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Silberchlorid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Chlorsilber)
Kristallstruktur
Strukturformel von Silberchlorid
Vorlage:Farbe Ag+ 0 Vorlage:Farbe Cl
Kristallsystem

kubisch

Raumgruppe

Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225

Gitterparameter

a = 554,91 pm<ref name="CRC90_4_157">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Crystallographic Data on Minerals, S. 4-157.</ref>

Koordinationszahlen

Ag[6], Cl[6]

Allgemeines
Name Silberchlorid
Andere Namen
Verhältnisformel AgCl
Kurzbeschreibung

weiß<ref>Otto Wallach: Tabellen zur chemischen Analyse. Walter de Gruyter & Co KG, 1910, ISBN 978-3-11-244406-1, S. 23, doi:10.1515/9783112444061.</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 232-033-3
ECHA-InfoCard 100.029.121
PubChem 24561
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 143,32 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

5,56 g·cm−3 <ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

455 °C<ref name="GESTIS"/>

Siedepunkt

1550 °C<ref name="GESTIS"/>

Dampfdruck

1,3 hPa (912 °C)<ref name="GESTIS"/>

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (1,93 mg·l−1 bei 25 °C)<ref name="GESTIS"/>

Dipolmoment

6,08(6) D<ref name="CRC90_9_52">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Dipole Moments, S. 9-52.</ref> (2,0 · 10−29 C · m)

Brechungsindex

2,0668<ref name="CRC90_10_245">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Index of Refraction of Inorganic Crystals, S. 10-245.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 290​‐​360D​‐​410
P: 273​‐​280​‐​391​‐​501<ref name="GESTIS" />
MAK

0,01 mg·m−3 <ref name="GESTIS"/>

Toxikologische Daten

> 5110 mg·kg−1 (LD50Mausoral)<ref name="Merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−127,01(5) kJ/mol<ref name="CRC90_5_1">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, CODATA Key Values for Thermodynamics, S. 5-1.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Silberchlorid [auch: Silber(I)-chlorid] kann zwar als das Silbersalz der Salzsäure (HCl) aufgefasst werden; als Edelmetall löst sich Silber jedoch nicht in Salzsäure, Silberchlorid bildet sich stattdessen aus wasserlöslichen Silberverbindungen wie Silbernitrat und Chlorid-Ionen.

Eigenschaften

Datei:Chlorid stříbrný.PNG
Silberchlorid
Datei:Silberchlorid.jpg
Silberchlorid-
ohne und mit Ammoniakwasser

Silberchlorid ist eine weiße, mikrokristalline, lichtempfindliche Substanz mit dem Schmelzpunkt von 455 °C und einem Siedepunkt von 1550 °C.<ref name=":0">Wiberg, Egon; Wiberg, Nils: Lehrbuch der anorganischen Chemie. 102., stark umgearbeitete und verb. Auflage. De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1.</ref> In Wasser wie in Salpetersäure ist Silberchlorid schwer löslich.<ref name=":1">Jander, Gerhart, Blasius, Ewald: Jander/Blasius anorganische Chemie. 1 Einführung und qualitative Analyse : mit 21 Formeln und 79 Tabellen und Poster "Taschenfalter". 17., völlig neu bearb. Auflage. Hirzel, Stuttgart 2012, ISBN 3-7776-2134-X.</ref> Sein Löslichkeitsprodukt beträgt 2 ∙ 10−10 mol2/l2. Es löst sich aber sehr leicht unter Komplexbildung in Ammoniak-, Natriumthiosulfat- und Kaliumcyanidlösungen. Dabei bilden sich [Ag(NH3)2]+, [Ag(S2O3)2]3− und [Ag(CN)2].<ref name=":0" /> Das Kristallgitter von Silberchlorid (ebenso wie das von Silberfluorid AgF und Silberbromid AgBr, aber nicht Silberiodid AgI) entspricht dem Kochsalzgitter.<ref name=":0" />

Vorkommen

Silberchlorid kommt in der Natur als das Mineral Chlorargyrit vor.<ref>Chlorargyrite Mineral Data. Abgerufen am 25. März 2020.</ref>

Verwendung

Es wird zur langfristigen Inaktivierung von Bakterien in Trinkwasserbehältern verwendet.

