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Chondrites

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Mesosaurid scapulocoracoid & Chondrites Pineiro et al (2012) APP 57(2) fig2.png
Chondrites zusammen mit einem isolierten Schultergürtel-Element eines Mesosauriden in einem dunklen Tonstein der Mangrullo-Formation, Unterperm, Uruguay
Datei:Chondrites.JPG
Historische Zeichnung mit relativ stark vergrößerter Darstellung von Chondrites aus dem Posidonienschiefer (1910).<ref name="fraas_1910_T19F3" />

Chondrites [<templatestyles src="IPA/styles.css" />{{#if:|[}}kɔnˈdritɛs{{#if:

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|all= 1= |opt= 2= Tondatei= |template=Vorlage:IPA |errNS= 0 |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:IPA |format=@@@ }}] ist eine Gattung fossiler Lebensspuren (Ichnogenus), die in feinkörnigen, marinen Sedimentgesteinen auftritt. Die Benennung geht auf Kaspar Maria von Sternberg (1833) zurück.<ref name="sternberg1833" />

Die mehrfachverzweigten (dendritischen) Gänge sind mehr oder weniger schichtparallel angelegt, weshalb sie nur auf Schichtflächen in typischer Ausprägung auftreten. Die einzelnen Gänge sind sehr klein, selten breiter als einen Millimeter. Oft treten sie massenhaft auf und äußern sich auf Bruch- und Spaltflächen, die nicht parallel zur ursprünglichen Schichtung verlaufen, in einem unregelmäßigen Muster aus Punkten und Strichen.

Das verzweigte, buschige Aussehen dieser Spurenfossilien erinnert an Pflanzen. So hat Friedrich August Quenstedt in seiner Abhandlung über den Süddeutschen Jura aus den späten 1850er Jahren die Chondrites-reichen basalen Schichten des Posidonienschiefers (Lias Epsilon) als „Seegrasschiefer“ bezeichnet.<ref name="quenstedt1858" /> Der von Ernst Friedrich von Schlotheim in den Nachträgen zu seiner „Petrefactenkunde“ 1822 geprägte Name Algacites bezieht sich zumindest teilweise auf Spurenfossilien vom Chondrites-Typ, die auch er für Reste von Wasserpflanzen hielt.<ref name="schlotheim1822" /> Auch die Bezeichnung Chondrites geht auf den Namen einer Seetang-Gattung (Chondrus, Knorpeltange) zurück. Ebenfalls infolge von Fehlinterpretationen wurde der Gattungsname Fucoides, der von Adolphe Brongniart im Jahre 1822<ref name="brongniart1822" /> in Anlehnung an den Namen der Seetang-Gattung Fucus geprägt wurde, für Spuren vom Chondrites-Typ verwendet,<ref name="taylor_et_al_2009" /> aber auch für Spuren, die später aufgrund ihrer relativ stark abweichenden Morphologie ganz eigenen Gattungen zugeordnet wurden.<ref name="pokorny2008" /> Somit wurden die Namen „Chondrites“, „Fucoides“ und „Algacites“ im 19. Jahrhundert für ein buntes taxonomisches Gemisch aus fossilen Spuren, Pflanzen und Tieren benutzt. Noch Eberhard Fraas (1910) stellte Chondrites zu den Algen, äußerte allerdings schon Zweifel an der generellen Gültigkeit dieser systematischen Stellung.<ref name="fraas_1910_S109" /> In den Folgejahren setzte sich schließlich die Ansicht, dass es sich zumindest teilweise um Spurenfossilien handelt, immer mehr durch,<ref name="potonie1921" /> und der Name Chondrites wurde nunmehr nur noch für diese Ichnotaxa benutzt.

Welche Organismen diese Spuren verursacht haben, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Klar ist, dass sie nur in marinen Ablagerungen auftreten. In rezenten, küstennahen Meeresböden werden Spuren, die mit dem Spurenfossil Chondrites übereinstimmen oder ihm sehr ähnlich sind, von sedimentfressenden Borstenwürmern erzeugt.<ref name="hertweck_et_al_2007"/> Chondrites sind ab dem Ordovizium nachgewiesen. Belege aus dem Kambrium gelten als unsicher.<ref>A. H. Müller: Lehrbuch der Paläozoologie. Band II, Teil 3, Jena 1978.</ref>

Siehe auch

Der Ausdruck „chondrites“ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />{{#if:|[}}ˈkɔndraɪ̯t͡s{{#if:

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|all= 1= |opt= 2= Tondatei= |template=Vorlage:IPA |errNS= 0 |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:IPA |format=@@@ }}] bezeichnet im Englischen auch spezielle Meteoriten (Chondrite), die mit diesem ichnologischen Taxon nichts zu tun haben.

