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Echtes Süßholz

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(Weitergeleitet von Glycyrrhiza glabra)

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Echtes Süßholz
Datei:Illustration Glycyrrhiza glabra0.jpg

Echtes Süßholz (Glycyrrhiza glabra), Illustration

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Süßhölzer (Glycyrrhiza)
Art: Echtes Süßholz
Wissenschaftlicher Name
Glycyrrhiza glabra
L.

Echtes Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Süßhölzer (Glycyrrhiza) in der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Am bekanntesten ist das Echte Süßholz durch die aus der Süßholzwurzel gewonnene Süßigkeit Lakritze. Als Teedroge findet das Echte Süßholz ebenfalls Verwendung. Das Süßholz wurde auch als Gemeines, Kahlfruchtiges, Spanisches oder Deutsches Süßholz bezeichnet.<ref name="Winkler1840" />

Beschreibung

Datei:Atlas roslin pl Lukrecja gładka 571 7092.jpg
Zweig mit Blütenständen
Datei:Glycyrrhiza glabra inflorescence.jpg
Blütenstand

Vegetative Merkmale

Echtes Süßholz ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 bis zu 150 Zentimetern erreicht. Die Wurzeln werden im Herbst geerntet.<ref name="HegiGams1964" /> Der Stängel ist verzweigt. Die Stängel und die Blattstiele sind behaart oder verkahlen.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die unpaarig gefiederte Blattspreite besitzt 9 bis 17 Fiederblättchen. Die meist ganzrandigen, kurz gestielten Fiederblättchen sind bei einer Länge von 2 bis 5 Zentimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 2,5 Zentimetern eiförmig bis elliptisch mit gerundetem und vorn manchmal kurz stachelspitzigem oberen Ende, fiedernervig und unterseits von sitzenden harzig-klebrigen Drüsen punktiert. Die Nebenblätter sind klein und abfallend.

Generative Merkmale

Die Blütezeit liegt im Spätsommer (Juni bis Juli), seltener bis in den Herbst. Die kurz gestielten Blüten befinden sich in kurzen, aufrechten und gestielten traubigen Blütenständen in den Achseln der Blätter.

Die bläulich-violette und weiße Schmetterlingsblüten sind bei einer Länge von 8 bis 12 Millimetern zygomorph. Der Kelch ist kurz glockenförmig. Die Kelchzähne sind länger als die Kelchröhre und lanzettlich spitzig. Die Blütenblätter, die das Schiffchen bilden, sind nicht verwachsen und vorn nicht geschnäbelt. Die einzelnen Blüten sind von einem kurzen und spitzen, abfallenden Deckblatt unterlegt.

Die bei Reife lederige und rot-braune Hülsenfrucht ist bei einer Länge von bis zu 3,5 Zentimetern sowie einer Breite von 4 bis 6 Millimetern abgeflacht, meist kahl oder leicht behaart und relativ gerade, sowie meist mehr oder weniger bespitzt, geschnäbelt. Bei Vollreife springen sie auf. Jede Hülsenfrucht enthält zwei bis acht Samen. Die grünlich-braunen, glatten Samen sind bei einer Größe von 2 bis 3 Millimetern rundlich und leicht abgeflacht.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="Oberdorfer2001" />

Vorkommen

Das Süßholz ist im Mittelmeerraum und in Asien beheimatet. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht von Italien bis zur Arabischen Halbinsel und bis Xinjiang. In Frankreich und in Spanien ist die Ursprünglichkeit zweifelhaft.<ref name="ILDIS" />

Die Pflanze ist frostempfindlich und gedeiht am besten in voller Sonne und in tiefen, humusreichen, durchlässigen Böden.

