Desipramin
Desipramin ist ein Arzneistoff, der zur Wirkstoffklasse der trizyklischen Antidepressiva zählt. Es wirkt stark antriebssteigernd (thymeretisch) und nach einiger Zeit stimmungsaufhellend (thymoleptisch) und ist zur Behandlung depressiver Erkrankungen angezeigt. Desipramin wurde 1965 unter der Marke<ref>Gustav Ehrhart, Heinrich Ruschig: Arzneimittel. 1968.</ref> Pertofran auf den deutschen Markt gebracht.<ref>Psychopharmaka Zeittafel. epsy.de</ref> Heute sind Desipramin-haltige Fertigarzneimittel in den meisten Ländern außer Vertrieb.<ref>Pharmazeutische Stoffliste der ABDA-Datenbank (Mai 2010).</ref>
Darstellung und Gewinnung
Die Synthese geht vom 10,11-Dihydro-5H-dibenz[b,f]azepin aus, wobei durch eine zweistufige Alkylierung zuerst mit 1-Brom-3-chlorpropan und dann mit Methylamin die Zielverbindung erhalten wird.<ref name="Kleemann" />
Datei:Desipramine synthesis01.svg
Pharmakologie
Wirkungsmechanismus
Desipramin ist der aktive Metabolit von Imipramin. Es wirkt im zentralen Nervensystem und hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin, Noradrenalin und weiterer Neurotransmitter aus dem synaptischen Spalt in die präsynaptischen Vesikel, wodurch deren Konzentration angehoben wird und depressive Symptome gemildert werden. Die sedierende Wirkkomponente ist schwach ausgeprägt.<ref name="FI">Petylyl: Fachinformation. Stand Mai 2008.</ref> Ferner unterdrückt Desipramin die Schmerzwahrnehmung durch Wirkung an den Nozizeptoren (antinozizeptive Wirkung). Desipramin wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).<ref name="pmid18504571">Vorlage:Literatur</ref>
Nebenwirkungen
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen des Desipramins wie etwa Störungen beim Wasserlassen (Miktionsstörungen), innere Unruhe und Durstgefühl wie auch gelegentlich zu beobachtende unerwünschten Wirkungen wie Verwirrtheitszustände, Darmlähmung oder -verschluss (paralytischer Ileus) und Harnverhaltung resultieren aus seiner anticholinergen Wirkung.
Desipramin kann die QT-Zeit des Elektrokardiogramms (EKG) verlängern bis hin zu einer gefährlichen Herzrhythmusstörung, der Torsade de pointes. Ein frischer Herzinfarkt, höhergradige AV-Blockierungen und andere Herzrhythmusstörungen sind daher Gegenanzeigen für eine Behandlung mit Desipramin.<ref name="FI" /> Die US-amerikanische Behörde Food and Drug Administration (FDA) ordnete im Dezember 2009 die Aufnahme eines Warnhinweises in die Produktfachinformation von Norpramin an hinsichtlich einer besonders vorsichtigen Behandlung von Patienten, in deren familiärer Krankheitsvorgeschichte Vorfälle wie plötzlicher Herztod, Herzrhythmusstörungen oder Herzleitungsstörungen auftraten.<ref>Norpramin (desipramine hydrochloride) - Dear Healthcare Professional Letter .</ref>
Für einige trizyklische Antidepressiva incl. Desipramin wird eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos diskutiert,<ref name="BJoC-86-S92-97">C. R. Sharpe, J. P. Collet, E. Belzile, J. A. Hanley, J. F. Boivin: The effects of tricyclic antidepressants on breast cancer risk. (PDF; 94 kB). In: British Journal of Cancer, 2002, Volume 86, S. 92–97. PMID 11857018.</ref> wobei eine Reihe von Übersichtsarbeiten und Metaanalysen diese Hypothese nicht bestätigen konnten.<ref>D. A. Lawlor, P. Jüni, S. Ebrahim, M. Egger: Systematic review of the epidemiologic and trial evidence of an association between antidepressant medication and breast cancer. In: J Clin Epidemiol., Februar 2003, 56(2), S. 155–163. PMID 12654410.</ref><ref>S. Bahl, M. Cotterchio, N. Kreiger: Use of antidepressant medications and the possible association with breast cancer risk. A review. In: Psychother Psychosom., Juli–August 2003, 72(4), S. 185–194. PMID 12792123.</ref><ref>Patricia F. Coogan: Review of the epidemiological literature on antidepressant use and breast cancer risk. In: Expert Rev Neurother. 6(9), Sep 2006, S. 1363–1374. PMID 17009923.</ref><ref>C. S. Eom, S. M. Park, K. H. Cho: Use of antidepressants and the risk of breast cancer: a meta-analysis In: Breast Cancer Res Treat., 2012, 136, S. 635–645. PMID 23139055.</ref>
Wechselwirkungen
Die Wirkungen von Desipramin und von Alkohol sowie anderen zentral wirksamen Arzneistoffen (Barbiturate, Schmerzmittel, Antihistaminika, Antipsychotika) können sich gegenseitig verstärken. Auch tritt Desipramin in Wechselwirkung mit Stoffen, die an gleichen Rezeptoren angreifen (Anticholinergika, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SRI), α-Sympathomimetika), die QT-Zeit im EKG verlängern (beispielsweise bestimmte Antiarrhythmika, Antibiotika, Malaria-Mittel, Neuroleptika) oder die die Verstoffwechselung von Desipramin beeinflussen.
Kontraindiziert ist die gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern, da schwerwiegende unerwünschte Wirkungen auftreten können. Zwischen Behandlungen mit Desipramin und MAO-Hemmern ist jeweils eine therapiefreie Zeit (Auswaschphase) einzuhalten.
Pharmakokinetik
Desipramin wird gut aus dem Darm resorbiert, hat aber aufgrund seines hohen First-Pass-Effektes eine erniedrigte Bioverfügbarkeit, die zudem stark schwanken kann. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 15 bis 25 Stunden. Desipramin passiert die Blut-Hirn- und die Plazentaschranke und tritt in die Muttermilch über.<ref name="FI" /> Desipramin wird nach Biotransformation in der Leber über die Nieren (renal) ausgeschieden.
Einzelnachweise
<references />