Alibi
Vorlage:Hinweisbaustein Ein Alibi ist in der Kriminalistik der Beweis darüber, dass ein Beschuldigter oder Verdächtiger sich zur Tatzeit nicht am Tatort aufgehalten hat und somit als Täter nicht in Frage kommt.
Etymologie
Das Wort Alibi setzt sich aus dem Adverb für „ein anderer“ ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) und aus „da, dort“ ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) zusammen, bedeutet also „anderswo, an einem anderen Ort“.<ref>Gerhard Köbler, Etymologisches Wörterbuch, 1995, S. 12</ref> Es tauchte ersichtlich erstmals im Jahre 1784 bei Georg Jacob Friedrich Meister im deutschen Strafrecht auf, als er „beim Angeklagten die Unerweislichkeit des Alibi“ erkannte.<ref>Georg Jacob Friedrich Meister, Rechtliche Erkenntnisse und Gutachten in peinlichen Fällen, Teil 3, 1783, S. 75</ref> Wegen des lateinischen Wortursprungs wird es auch in den meisten neolateinischen Sprachen<ref>bis auf das Spanische coartada</ref> und vielen weiteren Fremdsprachen (etwa Englisch, Polnisch, Russisch, Ungarisch) „Alibi“ genannt.
Allgemeines
Wer zur Tatzeit einen Zeitraum nachweisen kann, während dem er sich nicht am Tatort befunden haben kann, besitzt ein „wasserdichtes“ Alibi. Alibi ist also die Abwesenheit vom Tatort zur Tatzeit.<ref>Hans Schulz/Otto Basler/Gerhard Strauss, Deutsches Fremdwörterbuch, Band 1, 1995, S. 362 ff.</ref> Bei einer Alibi-Behauptung macht der Beschuldigte geltend, zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen zu sein. Es handelt sich dabei um ein qualifiziertes Bestreiten. Es besteht ein logischer Zusammenhang zwischen der Bestimmung der Tatzeit und der Alibi-Behauptung: Je größer die Zeitspanne der möglichen Tatzeit ist, umso geringer ist die Aussicht, einen schlüssigen Alibi-Beweis zustande zu bringen.<ref>Hinrich de Vries, Einführung in die Kriminalistik für die Strafrechtspraxis, 2015, Rn. 266</ref>
Rechtsfragen
Die Alibi-Überprüfung ist eine Unterform der Vernehmung<ref>Klaus Habschick, Erfolgreich Vernehmen, 2016, S. 193</ref> gemäß {{#switch: juris
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Hat ein Verdächtiger kein Alibi oder hat sich eine Alibi-Behauptung als falsch erwiesen, so ist dies kein Beweisindiz für die Täterschaft.<ref>BGH NStZ 1999, 423</ref> Das Scheitern des Alibi-Beweises darf nicht als Indiz für die Täterschaft des Angeklagten gewertet werden.<ref>BGH StV 1982, 158, 159</ref> Ein vorgetäuschtes Alibi ist zulässiges Verteidigungsverhalten, das nicht strafschärfend gewertet werden darf.<ref>BGH, Beschluss vom 9. Oktober 2012, Az.: 5 StR 453/12</ref> Schenkt der Tatrichter mithin dem Alibi-Zeugen keinen Glauben, so ist damit zwar eine Verteidigungsmöglichkeit des Angeklagten gescheitert. Dieser Fehlschlag kann aber für sich allein, das heißt ohne Rücksicht auf seine Gründe und Begleitumstände, kein Beweisanzeichen für die Täterschaft abgeben.
Falsche Alibis können im deutschen Strafrecht beim „Alibi-Zeugen“ ein Strafverfahren wegen Strafvereitelung, falscher uneidlicher Aussage sowie Meineid nach sich ziehen; im angloamerikanischen Recht liegt Strafvereitelung ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) vor.
Arten
Unterschieden wird zwischen dem technischen und dem personellen Alibi. Das technische Alibi berücksichtigt, dass der Verdächtige anhand von z. B. Eintrittskarten, Fahrkarten, datierten Fotos oder Videos beweisen kann, dass er zur Tatzeit nicht am Tatort war. Das personelle Alibi erfordert Zeugen, die bestätigen können, dass sich der Verdächtige während der Tat an einem anderen Ort aufhielt (Alibi-Zeuge). Sowohl das technische als auch das personelle Alibi unterliegt der Alibi-Prüfung durch die Strafverfolgungsbehörden. Das technische Alibi kann durch das personelle Alibi untermauert werden, wenn beispielsweise ein Zeuge mit seiner Eintrittskarte in der Oper von anderen Zuschauern gesehen worden ist.
Sonstiges
Umgangssprachlich wird Alibi auch für andere, nicht räumliche Umstände benutzt, die Verbrechen oder moralisches Fehlverhalten entschuldigen oder relativieren sollen, hier jedoch meist in abschätziger Auffassung als Schutzbehauptung.
International
Die Kriminalistik bedient sich der Erkenntnisse der Biologie, Chemie, Logik, Physik oder Technik, so dass international die gleichen Bedingungen auch für das Alibi gelten.
Weblinks
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Einzelnachweise
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