Name

Der deutsche Name Lakritze geht über mittelhochdeutsch lakeritze (auch lakerize<ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 391 (lakerize) und 392 (liquiritia).</ref>) und mittellateinisch liquirítia<ref name="Kluge">Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 420; Elmar Seebold: Dasselbe. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, S. 556.</ref> (auch liquiricia<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 199 („Liquiricia – sußholtz, glicoriza, Sliß […] – lackericie“).</ref>) wie der Gattungsname auf das lateinische glycyrrhiza zurück, das ein Lehnwort aus den altgriechischen Wörtern glykyrrhíza von γλυκύς (glykys für „süß“) und ῥίζα (rhiza für „Wurzel“) zusammen. Mit glycyrrhizium (Süßwurzel) wurde wie mit liquiritia ursprünglich die (trockene) Wurzel, dann die ganze Pflanze bezeichnet.<ref name="Putscher1968">Marielene Putscher: Das Süßholz und seine Geschichte. Medizinische Dissertation, Köln 1968, S. 16.</ref> Der lateinische Name hatte bereits im Mittellateinischen unter dem Einfluss von liquor („Flüssigkeit“) eine volksetymologische Wandlung zu liquiritia erfahren, woraus unmittelbar die deutsche Bezeichnung entstand.<ref name="Kluge" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von 1753 von Glycyrrhiza glabra erfolgte durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 742.

Anbau

Das Süßholz gedeiht in Mitteleuropa am besten auf Sand- und Lehmboden an Flussufern in wärmeren Gegenden.<ref name="HegiGams1964" /> Der Anbau geschieht durch reihenweises Auslegen von Ausläufern oder Wurzelstücken. Vom 4. Jahr an werden die Wurzeln und Ausläufer durch Auspflügen im Sommer oder Herbst gewonnen. Die Herbsternte soll stets mehr Glycyrrhizin enthalten als die Sommerernte. Die größten Erträge geben 12- bis 15-jährige Pflanzen.<ref name="HegiGams1964" /> In manchen Gebieten gilt die Art infolge ihrer Bodenausläufer als schwer vertilgbares Unkraut.<ref name="HegiGams1964" />

Inhaltsstoffe

Echtes Süßholz enthält Glycyrrhizin, ein Gemisch aus Kalium- und Calciumsalzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid, das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt etwa die fünfzigfache Süßkraft von Rohrzucker. Durch Abspaltung des Diglucuronids entsteht aus Glycyrrhizin die 18β-Glycyrrhetinsäure, die selbst keine Süßkraft mehr besitzt. In geringer Konzentration sind zahlreiche Triterpensaponine wie das 24-Hydroxyglycyrrhizin und die Sojasaponine I und II enthalten. Neben weiteren Glykosiden wie Glabrinsäure und Oleanolsäure­derivaten enthält Süßholzwurzel mehr als 40 identifizierte Flavonoide. Hierzu gehören das Chalcon­derivat Isoliquiritigenin und das zugehörige 4-O-Glycosid Isoliquirtin und das Flavanon Liquiritigenin und sein Glycosid Liquiritin. Auch Isoflavone wie Formononetin, oder auch Sterin und höhere Alkohole sind nachgewiesen worden. Weiterhin sind Cumarine wie beispielsweise das auch in Doldenblütlern wie Liebstöckel vorkommende Umbelliferon enthalten. An flüchtigen Aromastoffen wurden neben anderen Anethol und Geraniol identifiziert. Das saure Polysaccharid Glycyrrhizan GA ist der Hauptbestandteil der weiterhin enthaltenen Polysaccharide.

Medizinische Verwendung

Datei:Liquiritiae radix suessholzwurzel.jpg
Geraspelte Süßholzwurzel nach Vorschrift des Europäischen Arzneibuchs

Süßholzwurzel (Radix Liquiritiae) wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, vor allem der Glycyrrhizinsäure, expektorierend (auswurffördernd), sekretolytisch (schleimverflüssigend) und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süßholzextrakten wurde eine antibakterielle und antimykotische Wirkung nachgewiesen. Typische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege.

