Döblinger Pfarrkirche
| Döblinger Pfarrkirche Pfarrkirche Zum heiligen Paulus | |
|---|---|
| Konfession: | römisch-katholisch |
| Patrozinium: | Paulus von Tarsus |
| Weihedatum: | 4. Oktober 1829 |
| Rang: | Pfarrkirche |
| Anschrift: | 1010 Wien-Oberdöbling, Kardinal-Innitzer-Platz 1 |
Koordinaten: 48° 14′ 33″ N, 16° 21′ 1″ O
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Die Döblinger Pfarrkirche St. Paul ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im Bezirksteil Oberdöbling im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling, am Kardinal-Innitzer-Platz 1. Das in den 1820er Jahren anstelle eines Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert errichtete Kirchengebäude steht zusammen mit den Bildstöcken unter Denkmalschutz.<ref> BDA: 56737, Objekt-ID: 66296.</ref> Die Kirche gehört zur Erzdiözese Wien.
Lage
Die Oberdöblinger Pfarrkirche befindet sich mit einer Seehöhe von ca. 195 m etwas niedriger als die Unterdöblinger Pfarrkirche (ca. 201 m).<ref>Geodatenviewer der Stadtvermessung Wien. Abgerufen am 2. September 2023.</ref> Sie steht mit der Hauptfront auf einem erhöhten Platz seitlich der Pfarrhofzeile.<ref name=Hist1/> Sie ist nicht geostet, sondern ihre Hauptachse erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung, parallel zur Vormosergasse.
Links und rechts des Hauptportals begrüßen die Skulpturen des Hl. Erasmus (frühes 18. Jahrhundert) und des Hl. Johannes Nepomuk (um 1800) die Kirchenbesucher (im Ort gab es bis zum 18. Jhd. eine Nepomuk-Kapelle, aus der die Figur stammen könnte).<ref name=Hist2/>
Geschichte
Eine erste Kirche in Döbling ist in einer Urkunde erwähnt, die Ecclesia in Tobelico (Kirche in Döbling). Ihr Standort ist jedoch nicht bekannt; es ist auch nicht eindeutig klar, dass genau die heutige Pfarrkirche damit gemeint war. Ein erster Pfarrer ist aus dem Jahr 1443 überliefert. Im 15. Jahrhundert plünderten und zerstörten in das Land einfallende Ungarn unter Matthias Corvinus das Kirchengebäude, das jedoch rasch wieder aufgebaut wurde. Ein durchgehender Bestand der Kirche kann aufgrund der überlieferten Namen der Döblinger Pfarrer als gesichert gelten.<ref name=Hist1/>
1640 wurde die bereits bestehende Pfarre Döbling aufgelöst und die Gemeinde gelangte an die Pfarre der Währinger Pfarrkirche. Nach einer neuerlichen Zerstörung der Kirche im Jahr 1683 während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung erfolgten anschließend nur bauliche Sicherungsarbeiten. Die Gottesdienste mussten zeitweise in der Johann-von-Nepomuk-Kapelle abgehalten werden. Erst die Pfarrreform von Joseph II. und die Erhebung Döblings zu einer selbstständigen Pfarre führten zur Generalinstandsetzung des Gebäudes, 1783. Ein zugehöriges Pfarrhaus konnte 1784 errichtet werden.
Die Kirche erwies sich aber bald für die stark gewachsene Einwohnerschar als zu klein und deshalb beschloss der Gemeindekirchenrat den totalen Neubau eines Gotteshauses. Und schon bald, am 9. Mai 1826 musste das Sakralgebäude gesperrt werden, da es zu baufällig war, der Abriss folgte. Architekt Josef Reininger fertigte im Auftrag der Kirchengemeinde die Baupläne, nach denen 1826 bis 1828 die heutige Pfarrkirche entstand. Sie wurde am 4. Oktober 1829 durch den Wiener Fürsterzbischof Graf Firmian dem heiligen Paulus geweiht.<ref name=Hist2/>
Einige historische Ausstattungsstücke gelangten in das neu gestaltete Kirchengebäude. Der gleichzeitig in der Nähe des Gotteshauses bis dahin betriebene Kirchhof wurde als Begräbnisstätte aufgelassen.
