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Gontscharowo (Kaliningrad)

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Vorlage:Infobox Ort in Russland

Gontscharowo (Vorlage:RuS, deutsch Groß Saalau, Kreis Friedland/Bartenstein) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Domnowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Domnowo (Domnau)) im Rajon Prawdinsk (Kreis Friedland (Ostpr.)).

Geographische Lage

Gontscharowo liegt ein Kilometer nordöstlich von Domnowo (Domnau) an einer Nebenstraße, die Domnowo mit Lesnoje und Priwolnoje (Saussienen) verbindet. Die nächste Bahnstation war bios 1945 Domnau (Domnowo) an der Strecke von Königsberg (heute russisch: Kaliningrad) nach Angerburg (heute polnisch: Węgorzewo), die nicht mehr in Betrieb genommen worden ist.

Geschichte

Datei:Schloss Gross Saalau Sammlung Duncker.jpg
Schloss Groß Saalau um 1863/64, Sammlung Alexander Duncker

Das Gutsdorf Groß Saalau wurde am 11. Juni 1874 namensgebender Ort für den neu errichteten Amtsbezirk Groß Saalau<ref>Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Saalau</ref>, der zum 1927 in Landkreis Bartenstein (Ostpr.) umbenannten Kreis Friedland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. In den Amtsbezirk waren die drei Gutsdörfer Bögen (russisch: Minino), Groß Saalau (Gontscharowo) und Saussienen (Priwolnoje) eingegliedert. Zum Gutsbezirk Groß Saalau mit seinen Ortsteilen Blekitten, Koskeim, Garbnicken (Solowjowo) und Klein Saalau (Sarja) gehörten 1910 konkret 267 Einwohner.<ref>Schubert: Gemeindeverzeichnis, Landkreis Friedland.</ref>

Seit Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Gut Groß Saalau der Familie von Brederlow, vertreten durch Karl von Brederlow-Gartz (1754–1804). Er war verheiratet mit Karoline von Pogwisch (1765–1822). Ihr ältester Sohn Goswin von Brederlow (1783–1842) wurde Landrat und agierte auch als Autor.<ref>Geschichte des Handels und der gewerblichen Kultur der Ostsee-Reiche im Mittelalter bis zum Schlusse des sechzehnten Jahrhunderts. Mit besonderem Bezug auf Danzig als Quartierstadt des Hansebundes, und der sich in dieser Zeit entwickelnden inneren Staats-Verhältnisse Preußens., Original, Ferdinand Dümmler, Berlin 1820. Digitalisat, 1. Reprint 2007 Universität Köln; 2. Reprint: de Gruyter, Berlin 2019. ISBN 978-3-11-110455-3.</ref> Ihr Sohn Hans von Brederlow (1786–1871) erbte das Gut und erhielt auf seine Person den Freiherrentitel. Dann wurde dessen jüngster Sohn Tido von Brederlow (1822–1884) im Minorat Gutseigentümer.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen (Uradeligen) Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Deutscher Uradel). 1903, Jahrgang 4, Justus Perthes, Gotha 1902, S. 191 f. Digitalisat</ref>

Am 1. November 1928 endete die Eigenständigkeit Groß Saalaus durch Eingemeindung in die Stadtgemeinde Domnau (Domnowo), und der Amtsbezirk Groß Saalau wurde aufgelöst. Letzter Gutsherr war der Rechtsritter des Johanniterordens, Major d. R. Hans-Wittich von Brederlow (1886–1945), verheiratet mit Erika von Gottberg-Preußisch Wilten (1894–1962). Ihre Tochter Marie-Agnes lebte zuletzt in der Schweiz, die drei Söhne Hans-Joachim, Walter und Tido sind als Offiziere und als Soldat im Krieg gefallen.<ref>Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser. A (Uradel), Band XII, Band 55 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1973, S. 70 ff. ISBN 3-7980-0755-1.</ref> Zum Rittergut Groß Salau gehörten viele Nebengüter, so u. a. Vorwerk Klein Salau, Schutzforst Domnau, Forsthaus Koskeim, Danmenau mit Klein Salauer Wald sowie des Weiteren das Rittergut Garbnicken mit Vorwerk Luisenthal, gesamt etwa 1500 ha<ref>Vorlage:Literatur Digitalisat</ref>.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam das nördliche Ostpreußen und mit ihm auch Groß Saalau im Jahre 1945 zur Sowjetunion. Das Dorf wurde 1950 in „Gontscharowo“ umbenannt<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)</ref> und war bis zum Jahre 2009 in den Poretschinski sowjet (Dorfsowjet Poretschje(Allenau)) eingegliedert. Seither ist Gontscharowo aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform<ref>Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 476 vom 21. Dezember 2004, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009</ref> eine als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft innerhalb der Domnowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Domnowo (Domnau)) im Rajon Prawdinsk.

Kirche

Aufgrund seiner überwiegend evangelischen Einwohnerschaft war Groß Saalau bis 1945 in das Kirchspiel Domnau<ref>Ortsverzeichnis/Kirchspiele Kreis Bartenstein.</ref> (russisch: Domnowo) eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Friedland (heute russisch: Prawdinsk), später zum Kirchenkreis Bartenstein (heute polnisch: Bartoszyce) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Die kirchliche Bindung Gontscharowos an Domnowo ist bis heute geblieben. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Domnowo ist jetzt eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg), die zur Propstei Kaliningrad<ref>Ev.-luth. Propstei Kaliningrad.</ref> in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Mit dem Ort verbunden

Literatur

  • Leopold Krug: Die Provinz Ostpreussen in der preussischen Monarchie Königsberg, Fischhausen, Memelkreis, Wehlau, Rastenburg, Friedland, Eylau, 1. Auflage, Duncker und Humblot, Berlin 1833. Titel, Reprint Fachbuch-Verlag, Dresden 2015. ISBN 978-3-95692-683-9.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Stadtkreis Prawdinsk