Bob-Weltmeisterschaft 1955
| Vorlage:SportPicto 15. Bob-Weltmeisterschaft 1955 Datei:FIBT.svg | ||
|---|---|---|
| Männer | Frauen | |
| Sieger | ||
| Zweierbob | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Fritz Feierabend Harry Warburton |
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| Viererbob | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Franz Kapus Gottfried Diener Robert Alt Heinrich Angst |
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| Wettbewerbe | ||
| Austragungsorte | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina in St. Moritz | |
← 1954 1957 →
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Die 15. Bob-Weltmeisterschaft wurde am 22. und 23. Januar im Zweierbob und am 29. und 30. Januar 1955 im Viererbob zum zweiten Mal komplett auf der olympischen Bobbahn von 1928 und 1948, dem Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina im schweizerischen Bobsportmekka St. Moritz ausgetragen.
Vorgeschichte
Eigentlich sollten die Weltmeisterschaften 1955 im amerikanischen Lake Placid stattfinden, aber nach offensichtlichen Unstimmigkeiten im US-Verband vergab die FIBT die Weltmeisterschaften im Juli 1954 nach St. Moritz. Darüber hinaus war das Gewichtslimit von 200 kg auf 210 kg für die Athleten im Zweierbob wieder angehoben worden, was dazu führte, dass das schon legendäre deutsche Olympiasiegerduo Ostler/Nieberl wieder gemeinsam an den Start ging. Allerdings war die Ernüchterung bei Ostler groß, als er versucht hatte, einen der legendären italienischen Podar-Bobs zu erwerben. Mit den neuartigen Bobs hatte die italienischen Bobfahrer bei der Vorjahres-WM vor allem im Zweierbob mit einem Doppelsieg für Furore gesorgt. In Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 1956 in Cortina hatte nun das italienische NOK alle Konstruktionsrechte erworben und damit eine Veräußerung der Bobs an andere Nationen verhindert.<ref>Vor einer ereignisreichen Schweizer Bobsaison in Neue Zürcher Zeitung Nummer 3224 vom 17. Dezember 1954 S. 10</ref> Bei den Schweizer Bobfahrern mischte nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden beim Zweierbobwettbewerb der letztjährigen WM Franz Kapus wieder mit.
Zweierbob
Für das Training hatten sich insgesamt 28 Bobs aus 10 Nationen an gemeldet, wobei einige Verbände mit mehr als den zwei startberechtigten Bobs angereist waren.<ref>Bobsleigh In: Neue Zürcher Zeitung Nr. 168 Ausgabe 3, 19. Januar 1955, S. 6</ref> Bei den verbandsinternen Ausscheidungen gab es ein erstes prominentes Opfer. Das Duo Ostler/Nieberl vermochte sich gegen die Teams Rösch/Terne und Kitt/Leeb nicht durchzusetzen und so musste Doppelolympiasieger Andreas Ostler nach 1954 erneut in der Zweierbob-Entscheidung zuschauen. Die italienischen Podar-Bobs konnten nach anfänglich guten Trainingsleistungen ihr Potential auf der sehr gut präparierten Bahn nicht ausschöpfen. Der ehemalige Viererbob-Weltmeister Lloyd Johnson sorgte vor der verbandsinternen Ausscheidung der US-Bobs selbst für Klarheit. Durch eine Schulterverletzung, die er sich beim ersten Saisonrennen in Garmisch zugezogen hatte, war er noch so beeinträchtigt, dass er auf einen Start im Zweierbob verzichtete.<ref>Bobsleigh In: Neue Zürcher Nachrichten Nr. 2 Ausgabe 2, 4. Januar 1955, S. 2</ref> Überdies war generell eine Diskussion um die Startvariante entbrannt. Da bei den Podar-Bobs die Steuerung arretiert werden konnte, schoben nunmehr beide Athleten am Start den Bob an und sprangen nach ein Paar Metern hinein. Dieser damals noch neuartigen Technik stand die althergebrachte Variante gegenüber, wonach der Pilot schon im Bob saß und vom Bremser und Anschieber angeschoben wurde.<ref>Im Vorfeld der Bobweltmeisterschaften In: Neue Zürcher Zeitung Nr. 1185 Ausgabe 3, 21. Januar 1955, S. 14</ref>