Schäden, die das Gotteshaus noch am Ende des Zweiten Weltkriegs davontrug, wurden im Zeitraum 1945 bis 1953 ausgebessert oder beseitigt.<ref name=Hist1/>
Anfang der 1970er Jahre ließ die Gemeinde ein komplettes Pfarrzentrum bauen, das einen großen Saal erhielt (Paulussaal) und mit einem Fassadenrelief, einer Schutzmantelmadonna von Karl Engel geschmückt ist.<ref name=Hist1/>
Im Jahr 1967 wurde zunächst ein hölzerner Altar nach den Empfehlungen des II. Vatikanischen Konzils als Volksaltar aufgestellt. Pfarrer Klinger ließ 1970 anlässlich einer wegen aufgetretener Bauschäden durchgeführten Kirchenrenovierung diesen Tisch gegen einen quadratischen steinernen Altar ersetzen. Und Teile der historischen Ausstattung aus den 1820er Jahren wurden entfernt, darunter ein aus Majolika gefertigter Altar und Deckenfresken mit biblischen Szenen.<ref>Döblinger Pfarrkirche. In: planet-vienna.com. Abgerufen am 3. September 2023.</ref><ref name=Hist2/>
Die bisher letzte Renovierung des Innenraumes erfolgte im Jahr 1988, bei der der Altarbereich bis weit in den Hauptraum vorgezogen wurde und wiederum ein neuer Altar hier Platz fand.<ref name=Hist2/>
Architektur
Außen
Das Gotteshaus in den Maßen 19,5 Meter breit und etwa 25 Meter lang (ohne Turm), ist eine Saalkirche im damals aktuellen Klassizismus-Stil. Die Turmvierung ist Bestandteil des hohen Eingangsbereiches, der mit je zwei Halbsäulen neben dem Portal und mit dem über die ganze Baubreite reichenden Dreiecksgiebel darüber das tempelartige Aussehen des Gotteshauses unterstreichen. Das Hauptportal ist nur über eine Freitreppe mit fünf Stufen erreichbar, darüber ist ein halbrundes (unbuntes) Fenster eingebaut. Auf der Westseite gibt es einen Seiteneingang.
Der eigentliche Kirchturm ist dem Vorbau aufgesetzt, hat eine quadratische Grundfläche und erhebt sich etwa 20 Meter in die Höhe. Das Dach des Turmes ist vierseitig-pyramidenförmig gebaucht und mit Kupferplatten bedeckt. Es wird von einer achteckigen Laterne bekrönt. An der Spitze erhebt sich ein metallenes Kreuz über einer Turmkugel.
Der rechteckige Grundriss des Turmunterbaus zeigt die Abmessungen 14 Meter in der Breite × 11 Meter in der Länge.<ref>Maße grob mit dem Tool von Google Earth bestimmt.</ref>
Im Turm sind die Glockenstube mit einem vierstimmigen Geläut hinter Klangarkaden und das Werk einer Turmuhr platziert; die Uhr trägt runde Zifferblätter in alle vier Himmelsrichtungen.
Das gesamte Kirchengebäude ist mit hellbeigem Putz versehen und mit einigen Kratzputzstreifen betont. Diese Fassaden-Erneuerung erfolgte in den Jahren 2004/2005.<ref name=Hist2/>
Innen
Das Kirchenschiff ist um einen barocken Zentralraum gestaltet und weist eine achteckige Bodenöffnung auf. Ein niedriger vergoldeter Metallschmuckzaun begrenzt die Öffnung.<ref name=Kindstaufe/> Die heutige überwiegend weiße Flächenausmalung stammt aus der Zeit der Kirchenrenovierung 1970 und bezieht sich auf das Aussehen des Inneren im frühen 19. Jahrhundert.<ref name=Hist2/>
Ausstattung
Altarraum
Der Raum wird von dem 1829 vom Wiener Kirchenmaler Joseph Schönmann angefertigten großen halbrunden Altarbild dominiert. Es zeigt die Bekehrung des heiligen Paulus auf dem Wege nach Damaskus.<ref name=Hist1/> Kirchenhistorische Forschungen führten zu der Erkenntnis, dass das großformatige Bild das Ergebnis eines Gestaltungswettbewerbs zum Thema Paulus als Kirchenpatron war.<ref name=Hist2/>
Davor steht seit 1895 der Hochaltar. Pfarrer Hulesch hatte zusätzlich von einem einheimischen Baumeister den Chorbogen mit Säulen und Pilastern mit korinthischen Kapitellen sowie einem Halbkreisrahmen ausstatten lassen, in dem drei vergoldete Engelsköpfe, Ähren und Weintrauben dargestellt sind.<ref name=Hist2/>
Das Altarensemble füllt die Gedenknische fast vollständig aus, hohe Halbrundfenster auf der West- und der Ostseite lassen Tageslicht hinein.