Literatur

  • R. G. Bromley (1999): Spurenfossilien: Biologie, Taphonomie und Anwendungen. Springer, Berlin/Heidelberg. 347 S. ISBN 978-3-540-62944-3
  • Ulrich Lehmann: Paläontologisches Wörterbuch. 4. Auflage. Enke, Stuttgart 1996, ISBN 3-432-83572-8, S. 45.

Weblinks

  • Genus Chondrites Sternberg, 1833. Datenblatt zur Spurengattung mit umfassender Fotogalerie von in altpaläozoischen Kalksteinen Estlands überlieferten Exemplaren (fossiilid.info)
  • Genus Chondrites von Sternberg, 1833. Datenblatt zur Spurengattung auf der Webpräsenz der IchnoBioGeoScience-Forschungsgruppe der University of Kansas (ichnology.ku.edu)

Einzelnachweise

<references> <ref name="brongniart1822"> Adolphe Brongniart: Sur la classification et la distribution des végétaux fossiles en general, et sur ceux des terrains des sédiment supérieur en particulier. Memoires de Museum d’Histoire Naturelle. Bd. 8, 1822, S. 203–240 (Einleitung und 1. Kapitel; BHL), S. 237 </ref> <ref name="fraas_1910_S109"> „Die Chondriten sind wegen ihres dürftigen Erhaltungszustandes zwar im ganzen fragwürdige Gebilde, und es ist keineswegs festgestellt, ob dieselben auch in der Tat immer pflanzlicher Natur sind. Der Einfachheit halber aber wollen wir sie doch hier [d. h. bei den Algen] behandeln [...].“ Eberhard Fraas: Der Petrefaktensammler. K. G. Lutz’ Verlag, Stuttgart 1910, S. 109 (archive.org). </ref> <ref name="fraas_1910_T19F3"> Eberhard Fraas: Der Petrefaktensammler. K. G. Lutz’ Verlag, Stuttgart 1910, Tafel 19, Figur 3 (archive.org). </ref> <ref name="hertweck_et_al_2007"> Günther Hertweck, Achim Wehrmann, Gerd Liebezeit: Bioturbation structures of polychaetes in modern shallow marine environments and their analogues to Chondrites group traces. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, Bd. 245, 2007, Nr. 3–4, S. 382–389, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}} </ref> <ref name="pokorny2008"> beispielsweise Fucoides strangulatus aus der böhmischen Kreide, siehe Richard Pokorný: Funalichnus, a New Ichnogenus and its Type Ichnospecies Funalichnus strangulatus (Fritsch 1883), Upper Cretaceous of the Bohemian Cretaceous Basin, Czech Republic. Ichnos. Bd. 15, Nr. 2, 2008, S. 51–58, doi:10.1080/10420940701192922 (alternativer Volltextzugriff: ResearchGate) </ref> <ref name="potonie1921"> siehe z. B. H. Potonié: Lehrbuch der Paläobotanik. 2. Auflage, umgearbeitet von W. Gothan. Gebrüder Borntraeger, Berlin 1921, S. 12 (archive.org) </ref> <ref name="quenstedt1858"> Friedrich August Quenstedt: Der Jura. Verlag der H. Laupp’schen Buchhandlung, Tübingen 1858 (MDZ-Reader) </ref> <ref name="schlotheim1822"> So ist die von Schlotheim aufgestellte Art Algacites granulatus relativ sicher dieser Spurengattung zuzuordnen, da sie aus dem Posidonienschiefer von Boll in Württemberg stammt und auch Abbildung und Beschreibung wenig Zweifel an der Identität dieser Spuren lassen, siehe Ernst Friedrich von Schlotheim: Nachträge zur Petrefactenkunde. Becker’sche Buchhandlung, Gotha 1822, S. 45 f. (Google Books) und Taf. 5, Fig. 1 (GDZ) </ref> <ref name="sternberg1833"> Kaspar von Sternberg: Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt. Prag, 1833 (gallica.bnf.fr), S. 25. </ref> <ref name="taylor_et_al_2009"> Während zahlreiche der anfangs in die Gattung Fucoides gestellten Exemplare und Taxa später als Spurenfossilien erkannt wurden, stellten sich andere als Überreste von Graptolithen, einer altpaläozoischen Gruppe kleiner planktonischer Tiere heraus, siehe Edith L. Taylor, Thomas N. Taylor, Michael Krings: Paleobotany – The Biology and Evolution of Fossil Plants. 2nd edition. Academic Press/Elsevier 2009, ISBN 978-0-12-373972-8, S. 122 f. </ref> </references>