Im Labor wird der Silbergehalt von Proben gewichtsanalytisch (gravimetrisch) oder maßanalytisch (titrimetrisch) wegen der geringen Wasserlöslichkeit über die Ausfällung von Silberchlorid bestimmt.<ref name=":0" />

Silberhalogenide werden vom Licht in das entsprechende elementare Halogen und metallisches Silber zersetzt. Sie werden daher für die lichtempfindliche Schicht fotografischer Filme, Platten und Papiere verwendet.<ref name=":0" /> Silberchlorid ist weniger lichtempfindlich als das chemisch ähnliche Silberbromid AgBr, das im Normalfall zum Fotografieren benutzt wird.

Eine für die Elektrochemie sehr wichtige Verwendung von Silberchlorid ist die in Silber-Silberchlorid-Referenzelektroden, da diese nicht polarisierbar sind und somit unverfälschte Messungen ermöglichen. Da das Quecksilber zunehmend aus Labor und Technik verbannt wird, werden die früher oft verwendeten Kalomelelektroden meist durch Ag/AgCl-Elektroden ersetzt, so dass diese inzwischen am häufigsten benutzt werden.

Die Herstellung einer solchen Elektrode kann durch elektrochemische Oxidation eines Silberdrahtes in Chlorwasserstoffsäure erfolgen: Taucht man beispielsweise zwei Silberdrähte in Salzsäure und legt eine Spannung (1–2 V, 20–300 s) an, so wird die Anode (mit dem Pluspol verbunden) mit Silberchlorid bedeckt

<math>\begin{alignat}{2}

&\text{Oxidation:} \ & 2 \; \mathrm{Ag} + 2 \; \mathrm{HCl} & \longrightarrow 2 \; \mathrm{AgCl} + 2 \; \mathrm{H^+} + 2 \; \mathrm{e^-}\\ &\text{Reduktion:} \ & 2 \; \mathrm{H^+} + 2 \; \mathrm{e^-} & \longrightarrow \mathrm{H_2}\\ \hline &\text{Gesamt:} \ & 2 \; \mathrm{Ag} + 2 \; \mathrm{HCl} & \longrightarrow 2 \; \mathrm{AgCl} + \mathrm{H_2} \end{alignat}</math>

Bei diesem Verfahren ist sichergestellt, dass alles entstehende Silberchlorid in elektrischem Kontakt mit der Elektrode steht.

AgCl wird auch auf EKG-Elektroden als Elektrolyt verwendet.

Nachweis

Silberchlorid löst sich – im Gegensatz zu den Silberhalogeniden AgBr und AgI – in verdünnter Ammoniaklösung unter Bildung eines Komplexes:<ref name=":0" />

Komplexierung von Silberchlorid mit Ammoniak zu einem Diamminsilber-Komplex
Komplexierung von Silberchlorid mit Ammoniak zu einem Diamminsilber-Komplex
<math>\mathrm{AgCl + 2 \ NH_3 \longrightarrow [Ag(NH_3)_2]^+ + Cl^-}</math>
Silberchlorid reagiert mit überschüssigem Ammoniak zu Diamminsilber(I)-Komplexionen und Chlorid-Ionen.

Auch mit Cyanid oder Thiosulfat bilden sich analoge lösliche Komplexe, so dass Silberchlorid aufgelöst wird.<ref name=":0" /> Silberchlorid ist auch in konzentrierter Salzsäure unter Bildung des Chlorokomplexes [Cl-Ag-Cl] zum Teil löslich, weshalb man beim Ausfällen von AgCl keinen Salzsäure-Überschuss verwenden sollte.<ref name=":1" />

Aus dem Amminkomplex kann beispielsweise mit Sulfid wieder unlösliches Silbersalz ausgeschieden werden:

<math>\mathrm{2 \ [Ag(NH_3)_2]^+ + S^{2-} \longrightarrow Ag_2S + 4 \ NH_3}</math>
Diamminsilber(I)-Ionen reagieren mit Sulfid-Ionen unter der Bildung von Silbersulfid und Ammoniak.

Weblinks

Commons: Silver chloride – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Silberchlorid – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Silber(I)-Verbindungen: Silber(I)-fluorid | Silber(I)-chlorid | Silber(I)-bromid | Silber(I)-iodid

Andere Silberverbindungen: Silber(II)-fluorid | Disilberfluorid Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein