Alexander Gentz
Ludwig Alexander Gentz (* 14. April 1826 in Neuruppin; † 5. Juli 1888 in Stralsund) war ein preußisch-deutscher Unternehmer.
Leben
Alexander Gentz war das drittes von fünf Kindern des Unternehmers Johann Christian Gentz (1797–1867) und dessen Ehefrau Juliana (1787–1852) und jüngerer Bruder des Malers Wilhelm Gentz (1822–1890). Er besuchte eine Handelsschule in Magdeburg und unternahm anschließend Reisen nach Frankreich, Französisch-Algier und England zur Vervollkommnung seiner kaufmännischen, kulturellen und Sprachbildung; in Paris erlebte er im Februar 1848 die bürgerliche Revolution, die er zeit seines Lebens verteidigte. In Algier prägte er die Liebe zur orientalischen Kultur aus. Nach Hause zurückgekehrt, arbeitete er in den väterlichen Unternehmungen.
Im Jahre 1853 kauften Vater und Sohn Gentz in Neuruppin die ehemalige Gartenanlage des preußischen Kronprinzen Friedrich; sie beschlossen, sie in Memoriam an den Aufenthalt Friedrichs herzurichten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das „Heiligtum“ (Alexander Gentz an Theodor Fontane am 10. April 1873) des Gartens, ein kleiner Tempel, der das Erstlingswerk des späteren friderizianischen Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff darstellt, wurde restauriert und mit Friederiziana ausgestaltet; nach diesem Bauwerk heißt der Garten heute „Tempelgarten“. Weitere Baulichkeiten, wie die Umfassungsmauer, die Villa und das Gärtnerwohnhaus, wurden zum großen Teil von Alexander Gentz selbst entworfen und entstanden – alle ausnahmslos im orientalisierenden Stil – geplant und errichtet von dem Berliner Architekten Carl v. Diebitsch (1822–1869). Er war ein Studienfreund des Bruders Wilhelm; sie lernten sich 1847 auf der Al Hambra im südspanischen Andalusien kennen.
1856 heiratete Alexander Gentz die Tochter des Heinrich-Heine-Verlegers Julius Campe, Helene, aus Hamburg. Ihrer Ehe entsprangen sieben Kinder, zu denen fünf weitere an Kindesstatt aufgezogen wurden. Im Jahr darauf übernahm Alexander alle Geschäfte, das Bankhaus und das Torfunternehmen seines Vaters.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0
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}}</ref> 1857 begannen Vater und Sohn mit dem Erwerb und Tausch zahlreicher, großer Grundstücke um Neuruppin mit dem Ziel, ein Familiengut zu errichten, auf dem der im Dezember 1857 als Gut Gentzrode benannte landwirtschaftliche Musterbetrieb entstand; dies war ein Vorschlag des Malerkollegen von Wilhelm Gentz in Paris, Rudolf Henneberg.
Das Gentz'sche Torfunternehmen beschäftigte zwischen 1860 und 1878 regelmäßig tausend Arbeiter im Wustrauer/Fehrbelliner Luch. Die Arbeiter und ihre Familien wohnten in den umliegenden Dörfern. Für den Transport des Haus- und Industriebrandes nach Berlin als Ausgangspunkt für den Verkauf wurde ein umfangreiches Kanalsystem mit Wasserbauten durch Genehmigung der Königlichen Regierung geschaffen und finanziert:der Fehrbelliner Schifffahrtskanal. Die preußischen Kriege 1866 und 1870/1871 auferlegten nach Schätzung durch die Königliche Regierung Kanal-Steuern, die um ein Vielfaches höher waren als das tatsächliche Einkommen.
