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Anton Reiche

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Friedrich Anton Reiche (* 28. September 1845 in Wilsdruff; † 16. Juli 1913 in Weißer Hirsch<ref>Stadtarchiv Dresden, Standesamt Weißer Hirsch, Sterbe-Neben-Register 1913, Nr. 13.</ref>) war ein deutscher Unternehmer, der Blechformen herstellte und Gründer der bedeutendsten Schokoladenformen- und Blechemballagenfabrik Deutschlands mit Sitz in Dresden war.

Biografie

Datei:Anton Reiche Schokoladenformen- und Blechemballagenfabrik 03.jpg
Anton Reiche Schokoladenformen- und Blechemballagenfabrik (vor 1901)
Datei:Kakaodose-pillnitz-sbg-hermann-cc-by-04.jpg
Kakaodose von Hartwig & Vogel, hergestellt von Anton Reiche

Reiche wurde als Sohn des Bauern Carl Gottlob Reiche als fünftes von sechs Kindern geboren.<ref name="Can">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Oktober 1845 erhielt er in der Wilsdruffer Nikolaikirche die Taufe.<ref name="SZ13">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Er legte 1867 die Gesellenprüfung als Klempner in Wilsdruff ab. Während seiner Wanderjahre von 1867 bis 1870 erlernte er die Herstellung von Schokoladenformen beim Unternehmen Létang in Frankreich und legte in der Schweiz seine Meisterprüfung ab.<ref name="Can" />

Nach seiner Rückkehr aus Frankreich machte er sich zunächst mit einer kleinen Klempnerei im Annenhof selbstständig. Zur gleichen Zeit blühte die Süßwarenindustrie in Dresden auf, zu den frühesten Unternehmen zählten Jordan & Timaeus, Rüger, Petzold & Aulhorn und Hartwig & Vogel. 1877 an den Freiberger Platz verlegt, nannte sich Reiches Werkstatt schon 1878 „Blechwarenfabrik“, die außer Schokoladenformen aus Weißblech Verpackungsdosen aus gewalzten Blechen produzierte. Reiche knüpfte Kontakte zu Hartwig & Vogel. Das Unternehmen bezog seine Schokoladenformen aus Kupferblech bis dahin aus dem Ausland. Reiche konnte saubere, bessere geeignete Formen aus Weißblech liefern. Die Abfallstreifen der Formenproduktion nutzte Reiche zur Herstellung von Kinderspielzeug, bedruckten Sparbüchsen, Schuhwichse-Schachteln, Zierbehältern und Blechschildern.<ref name="SZ13" /> Stanzen und Matritzen kamen aus Paris, der Kredit vom Bankhaus Michael Kaskel.<ref name="Can" />

Nach 1880 begann sein Umzug an den Hahneberg im Dresdner Vorort Plauen.<ref>Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 178 f.</ref> 1895 gehörten dem 1878 mit zehn Gesellen aufgebauten Betrieb bereits etwa 1100 Belegschaftsangehörige an. Das Unternehmen nahm für sich in Anspruch, Deutschlands größte Fabrik auf dem Gebiet diverser Blecherzeugnisse zu sein.<ref name="SZ13" /> Für die Arbeiter gab es eine Krankenkasse, Altersvorsorge, Kantine, Werksküche, Kindergarten, Ledigenwohnheim und betriebseigene Wohnungen.<ref name="Can" />

Reiches Schokoladenformen gehören zu den berühmtesten der Welt und sind heute Sammlerstücke. Aus Auftragsbüchern der Jahre von 1906 bis 1914 geht hervor, dass alle großen Süßwarenfabriken im deutschsprachigen Raum Kunden von Anton Reiche waren – außer den oben genannten Dresdner Unternehmen auch Stollwerck, Sarotti, Sprengel und Waldbaur in Deutschland, Manner in Österreich, Lindt, Suchard und Tobler in der Schweiz und andere. In den Niederlanden war die Schokoladenfabrik Tjoklat ein Abnehmer. Von 1885 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs exportierte Reiche auch in die USA.

Auch die heute bei Spielzeug- und Reklamesammlern beliebten und von Reiche erfundenen Stollwerck-Sparautomaten stammen aus Reiches Produktion.

Datei:Anton Reiche AG 1923.jpg
Aktie über 1000 Mark der Anton Reiche AG in Dresden vom 15. August 1923
Datei:Metalen gietmal voor chocolade- en suikerwerk Jamin rechthoekige bonbon, objectnr 76768.JPG
Reiche-Schokoladenform (1945–1949?)

1912 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft. Reiche starb in seinem Haus Sonnenschein in der Kurparkstraße 5 auf dem Weißen Hirsch. Sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof. In seinem Testament sah er 1,5 Millionen Mark für Notleidende vor.<ref name="Can" />

Nach Reiches Tod wurde das Unternehmen von seinen drei Söhnen<ref>Heinz Fiedler: Ein Dresdner Industriekapitän. In: Sächsische Zeitung vom 10. Mai 2023, S. 17. (leicht gekürzte Fassung eines früheren Artikels von 2013, siehe Ein Industriekapitän aus Wilsdruff auf saechsische.de, abgerufen am 13. Mai 2023.)</ref> weitergeführt. Nach der Zerstörung Dresdens im Krieg konnte es wiederaufgebaut werden und bestand noch bis 1972 in der DDR fort.

Das Anton-Reiche-Museum im Museum Hofmühle Dresden erinnert heute an sein Werk.

Literatur

  • Manfred Bachmann, Monika Tinhofer: Osterhase, Nikolaus & Zeppelin. Schokoladenformen im Spiegel alter Musterbücher. Husumer Verlaganstalt, Husum 1998, ISBN 3-88042-765-8.

Weblinks

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Einzelnachweise

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