Am ersten Wettkampftag trat erneut eine Bobnation ins Rampenlicht, die bis dahin eher nur mitfuhr. Mit gutem Material aus dem Hause Feierabend ausgestattet fuhr der bisher als Rennrodler bekannte Paul Aste mit Bremser Josef Isser aus Österreich um die Medaillen mit. Nach dem ersten Lauf noch auf Platz drei lagen sie nach dem ersten Wettkampftag für die Fachwelt überraschend mit über einer Sekunde Vorsprung vorn. Dahinter reihten sich die beiden Schweizer Bobs ein, nur durch eine Hundertstelsekunde getrennt. Einen sehr guten vierten Platz belegte bei seiner Premiere als Bobpilot der Amerikaner Dick Severino. Mit nur Neun Hundertsteln Rückstand auf den drittplatzierten Fritz Feierabend hatte er noch reelle Medaillenchancen. Der vorher hochgehandelte Vorjahreszweite im Viererbob Hans Rösch belegte den fünften Rang, hatte allerdings schon über eine halbe Sekunde Rückstand auf einen Podestplatz. Am zweiten Wettkampftag zeigte aber Routinier Fritz Feierabend seine ganze Klasse und fuhr bereits im dritten Lauf Bestzeit. Darüber hinaus fuhren Aste/Isser nur die zehntbeste Zeit und vergaben so bereits fast alle Chancen auf den Titel. Im vierten Lauf fuhr das Duo Feierabend/Warburton die beste Zeit des ganzen Wettkampfes und ließ die erneut starken Italiener de Zanna/Figoli mit über einer Sekunde Vorsprung hinter sich. Damit gewann Fritz Feierabend letztlich noch souverän seinen insgesamt sechsten Weltmeistertitel im Bobsport. Dahinter konnten sich durch die drittbeste Laufzweit im vierten Lauf die Österreicher Aste/Issel noch die Silbermedaille vor den Schweizern Kapus/Angst sichern. Nach einem schwächeren ersten Tag zeigten die Italiener de Zanna/Figoli mit Platz vier, das der Vorjahreserfolg der Podar-Bobs keine Eintagsfliege war.<ref name="DT1">Die Bobweltmeisterschaften in St. Moritz In: Die Tat 24. Januar 1955, S. 7</ref>
| Platz | Land | Sportler | 1. Lauf<ref name="DT1" /> | 2. Lauf<ref name="DT1" /> | 1. Tag<ref name="DT1" /> | 3. Lauf<ref name="DT1" /> | 4. Lauf<ref name="DT1" /> | Gesamt<ref name="DT1" /> |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg SUI I | Fritz Feierabend Harry Warburton |
1:23,11 | 1:23,67 | 2:47,78 | 1:23,36 | 1:22,14 | 5:33,28 |
| 2 | [[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: AUT I | Paul Aste Josef Isser |
1:23,44 | 1:23,29 | 2:46,73 | 1:25,02 | 1:23,18 | 5:34,93 |
| 3 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg SUI II | Franz Kapus Heinrich Angst |
1:23,43 | 1:24,34 | 2:47,77 | 1:23,93 | 1:23,39 | 5:35,09 |
| 4 | Datei:Flag of Italy.svg ITA II | Francesco De Zanna Luigi Figoli |
1:24,23 | 1:24,35 | 2:48,58 | 1:23,84 | 1:23,15 | 5:35,57 |
| 5 | Datei:Flag of Germany.svg FRG I | Hans Rösch Hans Terne |
1:24,25 | 1:24,13 | 2:48,38 | 1:23,94 | 1:23,58 | 5:35,90 |
| 6 | Maurice Severino William Williams |
1:23,93 | 1:23,94 | 2:47,87 | 1:24,26 | 1:24,77 | 5:36,90 | |
| 7 | Datei:Flag of Sweden.svg SWE II | Sven Erbs Walter Aronsson |
1:25,19 | 1:23,41 | 2:48,60 | 1:24,28 | 1:24,05 | 5:36,93 |
| 8 | Datei:Flag of France.svg FRA I | André Robin Lucien Grosso |
1:24,21 | 1:24,54 | 2:48,75 | 1:24,35 | 1:24,79 | 5:37,89 |