In Neuruppin engagierte sich der Kaufmann für die Belange der Stadt; jungen Kaufleuten half er materiell und finanziell bei der Begründung deren Geschäfte. Für die Schuljugend öffnete er den Tempelgarten zur sportlichen Betätigung und unterstützte Bildungsaufgaben. Er mitbegründete 1865 das Komitee für die Errichtung eines Denkmals für seinen Landsmann, den Architekten Karl Friedrich Schinkel, das 1883 in der Stadtmitte entstand. So wurde er auch zum Unbesoldeten Senator Neuruppins gewählt. Als jedoch im Mai 1873 der Wiener Gründerkrach die große Wirtschaftskrise einleitete und die französischen Kriegskontributionen nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) den deutschen Kapitalmarkt zu überschwemmen drohten und die Nachfrage nach Wertpapieren die Aktien stürzen ließen, erlitt das Bank- und „Handelshaus J. C. Gentz“ irreparable finanzielle Schäden, denen schließlich am 4. Juni 1880 die Anmeldung des Konkurses aller Unternehmungen Gentz’ folgte. Die Stadt Neuruppin, die ihren Senator auch in Neid und Missgunst ob seiner wirtschaftlichen Erfolge gegenüberstand, ließ den Unternehmer zunächst des Bankrotts, schließlich des betrügerischen Bankrottes anklagen. Obwohl Gentz für die geprüften 17 Wirtschaftsjahre sämtliche Transaktionen eindeutig nachweisen und innerhalb von sechs Wochen alle Forderung der 130 Gläubiger bediente, wurde der Unternehmer am 14. Juni 1880 in (viermonatige) Untersuchungshaft genommen, vor dem Landgericht Neuruppin angeklagt und verurteilt. „Keine Hand in Neuruppin regte sich für ihn“, beschrieb ein Mündel Alexanders und Helenes, Hugo Jeltsch, die Situation. Auch in Berlin löste der Konkurs und das Gerichtsverfahren gegen den allgemein bekannten, geschäftstüchtigen und sympathischen Alexander Gentz große Bestürzung in politischen, wirtschaftlichen und Künstlerkreisen aus.
1881 verkaufte er den Tempelgarten, und zwar an den Bieter, der seine einzige Bedingung erfüllte: ihn für die Ruppiner immer offen zu halten; an den Kreis Ruppin. Auch das Gut Gentzrode, das von der Konkursmasse als wirtschaftlich erfolgreich arbeitender landwirtschaftlicher Betrieb ausgenommen worden war, veräußerte er. Immer wieder fanden seine Kunstwerke und Buchbände Eingang in die Kunstauktionshäuser, um mit dem erzielten Geld die exorbitant hohen Anwalts- und Gerichtskosten zu begleichen.
Am 11. Mai 1883<ref>Irina Rockel. Wilhelm Gentz. Stapp Verlag, Berlin 1997, S. 179, ISBN 3 87776 180 1. - Deutscher Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger. Amtliches Mitteilungsblatt für den Nationalstaat Deutschland, seinen Bundesstaaten und dem Deutschen Reich Leipzig (1883-5-11), S. 2</ref> hob das Deutsche Reichsgericht in Leipzig das Urteil gegen den Kaufmann Alexander Gentz auf, sprach ihm von allen Vorwürfen frei und kritisierte das Neuruppiner Gerichtsverfahren. Doch das Amtsgericht klagte ihn wegen „Bankrutts“ noch einmal an und verurteilte ihn zu einer 5 1/2 monatigen Haft, von der die Untersuchungszeit der ersten Verurteilung abgezogen wurde; zwischen Oktober und November 1883 trat er seine Haft an. Der Börsen-Courier vom 12. Mai 1883 berichtete ausführlich darüber.
Zwei Jahre später verließ Alexander Gentz mit seiner Familie seine Heimatstadt und ließ sich in Stralsund nieder. Hier hatte er die Fischkonservenfabrik W. Palm erworben, die er bis zu seinem Tode am 5. Juli 1888 bewirtschaftete; sie wurde zunächst von Ehefrau Helene († 1894), dann von Sohn Robert (1868–1928) weiter betrieben.