Bei Gastritis und Magengeschwüren findet die Süßholzwurzel ebenfalls Anwendung. Die experimentell und klinisch belegte entzündungshemmende und krampflösende Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Die nachgewiesene entzündungshemmende Wirkung der Glycyrrhizinsäure soll aber nicht durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen.<ref>F. Capasso et al. (1983): Glycyrrhetinic acid, leucocytes and prostaglandins. In: J Pharm Pharmacol. 35(5), 332–335, PMID 6134809.</ref> Daneben beeinflusst Glycyrrhizinsäure selbst den Steroidstoffwechsel, indem sie das Enzym Steroid-5β-Reduktase (EC 1.3.99.6), möglicherweise auch die NAD+-abhängige 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 2 hemmt. Diese Enzyme bauen Cortison und Aldosteron ab, ihre Hemmung führt daher zu einer Verlängerung der biologischen Halbwertszeit der Corticosteroide sowie bei hohem Aldosteronspiegel zu Bluthochdruck und Kaliumverlust.<ref>Cosmetic Ingredient Review Expert Panel (2007): Final report on the safety assessment of Glycyrrhetinic Acid, Potassium Glycyrrhetinate, Disodium Succinoyl Glycyrrhetinate, Glyceryl Glycyrrhetinate, Glycyrrhetinyl Stearate, Stearyl Glycyrrhetinate, Glycyrrhizic Acid, Ammonium Glycyrrhizate, Dipotassium Glycyrrhizate, Disodium Glycyrrhizate, Trisodium Glycyrrhizate, Methyl Glycyrrhizate, and Potassium Glycyrrhizinate. In: Int J Toxicol. 26 Suppl 2, 79–112, PMID 17613133.</ref>

Zur Behandlung der chronischen Hepatitis und der Leberzirrhose wird im ostasiatischen Raum Glycyrrhizinsäure in Kombination mit Glycin und Cystein als Infusion eingesetzt. Für Glycyrrhizin wurde eine antivirale Wirkung bei Hepatitis A und C belegt.<ref>S. Bürschi: In: Deutsche Apothekerzeitung. 136, 89–98, (1996).</ref> Auch soll der Süßholzzucker die Produktion eines Virusproteins der Herpesviren blockieren, das normalerweise die Entdeckung des Erregers durch die Zelle verhindert.<ref>Cohen, JI. (2005): Licking latency with licorice. In: J. Clin. Invest. 115(3), 591–593, PMID 15765143.</ref> Ohne dieses Protein bemerken die Zellen den Eindringling und leiten ihren eigenen Tod ein. Die dafür nötige Dosis ist allerdings viel zu hoch, um durch normalen (gesundheitlich unbedenklichen) Lakritzkonsum erreicht zu werden, und wurde nicht am lebenden Menschen, sondern nur an Zellkulturen nachgewiesen.<ref>innovations-report.de: Lakritze verhindert bei Herpes Krebserkrankung, 2. März 2005.</ref> Weitere Forschungen untersuchen auch die antivirale Wirkung auf das das Kaposi-Sarkom-auslösende Herpesvirus.<ref>F. Curreli, A. E. Friedman-Kien, O. Flore: Glycyrrhizic acid alters Kaposi sarcoma-associated herpesvirus latency, triggering p53-mediated apoptosis in transformed B lymphocytes. In: The Journal of clinical investigation. Band 115, Nummer 3, März 2005, S. 642–652, doi:10.1172/JCI23334, PMID 15765147, PMC 1051998 (freier Volltext).</ref>

In der Kombination mit Ammoniumchlorid und Anisöl wird Süßholzwurzelextrakt zu Salmiakpastillen verarbeitet. Als „traditionell angewendetes Arzneimittel zur Schleimlösung im Bereich der Atemwege“ bezeichnet, wurden sie bereits in Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis von 1925 beschrieben.

Getrocknete Süßholzstangen werden auch zur Zahnpflege gekaut, wobei neben den enthaltenen Inhaltsstoffen auch die Eigenschaft des Holzes zum Tragen kommt, beim Kauen am Ende stark auszufasern und so eine natürliche Zahnbürste zu formen.

Datei:Lakrids ubt B.jpeg
Süße Lakritze

Verwendung als Genussmittel

Der Wurzelextrakt bzw. der eingedickte Saft der Wurzel des Echten Süßholzes wird zur Herstellung von Lakritze oder Lakritz genutzt. Es handelt sich dabei vor allem um Süßwaren, die in Form von Süßlakritz oder Salzlakritz konsumiert werden. Lakritz kann jedoch auch in zahlreichen anderen Produkten enthalten sein, beispielsweise in alkoholischen oder nichtalkoholischen Getränken (etwa Lakritzlikör) und sogar in Fertigsoßen; in geringen Mengen ist Süßholzextrakt auch Bestandteil von Spirituosen wie Pastis. Bei der Herstellung von Lakritz werden die Inhaltsstoffe aus den Wurzeln als Rohlakritz extrahiert und eingedickt, danach werden sie mit anderen Zutaten vermischt.

