jahren vor heute erste Faustkeile in Spanien angetroffen. So sind seltene Funde im Mittelmeerraum (beispielsweise von Barranc de la Boella bei Tarragona in Spanien) bereits eindeutig vor 700.000 Jahren vor heute anzutreffen.

Nach der Brunhes-Matuyama-Umkehr vor 780.000 Jahren lässt sich beispielsweise in Italien eine Faunenerneuerung feststellen, gleichzeitig war die Fauna des Villafranchiums am Verschwinden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Gleichermaßen war ein Rückgang in den Steinindustrien des Altpaläozoikums zu beobachten, welcher eine bedeutende demographische Bevölkerungsabnahme – wenn nicht sogar ein totales Verschwinden homininer Populationen – nahelegt.<ref name="Di Vicenzo">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Erst ab MIS 16 vor 650.000 Jahren lassen sich in Europa mit menschlichen Überresten assoziierte Artefakte des Acheuléens dokumentieren.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Diese Überreste unterscheiden sich jetzt aber durch ihre neuartige Morphologie vom bisher während des Altpaläozoikums in Spanien anzutreffenden Homo antecessor.<ref name="Di Vicenzo" />

Datei:Atlanthropus mauritanicus.jpg
Unterkiefer des Atlanthropus mauritanicus von Tighennif in Algerien

Die entdeckten Steinwerkzeuge und die fossil erhaltenen Skelettfragmente lassen zum Zeitpunkt der Matuyama-Brunhes-Umkehr eine deutliche Diskontinuität erkennen. Diese verweist auf eine eventuelle Verbreitung prähistorischer Menschen von Afrika über den Nahen Osten nach Europa. Die Unterkiefer von Mauer in Deutschland und von der Höhle von Arago in Frankreich zeigen keinerlei Ähnlichkeiten mit den Unterkiefern des Homo antecessor aus der Gran Dolina der Sierra de Atapuerca in Spanien. Vielmehr stehen sie den 700.000 Jahre alten Unterkiefern von Tighennif in Algerien nahe.

All dies verstärkt die Hypothese, nach der Homo heidelbergensis aus Afrika eingewandert war und sich in Eurasien ausgebreitet hatte – mitsamt seiner Steinwerkzeuge des Acheuléens.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Gleichzeitig wird damit die Hypothese gestützt, dass Homo heidelbergensis der letzte gemeinsame Vorfahre von Homo neanderthalensis (in Europa), Homo sapiens (in Afrika) und Homo altaiensis (auch Denisova-Mensch – in Asien) gewesen sein dürfte.<ref name="Di Vicenzo" />

Fundstätten in Deutschland

Fundstätten weltweit

Datei:Acheulean hand-axe from Egypt. Found on a hill top plateau, 1400 feet above sea level, 9 miles NNW of the city of Naqada, Egypt. Paleolithic. The Petrie Museum of Egyptian Archaeology, London.jpg
Faustkeil des Acheuléens, 15 Kilometer nordwestlich von Naqada in Ägypten
  • Ägypten
    • Umgebung von Naqada<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
  • Äthiopien
    • Gadeb<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> – 1450.000 bis 700.000 Jahre vor heute
    • Konso-Gardula – 1500.000 Jahre vor heute<ref name="Asfaw" />
    • Melka Kunturé<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
  • Algerien
    • Tabelbala-Tachenghit<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Tighennif<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> – schätzungsweise 700.000 Jahre vor heute
  • Aserbaidschan
    • Asych-Höhle in Bergkarabach – über 300.000 Jahre alt. Die Höhle enthält aber auch dem Oldowan ähnelnde Fund, die mit 730.000 bis 1500.000 Jahre vor heute angegeben werden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
  • Demokratische Republik Kongo
    • La Kamoa<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Datei:Swanscombe occipital 01.jpg
Swanscombe-Schädel mit Hinterhauptloch
  • England
    • Barnham, Suffolk (East Farm) – zirka 400.000 Jahre vor heute. Älteste bekannte Feuerstelle.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Beeches Pit nordwestlich von Bury St Edmunds in Suffolk – zirka 400.000 Jahre vor heute. Zusammen mit Barnham älteste Nachweise für die Nutzung des Feuers in Europa.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Boxgrove – um 505.000 Jahre vor heute – MIS 13<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Brandon Fields – MIS 15
    • Fordwich Pit bei Canterbury in Kent – 712.000 bis 424.000 Jahre vor heute – MIS 15<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Happisburgh in Norfolk – 866.000 bis 814.000 Jahre vor heute (MIS 21), auch 970.000 bis 936.000 Jahre vor heute (MIS 25) wird angegeben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Jahr 2013 wurden hier die mehr als 800.000 Jahre alten Fußabdrücke von Happisburgh gefunden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Hoxne in Suffolk<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Pakefield in Suffolk – MIS 15 – zirka 700.000 Jahre vor heute<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
    • Swanscombe-Schädel von Swanscombe in Kent – ungefähr 400.000 Jahre vor heute<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Datei:Musée de Picardie, bifaces provenant du moulin Quignon (Abbeville) 1.jpg
Faustkeile aus Moulin Quignon bei Abbeville
Datei:Homo sapiens from Jebel Irhoud.jpg
Rekonstruierter Schädel des archaischen Homo sapiens vom Djebel Irhoud, zirka 315.000 Jahre alt
Datei:Sima de los Huesos Crania.png
Die 17 Schädel aus der Sima de los Huesos

Literatur

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Photogalerie

Weblinks

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Belege

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