| 9 | Datei:Flag of Italy.svg ITA I | Robert Zardini Attilio Menardi |
1:31,14 | 1:29,58 | 3:00,72 | 1:24,58 | 1:23,58 | 5:38,58 |
| 10 | Bruce Rowlett Thomas Morgan |
1:25,58 | 1:24,12 | 2:49,70 | 1:25,39 | 1:24,73 | 5:39,82 | |
| 11 | [[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: ENG | Parkinson Schellenberg |
5:42,35 | |||||
| 12 | Datei:Flag of France.svg FRA II | Giacchini Donnet |
5:49,53 | |||||
| 13 | Datei:Flag of Norway.svg NOR | Kåre Christiansen Larsen |
5:51,49 | |||||
| 14 | [[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: AUT II | Karl Wagner Adolf Tonn |
5:51,81 | |||||
| 15 | Datei:Flag of Germany.svg FRG II | Theodor Kitt Tony Leeb |
5:59,63 |
Viererbob
Nach seinem Erfolg im Zweierbob war Altmeister und Titelverteidiger Fritz Feierabend auch bei den großen Schlitten der Topfavorit. Allerdings fuhren 2 Athleten seines damals erfolgreichen Bobteams nun bei Mannschaftskollege Franz Kapus. Mit Lloyd Johnson ging zudem ein weiterer Ex-Weltmeister an den Start. Fast schon tragische Züge nahm die Sportlerkarriere von Andreas Ostler an. Wie schon im Zweierbob konnte er auch bei den entscheidenden Trainingsläufen im Viererbob die verbandsinterne Konkurrenz nicht schlagen. Nunmehr war es neben Hans Rösch der Junioren-Europameister des Jahres 1954, Franz Schelle aus Ohlstadt, der mit seiner Crew besser als der Ostler-Bob war.
Beim Wettkampf zeigte sich von Beginn an, das es auf einen Zweikampf der beiden Schweizer Bobs hinauslaufen würde. Dabei gelang Feierabend das Kunststück, am ersten Wettkampftag zwei fast identische Laufzeiten zu erzielen. Franz Kapus lag mit 25 Hundertsteln noch aussichtsreich in Reichweite der Goldmedaille. Danach belegte schon der Bob von Franz Schelle den dritten Platz, wenngleich bereits mit fast anderthalb Sekunden Rückstand auf Kapus. Schelle profitierte von der Unausgeglichenheit der Konkurrenz, denn in beiden Läufen fuhr er jeweils nur die viertschnellste Zeit. Die amerikanischen Medaillenhoffnungen zerstoben bereit im ersten Lauf. Im Team von Lloyd Johnson blieb der zweite Mann beim Start am Bob hängen und bewirkte so noch vor der Sunny Corner einen Sturz. Auch am zweiten Wettkampftag zeigte sich im dritten Lauf zunächst das gewohnte Bild. Die Schweizer Bobs fuhren vorneweg, im Kampf um Bronze duellierten sich nur noch die Bobs von FRG II (Schelle) und AUT I (Wagner) wetteifern. Danach platzierte sich schon mit gehörigem Abstand der Rest des Feldes. Im letzten Lauf folgte schließlich die große Überraschung. Feierabend touchierte durch eine Unaufmerksamkeit in der Horseshoe-Kurve die Bande und verlor wertvolle Zeit, Kapus kam tadellos durch. Der im dritten Lauf noch leicht angewachsene Vorsprung von 29 Hundertsteln wurde von Kapus wettgemacht, er fuhr im letzten Lauf 32 Hundertstel schneller. Somit trennte beide Bobs am Ende winzige Unterschied von drei Hundertsteln. Franz Schelle profitierte vom großen Vorsprung auf die Österreicher aus dem ersten Lauf. Dieser schmolz zwar stetig, doch am Ende gewann der Bob aus Ohlstadt trotz der jeweils nur viertbesten Zeit in allen vier Läufen die Bronzemedaille. Diese Medaille begründete eine große Bobtradition in der bayrischen Gemeinde.<ref name="DB1">Schweizer Doppelsieg in der Viererbob-WM In: Der Bund. Band 106, 31. Januar 1955, S. 5</ref>
Nachwirkungen