Anbaugebiete

Das klassische Anbaugebiet ist der Vordere Orient.

In Deutschland wurde Süßholz früher in unterschiedlichen Regionen angebaut, vor allem im Süden, jedoch ging der Anbau stark zurück. Heute wird der Anbau nur noch von einzelnen Privatpersonen sowie in Bamberg von der Bamberger Süßholz-Gesellschaft betrieben.<ref>Gerhard Handschuh: Die Geschichte des Bamberger Süßholzanbaus. In: „Denn wos ä rechtä Gärtnä is, ...“. Festschrift zum 125-jährigen Vereinsjubiläum des Oberen Gärtnervereins Bamberg 1864–1988. Römerdruck, Bamberg 1988, S. 107–127.</ref>

Trivia

  • Napoléon Bonaparte soll stets Süßholzpulver bei sich getragen haben.<ref>Michael Witt: Naschkatzen, Süßholzraspler. In: Die Rheinpfalz am Sonntag, 12. August 2007, S. 19.</ref>
  • Das Süßholz wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gekürt. (Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg verleiht seit 1999 die Auszeichnung „Arzneipflanze des Jahres“. Verliehen wird der Titel ausschließlich an Heilpflanzen mit interessanter Medizin- und Kulturgeschichte, deren Heilwirkung erwiesen ist.)<ref>dpa: Süßholz ist Arzneipflanze des Jahres 2012. In: Zeit Online, 22. November 2011 (archivierte Kopie).</ref>
  • Die Wendung Süßholz raspeln bedeutet schöntun, schmeicheln, jemanden süßlich umwerben, einem angenehme Dinge sagen, einer Dame Komplimente, den Hof machen.<ref name="Röhrich">Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 2: Maul bis zwölf. 4. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1976 (seither weitere Auflagen), ISBN 3-451-16629-1, S. 1052.</ref> Die Wendung kommt daher, dass früher die zuckerhaltigen Wurzelstöcke des Süßholzes geschabt wurden, um sie für die Herstellung von Heilmitteln, Süß- und Genussmitteln verwenden zu können, und dieses Schaben oder Raspeln der Wurzel wurde wortspielerisch auf das süßliche Sprechen des Mannes übertragen.<ref name="Röhrich" /> In dieser Bedeutung wurde es unter anderem auch in einer Parodie des Berliner Gassenhauers Die Holzauktion verwendet und zwar mit der Zeile „De janze Fuhre Süßholz kost ’n Daler, und Raspeln jib’s umsonst“.<ref name="Schwedt"/> Die Substantivierung Süßholzraspler ist seit 1848 belegt und ist „ein Spott auf den, der aller Welt nur Angenehmes zu sagen bestrebt ist“.<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 765 (Stichwort Süßholz).</ref> Eine ältere, bis ins 17. Jahrhundert gebräuchliche Redensart war Süßholz ins Maul nehmen, die für eine unterwürfige, einen potenziellen Gegner besänftigende Freundlichkeit stand. So empfahl Hans Sachs (1494–1576) im Dreierlei Pritschengesang, Süßholz in den Mund zu nehmen als ein Mittel, um ein „zänkisches Weib“ zu besänftigen.<ref name="Schwedt">Georg Schwedt: Wenn das Gelbe vom Ei blau macht: Spruche mit versteckter Chemie. Wiley, 2012, ISBN 978-3-527-64127-7, S. 161.</ref>

Geschichte

Die medizinische Wirkung der Süßholzwurzeln war schon in der Antike bekannt.<ref>Franz Köcher: Die babylonische und assyrische Medizin in Texten und Untersuchungen. I–VI, Berlin 1963–1980, BAM 574:I 1–3.</ref><ref>Martha Haussperger: Gab es vor Hippokrates bereits eine empirische Medizin in Vorderasien? In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. 'Band 17, 1998, S. 113–128; hier S. 121 f. (Süßholzwurzel als Spasmolytikum bei Bauchbeschwerden: SUḪUŠgišŠU.ŠE).</ref> Die Ägypter des Altertums schätzten Lakritze sehr und kannten ein Lakritzegetränk namens Mai sus. Theophrastos von Eresos, der um 350 v. Chr. lebte, schätzte Lakritze als Heilmittel gegen Husten und als Durstlöscher. Lakritze soll zur Standardausrüstung der römischen Soldaten gezählt haben. Tim Richardson weist in seiner Geschichte der Süßigkeiten darauf hin, dass auch französische und türkische Soldaten im Ersten Weltkrieg Lakritze im Marschgepäck hatten.