Ein weißer rechteckiger Altartisch vervollständigt die Ausstattung dieses Bereichs.<ref name=Hist2/>
Seitenaltäre und weiterer Schmuck
Es gibt zwei Seitenaltäre, die beide von August Eisenmenger angefertigt worden waren. Sie sind mit Ölgemälden von Josef Kessler geschmückt und stellen die Kreuzigung und die Taufe Christi sowie St. Johannes Nepomuk vor König Wenzel dar (Großbild).<ref name=Hist2/> Darüber hinaus sind ein von Martin Johann Schmidt im Jahr 1784 auf Kupferfolie gemaltes Bild (am Kircheneingang) sowie im Kirchenschiff ein Gemälde mit der Thematik Heiliger Josef mit dem Kinde, angefertigt von Peter Strudel, erwähnenswert.
Als besonders wertvoll stufen Kirchenhistoriker eine geschnitzte polychrome Madonna ein, die um 1720 entstand, deren Schöpfer aber nicht bekannt ist.<ref name=Hist1/> Die Skulptur trägt den Titel Mutter der Kirche und ist ein hochverehrtes Andachtsbild.<ref name=Hist2/>
Kirchenhauptschiff
Es gibt keine Seitenschiffe. Alle Einbauten sind in etwa gleich hoch und mit Rundbögen abgeschlossen (Seiteneingänge, Fenster). Der Altarbereich ist weit in den Kirchenhauptraum vorgezogen und leicht um eine Stufe erhöht.
Kanzel, Fenster, Gestühl und Sonstiges
Seitlich vor dem südlichen Chorbogen ist die viereckige Kanzel aus dem frühen 19. Jahrhundert auf einer Rundsäule aufgeständert. Der Kanzelkorb wird mit einem figürlich geschmückten Schalldeckel abgeschlossen.
Symmetrisch hängen von dem geweißten Deckengewölbe vier kleinere Kristall-Kronleuchter (Lüster) um einen zentral angebrachten größeren Lüster.
Statt des üblichen Taufbeckens gibt es in der Mitte des Kirchenraumes eine Piscine zum Hineinsteigen und Hindurchgehen.<ref name=Datenblatt/><ref name=Kindstaufe/> Der Zugang ist durch einen niedrigen vergoldeten Metallschmuckzaun geschützt. Bildhauer Georg Bachmayr-Heyda entwarf diese besondere Taufeinrichtung nach altchristlichem Vorbild. In den vier dreieckigen Flächen, die sich aus der achteckigen Form ergeben, befinden sich Mosaike, die die Symbole der vier Evangelisten darstellen.<ref name=Hist2/>
Das Gestühl ist in drei Gruppen um die um eine Stufe erhöhte eckige Altarinsel angeordnet, es besteht aus dunkel gebeiztem Holz mit geschnitzten Wangen. Sie bieten Sitzgelegenheiten für (geschätzt) 300 Besucher.