Auf der Sitzung des Exekutiv-Komitees der FIBT während der WM wurden zwei Entscheidungen getroffen. Ob seines Verhaltens bei der Weltmeisterschaft des Vorjahres wurde der amerikanische Bobpilot Stanley Benham bis 31. März 1958 für alle internationalen Bobwettbewerbe gesperrt. Wegen Geldmangels hatte Benham damals seinen Viererbob nicht nach Europa transportieren können und hatte bereits vor dem Zweierbob-Wettbewerb angekündigt, nicht am Viererbob-Wettbewerb teilzunehmen. Daraufhin wurde Benham in einem Alleingang und ohne Zustimmung des US-Verbandes kurzzeitig vom FIBT-Vizepräsident Donna Fox auch für den Zweierbob-Wettbewerb suspendiert, was aber nach Insistieren des US-Verbandes wieder rückgängig gemacht wurde. Der Vorfall hatte schwer Kontroversen zwischen Fox und dem US-Verband, der sich hinter Benham gestellt hatte, ausgelöst. Zudem waren innerhalb des US-Teams Differenzen zwischen den in den USA beheimateten Sportlern und den in Europa stationierten Soldaten, die Bob fuhren, aufgetreten.<ref>Benham Stirs Bobsle Dispute By Quiting U.S. 4-Man-Team in The New York Times vom 24. Januar 1954 S. 1 u. 5</ref> Außerdem bedeutet die Sperre trotz anfänglich gegenteiliger Meinung des US-Verbandes, dass Benham nunmehr eine Teilnahme an den Olympischen Bobwettbewerben 1956 in Cortina versagt blieb. FIBT-Vizepräsident Donna Fox enthielt sich bei der Abstimmung seiner Stimme, erreichte aber, dass die Bob-Weltmeisterschaft 1958 nach Squaw Valley vergeben wurde, obwohl dort noch keine Bobbahn vorhanden war.<ref>Bobsled Federation Suspends Benham for 3 Years in The New York Times, 29. Januar 1955 S. 9</ref> Bemerkenswert war daran, dass der Ort in der Sierra Nevada auch erst im März 1955 kurz nach dem offiziellen Bewerbungsschluss sich für die Austragung der Olympischen Winterspiele 1960 bewarb und sie auch erhielt. Die Bobbahn wurde nie gebaut, die Olympischen Winterspiele fanden 1960 einmalig ohne Bobwettbewerbe statt.
Medaillenspiegel
| Platz | Land | Gold | Silber | Bronze | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Schweiz | 2 | 1 | 1 | 4 |
| 2 | Österreich | 0 | 1 | 0 | 1 |
| 3 | BR Deutschland | 0 | 0 | 1 | 1 |
Einzelnachweise
<references />
Montreux 1930 | Oberhof/St. Moritz 1931 | Schreiberhau 1933 | Engelberg/Garmisch Partenkirchen 1934 | Igls/St. Moritz 1935 | Cortina d’Ampezzo/St. Moritz 1937 | St. Moritz/Garmisch-Partenkirchen 1938 | St. Moritz/Cortina d’Ampezzo 1939 | St. Moritz 1947 | Lake Placid 1949 | Cortina d’Ampezzo 1950 | L’Alpe d’Huez 1951 | Garmisch-Partenkirchen 1953 | Cortina d’Ampezzo 1954 | St. Moritz 1955 | St. Moritz 1957 | Garmisch-Partenkirchen 1958 | St. Moritz 1959 | Cortina d’Ampezzo 1960 | Lake Placid 1961 | Garmisch-Partenkirchen 1962 | Igls 1963 | St. Moritz 1965 | Cortina d’Ampezzo 1966 | L’Alpe d’Huez 1967 | Lake Placid 1969 | St. Moritz 1970 | Cervinia 1971 | Lake Placid 1973 | St. Moritz 1974 | Cervinia 1975 | St. Moritz 1977 | Lake Placid 1978 | Königssee 1979 | Cortina d’Ampezzo 1981 | St. Moritz 1982 | Lake Placid 1983 | Cervinia 1985 | Königssee 1986 | St. Moritz 1987 | Cortina d’Ampezzo 1989 | St. Moritz 1990 | Altenberg 1991 | Igls 1993 | Winterberg 1995 | Calgary 1996 | St. Moritz 1997 | Cortina d’Ampezzo 1999 | Altenberg/Winterberg 2000 | St. Moritz/Calgary 2001 | Lake Placid/Winterberg 2003 | Königssee 2004 | Calgary 2005 | St. Moritz 2007 | Altenberg 2008 | Lake Placid 2009 | Königssee 2011 | Lake Placid 2012 | St. Moritz 2013 | Winterberg 2015 | Igls 2016 | Königssee 2017 | Whistler 2019 | Altenberg 2020 | Altenberg 2021 | St. Moritz 2023 | Winterberg 2024 | Lake Placid 2025 | Lillehammer 2027 | St. Moritz 2028 | Park City 2029