Die Gentzens waren die Nachbarn der Eltern von Theodor Fontane (1819–1898). Der Schriftsteller hatte zeitlebens einen intensiven Kontakt zu Alexander Gentz und später auch zu dessen Bruder Wilhelm (1822–1890), der nach einer über zehnjährigen künstlerischen Ausbildung in Frankreich in Berlin als Orientmaler lebte. Ab 1860 unterstützte Alexander Gentz den Schriftsteller Fontane in vielfältiger Form bei den Arbeiten an dessen Reisewerk Grafschaft Ruppin, das später auf insgesamt vier Bände anwuchs und mit der 2. Auflage den zusammenfassenden Titel „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ trug; „Die Grafschaft Ruppin“ blieb der erste Teil. Gentz ließ Fontane in seinem Hause nächtigen oder übernahm die Beherbungs- bzw. Bewirtungskosten für ihn, stellte ihm das Pferdefuhrwerk zur Verfügung oder wanderte mit ihm durch das Ruppiner Land. Auf Anfragen von Fontane schrieb er auch Manuskripte für den Wanderungsband, so zum Vater Johann Christian Gentz und Gentzrode, den Tempelgarten und den Kronprinzen Friedrich in Preußen. Er öffnete Fontane durch seine Fürsprache so manche Tür adeliger Häuser in Ruppin und recherchierte die historischen Fakten fast aller ruppinschen Städte und Dörfer für ihn. Ohne Alexander Gentz ist der erste Wanderungsband „Die Grafschaft Ruppin“, der zu Lebzeiten Fontanes fünf Auflagen erlebte, welche eine jede umgearbeitet bzw. erweitert worden war, nicht denkbar.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> „Gentzrode“ bildet seit der 3. Auflage (1875) den Schluss des 1. Bandes der „Wanderungen“; das Kapitel wurde 1895 für die letzte, die 5. Ausgabe des Wanderungsbandes noch erweitert und bietet darin ein Lebensbild des „eingekapselten“ Alexander Gentz’; allerdings vorurteilsvoll und ungenau – denn obwohl Fontane um den Bankrott wusste und Kenntnisse von der Aufhebung des Neuruppiner Urteils durch das Reichsgericht 1883 besaß, sprach er ihm eine verschwenderische Lebensweise zu und ignorierte die wirtschaftlich-politische Situation der Zeit.
Fontane erwähnte ihn mehrfach in seinen Notizbüchern.<ref>Gentz, Alexander. In: Register zu Gabriele Radecke (Hrsg.): Theodor Fontane: Notizbücher. fontane-nb.dariah.eu abgerufen am 19. November 2020.</ref>
Heute erinnert die Stadt Neuruppin auf dem Ehrenhain berühmter Neuruppiner – wie die Bilderbogenfabrikanten – an ihren ehemaligen Senator und Herzblut-Neuruppiner, den Kaufmann Alexander Gentz; 1928 wurde eine Straße nach der Familie benannt und sein 200. Geburtstag mit einer großen Festveranstaltung im Museum Neuruppin und einer ständigen Ausstellung in der Türkischen Villa im Tempelgarten begangen.
Literatur
- Ferdinand Heydemann: Die neuere Geschichte der Stadt Neu-Ruppin. Oehmigke & Riemschneider, Neu-Ruppin 1863.
- Vorlage:FontaneWanderungen
- Fritz Hagen: Alexander Gentz. Neuruppin 1931.
- Irina Rockel: Alexander Gentz. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 14. April 1994.
- Irina Rockel: Der Tempelgarten Neuruppin. Karwe / Berlin 1996.
- Irina Rockel: Wilhelm Gentz. Dissertation A, Humboldt-Universität Berlin, Berlin 1996.
- Vorlage:DeutBiogrEnz
- Irina Rockel: Gentzrode. Karwe 2020, ISBN 978-3-947259-27-4.
Weblinks
- Alexander Gentz. ruppin.de
Einzelnachweise
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