Orgel
Die Orgel der Döblinger Pfarrkirche mit 21 Registern wurde im Jahr 1978 von Gerhard Hradetzky gebaut und verfügt über zwei Manuale und Pedal. Sie ist auf der Orgelempore installiert.<ref name=Hist2/>
Glocken
Das Geläut besteht aus fünf Bronzeglocken, die bis auf die kleinste im Jahr 1958 neu gegossen wurden. Die vorherigen Glocken mussten jeweils zu zweit in den beiden Weltkriegen zur Umarbeitung in Kriegsgerät abgeliefert werden.<ref name=Hist2/>
| Glocke | Ton | Gewicht in kg |
Gießer | Gussjahr | Inschriften, Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| I | e´ | 1111 | Glockengießerei Pfundner | 1958 | Die obere Schulter trägt eine umlaufende dezente Musterung. Am Glockenkörper ist ein Gießerzeichen-Relief zu erkennen. |
| II | gis´ | 545 | Glockengießerei Pfundner | 1958 | |
| III | h´ | 312 | Glockengießerei Pfundner | 1958 | |
| IV | cis´´ | 194 | Glockengießerei Pfundner | 1958 | |
| V | e´´ | 133 | Glockengießerei Samassa | 1920 |
Gemeindearbeit, Seelsorge
Regelmäßig wird das Gemeindeblatt Paulus herausgegeben.
- Pfarrer (Auswahl)
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- 1466: Severin Lintzer aus Sievering<ref name=Hist1/>
- 1488: Paul „zu den siben aichen“<ref name=Hist1/>
- 1499: Jörg Vormoser<ref name=Hist1/>
- 1504: Pfarrer Tenest; Pf. Hulesch ließ dessen Grabstein 1872 im Inneren der Kirche als historische Reminiszenz an die erste St. Paulskirche einmauern<ref name=Hist2/>
- 1783: Sebastian Fux<ref name=Hist2/>
- 1817–1834: Michael Teschmayr<ref name=Hist2/>
- 1834–1861: Peter Obkircher<ref name=Hist2/>
- 1861–1898: Wilhelm Hulesch<ref name=Hist2/>
- 1899–1919: Ignaz Flandorfer<ref name=Hist2/>
- 1920–1934: Johann Scheck<ref name=Hist2/>
- 1934–1956: Rudolf Waurisch<ref name=Hist2/>
- 1956–1970: Josef Hoffmeier<ref name=Hist2/>
- 1970–1980er: Johannes Klinger (1940–2020)<ref name=Hist2/><ref>Seelsorger Johannes Klinger verstorben. In: MeinBezirk.at. 18. November 2020, abgerufen am 3. September 2023.</ref>
- 2022: Andrea Graziani (Pfarrprovisor); Alonso Ramirez und Severin Hörmann (Kaplane); Francisco Frias (Diakon)
Literatur
- Hans (Johannes) Klinger: Kostbarkeiten der Pfarre Döbling-St. Paul aus vier Jahrhunderten. Katalog Festwochenausstellung, Eigenverlag, 1996 (online).
- Christine Klusacek, Kurt Stimmer: Döbling. Vom Gürtel zu den Weinbergen. Wien 1988, ISBN 3-900607-06-0, S. 161 f.
- 150 Jahre Pfarrkirche Döbling. St. Paul: 1829–1979. Wien 1979 (online).
- Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wiener Dom-Verlag 1970, S. 243 f.
- Josef Hoffmeier: 700 Jahre Pfarre St. Paul. In: Döblinger Heimatmuseum. Heft 11. 1967, S. 2 f.
Weblinks
- Website der Pfarre Döbling - St. Paul
- Pfarrkirche Döbling St. Paul - (A-1190 Wien) – Einzelläuten und Vollgeläute - (Innenaufnahme) auf YouTube
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name=Hist1>Döblinger Kirche im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien</ref> <ref name=Hist2>Geschichtsschnelldurchlauf zur Pfarre in Oberdöbling. Erzdiözese Wien, 25. Oktober 2022, abgerufen am 4. September 2023.</ref> <ref name=Datenblatt>Kirchendatenblatt. Abgerufen am 30. August 2023.</ref> <ref name=Kindstaufe>Taufe eines Kindes in der Döblinger Pfarrkirche. Abgerufen am 3. September 2023 (Deutlich sind bei den Bildern 12 und 14 die Umgrenzung des Zugangs und die Taufgeräte zu erkennen).</ref> </references>
Evangelische Kirche A.B.: Weinbergkirche
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage: Gemeindehaus Silbergasse
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