In Mitteleuropa kennt man Lakritze als Heilmittel seit dem Mittelalter. Verfälscht wurde liquiritia durch Beimischung von Honig.<ref>Konrad Goehl: Beobachtungen und Ergänzungen zum ‘Circa instans’. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 69–77, hier: S. 70.</ref> In Großbritannien wurden Lakritztaler zu therapeutischen Zwecken hergestellt. Erst 1760 setzte ein Apotheker namens George Dunhill aus Pontefract der Lakritze Zucker und Mehl zu, so dass sie von da an als Süßigkeit verzehrt werden konnte.

Im legendären chinesischen Arzneibuch Shénnóng Běncǎojīng wurde eine Süßholzwurzel (甘草 gāncǎo) an prominenter Stelle beschrieben. Sie sollte allgemein kräftigend wirken. Über lange Zeit eingenommen sollte sie den Körper leicht machen und das Leben verlängern. Im 13. Jahrhundert unterschied der Arzt Lǐ Gǎo 李杲 in einem Buch mit dem Titel Regeln zum Gebrauch der Arzneimittel (用藥法象 yòngyào fǎxiàng) zwischen roher Süßholzwurzel (生甘草 shēng gāncǎo) und gerösteter Süßholzwurzel (炙甘草 zhì gāncǎo), denen er unterschiedliche Wirkungsstärken und unterschiedliche Wirkungsrichtungen zuordnete. Diese Einteilung wurde noch im amtlichen chinesischen Arzneibuch von 1985 hervorgehoben, wo die rohe Wurzel zur allgemeinen Kräftigung von der Mitte (Milz/Magen) heraus, die geröstete Wurzel zur Anhebung des qì 气 empfohlen wurde. Im Schema der chinesischen Säftelehre wird die Süßholzwurzel als allgemeine Ausgleichsarznei eingestuft (süßer Geschmack und ausgeglichene Temperaturwirkung).<ref>Zitiert nach Bencao Gangmu, Buch 12 (Kommentierter Reprint, VR China 1975, Band II, S. 691) und nach: Pharmakopoe der VR China 1985. Band I, S. 65.</ref>

Quellen

Historische Abbildungen

Literatur

  • Max Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka. 4. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1854-X.
  • Tim Richardson: Sweets. The History of Temptation. Bantam Books, New York 2004.
  • Klaus-D. Kreische: Lakritz – Die schwarze Leidenschaft. Thorbecke, Tübingen 2010, ISBN 978-3-7995-0291-7.
  • Klaus-D. Kreische: Lakritz – Traktat einer Reise in die Welt der schwarzen Süßigkeit. Oktober-Verlag 2012, ISBN 978-3-941895-31-7.
  • Klaus-D. Kreische: Die Lakritzfibel. Tredition, Hamburg 2019, ISBN 978-3-7482-6276-3.
  • Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band IV, 3. Teil. S. 1454–1457, Carl Hauser, München 1924. Nachdruck 1964 (Beschreibung).
  • Marielene Putscher: Das Süßholz und seine Geschichte. Medizinische Dissertation, Köln 1968.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Winkler1840"> Eduard Winkler: Vollständiges Real-Lexicon der medicinisch-pharmaceutischen Naturgeschichte und Rohwarenkunde. Erster Band: A–L, Brockhaus, 1840, S. 666. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 604. </ref> <ref name="ILDIS"> Datenblatt Glycyrrhiza glabra bei International Legume Database Information Service = ILDIS - LegumeWeb - World Database of Legumes, Version 10.38, 2010. </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi, Helmut Gams: Familie Leguminosae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, Band IV, Teil 3, S. 1454–1457. Verlag Carl Hanser, München 1964. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Lakritze (Glycyrrhiza glabra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Süßholz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Lakritze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen